Hervorgehoben

Willkommen auf „G’n’S“

Liebe Leserinnen und Leseriche,

schön, dass ihr euch hierher verirrt habt. Das ist der Blog „Grapes’n’Soulfood“ von und mit mir, Veronika Lackerbauer. Ich bin Autorin, Genießerin, Weltenbummlerin von irdischen und phantastischen Welten und ich möchte euch gerne mit nehmen auf meine Reisen. Hier gibt es Beiträge zu verschiedensten Themen, die mich umtreiben. Ich erzähle euch von meiner Schreiberei, von Literatur ganz allgemein, aber auch von Filmen, Serien und immer auch von Genuss.

Kommt mit und macht es euch bequem. Schmökert gleich mal los in einer der Kategorien:

Viel Spaß wünscht,
eure

Spielzeug häkeln – StarWars-Special (Teil 2)

Vor Kurzem habe ich mein derzeitiges Lieblingshobby vorgestellt. Eigentlich war das immer eher eine Beschäftigung für die kalte Jahreszeit, doch dieses Mal hat es mich auch im Sommer nicht losgelassen. Schuld daran ist eine gewisse Sci-Fi-Welt, in die ich während des Lockdowns eingetaucht bin. Ja, ich gestehe, es ist eine Affenschande, dass ich erst jetzt damit angefangen habe StarWars zu gucken. Aber ich leiste Abbitte. Jeden Tag!

Eine Auswahl des Häkel-Imperiums

Stand heute besteht mein gehäkeltes Imperium aus 20 Figuren.

Das Ganze begann relativ harmlos mit der Idee, BB-8 zu häkeln. Ich dachte: Was kann da schwierig sein? Das ist eine Kugel und darauf noch mal eine Halbkugel, fertig. Jaaa… schon. Aber da geht’s ja dann erst los! Die eigentliche Krux war, dass die Körperkugel gleichmäßig bestickt bzw. behäkelt werden musste mit runden Emblemen. Durch die Grundstruktur der Maschen kann man zwar eckige Muster leicht abzählen, aber runde? Und dann mit gleichmäßigen Abständen verteilt? Puuh…

BB-8 & R2-D2

Das Ergebnis war dann aber ganz niedlich irgendwie. Und mein Ehrgeiz entfacht!

Der zweite Versuch galt dann R2-D2. Für beide Droiden habe ich bei Google-Bildersuche gehäkelte Vorlagen gefunden, an denen ich mich grob orientiert habe, ohne eine genaue Anleitung zu haben. R2-D2 gestaltete sich deutlich einfacher als BB-8, deshalb gab es dann später auch noch einen zweiten Astromech-Droiden der R4-Reihe dazu.

Eine andere Hausnummer war dann schon Yoda. Der kleine Jedimeister hat mich ehrlicherweise ziemlich gefuchst. Problematisch finde ich auch immer Figuren, die einen grob menschlichen Aufbau haben, sprich: zwei Beine, zwei Arme, Hände, Füße. Grund dafür ist die Symmetrie, die gegeben sein muss und auch die Proportionen. Das zeigt sich ganz deutlich an meinem Versuch eines Sturmtrupplers. Ich bin hier mit den Proportionen gar nicht zufrieden und hätte die Arme auch noch mal aufgetrennt, was mein Sohn jedoch nicht wollte.

Nahezu alle denkbaren weiteren Figuren wären jetzt aber menschlich oder sehr menschenähnlich gewesen. Deshalb musste eine Lösung für dieses Problem her. Außerdem war die schwarze Wolle zur Neige gegangen. Also musste ich sowieso meinen Handarbeitsdealer des Vertrauens konsultieren. Und im Shop von buttinette.de fand ich dann diese kleinen Rohling-Männchen. Die gibt’s in drei verschiedenen Größen, ich hab mich für die mittlere Größe entschieden. Meine Hoffnung war, dass die Verkleidung der Holz-Figürchen einfacher sein würde, als die Körper ganz frei zu gestalten.

Nachschub angekommen!

Aber anfangen und einfach nur mal ein Püppchen zur Probe zu machen, ganz normal und einfach, das wäre ja jetzt nicht ich. Also war das erste Figürchen gleich mal Anakin Skywalker mit der Option, ihn zu Darth Vader umzuziehen. Aus Jugendschutzgründen und überhaupt der Einfachheit halber ist Anakin unter der Darth Vader-Maske immer noch jung und hübsch und nicht grausam entstellt wie im Film.

Die nächste Figur war dann Chewbacca. Die Fusselwolle war blöd zu verarbeiten, aber der Effekt war gut. Eigentlich ist Chewie auch immer noch eine meiner Lieblingsfiguren, sowohl in den Filmen als auch von meinen Häkelfiguren.

Nach Chewie war logisch kommt Han Solo. Der Draufgänger mit der kessen Lippe, gut, optisch ist mein Han etwas mit dem Wookie verwandt. Zumindest haben sie denselben Friseur.

Chewbacca & Han Solo (mit Millenium Falke)

Und wo die Crew des Millenium Falken (den ich für die Fotos nur beispielhaft mit Lego nachgebaut habe, aber inzwischen schon an einer Häkelversion tüftle!) ist, darf natürlich auch Prinzessin Leia Organa nicht fehlen. Die erste weibliche Figur, obwohl mein kleiner Imperator, der natürlich die Aufträge erteilt und die Umsetzung genauestens überwacht hat, schon bemängelt hat, dass die Gesichter alle einen etwas weiblichen Touch haben.

Inzwischen waren wir bei den Filmen in der neusten Trilogie angelangt, deshalb hab ich den kleinen Droiden D-io eingeschoben. Der war flott fertig.

Zur Achillesferse der Figuren wurde leider schnell das Laserschwert. Es ist innen mit einem Zahnstocher stabilisiert und in manchen heftigen Gefechten ging schon mal der Zahnstocher kaputt. Auch Omas Rollstuhl fiel eines zum Opfer. Ich bin inzwischen geübt darin, den zerbrochenen Stocher durch die Maschen zu entfernen und einen neuen einzusetzen. Die dünnen Schwerter gehen allerdings leider auch schnell verloren.

Mein Sohn wünschte sich dann noch einen X-Flügler. Fahrzeuge zu häkeln habe ich ja schon öfter abgelehnt, weil es echt schwierig ist. Ich habe ein kleines Feuerwehrauto und einen VW Bulli gehäkelt, bin aber damit auch selbst nicht so richtig zufrieden. Ein X-Flügler barg da noch ganz andere statische Probleme, die ich gar nicht vorhergesehen hatte. Außerdem war die imperiale Vorgabe, dass BB-8 drin sitzen können sollte. Um die Flügel zu stabilisieren, habe ich mehrere Eissteckerl eingebaut. So hundertprozentig stabil ist er trotzdem nicht, aber er sieht zumindest ziemlich glaubhaft aus.

X-wing mit BB-8

Eine meiner Lieblingsfiguren aus den Filmen durfte natürlich auch nicht fehlen. Auch in Jar Jar Bings steckt eine der Rohling-Figuren. Um den Farbverlauf auf seinem Kopf hinzubekommen, habe ich die fleischfarbene Wolle mit rotem Edding eingefärbt.

Jar Jar Bings mit Kerschgeist

Auf Seiten der Droiden fehlte dann noch der nervige, klugscheißende C3-PO. In den Filmen zählt er ja nicht unbedingt zu meinen Favoriten. Gehäkelt ist er absolut unverzichtbar. Gold war als Wolle nicht zu bekommen, deshalb ist er mit einem goldenen Beilauffaden gehäckelt.

C3-PO

Die Wolle, die schon für Chewbacca und Hans Haare im Einsatz gewesen ist, passt auch für einen Ewok, dachte ich mir. Das bärchenartige Wesen hatte zur Abwechslung mal keinen Rohling im Inneren. Genauso wie der Porg, der wie Jar Jar mit Edding bemalt wurde.

Jar Jar, Ewok, Porg und der Anfang von Luke Skywalker

Danach kam Luke Skywalker. Und aus den letzten Filmen Kylo Ren (natürlich auch mit Maske zum Ausziehen) und sein Gegenpart Rey. Bei den menschlichen Figuren kam langsam ein wenig Routine auf. Zuerst häkele ich immer das Gesicht und die Frisur, dann Hals, Rumpf, Arme, Beine und Schuhe. Als Vorlage verwende ich mittlerweile meistens einfach Fotos aus den Filmen. Häkelvorlagen gibt es nicht für so spezielle Figuren.

Kylo Ren mit Maske & Luke Skywalker
Kylo unter seiner Maske
Kylo Ren mit Rey

Die mit Abstand aufwendigste Figur ist bislang Padmé Amidala in ihrem Königinnenkleid. Die Frisur hab ich etwas variiert, so trägt sie sie im Film aber zu einer anderen Gelegenheit. Weil ich mich plötzlich daran erinnert habe, dass ich noch einen ganzen Haufen Perlen habe, und das Besticken des Kleides Spaß gemacht hat, hab ich anschließend alle Figuren noch mit kleinen Details versehen: Knöpfe an Jacken und Gürteln, farblich passende Augen, Knöpfe und Schalter für die Droiden und den X-Wing.

Das StarWars-Universum bietet irgendwie nie endenwollende Möglichkeiten. Derzeit arbeite ich an Obi-Wan Kenobi. Eine Idee für eine Häkelversion des Millenium Falken hab ich auch schon. Vielleicht gibt es danach auch noch einen Mini-Todesstern. Imperator Palpatine könnte ich mir auch noch gut vorstellen, oder Darth Maul, der zwar in den Filmen nur kurz vorkommt, dafür aber sehr markant ist. Die dunkle Seite der Macht ist auch noch etwas unterrepräsentiert. Vielleicht noch ein Kampf-Droide? Aus den neueren Filmen fehlen noch Finn und Poe Dameron. Einige Rohlinge hab ich noch und wenn die aus sind, kann ich ja noch mal neue bestellen. Ach, es nimmt einfach kein Ende!

Das bisherige gehäkelte StarWars-Universum. To be continued…

Black lives matter – Ein Essay

Mein Blog steht für Genuss, kulinarischen wie auch literarischen oder ganz allgemein kulturellen. Dass ich auch ein sehr stark politischer Mensch (geworden) bin, sollte bei meinen Einträgen hier eigentlich ein stückweit außenvor bleiben. Klappt irgendwie nicht. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass sich auch politische Themen einschleichen. Aber Genuss verträgt auch ernsthafte Töne, davon bin ich überzeugt.

Make love, not war!

Derzeit ist der antirassistische Schlachtruf „Black lives matter“ in aller Munde. Ausgehend von den USA hat er Bewegung in die Bekämpfung von Rassismus und Faschismus gebracht, die dringend notwendig war. Struktureller Rassismus begleitet von Polizeigewalt, Willkür, aber auch Alltagsrassimus und Ausgrenzung sind kein rein amerikanisches Problem. Es ist ein weltweites. Das rechte Gedankengut verbreitet sich seit Jahren ähnlich pandemisch wie der Corona-Virus. Ein Grund mehr dem etwas entgegen zu setzen!

Fight for your rights!

Historische und moderne Verantwortung

Deutschland hat wie kaum ein anderes Land eine historische Verantwortung im Kampf gegen Rassismus. Hier in unserem Land wurde der Grundstein gelegt für den beispiellosen Massenmord an Andersdenkenden, Andersgläubigen und generell unliebsamen Menschen. Unsere Verantwortung fußt aber nicht allein auf dem Erbe des Hollocausts. Das deutsche Kaiserreich bereits hat sich zur Jahrhundertwende an seinen afrikanischen Kolonien schuldig gemacht. Historiker bezeichnen beispielsweise die Massaker bei der Niederschlagung der Nama- und Herero-Aufständen in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) zwischen 1904 und 1908 als Völkermord. Diese Schuld wurde vom Auswärtigen Amt erst 2015 anerkannt. Und dennoch werden gerade hier bei uns Stimmen laut, die diese Ereignisse als „Vogelschiss der Geschichte“ abwerten und ein Ende der Erinnerungspolitik fordern.

Inzwischen lebt mindestens die dritte Generation in unserem Land in relativem Frieden und Freiheit. Ja, wir können stolz sein auf den Weg, den wir und unsere Eltern und Großeltern seither gegangen sind, das steht außer Zweifel. Wir dürfen aber auch nicht leichtfertig davon ausgehen, dass das, was einmal erreicht und zum Konsens wurde, für alle Zeiten Bestand hat. Die Erosion dessen, was sich die Nachkriegsgenerationen an Antifaschismus und Antirassismus erarbeitet haben, hat nicht erst durch den Einzug der AfD in die Parlamente unseres Landes begonnen. Ehemals übereinstimmend als „nicht denkbar“ und „unaussprechlich“ verfemmte Ansichten, werden zunehmend salonfähig. Es beginnt im scheinbar rechtsfreien Raum des Internets und macht auch vor unserem Alltag nicht halt.

