Hervorgehoben

Willkommen auf „G’n’S“

Liebe Leserinnen und Leseriche,

schön, dass ihr euch hierher verirrt habt. Das ist der Blog „Grapes’n’Soulfood“ von und mit mir, Veronika Lackerbauer. Ich bin Autorin, Genießerin, Weltenbummlerin von irdischen und phantastischen Welten und ich möchte euch gerne mit nehmen auf meine Reisen. Hier gibt es Beiträge zu verschiedensten Themen, die mich umtreiben. Ich erzähle euch von meiner Schreiberei, von Literatur ganz allgemein, aber auch von Filmen, Serien und immer auch von Genuss.

Kommt mit und macht es euch bequem. Schmökert gleich mal los in einer der Kategorien:

Viel Spaß wünscht,
eure

Jahresrückblick 2020

Das Jahr 2020 hat es so wenig wie noch kein anderes Jahr zuvor verdient, einen Rückblick zu erhalten. Ich habe auch bewusst heuer keinen einzigen Rückblick im Fernsehen geschaut, aus dem simplen Grund, weil das omnipräsente Thema notgedrungen Corona sein muss und ich es einfach nicht noch einmal durchleben und -hören will. Ich halte trotzdem hier meine persönliche Rückschau und versuche den Fokus auf die Dinge zu legen, die trotz Corona passiert sind oder wegen, aber mit positiver Stimmung. Es war nämlich beileibe nicht alles Kacke dieses Jahr und daran möchte ich mich und euch noch einmal erinnern.

Januar-Februar

Das Jahr begann bei mir mit Wahlkampf. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich aktiv an so etwas beteiligt und das nicht nur im Hintergrund, sondern als Spitzenkandidatin der Kreistagsliste für die Listengemeinschaft DIE LINKE/mut. Das war spannend, aber gleichzeitig hat es mir auch gezeigt, dass Wahlkampf echt nicht mein Ding ist!

Ich bin ein politischer Mensch, ich möchte etwas bewegen, aber ich möchte dazu nicht bettelnd von Haustür zu Haustür ziehen müssen. Ich will Leute nicht mit Gepose und Schaumschlägerei überzeugen, sondern mit Argumenten und einem Programm. Leider ist der Kommunalwahlkampf aber genau das: Schaumschlägerei, Gegockel und viele leere Worthülsen.

Am 15. März 2020 war es dann geschafft. Seit dem sitze ich im Kreistag des Landkreises Landshut als einzige Vertreterin von DIE LINKE/mut. Zu diesem Zeitpunkt noch parteilos und allein.

Unmittelbar danach, am 16. März begann der erste Lock-down. Nie hätten wir damit gerechnet, dass so etwas geschehen kann: alle Läden geschlossen, bis auf die unmittelbar lebensnotwendigen, Schulen zu, Kontaktverbote. Messen und Veranstaltungen wurden übernacht abgesagt. Mich traf gleich in der ersten Woche die Absage der Leipziger Buchmesse, zu der ich wieder einmal fahren hätte wollen. Stattdessen: Zuhause bleiben. Home-Office. Kurzarbeit. Und Home-Schooling.

Genau in diese erste Corona-Phase, geprägt von Beunruhigung, Überforderung, Ahnungslosigkeit, fiel die Veröffentlichung von „Glanz & Gloria – Ruf der Freiheit“. Mein Buchbaby, das der Auftakt eines historischen Dreiteilers über das 19. Jahrhundert werden sollte und in das ich so viel Zeit, Liebe und Arbeit investiert hatte, kam ganz leise zur Welt. Keine Messen, keine Märkte, keine Lesungen, um es zu präsentieren.