Rassismus bekämpfen – immer und überall!

Tiefverwurzelte Vorurteile und weiße Privilegien

„Ich bin doch kein Rassist, aber das wird man doch noch sagen dürfen …“ – wir alle tun es. Die einen bewusst, die anderen unabsichtlich. Alltagsrassismus hat eine lange Tradition. Das Gefühl „Wir sind doch schon ziemlich weit gekommen“ haben wahrscheinlich vor allem die, die Rassismus sowieso nicht betrifft. Ich dachte das eigentlich auch. Doch hört man denjenigen zu, die tagtäglich mit Vorurteilen und Vorverurteilungen kämpfen, dann erkennt man: Es ist noch ein weiter Weg, hin zur echten Gleichberechtigung. Was rassistisch ist und was „noch okay“, entscheiden im Zweifel nicht wir. Nicht die weißen, die „Bio-Deutschen“, die Cis-Frauen und -Männer, sondern die, die nicht in unsere Schubladen passen, aus welchen Gründen auch immer.

Das erste Mal so richtig bewusst geworden, dass „Deutsch-sein“ irgendwie „besser“ zu sein scheint, ist mir das in Dubai. Ich war dort als Praktikantin im dritten Studiensemester Tourismus-Management. Mein Schulabschluss am beschaulichen Gymnasium in der bayerischen Provinz war gerade einmal ein Jahr her. Als 20jährige fühlt man sich unverwundbar und ist davon überzeugt, der Nabel der Welt zu sein. Irgendwo darunter war mir aber sehr wohl klar, dass dem nicht so ist. Hätte ich dieses Praktikum in einem deutschen Hotelbetrieb gemacht, dann wären mir vier Monate Betten aufschütteln, Toiletten putzen, Boden wischen und Gläser polieren sicher gewesen. Mehr hätte es nicht gegeben für jemanden, der ungelernt von der Schule kommt. In Dubai war das anders. Als Deutsche in einem deutschgeführten Hotel gehörte ich automatisch der „besseren Schicht“ an. Ich war weiß, ich hatte einen europäischen Pass (den man mir übrigens auch im Unterschied zu den meisten anderen Mitarbeitern im Niedriglohnsektor nicht abgenommen hat bei der Ankunft), an meinen freien Tagen war ich Touristin mit Travellerchecks. Zwischen unseren gut betuchten Gästen und mir verlief nur eine hauchfeine Trennlinie, die aufgehoben war, sobald ich die Uniform in den Spint hängte.

Mir war das nicht bewusst, als ich mich für Dubai entschied. Es ging auch nicht von mir aus, dass ich mich „besser“ gefühlt hätte oder überlegen. Genau genommen ging mir der Arsch so allein in einem fremden Land, das nach ganz anderen Grundsätzen funktionierte als alles, was ich bis dahin kennengelernt hatte, um ehrlich zu sein, ziemlich auf Grundeis. Erst später habe ich reflektiert, was dort eigentlich passiert ist. In welche Rolle ich mich ganz automatisch habe drängen lassen. Es waren Kleinigkeiten, scheinbar. Der philipinische Steward, der nicht in den Aufzug einstieg, wenn ich schon drin war, obwohl wir in dieselbe Etage wollten. Die indische Reinigungskraft, die minutenlang neben meinem Schreibtisch schweigend verharrte, bis ich ihn wahrnahm und ihm erlaubte, um mich herum zu putzen. Allein schon die Tatsache, dass ich schon nach kurzer Zeit Aufgaben anvertraut bekam, die meiner Praktikantenposition nicht entsprachen. Dass ich beispielsweise VIP-Gäste betreute. Der nette indische Kollege, der Diskussionen dadurch beendete, dass er gutmütig sagte: „Du verstehst das nicht. Du bist weiß.“

Die krasseste Erfahrung des weißen Privilegismus‘ war eine Begegnung mit der Polizei. Ich war auf dem Rückweg von der Spätschicht im Hotel zur Unterkunft. Ich musste dazu nur ein paar hundert Meter die Straße hinunter. Es war schon dunkel und plötzlich hielt ein Auto neben mir. Ein Polizist musterte mich mit strengem Blick, fragte auf Englisch, wo ich denn herkäme. Ich antwortete wahrheitsgemäß: „Von der Arbeit.“ Wo ich denn arbeiten würde, wollte er wissen. Ich wies in die Richtung aus der ich gekommen war und nannte den Namen des Hotels. Und wo ich denn jetzt hin wollte. „Nach Hause. In die Unterkunft.“ Wo das denn nun wieder wäre. Ich nannte die Adresse. Ich solle mich ausweisen. Also kramte ich in meiner Tasche nach dem Reisepass, den ich sicherheitshalber immer bei mir hatte. Ich reichte ihn ihm durch’s Fenster. Er sah den Bundesadler, klappte den Pass auf und lass: deutsche Staatsbürgerschaft. Und plötzlich veränderte sich die Gesprächssituation. Thanks, Ma’am. Noch einen schönen Abend, Ma’am. Allah schütze Sie, Ma’am.

Warum? Weil ich weiß war? Weil ich Deutsche war? Und was wenn nicht…??

Hass, Ablehnung und Vorurteile sind nicht angeboren, sie werden antrainiert

Diese unterschiedliche Behandlung, die ich in meinem Praktikum erlebt habe, war mir unangenehm. Mit mehr als fünfzehn Jahren Abstand sehe ich sie noch kritischer. Diejenigen, die glauben, es gäbe keine weißen Privilegien, oder sie würden gar selbst – als weiße Europäer oder Amerikaner – benachteiligt, können noch nicht oft im Ausland gewesen sein. Reisen bildet ja, heißt es. Auf jeden Fall öffnet es den Blick und erweitert den Horizont, davon bin ich überzeugt. Aber Vorurteile sind uns nicht in die Wiege gelegt. An kleinen Kindern kann man das beobachten. Sie fangen erst an, Unterschiede zwischeneinander wahrzunehmen, wenn man sie ihnen antrainiert. Vielfalt und Andersartigkeit sind für Kinder überhaupt kein Thema – außer Erwachsene machen sie dazu.

Dass dem so ist, wurde mir bewusst, als ich damals mit meinem Dreijährigen die Weihnachtskrippe aufstellte. Wir benannten die Figuren und wiesen ihnen ihren Platz in oder um den Stall zu: Maria, Josef, das Jesukind, der Ochse und der Esel. Dann kam die Reihe an die drei Heiligen aus dem Morgenland. Ich hielt den dunkelhäutigen Weisen in der Hand und mir wollte nicht mehr einfallen, wie die drei hießen. Zu meinem Mann und meiner Schwiegermutter in der Küche rief ich hinüber: „Wie heißt nochmal der schwarze Dreikönig?“ Da sah mich mein Sohn ganz überrascht an, nahm mir die Figur aus der Hand und meinte: „Der ist doch nicht schwarz, der hat doch einen blauen Mantel an.“ Die Hauptfarbe nahm er gar nicht wahr.

Love sees no colour!

Ich wünsche mir für ihn und für seine Generation, dass solche Unterscheidungen für sie wirklich keine Rolle mehr spielen. Dass jemand weiß, schwarz, braun, oliv oder gelbliche Haut haben darf und blaue, grüne, braune oder mandelförmige Augen. Dass sie Hans, Peter, Christine oder Helga heißen dürfen, oder eben Ali, Mohammed, Olga, Layla oder Feng Li. Leider fürchte ich, dass dazu noch mehr Zeit nötig sein wird. Noch mehr Generationen.

Black lives matter – not all lives matter, obwohl natürlich alle zählen sollen

Eine kontroverse Diskussion löst die „Black lives matter“-Bewegung auch aus, wenn jemand mit „All lives matter“ dagegen hält. Womit derjenige natürlich im Kern recht hat. Jedes Leben zählt – wünschenswert wäre: gleich viel. Was aber durch den sinnlosen Mord an George Floyd ins internationale Bewusstsein gerückt wurde, ist die strukturelle Benachteiligung der Schwarzen in den USA. Polizeigewalt betrifft Schwarze dreimal so häufig wie weiße Amerikaner (Statistik). In amerikanischen Gefängnissen befinden sich etwa doppelt so viele Afroamerikaner wie Lateinamerikanische und mehr als fünfmal so viele wie Weiße (Statistik). Weil Schwarze per se um so viel krimineller sind? Oder weil sie als krimineller angesehen werden, beispielsweise von der Polizei? Oder weil sie überproportional häufig von Armut, schlechten Bildungsmöglichkeiten, prekärer Beschäftigung und sozialer Benachteiligung betroffen sind?

Natürlich gebührt jeder Minderheit Aufmerksamkeit. Aber gerade bedarf eben die der Schwarzen besonderem Augenmerk. Und gerade jetzt mit der Keule „Aber alle…“ anzukommen, ist wenig zielführend. Ja, es ist Whataboutismus. Eine Krankheit, die vor allem in den (A)Sozialen Medien beheimatet ist. Reflexhaft wird dann auf ein Statement mit „Ja, aber…“ reagiert. Ich erinnere an die Flüchtlingsdebatten: Bezog man Stellung für die Asylsuchenden, bekam man nicht selten zur Antwort, was denn mit den Obdachlosen wäre und den Hartz-IV-Empfängern und den Alleinerziehenden, den Alten und überhaupt allen benachteiligten Gruppen in unserer Gesellschaft. Ja doch! Sich für Flüchtlinge stark zu machen, bedeutet doch nicht automatisch, dass man keine Empathie für andere Minderheiten hat. So als ob jeder Mensch genau eine Dosis Mitgefühl zu vergeben hätte. Bei aller berechtigter Sorge um diverse Benachteiligte, das führt halt gerade am Kern der Debatte vorbei. Lenkt von ihr ab. Oder anders gesagt: Wenn dein Dach in Flammen steht und du in Panik auf die Straße läufst und um Hilfe rufst, dann wird dir der Hinweis „Aber andere Häuser sind auch wichtig“ nicht helfen. Und von der Notrufzentrale erwartest du dir in diesem Fall schnelle, unbürokratische Unterstützung und keinen Katalog von anderen Hilfesuchenden, die alle vor dir dran, bevorzugt zu behandeln und im Zweifelsfall wichtiger als du sind. Oder? Eben.

Irgendwo muss man anfangen. Und jetzt ist eben die Zeit für „Black lives matter„!

Von Feen, Kobolden & einer verheerenden Hungersnot

Unser Familienurlaub 2017 führte uns auf die grüne Insel, nach Irland. Nichts hat mich im Vorfeld darauf vorbereitet, wie sehr mich dieses Land fesseln sollte. Keine Reise – vorher oder seit dem – hat mich mehr beeinflusst, auch literarisch. Es ist die Kombination aus Kultur, Lebensart, Landschaft und Mystik, die Irland zu meiner Seelenheimat macht.

Irische Landschaft (Alle Fotos von mir)

Ausgangspunkt Dublin

Unsere Rundreise beginnt in Dublin. Dort landen wir am Abend des 18. September, nach einem kurzen Flug von etwa zweieinhalb Stunden. Wir hatten das „Discover Ireland“-Package beim Jugendherbergsverband An Óige gebucht. Diese Pakete waren extrem komfortable, werden aber leider seit 2019 nicht mehr aufgelegt. Unser Paket beinhaltete die Unterbringung in den verschiedenen Hostels, das Frühstück, den Transport mit den öffentlichen Bussen Eirann und ausgewählte Eintritte und Stadtrundfahrten.

Frühstück in der ehemaligen Kirche

In Dublin war in einem ehemaligen Konvent untergebracht, leider ist diese Unterkunft seit 2019 kein An Óige-Hostel mehr. 2017 war dort auch noch die Zentrale des Jugend-herbergsverband untergebracht. Das Frühstück gab’s im ehemaligen Kirchenschiff, die hohe Decke und die Rundbogenfenster verliehen dem relativ einfachen Mahl, bestehend aus Toast, Butter, Marmelade und Tee bzw. Kaffee, einen ganz besonderen Charme.

In der irischen Hauptstadt gehörte auch die Hop-on/Hop-off-Tour zum Package. Wir ließen uns über die Samuel-Beckett-Bridge, durch das Viertel Christchurch und das Regierungsviertel kutschieren. Ebenfalls inbegriffen ist die Guiness-Storehouse-Tour. Das hätten wir ohne den inkludierten Eintritt sicher nicht gemacht, denn was tut man mit einem noch nicht ganz Fünfjährigen in einer Bierbrauerei? Das Museumsgebäude auf dem Brauereigelände, das im Kern einem über sieben Stockwerke reichenden Pintglases nachempfunden wurde und in dem früher der Fermentationsprozess von Hefe und Biersud durchgeführt wurde, beherbergt heute ein multimediales Museum über die 250jährige Geschichte der Traditionsbrauerei. Die Geschichte des Gründers Arthur Guiness wird ebenso lebendig erzählt wie der Herstellungsprozess und eine Reise durch die Werbe-Geschichte des Konzerns. Unterm Dach lädt die Gravity Bar zu einem atemberaubenden Blick über die Stadt und natürlich der Verkostung des viel gerühmten Bieres ein. Auch mit Kindern ist das Guiness-Storehouse unbedingt empfehlenswert!

Unbedingt mit auf dem Programm stand natürlich das Trinity College mit seiner berühmten Bibliothek. Die Universität wurde im Jahr 1592 nach dem Vorbild der Universitäten Oxford und Cambridge gegründet. Das TCD rangiert unter den Top 100 der besten Universitäten der Welt. Auf dem historischen Campus mitten in der Stadt liegt auch die alte Bibliothek, deren größter Schatz das mittelalterliche Manuskript Book of Kells ist. Zu den bekanntesten Alumni des Trinity College gehören Nobelpreisträger Samuel Beckett, Ernest Walton, oder die Schriftsteller Oscar Wilde und Bram Stoker.

Rock of Cashel und der Sturz aus dem Bett

Von Dublin fahren wir am nächsten Tag mit dem Bus Richtung Süden nach Cashel. Im dortigen Cashel Holiday Hostel beziehen wir unser Zimmer, wo Vincent beim Toben auf dem Stockbett gleich einmal kopfvoraus auf den Teppich stürzte. Vom Schreck erholt, machen wir uns auf zu einer Besichtigung durch das kleine Städtchen und zu seiner Sehenswürdigkeit, dem Rock of Cashel. Für den Eintritt in das Museum ist es leider schon zu spät, wir begnügen uns mit der Außenansicht. Der Legende nach hat auf dem Rock of Cashel der Nationalheilige St. Patrick seinen Bischofssitz errichtet. Überliefert ist auch, dass die Festung im 4. Jahrhundert dem Clan der MacCaryths als Sitz diente. Heute sollen dort besonders viele Feen und Kobolde hausen. Wir beschließen den Abend in einem typisch irischen Pub.

Bevor wir Cashel am nächsten Morgen bereits wieder den Rücken kehren, gönnen wir uns ein Full Irish Breakfast. Danach brechen wir auf nach Cork.

Auf den Spuren der legendären RMS Titanic

In Cork haben wir wieder eine Hop-on/Hop-of-Tour aus unserem Package und außerdem den Eintritt in das Cork Gaol, das ehemalige Gefängnis. In anschaulichen Szenen schildern Puppen das harte Leben und den Gefängnisalltag. Als wir den bedrohlich wirkenden Backsteinbau wieder verlassen, regnet es. Doch nach einem kräftigen Guss, kommt schnell wieder die Sonne zum Vorschein und wir erreichen das Zentrum von Cork wieder bei Sonnenschein. Dort schlendern wir noch durch die Markthallen des English Market.

Im Sheila’s Hostel in Cork haben wir zwei Übernachtungen, deshalb nutzen wir den freien Tag für einen Ausflug nach Cobh Harbour, vormals Queenstown. Hier machte die Titanic Station, bevor sie 1912 zu ihrer fatalen Jungfernfahrt über den Atlantik aufbrach, die jäh an einem Eisberg endete. Am Original-Pier befindet sich heute das Titanic Museum, das wir natürlich besuchen. Am Eingang erhält man mit dem Eintritt die Kopie eines Original-Überfahrtsticket, am Ausgang erfährt man anhand von Passagierlisten, ob die Person, deren Karte man in Händen hält die Überfahrt überlebt hat, oder nicht. Vincent und ich hätten mit unseren Tickets Glück gehabt, Martin leider nicht. Was in etwa der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit entsprochen haben dürfte.

Eine bunte Bimmelbahn bringt uns durch die steil ansteigenden Straßen der Stadt und zur Kathedrale St. Coleman. Ohne meine beiden Männer, die ich bei einem Eis in der Sonne am Hafen parke, gönne ich mir noch einen Rundgang durch das Cobh Heritage Center . Es ist ein Museum über die irische Diaspora, die häufig vom Hafen in Cobh ihren Anfang nahm. Ich erfahre viel über die große Hungersnot, den Great Famine, die Ur-Katastrophe der Insel, die zu millionenfacher Auswanderung geführt hat. Der Einfluss dieser Hungersnot von 1845 bis 1849 ist bis heute in der irischen Seele tief eingeprägt. Missernten aufgrund der Kartoffelfäule und Missmanagement durch die Administration in London führten dazu, dass das Volk der Iren zu tausenden verhungerte. Daneben widmet das Heritage Center seine Ausstellung auch der zweiten große Schiffs-Tragödie, nach dem Untergang der Titanic: der Untergang der RMS Lusitania. Am 7. Mai 1915 wurde das Passagierschiff auf seiner Fahrt von New York nach Liverpool vor dem Old Head of Kinsale von einem deutschen U-Boot torpediert und versenkt. Die Überlebenden wurden nach Cobh gebracht, doch 1.200 Menschen konnten nicht geborgen werden. Viele der Toten wurden auf dem Clonmel Cemetery in Cobh beigesetzt.

Der Dichter Frank O’Brien widmete dem Lusitania-Desaster ein Gedicht, das im Heritage Center ausgestellt ist. Es endet mit den Zeilen:

Oh war oh war, with thy deathly sting
no peace no peace did you ever bring
Throw down all swords and snap each blade
So a peace that lasts can then be made
.“

Auch über die Titanic-Katastrophe hat er ein Gedicht geschrieben.

Killarney, Ross Castle & Torc Waterfalls

Unsere nächste Station ist das Neptune Hostel in Killarney am Tor zum Ring of Kerry. Killarney ist das touristische Zentrum Westirlands und Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Besichtigungen und Touren. Mit einer der vielen Pferdekutschen lassen wir uns zum Ross Castle chauffieren. Wir durchqueren ein Stück typisch irische Landschaft, der gemächliche Trott des Pferdes passt gut zu dieser Atmosphäre. Die Burganlage von Ross Castle liegt auf einer Halbinsel am Ufer des Lough Leane mitten im Killarney-Nationalpark. Sie war der Stammsitz des O’Donoghue Clans und wurde im ausgehenden 15. Jahrhundert erbaut. Die noch heute zu bewundernde Innenausstattung stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Während der Irischen Konföderationskriege leistete Ross Castle erbitterten Widerstand gegen den Engländer Oliver Cromwell. Während er den Briten als Freiheitsheld gilt, war seine Schreckensherrschaft über die Iren so brutal, dass manche Historiker sie als „genozidal“ bezeichnen.

Unser Kutscher lässt uns am Killarney House aussteigen, wo wir sodann durch die Parkanlage streunern. Das Landhaus beherbergte Königin Victoria bei ihrem Besuch im Jahr 1861 und war Sitz der Earls of Kenmare. Es kann besichtigt werden und ist vor allem durch seine vollständige Innenausstattung interessant. Unsere Tour führte uns dann weiter an den Torc Wasserfall. Die Wasserfälle benutzten wir als Ausgangspunkt einer kleinen Wanderung durch den Nationalpark zum Muckross House. Das schlossartige Herrenhaus bildet das Zentrum des Bourn Vincent Memorial Parks mit seinen traditionsreichen Rosenbeeten und gehört damit zum mehr als 10.000 Hektar großen Killarney-Nationalpark. Auch Muckross House kann besichtigt werden und vermittelt einen guten Einblick ins Leben der Adeligen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Außerdem befinden sich auf dem Gelände eine Töpferei und eine Weberei.

Am Abend haben wir ein ganz besonderes Treffen vor. Meine Reisebekanntschaft aus der Südafrika-Tour, die beiden Neuseeländer John und Raleigh, sind in der Gegend und wir schaffen es tatsächlich uns in Killarney zu treffen. Es ist ein fröhliches Wiedersehen und auch Vincent hat einen schönen Abend, auch wenn er wenig versteht.

Abschied vom Hostel in Galway

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen geht es weiter nach Gallway.

Galway – Hauptstadt der Straßenmusik

Wir stürzen uns gleich in das Nachtleben der Stadt Galway. Überall spielen Straßenmusiker typisch irische Folkmusik auf, Feuerspuker illuminieren die Straßen und andere Straßenkünstler bieten ihr Können zur Schau. Wir kehren in einem Pub ein, genießen fangfrische Muscheln aus der Galway Bay und andere irische Spezialitäten.

Galway ist die Provinzhauptstadt von Connacht und war immer die ärmste und am stärksten benachteiligte Region der Insel. Im 17. Jahrhundert, während der Schreckensherrschaft Oliver Cromwells lautete ein geflügeltes Wort „To hell or to Connacht“, was dem in etwa gleich kam. Da vielen Iren keine andere Wahl blieb, als vor Cromwell in den Westen zu fliehen, war Connacht auch die am stärksten durch die Great Famine betroffene Provinz.

Am nächsten Tag steht die gebuchte Connemara-Tour auf dem Programm. Hier konnte man sich im Paket entscheiden, ob Connemara oder Cliffs of Moher. Wir hätten am liebsten beides gemacht, doch das bedeutet ja lediglich, dass wir wiederkommen müssen. Natürlich führt uns die Tour durch die einzigartige Landschaft des Connemaras auch zur Kylemore Abbey, einem der Wahrzeichen der Gegend. 1861 vom Industriellen Mitchell Henry erbaut, diente das Schloss zuerst für seine Familie als Rückzugsort. 1874 verstarb Margarete Henry überraschend und hinterließ ihren Mann und neun Kinder. Sein gebrochenes Herz – so die Legende – fand in dem Gemäuer keinen Frieden mehr, weshalb Henry das Anwesen verkaufte. Von 1920 bis 2010 betrieben Benediktinerinnen ein Mädchenpensionat darin. Sehenswert sind vor allem auch die viktorianischen Gärten, die das Herrenhaus umgeben.

Wir dringen tiefer in die raue Landschaft des Connemaras vor, sehen sanfte Hügel und raue Felsen und natürlich jede Menge Schafe. Dann schlagen wir den Weg zum Atlantik ein. In der Galway Bucht gehen Fischer ihrem Handwerk nach. In der Ferne kann man die Hügel der Aran-Inseln erkennen. Auf den unwirtlichen Eilanden leben nur noch wenige Menschen, die meisten von ihnen vom Fischfang oder von den typischen Strickarbeiten. Auch der Tourismus spielt inzwischen eine größere Rolle.

Rückkehr nach Dublin

Vor unserer Rückkehr nach Dublin stand eigentlich noch die Hop-on/Hop-off-Tour in Galway auf dem Programm. Leider erübrigte sich alles Sightseeing an diesem Morgen, denn es regnete in Strömen, wodurch die Touristen, die mit uns den Bus teilten, keine große Lust verspürten raus- oder herumzuhüpfen und es eine Stay-warm-and-dry-Tour wurde. Auch durch die angelaufenen Scheiben ließ sich wenig erkennen, was dem Unterhaltungswert der Fahrt dank des Reiseleiters keinen Abbruch tat. Unermüdlich erläuterte er, was wir vor den Fenstern hätten sehen können, wenn wir denn etwas gesehen hätten.

Kathedrale von Galway im Regen

Auch unsere Weiterfahrt nach Dublin gestaltete sich etwa schwierig, da unser Bus defekt war. Nach etlichen Unterbrechungen und immer noch im strömenden Regen erreichten wir erschöpft am Abend die irische Hauptstadt wieder.

Wieder zurück im Hostel in Dublin hatten wir noch einen letzten Tag zu unserer freien Verfügung. Wir knöpften uns Christchurch näher vor. Dort besuchten wir das wirklich mehr als empfehlenswerte interaktive Stadtmuseum Dublinia. Es beleuchtet die Anfänge der Stadt unter den Wikingern und das Mittelalter, außerdem zeigt es in einer Sonderausstellung die Arbeitsweise von Archäologen und Ausgrabungen im Stadtgebiet. Alle Museen und Ausstellungen, die wir besuchten, eigenen sich auch bestens für kleinere Kinder, auch solchen, die dem Englischen noch nicht mächtig sind. Sie sind sehr interaktiv und laden zum Mitmachen und Ausprobieren ein. Vom ehemaligen Glockenturm der Dublinia genießen wir noch einen einmaligen Blick über die Stadt. An der Kathedrale St. Patrick picknicken wir im Park, neugierig beäugt und angebettelt von Tauben und Möwen. Dann besichtigen wir noch Dublin Castle. Es geht auf eine Normannen-Festung aus dem 10. Jahrhundert zurück und wurde seitdem immer wieder um- und angebaut. Die Irischen Kronjuwelen fielen 1907 einem Raub zum Opfer und sind seither verschollen. Trotzdem bietet das Schloss noch genug Sehenswertes in seiner Ausstellung.

Zum Abschluss suchen wir noch die Statue von Molly Malone, um die sich eine Legende rankt, die in einem klassischen irischen Folksong besungen wird.

„Molly Malone“ in der Version von Possibly Irish

Dann gönnen wir uns ein Mittagessen in der legendären Temple Bar, in dem Stadtteil dem die Bar ihren Namen gegeben hat. Hier reihen sich Bars und Pubs aneinander und Guiness wird als „Soup of the day“ empfohlen.