März – April – Mai

Das Frühjahr 2020 war eine Vollbremsung. Aus dem täglichen Hamsterrad katapultiert, mussten wir uns erst einmal mit dem Stillstand arrangieren. Das taten wir persönlich mit vielen Aktivitäten in Haus und Garten. Meine Bücher ruhten, meine politische Karriere nur Tage nach ihrem Beginn ebenso. Unsere kleine Welt bestand aus gemeinsamen Mahlzeiten, Gartenarbeiten, Basteleien und Netflix. Serienmarathons wurden unser neues Hobby. TV-Shows wie „The masked singer“ brachten Unterhaltung und Abwechslung direkt ins Wohnzimmer. Und wir veranstalteten eine kleine kulinarische Weltreise als Kompensation für die ausgefallenen echten Reisen und Ausflüge.

Dieser Blog kam ans Licht der Welt. „Grapes’n’Soulfood“ – Eine vage Idee, die mir schon länger durch den Kopf spukte – jetzt war Zeit dafür, sie in die Tat umzusetzen.

Erst im Mai erfolgte die offizielle Amtseinführung für den neuen Kreisrat. Ich war nicht mehr länger allein. Die Kreistagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen hat mich als Hospitantin aufgenommen. Unter Corona-Bedinungen – ein Wort, das uns durch das ganze Jahr begleiten sollte. Mit Abständen in der großen Eskara-Halle, an Einzeltischen, mit Maske auf. So leistete ich meinen ersten Eid auf die Verfassung. So wahr mir Gott helfe.

Juni – Juli – August

Die Sommermonate brachten eine leichte Entspannung der allgemeinen Lage. An manchen Stellen fühlte es sich sogar wieder an wie immer. Immernoch war der Garten unser Aufenthaltsplatz Nummer 1. Aber der Radius wurde wieder größer. Meine Arbeit als Betriebsrätin im Gesamtbetriebsrat, in der Gewerkschaft, in der Tarifkommission und auch als Kommunalpolitikerin konnte ich wieder aufnehmen. Ich nahm an Sitzungen teil, natürlich mit Masken und Abständen, aber wieder mit realen Personen!

Wir initiierten zusammen mit Vertreter*innen der Stadt Landshut die Obstbaumaktion „Gelbes Band“, bei der Obstbaumbesitzer ihre reifen Früchte für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen können, einfach durch die Kennzeichnung des Baums mit einem gelben Band. Diese Aktion brachte uns sogar einen Auftritt für das regionale Fernsehen ein.

Seit August bin ich auch nicht mehr parteilos. Ich habe dem Werben der LINKEN nachgegeben und meinen Mitgliedsantrag unterzeichnet. Ich wurde sowohl im Kreisverband als auch darüberhinaus sehr herzlich aufgenommen und bin jetzt offiziell „eine Linke“.

Gänzlich virtuell lief in diesem Jahr meine Jury-Beteiligung am SpaceNet-Award ab. Über Videokonferenz wählten wir die Siegergeschichten aus rund 100 Beiträgen aus. Auch die Preisverleihung fand nicht, wie im letzten Durchlauf, im Schlachthof in München, sondern als Live-Stream im Internet statt.

Im August zog ich mittels des NaNoWriMos selbst an den Haaren aus dem Sumpf der Schreibblockade. Außer Blogartikel habe ich bis dahin nichts Sinnvolles zu Papier gebracht. Also verordnete ich mir für August eine Challenge als Wette mit mir selbst: 31 Tage, 50.000 Wörter, ein Manuskript. Die Wette ging auf, entstanden ist das Rohmanuskript zu „Arabische Nächte“, das Anfang des neuen Jahres erscheinen wird.

September – Oktober

Unsere ersten Anträge im Kreistag sollten die Geflüchteten in den Elendslagern von Moria auf der griechischen Insel Lesbos unterstützen und ver.di beim Tarifstreit für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst. Beide Themen lagen mir immens am Herzen. Leider mussten wir feststellen, dass wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatten. In einer beispiellosen Aktion fegte die Freie-Wähler-Fraktion unsere Anträge beide mit von der Tagesordnung. Dagegen half auch die Protestaktion der Seebrücke vor der Eskara nichts. Meine erste große politische Niederlage, aber auch ein Lehrstück über die Funktionsweisen des Kreistags.