The Temple Bar

Am 29. September verlassen wir Dublin gen München. Zum Abschied schmückt sich der Himmel noch mit einem Regenbogen.

Abschied von Irland

Unsere Reise durch den Süden Irlands für diesen Blogbeitrag Revue passieren zu lassen, weckt bereits wieder das Verlangen nach der Grünen Insel. Gleich im Anschluss an diese Reise entstand meine Kurzgeschichte „Am Ende des Regenbogens“, die in der Anthologie „Kreative Viecher“ veröffentlicht wurde. Doch Irland lässt mich nicht los. In meiner eigenen Anthologie „Fremde Welten“ sind gleich zwei Geschichten Irland gewidmet: „An fremden Gestaden“ und „Der Erlass der Königin“. Sie beschäftigen sich mit der Hungersnot, der Auswanderung und der Mystik Irlands.

Überraschende Film-Entdeckungen (1)

Manche Filme kommen auf ganz leisen Sohlen und schleichen sich tief ins Herz. Ich mag Filme, die nachhallen. Die man gar nicht auf dem Schirm hatte, weil sie keine Blockbuster mit Mega-Budget sind, die wenig besprochen werden und dann irgendwo im Nachtprogramm der Öffentlich-Rechtlichen laufen. In dieser Rubrik meines Blogs werde ich euch zukünftig solche kleinen Entdeckungen vorstellen.

Genuss-Filme für kalte Winterabende oder laue Sommernächte

Unaufgeregter Star – Meister der Zwischentöne

Elmar Wepper ist einer der Helden meiner Kindheit und Jugend. An der Seite von Uschi Glas oder Michaela May begleitet er mich schon seit ich denken kann. Ich mochte ihn als leicht schnöseligen Bänker in „Zwei Münchner in Hamburg“, ebenso wie als auftrebender Jung-Polizist in der „Polizeiinspektion 1“. Erst im höheren Alter scheint er zum Charakterfach gefunden zu haben. Und da gehört er auch hin!

Kirschblüten – Hanami (2008)

Wepper spielt einen Krebspatienten. Eigentlich rechnet er mit seinem eigenen Ableben, doch dann stirbt unvermittelt seine Frau (gespielt von Hannelore Elsner). Ihr Tod reißt Rudi den Boden unter den Füßen weg. Er weiß nicht, was er mit sich und dem verbliebenen Rest seines Lebens anfangen soll. Die gemeinsamen Kinder haben ihre eigenen Leben, der alte Vater ist da eher ein Störfaktor. Dann entdeckt Rudi, dass seine Trudi Träume hatte, von denen sie ihm nie erzählt hat und die sie ihm zuliebe nie wahrgemacht hat. Für Trudi reist Rudi nach Japan.

Trailer zu „Kirschblüten – Hanami“

Diesen Film von Doris Dörrie hab ich 2008 kurz nach dem Tod meiner Mutter im Kino gesehen und eigentlich zwei Stunden durchgehend geheult. Es ist ein todtrauriger Film und doch so voller Hoffnung. Ich habe den Film auf DVD, aber seit dem Kinobesuch nie wieder geguckt. Trotzdem hängt er noch in meiner Erinnerung fest, weil er sich einprägt. Und das tut er nicht zuletzt wegen Wepper. Er spielt Rudi mit einer kauzigen Unbeholfenheit und gleichzeitig einer Wehmut, die unmittelbar ins Herz trifft.

Dreiviertelmond (2011)

Hartmut Mackowiak ist Taxifahrer in Nürnberg und mit Ausländern hat er’s nicht so besonders. Seine Frau hat ihn für einen anderen verlassen und so grantelt sich der alte Herr halt so durch. Bis durch einen Zufall die kleine Hayat in sein Leben schneit. Als die Oma der 6jährigen, bei der sie eigentlich leben sollte, plötzlich ins Krankenhaus muss, ist sie ganz auf sich allein gestellt. Nur zu Hartmut fasst sie vertrauen, klettert in sein Taxi und will bleiben. Hartmut will das eigentlich nicht, doch während er versucht, das Kind wieder loszuwerden, beginnt es ihn von Grund auf umzukrempeln.

Trailer zu „Dreiviertelmond“

In diesem Film ist Wepper ein alter Grantlhuber und erst einmal wenig sympathisch. Er überzeugt auch in dieser Darstellung, wie es seine Art ist, unaufgeregt und intensiv. Auch seine kleine Filmpartnerin Mercan Türkoğlu trägt ihren Teil dazu bei, dass dieser Film im Gedächtnis bleibt.

Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon (2018)

Schorschs Firma ist pleite, seine Ehe ist zerrüttet und sein Verhältnis zur Tochter angespannt. Als sein kleines Propellerflugzeug gepfändet werden soll, schwingt er sich kurzerhand damit in die Lüfte und fliegt davon. Sein Ziel ist das Nordkap, denn dahin wollte er immer schon einmal. Ohne Geld und ohne einen Plan fliegt er einfach drauf los. Unterwegs trifft er interessante Menschen, die ihn – jeder auf seine Art – ein Stück weiter bringen, seinem Ziel entgegen und zu sich selbst.

Trailer zu „Grüner wird’s nicht …“

Schorsch ist vielleicht so ein Mittelding aus Rudi und Hartmut. Nicht ganz so unbeholfen wie Rudi und etwas weniger grob als Hartmut spielt Wepper gewohnt unaufdringlich und doch prägnant. Ein Feelgood-Film mit ernsten Tönen. Passt gut in diese Reihe.

Prädikat: Alle ansehen!

Spielzeug häkeln (Teil 1)

Dass das Schreiben meine (un)heimliche Leidenschaft ist, habe ich ja schon des öfteren geschildert. Darüber hinaus ist Handarbeiten etwas, das mich nach einem langen Tag entspannt und gerade auch im Corona-Lockdown beschäftigt hat. Schon früher hab ich mich mit mehr oder weniger großem Erfolg in Nähen, Stricken, Sticken und Häkeln versucht. Am Ende ist es das Häkeln von Spielzeug, bei dem ich hängen geblieben bin.

Einige meiner frühesten gehäkelten Stücke

Alles begann mit einem Schaf-Schlüsselanhänger

Schon vor etlichen Jahren bin ich durch ein Bastel-Set ans Häkeln von Stofftieren gekommen. Es handelte sich um die Anleitung für ein Schäfchen, das als Schlüssel-anhänger gedacht war. Als ich damit fertig war, blieb einiges an Wolle übrig und ich probierte mich gleich noch an einem zweiten. Bei diesen beiden „Ur-Tieren“ habe ich mich noch an die Anleitung gehalten. Stellte jedoch da schon fest, dass die Form des Tieres eigentlich recht einfach zu erzeugen war.

Ich bin keine versierte Häklerin. Im Grunde kann ich Luftmaschen, feste Maschen und Stäbchen, das war’s auch schon. Was man dazu noch können sollte, um Tierchen aller Art zu häkeln ist das Ab- und Zunehmen von Maschen und die Technik des „Magic Rings“. Für diesen Ring, der die Basis von allen runden Teilen ist, nimmt man Maschen im Kreis auf, indem man immer wieder in dieselbe Masche hinein weitere Maschen aufnimmt. In der nächsten Reihe erhöht man die Maschenzahl gleichmäßig. Verdoppelt man jede Masche, wird das rund spitzer und es entsteht ein Oval. Verdoppelt man nur jede zweite, dritte oder vierte Masche, so wird das Ergebnis flacher. Mehr Technik bedarf es nicht.

Tiere aller Art aus Wollresten

So entstanden im Laufe der Zeit eine Vielzahl an Tierchen. Klassisches Häkelgarn eignet sich natürlich am besten, doch auch andere Wollreste ergeben interessante Effekte. Ich bin dazu übergegangen Details zu sticken, anstatt z.B. Wackelaugen aufzukleben. Aufgeklebte Augen gehen leicht verloren. Alternativ kann man auch richtige Teddybär-Augen verwenden. Die gibt es im Fachhandel zu kaufen und sie funktionieren wie Druckknöpfe mit einem Gegenstück im Inneren des Tierchens. Auch Nasen, Schnauzen und dergleichen kann man aufsticken oder häkeln. Wobei es auch Nasen zum Stecken zu kaufen gäbe.

Wenn ich ein bestimmtes Tier häkeln möchte, dann gehe ich meist erst einmal auf Google-Bildersuche zur Inspiration. Ich sehe mir genau an, wie das echte Tier aussieht, und suche dann nach gehäkelten Exemplaren. Häufig finde ich eine ganze Reihe von Häkelbildern zu jedem erdenklichen Getier. Es gibt auch bei Pinterest und Instagram viele Handarbeits-seiten, die schöne Fotos bereitstellen. Anleitungen bekommt man dafür meist nicht, zumindest nicht kostenlos. Auch im Buchhandel sind inzwischen eine ganze Reihe Bücher über das Anfertigen von Tieren, Blumen, Gegenständen oder auch TV-Helden wie Mickey Mouse und Bugs Bunny erhältlich. Durch das akribische Nacharbeiten solcher Vorlagen gewinnt man Sicherheit in der Technik und kann leichter eigene Projekte verwirklichen, ganz ohne Anleitung.

Fantasy-Figuren und lustige Eigenkreationen

In Bayern kennt man ja das Fabelwesen Wolpertinger, das aus Körperteilen verschiedener (heimischer) Tierarten zusammengesetzt ist. Auch so etwas kann man ganz leicht häkeln. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Drachen, auch mehrköpfige, Einhörner oder ein geflügelter Pegasus sind aufwendige, aber spannende Aufgaben. Zu meinen Lieblingsgeschöpfen zählen auf jeden Fall das Schweinhorn und die Schweinbergschnecke.

Ein witziges Projekt war auch die fleischfressende Pflanze Franz. Zuerst kam der Topf, dann die Blätter und schließlich der Kopf in zwei Teilen, so dass er auch wirklich zuschnappen kann. Für die bessere Demonstration folgte noch eine kleine Fliege, die Franz komplett verspeisen kann. Aber er frisst auch anderes, wenn keine Fliegen zur Verfügung stehen.

Ehrgeiziges Hausbauprojekt

Das aufwendigste Projekt bislang war ein Puppenhaus. Die Idee dazu stammt aus einem Buch namens „Die wunderbare Häkelwelt der Bommelie„. Das Haus an sich ist aus festem Pappkarton, die Einzelteile werden umhäkelt und zusammengefügt. Die Technik hab ich mir aus dem Buch angelesen, in der Umsetzung bin ich dann aber stark abgewichen. Für die meisten meiner Projekte gibt mir mein Sohn die Aufträge. Er wünschte sich bei seinem Haus eine Treppe, die ins Dachgeschoss führt und einen Balkon. Letzterer stellte sich dann auch als die größte Herausforderung heraus. Noch immer ist es mir nicht wirklich gelungen, ihn so zu befestigen, dass er nicht, der Schwerkraft folgend, nach unten klappt.

Besonderen Spaß macht die Innenausgestaltung. Möbel und Accessoires häkeln, eröffnet unendliche Möglichkeiten. Viele der Gegenstände sind von den Vorlagen im Buch inspiriert, doch manches entstand dann auch darüber hinaus. Unter anderem ein Fernseher, dem man wechselnde Bilder einlegen kann. Oder das Kaffeeservice mit Ausschank.

Es ist ein spannendes Hobby und setzt kreative Energien frei. Am besten: Einfach mal selbst ausprobieren!

Kurzgeschichten: Meine Beteiligung an Anthologien

Kürzlich habe ich über die Vorzüge von Kurzgeschichten-Ausschreibungen für Autor*innen geschrieben und dass ich gerne an solchen Wettbewerben teilnehme (den Beitrag findest du hier). Daran anknüpfend möchte ich heute ganz konkret über meine bisherigen Anthologie-Beiträge schreiben und erzählen, wie sie zustande kamen. Anhand dessen lässt sich auch noch einmal nachvollziehen, wie hilfreich Kurzgeschichten für das Autor*innen-Dasein sind.

Erste Gehversuche

Schon lange bevor ich überhaupt an die Veröffentlichung eines Romans auch nur denken konnte, habe ich mich an Ausschreibungen beteiligt. Von 2008 bis 2013 gelang es mir insgesamt 6 Mal beim Schweitzerhaus Verlag in Anthologien aufgenommen zu werden. Das erste Mal den eigenen Namen in einem gedruckten Buch in Händen zu halten, war etwas sehr, sehr Besonderes. Für dieses unbeschreibliche Gefühl bin ich der Herausgeberin auch bis heute dankbar. Ich war damals, aufgrund meiner Unerfahrenheit, allerdings sehr viel unkritischer als heute. Mir war einfach nur wichtig, reinzukommen. Auf die Gestaltung des Buches, die Auswahl der Geschichten und das ganze Drumherum hab ich wenig Wert gelegt. Ich möchte nicht direkt sagen, dass ich das heute bereue. Zumindest was meine Geschichten angeht, stehe ich nach wie vor absolut hinter den Texten. Aus heutiger Sicht gefallen mir die meisten Cover allerdings so gar nicht und ich vermisse ein professionelles Layout und Lektorat.

Meine Beteiligungen in den Anfangsjahren 2008-2013

Einige der Titel sind inzwischen vergriffen. Viele der Geschichten, deren Rechte inzwischen wieder bei mir liegen, habe ich in eigenen Werken neuaufgelegt. Ich verbuche das also ein Stück weit unter „Jugendsünden“. Insbesondere dann, wenn das Cover ein nacktes Hinterteil ziert. Würde ich so nie machen, nähme ich heute auch Abstand davon, wenn sich bei einer Ausschreibung etwas Vergleichbares abzeichnete, aber zur damaligen Zeit war es eben so.

Fazit: Nur keine falsche Scheu, einfach mal machen!

Regionalkrimi-Bände als „Nebenprodukt“ der Ausschreibungen

Im Zuge der Ausschreibungen beim Schweitzerhaus Verlag entstanden bei mir mehrere Kurz-Krimigeschichten, die dann längere Zeit in der Schublade lagerten. Irgendwann reizte es mich doch, sie in irgendeiner Form zu veröffentlichen. Das Problem war jetzt nur: Für Kurzgeschichten-Wettbewerbe waren diese Texte zu lang, aber für einen eigenständigen Roman zu kurz. Einige Zeit verging, mein Debütroman erschien im Verlag ohneohren. Der Anfang war gemacht. Aber der Verlag ist stark spezialisiert auf eine bestimmte Nische innerhalb der Phantastik. Krimis passten da jetzt so gar nicht ins Programm. Die Verlagssuche hätte also von Neuem beginnen müssen.

Das war der Startschuss für mein Selfpublisher-Dasein. Durch den Verlag ohneohren war ein kleines Netzwerk entstanden, mit dessen Hilfe ich mich daran wagte, meine Krimis als Sammelband im Eigenverlag zu veröffentlichen. 2016 erschien der erste Band „Hugo & Leberkäs“. Es folgten drei weitere, teilweise unter Verwendung der Kurzgeschichten aus den vergriffenen Schweitzerhaus-Anthologien.

Die vier Bände der „Kriminalgeschichten aus der bayerischen Provinz“, erschienen bei BoD

Fazit: Keine Geschichte ist je umsonst geschrieben, es findet sich immer eine Verwendungsmöglichkeit, manchmal dauert es eben.

Herzensgeschichte sucht Verlag

Zwischen 2013 und 2016 ruhten meine Kurzgeschichten-Aktivitäten erst einmal. Die regelmäßigen Ausschreibungen beim Schweitzerhaus Verlag waren eingestellt worden und ich hatte mit meinem Debüt-Roman und dem ersten Selfie zu tun. Eine Geschichte lagerte da aber noch in den Untiefen meiner Schublade, die ich sehr gerne an den Verlag gebracht hätte. Es handelte sich um „Kommen Katzen in den Himmel?“, eine Body-Switch-Geschichte mit modernem Märchen-Charakter. Weil sich keine Gelegenheit auftat, sie irgendwo einzureichen, wagte ich einen Vorstoß bei Verlegerin Ingrid von Ohneohren.

Beim Verlag ohneohren gab es eine Reihe, das „Fantasy-Lesebuch“, mit mehreren Teilen, in der Geschichten aus ganz unterschiedlichen Untergenres der Phantastik gesammelt wurden. Sozusagen als Einstiegshilfe für Leser*innen, die sich noch nicht so lang auf dem Parkett der Phantastik tummeln. Ingrid bot mir an, die Geschichte darin aufzunehmen.

„Kommen Katzen in den Himmel?“ erschien 2016 im Fantasy-Lesebuch 3.

Fazit: Kurzgeschichten müssen nicht immer zwingend zu Ausschreibungen eingereicht werden, manchmal findet sich auch so eine Verwendung beim Verlag.

Vom Glück und Pech bei Ausschreibungen

Ich habe ja letztens schon davon gesprochen, dass ich bei meinem erneuten Engagement in Sachen Kurzgeschichten-Ausschreibungen eine lange Durststrecke hatte. 2016 und 2017 habe ich an einer ganzen Reihe von Wettbewerben bei unterschiedlichen Verlagen teilgenommen, jedoch mit mäßigem bis gar keinem Erfolg.

Dass man bei einem Wettbewerb nicht berücksichtigt wird, kann ja immer verschiedene Ursachen haben. Eine Möglichkeit ist natürlich: Die Geschichte ist einfach nicht so toll geworden, wie man selber dachte. Mit etwas Abstand sehe ich die Mängel auch oft selbst. Man darf auch nicht vergessen, dass Wettbewerbs-Beiträge oft unter Zeitdruck entstehen. Es hilft dann oft, sie sich nach einer Weile noch einmal vorzunehmen. Wenn es nicht direkt die Idee selbst war, die einfach doch kacke war (und das kommt eher selten vor), dann lohnt es sich noch einmal daran zu arbeiten.

Aber nicht jede Geschichte, die durchfällt, ist automatisch schlecht. Manchmal passt sie nicht zu den anderen bereits ausgewählten Beiträgen. Oder sie ist denen zu ähnlich. Ich weiß halt als Autorin auch beim Schreiben nicht, was sich Verleger*in und Herausgeber*in genau vorgestellt haben. Ausschreibungstexte kann man schon mal missverstehen. Oder die Fantasie geht mit einem durch und galoppiert in eine Richtung, die dann doch nicht so ganz zur Ausschreibung passt. Was mit selbst allein daheim total innovativ vorkommt, kann in noch zwanzig anderen Autor*innengehirnen in ähnlicher Form entstanden sein. Dann wird eine Auswahl getroffen und schwupps, schon ist man rausgefallen.

„Am Ende des Regenbogens“ schaffte es 2017 in die Anthologie „Kreative Viecher“ beim Verlag ohneohren

Und am Ende des Tages ist die Auswahl der Geschichten natürlich auch Geschmackssache. Auch mir gefallen nicht immer alle Beiträge, mit denen ich zusammen in einer Anthologie lande. Das ist so. So wie der eine lieber Krimis und die andre lieber Sci-Fi liest. Darüber lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Wenn man also zusammennimmt, aus wie vielen Gründen man scheitern kann, dann ist eine Geschichte, die mal wo abgelehnt wurde, gar nicht unbedingt immer grundsätzlich schlecht.

Fazit: Auch abgelehnte Geschichten sind oft gut und können mit etwas Nacharbeit sehr gut werden!

Der Hattrick beim Leseratten Verlag

Nachdem 2017 mit meinem Beitrag zu „Kreative Viecher“ das Eis kurzgeschichten-technisch wieder gebrochen war, kam die „Ausschreibung des Todes“ im Leseratten Verlag. Die ganze Idee und der Ausschreibungstext waren so skurril und so witzig, dass ich daran einfach teilnehmen MUSSTE.

Der Leseratten Verlag hat sich auf Funtastik spezalisiert und verlegt hauptsächlich Satire, Skurriles und Aberwitziges aus dem Bereich Fantasy. Diese Ausschreibung drehte sich um den Tod als Person, also den Sensenmann, den Boandlkramer, Gefatter Tod oder wie auch immer man ihn nennen möchte. Und das ganze aber dann in lustig. Es hat einen unbe-schreiblichen Spaß gemacht, dafür eine Geschichte zu spinnen.

Der Schock kam, nachdem die Ausschreibung abgelaufen war und der Verlag sich für die Einsendung von mehreren hundert Beiträgen bedankte. Meine Hoffnung, genommen zu werden, sank augenblicklich ins Bodenlose. Und dabei liebte ich meine Geschichte so sehr! Es ist ja so, dass ich als Autorin natürlich immer eine enge Beziehung zu meinen Texten habe, aber nicht immer bin ich wirklich rundum überzeugt davon. In diesem Fall war ich es und ich zitterte und bangte mit meinem Tod, um dessen Einzug in die Anthologie.

Mein Tod schaffte es unter die 22 Geschichten, die für die Anthologie ausgewählt wurden, und damit begann meine Zusammenarbeit mit dem Leseratten Verlag. Inzwischen hab ich es noch in zwei weitere Anthologien geschafft, die letztes Jahr erschienenen „Vikings of the Galaxy“ und die dieses Jahr noch erwartete „Waypoint 59“. Für das nächste Jahr habe ich selbst eine Ausschreibung dort laufen, noch bis zum 31.12. können Geschichten eingereicht werden, die sich mit Göttern beschäftigen. Angelehnt an die „Schnittergarn“-Anthologie wird das dann eine „Göttergarn“-Antho und ich vergebe dieses Mal die Plätze im Buch zusammen mit Marc Hamacher, dem Verleger. Wer Interesse hat, schaut sich bitte mal den Ausschreibungstext hier an!

Und auch für den SpaceNet-Award durfte ich bereits zweimal die Auswahl aus vielen Einsendungen treffen. Das Münchner IT-Unternehmen SpaceNet lobt alle zwei Jahre einen Award aus für die beste Kurzgeschichte und parallel dazu für Fotos. Ich sitze seit 2018 in der Jury für den Literaturpreis. Dieses Jahr findet die Verleihung coronabedingt online statt, sie wird aber nichts desto weniger ein Knaller. Nähere Informationen gibt es hier.

Fazit: Nach einiger Erfahrung als Teilnehmer*in, winkt dann vielleicht auch mal die Rolle der Herausgeber*in!

Queere Prinzessinnen, Zombie-Häschen & allerlei andere Abgründe

Inzwischen gelingt es mir mit einiger Regelmäßigkeit Kurzgeschichten unterzubringen. Da war zum Beispiel noch die Prinzen-Anthologie des Chaospony Verlags: Märchen mal anders! Auch diese Ausschreibung könnte man getrost als skurril bezeichnen, doch sie hat auch noch eine weitere Komponente. Chaospony steht für queere Literatur und regenbogenbunte Autor*innen wie auch Leser*innen. Es war mir daher eine ganze besondere Ehre, mit meiner Geschichte „Von einer, die auszog, die Prinzessin zu retten, weil auf Prinzen eh kein Verlass ist“ in die Anthologie „Verwirrte Prinzen und bockige Prinzessinnen“ aufgenommen zu werden. Eine weitere Geschichte von mir, ebenfalls mit queeren Inhalten, hängt derzeit noch in der Pipeline des Chaospony Verlags.

Auch hier drin befindet sich eine Geschichte von mir

Politisches Engagement ist mir wichtig. Und ich finde gerade, dass wir Autor*innen unsere Fähigkeiten dafür einsetzen sollten, für eine buntere Welt mit mehr Toleranz und mehr freier Wahlmöglichkeit zu schreiben. Queere Inhalte sind in der Mainstreamliteratur leider immer noch Mangelware. Umso wichtiger, dass Nischen- und Kleinverlage hier ein Auge darauf haben, Vielfalt abzubilden und weniger alltäglichen Geschichten Raum zu geben.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch meine Beteiligung an der Ausschreibung „Bienen – oder die verlorene Zukunft“ aus dem Art Skript Phantastik Verlag. An Grit Richter, der Verlegerin des ASP, habe ich mir ja jahrelang die Zähne ausgebissen. Ich habe bei so vielen ihrer Ausschreibungen teilgenommen und nie kam ich bis ins Buch. Ein-zwei Mal war’s wohl haarscharf, aber letztlich reichte es nie. Ich bin stolz, dass meine Hartnäckigkeit sich am Ende ausgezahlt hat und ich es in die Bienen-Anthologie geschafft habe. Gleichzeitig halte ich das Thema Artenschutz und Bewahrung der Vielfalt unserer heimischen Insektenarten eben auch für ein sehr wichtiges Thema, in dessen Namen ich gerne die Schreibfeder schwinge.

Die Bienen-Anthologie erscheint im Laufe 2020 bei ASP

Relativ aktuell ist schließlich noch meine Beteiligung an einer weiteren Ohneohren-Ausschreibung. Auch in die Keller-Anthologie von Herausgerber*innen Melanie Vogltanz, Jacqueline Mayerhofer und Werner Graf hat mein Beitrag es hinein geschafft. Gesucht wurden abgründige Geschichten, die in Kellern spielen. Ähnlich wie bei den „Kreativen Viechern“ wurde mein Beitrag von einer Reise inspiriert, ich habe einen historischen Stoff verarbeitet, auf den ich buchstäblich in einem Keller gestoßen bin. Nämlich in den Gewölben der Hohenzollern-Burg in Baden-Württemberg. Auch diese Anthologie erscheint in der zweiten Jahreshälfte 2020.

Fazit: Kurzgeschichten-Anthologien bieten oft eine hervorragende Möglichkeit, Themen, die einem an Herzen liegen, zu supporten und in neue Bereiche vorzudringen!