Deutlich positiver dafür die Erfahrungen auf dem Landesparteitag der LINKEN in Erlangen, zu dem ich im Oktober delegiert wurde. Auch unter besonderen Vorkehrungen, aber nichts desto weniger politisch extrem inspirierend, ersetzte er mir die Zusammentreffen mit den Buchmenschen, auf die ich auch im Herbst vollständig verzichten musste.

Immerhin kamen im Laufe des Jahres gleich sechs Anthologien unter meiner Beteiligung auf den Markt. Zu erst zu nennen wäre das Gemeinschaftswerk „Tod des Verlegers“, das unter meiner und Melanie Vogltanz‘ Herausgeberschaft im Amrûn Verlag erschienen ist. Viel Aufmerksamkeit erzielte auch die Sci-Fi-Anthologie „Bienen“ aus dem Art Skript Phantastik Verlag, die der Frage nachging, welche Zukunft uns erwartet, wenn wir die letzten Insekten ausgerottet haben werden. Lustigeren Dingen widmen sich die irre Weltraumkneipentour „Waypoint Fiftynine“ des Leseratten Verlags und die „Chroniken der Zombieflauschapokalypse“ von Chaospony. Gleich zwei Mal durfte ich auch wieder bei meiner Verlagsheimat ohneohren aktiv werden und zwar für „Kreative Viecher“, das nun endlich auch als Print erhältlich ist, und mit gruseligem Horror für „Geschichten aus dem Keller“, für das meine lieben Kolleg*innen und Freund*innen Melanie Vogltanz, Jacqueline Mayerhofer und Werner Graf verantwortlich zeichnen.

November – Dezember

Von allen Experten vorausgesagt und doch irgendwie unerwartet traf uns ab November die zweite Corona-Welle und mir ihr einher gingen wieder schärfere Einschränkungen, bishin zu einem vollständigen Lock-down Nummer 2 vor Weihnachten. Viele geplante und unaufschiebbare Treffen und Sitzungen mussten ins Virtuelle verlegt werden. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie viele Zoom-, Skype-, MSTeams-, Jistsi-, BigBlueButton- und GotoMeeting-Videokonferenzen ich inzwischen absolviert habe. Die meisten mit erstaunlich großem Erfolg. Am bemerkenswertesten vielleicht, die gigantische logistische Leistung der GEW Bayern für ihre Landesvertreter*innen-Versammlung im Dezember: Rund 160 Delegierte per Videokonferenz und Online-Abstimmungstool für die Vorstandswahlen. Es geht alles, wenn man denn will. Nur der Bundesparteitag der LINKEN, zu dem ich auch als Delegierte hätte fahren dürfen, musste coronabedingt abgesagt werden. Der wird hoffentlich im neuen Jahr nachgeholt, aber bei einigen Dingen hoffe ich, dass sich die virtuelle Variante auch nach Corona durchsetzen wird.

Bei anderen Treffen vermisse ich die persönliche Präsenz umso mehr. Die kleinen Oasen im Arbeitsalltag, wenn ich zu den Sitzungen des Gesamtbetriebsrats nach Greding oder Schwabthal fahren konnte, zum Beispiel. Aber insbesondere auch der persönliche Austausch mit den Autorenkolleg*innen und Verleger*innen. Schreiben ist keine reine Einzeldisziplin, es braucht den kreativen Input von außen!

Obwohl ich meinen NaNoWriMo dieses Jahr in den August vorgezogen hatte, küsste mich im November die Muse noch einmal und ich schrieb in 25 Tagen das Rohmanuskript für eine Irland-Feelgoodgeschichte herunter. Zufällig passt sie genau zur Ausschreibung eines großen Publikumsverlags, der für sein Digital-Imprint Weihnachtsgeschichten sucht. Ich habe eingereicht, noch bis Januar heißt es daher: Daumen drücken!