Zurück zum Krimi-Fach

Die allermeisten meiner Kurzgeschichten bewegen sich in den verschiedenen Spielrichtungen der Phantastik. Es macht Spaß durch die Ausschreibungen in neue Regionen vorzudringen, die vielleicht sonst weniger auf meiner Agenda gestanden hätten. In Kurzgeschichten teste ich aus, was geht und womit ich nichts anzufangen weiß. Der Impuls kommt erst einmal von der Ausschreibung, bringt sie irgendetwas in mir zum klingen, dann schreibe ich drauf los. Eine Weile hab ich mich auch bewusst in Ausschreibungen hineingefuchst, die mir erst einmal gar nichts sagten. Das war nicht immer gleich von Erfolg gekrönt, manchmal ist die Erkenntnis vielleicht auch: Okay, das liegt mir nicht. Aber spannend ist es in jedem Fall und es bringt den eigenen Schreibstil voran.

Die Königsdisziplin in meinen Augen ist dann immer noch der Kurzkrimi. Krimis folgen einer relativ starren Struktur, gewisse Elemente müssen eingebaut werden und das ganze dann noch in eine so enge Form gepresst, wie die einer Kurzgeschichte, das ist schon eine ziemlich große Kunst. Der Kurzkrimi soll ja trotzdem spannend sein, das Ende soll überraschen, dazu bedarf es einer falschen Fährte, einigem Verwirrspiel und einem Knalleffekt bei der Auflösung. Ermittler, Opfer, Täter, Verdächtige – sie alle sollten nicht nur platte, eindimensionale Klischee-Figuren sein, sondern interessant, auch glaubhaft und einen Background mitbringen. Zum Schluss soll die Atmosphäre nicht zu kurz kommen und der Spannungsbogen rund sein. Und das Ganze dann in der vorgegebenen Anzahl von Wörtern bzw. Seiten.

Fazit: Verschiedene Genres und Spielarten auszuprobieren, lohnt sich in jedem Fall!

Fremde Welten – Dann eben alleine!

Beteiligt man sich regelmäßig an Ausschreibungen, bleibt es nicht aus, dass irgendwann die Schublade überquillt von Geschichten und angefangenen Geschichten. Weil sich nicht immer eine Gelegenheit ergibt, sie anderweitig unterzubringen oder für eine neue Ausschreibung zu „recyclen“, habe ich 2018 entschieden, dass ich meine eigene Anthologie herausgeben wollte. Eine Sammlung von Geschichten, die irgendwie noch keine richtige Heimat gefunden hatten. Daraus entstand das Buch „Fremde Welten“.

Das Cover für „Fremde Welten“ hat mir Giusy Ame von magicalcovers.de gemacht

Aufmerksame Leser*innen, die sich auch bei den Kurzgeschichten-Wettbewerben der vergangenen Jahre auskennen, werden vielleicht zuordnen können, wofür die Geschichten ursprünglich mal geschrieben wurden. Ich habe sie aber alle noch einmal gründlich überarbeitet, Vorgaben aus der Ausschreibung, die jetzt für meine Zwecke nicht mehr nötig waren, eliminiert und auch das Zeichenlimit aufgehoben. So entstand, zumindest nach meinem Dafürhalten, eine runde Sache. Die 12 Geschichten reichen von historische Ansätzen, über klassische Geister- oder Spukgeschichten bis hin zu Sci-Fi, tummeln sich aber alle mehr oder weniger tief im Dark-Fantasy-Bereich. Zu guter Letzt hat Christina Wermescher mir noch eine Geschichte beigesteuert.

Fazit: Keine Scheu, auch als Selfpublisher-Projekt können Kurzgeschichten funktionieren!

Zusammen ist man weniger allein – Autoren-Anthologien

Gerade für die Kurzgeschichten greife ich oft und gern auf Autorenkolleg*innen zurück, die alle auch einen großen Anteil daran haben, dass ich inzwischen in so vielen Anthologien vertreten bin. Bereits 2016 – also noch mitten in meiner Absagen-Frustration – entstand daraus die Idee, geliebte Geschichten, die noch nirgendwo einen Platz gefunden haben, gemeinsam herauszubringen. Es dauert ganze drei Jahre, bis dieses Projekt verwirklicht werden konnte, doch entstanden ist eine „PhAnthologie“, die sich sehen lassen kann. „Tod des Verlegers“ hat eine liebevolle Heimat bei Jürgen Eglseer im Amrûn Verlag gefunden. Beteiligt haben sich, neben Melanie Vogltanz, die mit mir zusammen die Herausgeberschaft übernommen hat, Jacqueline Mayerhofer, Christina Wermescher, Renée Engel, Robert Friedrich von Cube, Thomas Heidemann, Werner Graf, Erik Huyoff und Fabian Dombrowski.

Was lange währte, ward endlich gut. „Tod des Verlegers“ bei Amrûn

Für die Genuss-Krimianthologie von Christina Wermescher habe ich mich dann wieder einmal an so einer Geschichte versucht. Die Vorgabe war als Region Asien und ein passendes Rezept zur Geschichte und daraus entstanden ist bei mir dann „Tante Lottes Rotes Curry“. Der Beitrag spielt in Indien, wo ich 2009 selbst gewesen bin. Christinas ursprüngliche Idee war es, daraus eine Reihe zu machen und verschiedene Regionen der Welt abzuklopfen. Ich hoffe sehr, dass es damit noch weitergeht, denn ich mochte diese Idee sehr! Das gilt für so ziemlich alle Ideen, die Christina in den letzten Jahren mit mir geteilt hat und deshalb gibt es auch schon eine ganze Reihe Projekte, die wir zusammen verwirklicht haben oder noch planen.

Die Genuss-Krimiantho „Mord süß-sauer“, erschienen im Bookspot Verlag

Fazit: Auch zusammen mit Gleichgesinnten lassen sich Anthologien mit oder ohne Verlag realisieren.

Zuletzt möchte ich noch einmal betonen: Schreibt Kurzgeschichten! Probiert euch aus, lasst der Fantasie ihren Lauf. Es kann nur von Vorteil sein. Ob sie dann bei einer Ausschreibung landen, über einen Verlag, im Selfpublishing oder niemals veröffentlicht werden, spielt gar nicht die entscheidende Rolle. Wichtig ist, dass das Schreiben Spaß gemacht hat und jeder geschriebene Text den Autor/die Autorin in euch voranbringt!

Blumeninsel Madeira

Mitten im Atlantik liegt ein portugiesisches Kleinod. Wem die Insel nichts sagt, dem ist vielleicht der gleichnamige Likörwein bekannt: Madeira. Das Eiland bietet aber noch mehr als nur Hochprozentiges. Madeira ist die unangefochtene Blumenkönigin unter den europäischen Inseln. Außerdem ein Paradies für Wanderer, Biker, Wassersportler und einsame Wölfe, für die Social-Distancing schon vor Corona Tradition hatte.

Blauer Himmel, Palmen, Sonnenschein – Madeira (Fotos von mir)

2012 flogen mein Mann ich nach Madeira, letzter Urlaub vor dem Eintreffen unseres Sohnes. Ich war im fünften Monat und so weit verlief alles gut, aber ich wollte für unseren Urlaub trotzdem lieber keine großen Experimente machen. Lieber in der EU bleiben, irgendwo, wo man notfalls schnell wieder zuhause ist und wo man davon ausgehen kann, dass man das Essen verträgt und ein Arzt erreichbar wäre, falls nötig. Deshalb fiel unsere Wahl schließlich auf Madeira. Dass es dann doch ein bisschen mehr Abenteuer werden sollte, als vorauskalkuliert, ahnten wir ja nicht.

Ankunft mit Hindernissen

Der Wecker klingelte um 2:30. Das ist eine Uhrzeit, zu der ich prima erst ins Bett gehen kann. Aufstehen um diese Zeit ist absolut nicht meins. Aber Abflug war 5:50 ab München, was will man machen?! Die Flugzeit beträgt gut vier Stunden, das sollte selbst mit Thrombosestrümpfen und Babybäuchlein möglich sein. Dachte ich. Aus den veranschlagten vier wurden dann allerdings sportliche neun Stunden.

Der Flughafen in Funchal gilt als einer der schwierigsten anzufliegenden Flughäfen, da er unmittelbar an der Steilküste liegt und Windscherungen und Fallwinde das Manöver erschweren. Zudem ist es dort gern diesig. Unser Pilot entschied sich daher dazu, den Landeanflug abzubrechen und noch einmal durchzustarten. Bis auf ein etwas flaues Gefühl im Magen nichts passiert. Neuer Versuch. Wieder durchstarten. Ganze sechs Mal wiederholte der Flugkapitän dieses Manöver, dann musste er sich geschlagen geben und drehte nach Süden ab. War nichts mit Madeira für heute.

Willkommen auf Gran Canaria

Reichlich durchgeschüttelt, landeten wir gegen 16 Uhr auf Gran Canaria! Auch nachträglich muss ich sagen, wie erstaunlich ruhig Passagiere wie auch Bordpersonal bei den vielen Fehlversuchen geblieben sind. Schön ist aber trotzdem was anderes. In meiner Zeit als Hotelangestellte in einem flughafennahen Hotel, in dem regelmäßig Crews verschiedener Airlines abstiegen, kannte ich das Phänomen unerwarteter Lay-overs bereits von der anderen Seite. Es war irgendwie ganz witzig, es nun aus der Sicht der Gestrandeten zu erleben.

Es hätte schlimmer kommen können

Zwischenstopp auf Gran Canaria

Das Hotel war mäßig hübsch, aber okay. Das Buffet sehr willkommen. Immerhin: Palmen vorm Fenster und das Meer in Reichweite hatten wir dort auch. Man erklärte uns, dass der Pilot für das Landemanöver in Funchal unbedingt Sichtkontakt braucht, leider war es aber an diesem Tag zu neblig. Wir würden sofort informiert, wenn es aufklarte. Das war dann leider schon um 0:30 der Fall. Also alle wieder raus aus den Federn und rein ins Vergnügen!

Am anderen Morgen gehen 6 Uhr erreichten wir tatsächlich und wahrhaftig Madeira!

Check-in im RIU Palace Canico de Baixo

Unser Hotel, das zur RIU-Gruppe gehörende RIU Palace Canico de Baixo, entschädigte uns schnell für die Strapazen. Mit den RIU-Hotels hatten wir bereits vorher gute Erfahrung gemacht und ein Blick auf die Holiday-Check-Bewertungen zeigt, dass diese spanischen Hoteliers in ihren 109 Hotels einiges richtig machen. In Canico de Baixo liegt das RIU Hotel direkt an der Uferpromenade, die Zimmer im U-förmigen Hotelbau haben alle Meerblick. Der Strand ist jetzt vielleicht weniger einladend, da er sehr felsig und der Atlantik selbst im Juni noch empfindlich kalt ist. Umso mehr lockte der Pool und die hübsch gestalteten Außenanlagen.

Canico de Baixo und die kulinarischen Freuden Madeiras

Der kleine Ort Canico de Baixo liegt an der Südostküste Madeiras, etwa 12km von der Hauptstadt Funchal entfernt. Er gehört zur Kleinstadt Canico, die sich weiter oben zum Inneren der Insel hin erstreckt. Canico de Baixo ist stark touristisch geprägt, ohne überlaufen zu sein. Und es ist ein idealer Ausgangspunkt für Erkundungen der Insel.

Stranpromenade vorm RIU Hotel

Die Küche des RIU Palace Hotels Canico de Baixo kann sich ebenfalls sehen lassen. Frische mediterrane Köstlichkeiten werden in Buffetform angeboten. Das Auge isst selbst-verständlich jederzeit mit. Die Auswahl reicht von fangfrischem Fisch und Meerestieren, über auf der Insel gewachsenes Obst und Gemüse, Oliven, Avocados, natürlich Bananen und Melonen, aber auch internationale Gerichte, Spezialitäten vom Spanischen und Portugiesischen Festland.

Nach dem Genuss so vieler üppiger Leckereien empfiehlt sich ein Bummel auf der Strandpromenade. Vor allem die abendliche Stimmung dort ist wunderschön. Sobald die Dämmerung hereinbricht gehört der Strand allerdings den Katzen. Viele Streuner sind hier unterwegs, die von den Hotelbetreibern gefüttert werden, mutmaßlich im Tausch dafür, dass sie ihnen Mäuse und Ratten vom Leib halten.

Madeiras Hauptstadt Funchal

Selbstverständlich ist ein Ausflug in die nahegelegene Hauptstadt ein absolutes Muss. Die Autonome Region Madeira gehört zu Portugal, die Landesvertretung hat ihren Sitz in Funchal. Rund 112.000 Einwohner zählt die größte Stadt der Insel. Ihren Namen verdankt sie dem Fenchel (port. funcho), den die portugiesischen Einwanderer dort massenweise vorfanden. Um 1420 ließen sich die Eroberer um João Gonçalves Zarco in Câmara de Lobos nieder, erkannten jedoch sofort, dass die Bucht des heutigen Funchal die günstigere Lage für ihre Niederlassung war und begannen damit das Gebiet zu roden. 1421 wurde Funchal gegründet, erhielt jedoch erst 1508 Stadtrechte. Im 16. Jahrhundert war Funchal ein wichtiger Umschlagplatz für Schiffe, die zwischen Europa und den Kolonien in Afrika und Amerika verkehrten, wodurch es die Stadt zu erheblichem Reichtum brachte. Handelsware Madeiras selbst waren Zucker und Wein, die an Europas Königshäuser geliefert wurden. Noch heute werden Zuckerrohr und Wein auf Madeira kultiviert.

Dem Druck der Konkurrenz des billigeren Zuckers aus der Karibik und Brasilien konnte Madeira irgendwann nicht mehr standhalten, weshalb man sich ganz auf die Herstellung des Madeiraweins konzentrierte. Weil er besonders gut haltbar war, zählte er zu den beliebstesten Proviantgütern auf den transatlantischen Handelsrouten. 1803 suchte eine verheerende Überschwemmung Funchal heim und zerstörte die Stadt fast vollständig. Obwohl daraufhin die drei Flüsse kanalisiert und befestigt wurden, gehören auch heute im Zuge des Klimawandels noch Überschwemmungen durch Starkregen zu den größten Bedrohungen der Stadt. Erst 2010 forderten außergewöhnlich starke Regenfälle wieder zahlreiche Opfer und brachten große Schäden mit sich.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Tourismus auf Madeira. Zunächst als elitäres Reiseziel des Hochadels, der dort den ewigen Frühlich suchte und sich im milden Klima der Insel von allerlei Krankheiten kurierte. So besuchte auch Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt als Sisi auf ihren ausgedehnten Reisen die Insel und hinterließ ihre Spuren. Ab 1950 boomte der Bau von Hotels der Mittelklasse, was Funchal und Madeira zu einem attraktiven Reiseziel für alle Geldbeutel werden ließ.

Den Stadtbummel beginnt man am besten am Hafen, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf die umgebenden Hügel hat. Viele kleine Jachten und Jolen aber auch riesige Kreuzfahrtschiffe ankern vor Funchal. Am Mercado dos Lavradores kann man die traditionellen blau-weißen Kacheln bewundern, die Szenen aus der lebhaften Geschichte des Marktes zeigen. Unbedingt besichtigen sollte man die Kathedrale und Nossa Senhora do Monte , den Botanischen Garten und seine üppige Blütenpracht und das Casino. Sparen kann man sich hingegen, zumindest meiner bescheidenen Einschätzung nach, die Bronzeskulptur des Lokalheiligen Cristiano Ronaldo, bekanntester Sohn der Stadt. Sie sieht ihm noch nicht einmal wirklich ähnlich.

Über allem schwebt die Seilbahn, die den Hafen mit dem hügeligen Hinterland verbindet. Fast hat man das Gefühl, den Kopf einziehen zu müssen, wenn die Gondeln über einen hinwegschweben. Fünf Seilbahnen gibt es auf der Insel. Die Linie Funchal-Monte ist dabei vielleicht die interessanteste. Sie führt vom Campo Almirante Reis nahe der Altstadt zur Station Largo das Babosas und den tropischen Gärten von Monte. Sie ersetzt seit 2000 die frühere Zahnradbahn Funchal-Monte-Terreiro da Luta.

Eine der Seilbahnen über der Stadt

Einmal rund herum

Auf einer eintägigen Rundfahrt über die Insel erfährt man viel Wissenswertes zu Natur und Kultur Madeiras und einen ersten Überblick. Danach kann man sich die interessantesten Stellen noch einmal gesondert vornehmen. Unsere Tour führte uns von Funchal nach Camara de Lobos, ein beschaulicher Fischerort wo Winston Churchill häufig zu Gast war.

Camara de Lobos

Ribeira Brava liegt etwa 15km westlich von Funchal im Süden von Madeira. Bereits Anfang des 15. Jahrhunderts ist eine Siedlung aktenkundig, somit ist Ribeira Brava nach Funchal und Machico die drittälteste Gemeinde der Insel. Der Name bedeute übersetzt wilder Fluss. Durch Zuckerrohranbau brachte es der Ort früh zu einigem Reichtum. Heute werden vor allem Bananen und anderes Obst kultiviert. Sehenswert sind vor allem der Platz um das Rathaus und die Kirche Igreja Matriz de São Bento. Sie ist dem Heiligen Bernhard geweiht und eine der ältesten Kirchen Madeiras. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrmals umgestaltet und erweitert, wodurch sie heute eine Mischung aus vielen Baustilen und Elementen zeigt.

Wir erklimmen die Mitte der Insel. Von hier aus sollte man bei gutem Wetter beide Küstenstreifen sehen können. Es ist aber so neblig, dass wir nichts dergleichen sehen. Madeira ist felsig und hat in seinem Inneren Mittelgebirgscharakter. Zur Küste hin fallen die Berge steil ab. Die höchsten Gipfel sind der Pico Ruivo (1862m), der Pica das Torres (1851m) der Pico do Arieiro (1818m) und der Pico Grande (1655m), eine Passstraße verbindet die Berge miteinander. Madeira ist wie seine Nachbarn, die kanarischen Inseln und die Azoren, vulkanischen Ursprungs. Die Insel ist nur das oberste Viertel des Hot Spots, seine Klippen fallen unter Wasser bis 4000m zum Meeresgrund hin ab.

Unser nächster Stopp war São Vicente. Es stand bereits fest, dass unser Kind, sollte es wie vermutet ein Sohn werden, auf den Namen Vincent getauft würde. Somit war der Ausflug nach São Vicente natürlich Pflicht. Im Besucherzentrum steht der Vulkanismus im Vordergrund. Alte Lavakanäle, die Grutas, gehören zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Pfarrkirche Igreja de São Vicente stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde im barocken Stil erbaut. Auch hier trifft man wieder auf die typischen Kacheln.

Mittagspause machen wir auf unserer Erkundungstour in Porto Moniz. Auf der Fahrt dahin fasziniert uns die schroffe Steilküste. Porto Moniz ist benannt nach einem portugiesischen Adeligen namens Francisco Moniz, der sich 1533 dort ansiedelte. Der Hafen im Norden Madeiras war früher vor allem für Walfang bekannt. Seit dieser verboten wurde, sind Fischerei, Weinbau und Tourismus die Haupteinnahmequellen. Natürliche Badebassins aus Vulkangestein und die vorgelagerte Felsinsel Ilhéu Mole, sowie der Leuchtturm Farol do Porto Moniz gehören zu den Sehenswürdigkeiten.

Über Ponta do Sol fahren wir zurück nach Funchal. Von dort oben hat man einen schönen Blick auf die Hauptstadt. Außerdem sehen wir Bananenplantagen, die sich auf abenteuerliche Weise in den terrassierten Felsen befinden. Von unserem Reiseleiter erfahren wir, dass auf Madeira mehr als 25 verschiedene Bananensorten kultiviert werden. Die baumartigen Pflanzen tragen fast das ganze Jahr über Früchte. Die meisten werden nach Portugal geliefert, in den Export gehen die wenigsten. Obwohl Europa mit Madeira einen eigenen Bananenproduzenten hätte, sind die Früchte der Insel zum ganz großen Teil nicht zugelassen, weil sie den Maßgaben der EU nicht entsprechen.

An Bord der Santa Maria

Einen besonderen Ausflug gönnten wir uns vom Hafen von Funchal aus. Mit dem Nachbau der legendären „Santa Maria“, auf der Kolumbus 1492 Amerika entdeckte, segeln wir ein Stück die Küste entlang. Es ist absolut unvorstellbar, wie die Eroberer vor einem halben Jahrtausend mit dieser Nussschale den Atlantik überqueren konnten. Aber für eine nachmittägliche Bootstour eignet sie sich gut. Es kommt fast ein wenig Freibeuter-Feeling auf. An Bord der Santa Maria machen wir auch endlich Bekanntschaft mit dem Madeirawein. Also, ich natürlich nicht, wegen der Schwangerschaft.

Der Wein der Insel, oft kurz auch einfach Madeira genannt, ist Spezialität und Exportschlager. Er gehört ebenso ins Glas wie auch zur traditionellen Küche Madeiras. Dort ist er unter anderem Bestandteil der Madeirasoße. Je nach Rebsorte unterscheidet man vier verschiedene Arten von Madeirawein: den trockenen Sercial, den halbtrockenen Verdelho, den halbsüßen Boal und den süßen Malvasia. Daneben gibt es noch eine Reihe anderer Rebsorten, die für den Madeira zugelassen sind, jedoch seltener Verwendung finden, wie zum Beispiel die Sorte Terrantez, die dem Verdelho ähnelt. Gelesen wird ab Mitte August. Rund 5,3 Millionen Flaschen füllen die Kellereien der Insel jährlich ab. Die typische Restsüße im Madeira ergibt sich durch den Abbruch der alkoholischen Gärung mit Hilfe von Weinbrand. Madeira kommt auf einen Alkoholgehalt von 18 bis 21 Volumenprozent. In sogenannten Estufas wird der Wein anschließend erhitzt und in Fässer abgefüllt, wo er mehrere Jahre lagert. Im Gegensatz zum Sherry, der weiter veredelt wird, bleibt der Madeira in diesem Zustand erhalten. Er kann gut 100 Jahre lagern. Selbst geöffnete Flaschen sind ohne Qualitätsverlust mindestens ein Jahr haltbar, er sollte aber im Gegensatz zu anderen Weinen am besten stehend gelagert werden. Die Bezeich-nung Madeira ist geschützt (DOP) und darf nur für Likörwein der Insel Madeira verwendet werden. Der Wein hatte seine Blütezeit in den 1970er Jahren, inzwischen ist der Export leider seit Jahrzehnten rückläufig.

Ausklang des Urlaubs am Pool

Viel zu schnell vergeht die Woche, von der uns ja auch zu Anfang noch ein Tag geklaut wurde. Zwischen Hotelpool, Buffet und Strandpromenade hätten wir es auch noch gut länger aushalten können. Die Rückkehr nach Hause klappt dafür ohne Zwischenfälle.

Kurzgeschichten: Trainingsgelände für Autor*innen

Die Kurzgeschichte ist tot! So schrieben wir erst kürzlich provokant auf den Buchrücken unseres Gemeinschaftswerks „Tod des Verlegers“ (erschienen im Amrûn Verlag). Tatsächlich glaub ich das nicht, eher im Gegenteil. In einer so schnelllebigen Zeit sollte die Kurzg-eschichte eigentlich eine Renaissance erleben. Vielleicht bekommt sie endlich die Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die ihr gebührt. Für alle, die lieber Romane lesen, feiere ich hier einmal ausgiebig, das Petit-Fous unter den literarischen Gattungen: Die Kurzgeschichte!

Lesegeschmack und Lesezeit verändert sich

Mein Debüt war ein Roman. Etwas um die 700 Normseiten. Ein echter Klopper. Und auch in meinem Bücherregal stehen solche epischen Werke. Eine Weile kaufte ich Bücher quasi zum Kilopreis: Je mehr Seiten, desto besser! Ken Follett, einer meiner Lieblingsautoren, macht ja selten etwas unter 1.000 Seiten. Da kann man nicht nur tief in die Materie eintauchen, sondern sich darin aalen, wälzen, räkeln und völlig verlieren. Das ist toll, keine Frage. So ein Buch frisst einen mit Haut und Haaren, kaut einen ordentlich durch und spuckt einen dann als eine völlig neue Person wieder aus.

Aber seien wir mal ehrlich: Die Zeiten, die wir nächtelang durchlesen haben, womöglich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, damit die Eltern nichts merken, und dann am andren Morgen noch völlig gefangen von den Abenteuern, die wir erlebten, und müde ohne Ende in der hintersten Bank des Klassenzimmers hockten, in der Hoffnung, der Kelch ausgefragt zu werden, möge an uns vorübergehen, weil wir zwar aus dem Stegreif alle Scharmützel der Schlacht um Hogwarts detaillreich erklären hätten können, dafür aber vom Unterrichtsstoff in Physik, Latein und Algebra überhaupt keinen Dunst hatten, diese Zeiten sind schon ein paar Tage her. Bei mir ist es so, zwischen Aufstehen, Duschen, Anziehen, Kind aufwecken, Brotzeit packen, Schulzeug kontrollieren, Hund, Katzen, Hasen füttern, Kind zur Schule bringen, selbst zur Arbeit fahren, Bürostress, schnell Einkaufen, nach Hause kommen, Abendessen machen, Hausaufgaben kontrollieren, Wäsche sortieren, Kind ins Bett bringen, schnell noch ein Stündchen auf dem Sofa liegen und das ganze von vorne, liegt oft sehr wenig bis gar keine Zeit mehr für ein 800-Seiten dickes Buch.

Wenn ich nach Tagen der Abstinenz wieder einmal das aufgeschlagene Buch vom Nachttisch krame und versuche noch schnell zwei, drei Seiten zu lesen, bevor mir die Augen zufallen, dann hab ich mit Erinnerungslücken zu kämpfen. Wer war jetzt noch mal dieser Harry? Wo sind wir eigentlich gerade? Dieser Malfoy, ist das Freund oder Feind? Oder ein Erdmännchen?? Dann blättere ich vor und zurück, lese ganze Abschnitte noch mal, weil ich mich nicht mehr erinnern kann, oder lege das Buch doch weg und schlafe. Es ist traurig aber wahr. Und natürlich bin ich in vielen Punkten selber schuld. War die Serie auf Netflix jetzt wirklich nötig? Ist sinnlosen Zeug im Fernsehen zu gucken, besser als lesen? Tu doch mal wieder was für deine kulturelle Bildung, Herrgott.

Und an dieser Stelle könnten Kurzgeschichten ins Spiel kommen! Sie sind wie Canapés. Mundgerechte Häppchen voller Raffinesse. Kleine Petit-Fours, zauberhaft angerichtet, nur um in einem Happs hinuntergeschlungen zu werden. Ja, manchmal ist man hinterher enttäuscht, weil es hätte nach mehr geschmeckt. Aber sieht das rosarote mit der Zuckerglasur nicht auch verlockend aus? Oder das mit der kleinen Pistazie obenauf…

Ausschreibungen als Sprungbrett

Auch als Autorin von eigentlich oft längeren Geschichten, zog es mich schon immer und zieht es mich noch zu den Kurzgeschichten hin. Zum einen ist da wieder der Zeitfaktor: Man kann nicht jede halbwegs gute Idee episch ausrollen und einen siebenbändigen Fortsetzungsroman draus machen. Also können täte man schon, aber es gibt so viele gute Ideen und zu wenig Zeit. Zum anderen sind da Ausschreibungen und Wettbewerbe, die oft eine Art sportlichen Ehrgeiz wecken. Und zum Schluss sind Kurzgeschichten einfach ein ideales Trainingsgelände für Autor*innen und solche, die es werden möchten.

Verlage, vor allem die kleineren, schreiben Kurzgeschichten aus, weil sie sich häufig so neue Autoren „heranziehen“. Die meisten dieser Verlage haben auf ihrer Homepage stehen: Unverlangt eingesandte Manuskripte werden nicht berücksichtig! Warum? Weil sie von Manuskripten regelrecht überspült würden, wenn sie es zulassen würden. Ein Kleinverlag, der als Personage vielleicht nur eine Person hat, kann diese Zuschriften gar nicht verwalten, geschweige denn sinnvoll auswerten. Was der Verleger/die Verlegerin aber kann, ist Kurzgeschichten zu einem vorgegebenen Thema sammeln und bewerten. Da zeigt sich doch recht schnell, welche Autor*innen können gut mit Vorgaben, wer hält sich an den Zeitplan, mit wem kommt man auch im Lektorat und bei Veröffentlichung gut zurecht. Kommt es nach so einer Zusammenarbeit im Kleinen zu einem größeren gemeinsamen Projekt, wissen beide Seiten schon, wo der Hase lang läuft. Es versteht sich von selbst, dass die desaströse Abwicklung einer Kurzgeschichte von beiden Seiten her auch schnell zu einem „einmal und nie wieder“ werden kann.

Für mich als Autorin hat die Beteiligung an einer Kurzgeschichten-Ausschreibung gleich etliche Vorteile. Ich betrachte sie als Sparring für den großen Kampf … äh… den großen Roman, denn:

  • ich übe mich im Einhalten von Vorgaben
  • ich muss auf eine Deadline hin arbeiten und abliefern
  • ich kann in Genres und Konstellationen hineinschnuppern, die ich von mir aus so nicht in Betracht gezogen hätte
  • ich schreibe und egal, was ich schreibe, jeder Text bringt mich und meinen Schreibstil vorwärts
  • eventuell winkt eine Veröffentlichung
  • ich lerne den Verlag kennen, der ausgeschrieben hat, vielleicht ist der ja auch was für ein größerers Projekt
  • ich lerne neue Autorenkolleg*innen, Verleger*innen, Lektor*innen und Büchermenschen kennen (Stichwort: Networking)
  • ich kann mich als Autorin präsentieren, vielleicht auf Lesungen dabei sein, werde auf der Verlagsseite erwähnt und bei Social-Media-Auftritten
  • nehmen sie mich am Ende nicht, hab ich eine fertige Geschichte in der Schublade, die vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt wieder passt
  • ich übe mich schlimmstenfalls auch im Umgang mit Absagen
  • vielleicht kann ich ein Feedback bekommen, dann weiß ich zumindest, was ich künftig besser machen kann

Kurzgeschichten vernetzen

Das erste Mal den Fuß in eine Verlagstür bekam ich über meinen Debüt-Roman. Doch seitdem habe ich mir viele solche Türen aufgestoßen, indem ich Kurzgeschichten zu Ausschreibungen eingereicht habe. Bei manchen Verlagen wurde aus einer Beteiligung in einer Anthologie mehr. Auf jeden Fall weiß ich, an wen ich mich künftig wenden kann, wenn ich ein Projekt an den Verlag bringen möchte. Und in einigen Fällen weiß ich jetzt auch, wohin ich mich garantiert nicht wenden werde. Über die Kurzgeschichten habe ich aber auch Kolleg*innen kennengelernt und wenn ich heute eine Ausschreibung sehe, die mich interessiert, dann klopfe ich bei meinen Mitstreitern an und frage, ob sie auch Interesse haben, ob sie den Verlag kennen und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Mehr noch, wenn ich meinen Beitrag fertig habe, dann suche ich mir unter ihnen Beta-Leser, die noch einmal drüberschauen und mir Hinweise geben.

Schreiben ist ein einsames Geschäft? Finde ich nicht. Natürlich ist beim eigentlichen Akt des Schreibens meistens niemand bei mir – es ist sogar besser, wenn das so ist, das lenkt nämlich ab! Aber unmittelbar danach brauche ich Rat und Unterstützung. Den können mir Freunde und Familie zwar auch geben, aber der unverstellte Blick eines Autoren/einer Autorin bringt mir für meine Geschichte meist mehr. Es ist schön zu hören, dass die Geschichte toll ist. Menschen, die einen gern haben, werden tunlichst immer Lob aussprechen. Das ist schön fürs Ego. Kolleg*innen, die wissen, woraufs ankommt, werden härter mit der Geschichte ins Gericht gehen. Sie werden den Finger eiskalt in die Wunde legen und noch ein paar Mal umdrehen. Das ist weniger schön. Im ersten Moment gehe ich nach so einem Feedback in den Keller, weinen. Aber anschließend krieche ich wieder hervor, schiebe mein angeknackstes Selbstbewusstsein beiseite und schaue mir meinen Text noch einmal an. Und siehe da, oftmals hat die Kritik ihre Daseinsberechtigung.

Ich behaupte, dass ich erst richtig Kurzgeschichten schreiben kann, seit ich bei gewissen Kollegen (ich gendere hier bewusst nicht, denn es handelt sich um zwei Männer) in die Lehre gegangen bin. Diese beiden waren phasenweise in nahezu jeder Anthologie aus den einschlägigen Verlagen unseres Dunstkreises vertreten. Und mit was? Mit Recht! Ich war neidisch, natürlich. Aber auch angestachelt. 2016 habe ich an 7 Ausschreibungen teilgenommen und wurde bei keiner einzigen genommen. Ich war wie ein Terrier, der sich in eine Wade verbissen hat und jetzt nicht mehr loslassen kann. Geradezu fanatisch habe ich an allen Ausschreibungen teilgenommen, die ich in die Finger bekam. Ich hab Sachen geschrieben zu Genres, die ich erst einmal googeln musste, weil ich gar nicht wusste, was gemeint ist. Und mit jeder Absage hab ich verbissener geschrieben.

2017 habe ich an 9 Ausschreibungen teilgenommen (ja, ich führe da Buch drüber!). Der Durchbruch gelang mir in meiner Verlagsheimat ohneohren (was jetzt nichts zu sagen hat, weil solche Beiträge meist anonymisiert gelesen werden und ich von meiner Lieblingsverlegerin ebenso viele Absagen kassiert habe, wie von allen anderen). In der Anthologie „Kreative Viecher“ ist meine Kurzgeschichte „Am Ende des Regenbogens“ vertreten. Wir kamen Samstag vom Urlaub zurück, ich hatte in Irland eine Idee für eine Geschichte, jedoch noch nichts aufgeschrieben. Sonntag war Abgabetermin und der Geburtstag meines Mannes. Ich hab mich abends nach der Feier hingesetzt und die Idee einfach in einem Zug runtergetippt. Keine Korrekturen, kein Testlesen mehr. Letzter Satz getippt, Email auf, Anhang dran und ab. Mein irisches Märchenn um einen Straßenmusiker und einen Leprechaun hat Herausgeber David Knospe überzeugt.

Teaser zu „Am Ende des Regenbogens“

Eine Kurzgeschichte ist kein Roman – ach nee…

Von da an ging es ein wenig bergauf. Auch, weil ich mir Unterstützung geholt habe und mir aufzeigen ließ, wo meine Schwächen beim Schreiben von Kurzgeschichten liegen. Bis dahin war ich an Kurzgeschichten völlig falsch herangegangen. Eine Kurzgeschichte ist kein kurzer Roman. Sie folgt ihren eigenen Regeln. Und die perfekte Komposition einer Kurzgeschichte ist eigentlich sogar wesentlich komplizierter als das Verfassen eines Romans, der einfach über viele Seiten und Kapitel dahinläuft. Die Kunst ist es, Atmosphäre, Spannung, Vielschichtigkeit in einen sehr engen Rahmen zu pressen. Figuren können nicht von allen Seiten ausgeleuchtet werden, sie müssen aber eine Vergangenheit haben, um glaubhaft zu sein. Vieles muss im Kopf des Autors/der Autorin vorhanden sein, auch wenn es gar nicht zu Papier kommt.

Late in – early out. Einer der Grundsätze, die ich erst verstehen musste. Beim Roman fängt man langsam an, man kann sich Zeit lassen. Das kann man in der Kurzgeschichte nicht. Noch immer ist mein größter Fehler, dass ich zu früh einsetze. Was ich vorne verplaudere, fehlt mir dann am Ende, vor allem wenn es ein vorgegebenes Zeichenlimit gibt.

Show, don’t tell. Das ist ein Grundsatz, der nicht nur für die Kurzgeschichte gilt, dort aber noch einmal verschärft. Es ist immer besser, Figuren agieren zu lassen, Dialoge statt Info-Dump. In der Kurzgeschichte verbieten sich Beschreibungen aber komplett.

Kill your darlings. Auch das ist kein Grundsatz, der exklusiv für Kurzgeschichten gilt. Auch Romane profitieren davon, wenn man ihn beherzigt. Es heißt Lieblingsphrasen zu finden und zu eliminieren. Wiederholungen, Redundanzen, Füllwörter. Dafür ist in einer Kurz-geschichte erst recht kein Platz.

Dahin, wo’s weh tut. Das ist mein persönlicher Grundsatz, den ich mir ausgehend von den Kurzgeschichten auch für Romane verordnet habe. Ich schreibe keine Wohlfühllektüre für den Strand, meistens zumindest. Wenn es mich beim Schreiben Überwindung kostet, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Und dann bloß nicht wegschauen. Nicht abblenden, sondern drauf halten.

Was braucht eine gute Kurzgeschichte sonst noch?

  • glaubhafte Charaktere, die eine Wandlung durchleben, keine eindimensionalen Klischee-Figuren
  • einen unerwarteten Wendepunkt (oder auch zwei…)
  • einen Spannungsbogen
  • eine Moral – finde ich jedenfalls, eine Kurzgeschichte sollte ein Lehrstück sein

Fazit

Kurzgeschichten sind völlig zu Unrecht das Stiefkind der Literaturszene bei uns. Ich weiß auch gar nicht, woher das kommt. In anderen Ländern gibt es einen viel größeren Markt dafür. Es gibt großartige Anthologien! Lasst uns die Kurzgeschichte feiern. Als Leser*innen ebenso wie als Autor*innen. Weil es so viel gibt, das für sie spricht und weil sie eine ganz eigene Kunstform sind. Du kannst schon hunderte Romane geschrieben haben, aber das sagt nichts darüber aus, ob du auch Kurzgeschichte kannst.

Die Anthologien mit meiner Beteiligung bisher

Renaissance des Altehrwürdigen: Portwein – Nachtrag

Zu meinem kürzlichen verfassten Beitrag über Portwein hat sich heute noch ein Nachtrag ergeben, den ich euch nicht vorenthalten möchte!

Die Broccolis mit „Portwein“

Gefunden und gehört im Vereinsheim Schwabing mit Constanze Lindner im BR Fernsehen.

Viel Spaß damit!