So neigt sich nun ein ereignisreiches Jahr dem Ende zu, das in weiten Teilen einfach nicht so gelaufen ist, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es zeigte uns auf eindrucksvolle Weise, dass wir viel weniger unter Kontrolle haben, als wir gemeinhin denken, und dass mit etwas Einfallsreichtum und Disziplin alles möglich ist.

Nun kommt alle gut ins neue Jahr, bleibt gesund, haltet die Ohren steif und die Nasen in den Wind!

Rezension „Frida Kahlo und die Farben des Lebens“

Die Künstlerin und mutige Kämpferin Frida Kahlo fasziniert mich schon lange. Vor etlichen Jahren war ich extra in Wien, um eine Ausstellung über sie zu besuchen. Ihre Bilder haben eine ganz eigene Sprache, sie sind extrem, verstörend und unheimlich kraftvoll, so wie die Frau hinter ihnen. Dann habe ich ein Buch über ihr Leben gelesen: „Das geheime Buch der Frida Kahlo“. Es steckt voller Mystik und bringten seinen Leser*innen neben der Biographie Kahlos auch viel von der mexikanischen Seele näher. Jetzt habe ich mich noch einmal an einen Roman über Frida rangewagt: „Frida Kahlo und die Farben des Lebens“ aus der Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“ erschienen im Aufbau Taschenbuchverlag.

Beide Bücher über die großartige Frida Kahlo

Frida Kahlo und die Farben des Lebens ist eine Romanbiographie, geschrieben von Caroline Bernard. Es erschien im September 2019 im Aufbau Verlag und gehört zu einer Reihe über Frauen in der Kunst, unter dem Titel „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe„. Sie sind Malerinnen, Modelle, Musen, ihnen liegen die ganz Großen der Welt zu Füßen, aber oft treten sie sie auch damit. Die Frauen, denen der Aufbau Verlag in dieser Reihe literarisch ein Denkmal setzen lässt, eint eine große Kraft, die aus den Tragödien ihrer Leben entspringt. Weitere Titel u.a. über Edith Piaf, Coco Chanel oder Marlene Dietrich. Insgesamt umfasst die Reihe derzeit fünfzehn Bände.

Zwölf der inzwischen fünfzehn Bände aus der Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“

Frida Kahlo und die Farben des Lebens

1925. Schon als Mädchen erleidet die junge Frida einen schweren Schicksalsschlag: sie erkrankt an Polio und kann fortan nicht mehr richtig laufen. Mühsam kämpft sie sich zurück ins Leben und um ihr Recht, trotzdem eine Schule besuchen zu dürfen. Sie möchte Medizin studieren, doch noch vor ihrem Abschluss der nächste Schlag! Bei einem tragischen Unglück durchbohrt eine Eisenstange ihren Körper. Gegen alle Wahrscheinlichkeit schafft sie es erneut, dem Tod zu entrinnen. Narben und Schmerzen gehören von da an zu ihrem Leben. Doch Frida will sich von ihnen nicht bestimmen lassen, noch im Krankenbett beginnt sie zu malen. Verarbeitet ihr Leiden in ausdrucksstarken Bildern. Der gefeierte Nationalheld Mexikos, sozialistischer Freiheitskämpfer und künstlerisches Genie, Diego Riviera wird auf die zwanzig Jahre jüngere Frida aufmerksam. Er führt sie ein in die Welt der Kunst und der Liebe. Mit ihm verbindet Frida fortan ein unsichtbares Band. Sie kann nicht mehr ohne, aber auch nicht mit ihm leben. Denn Diego ist den Frauen verfallen, er ist notorisch untreu und stößt Fridas Liebe immer wieder zurück, nur um sie dann auf Knien anzuflehen bei ihm zu bleiben. In diesem Spannungsfeld zwischen himmelhoch jauzender Liebe und hoffnungsloser Verzweiflung entstehen die großartigen Werke, die Frida Kahlo noch über ihren frühen Tod hinaus berühmt machen sollten.

Über die Autorin

Caroline Bernard ist das offene Pseudonym der Schriftstellerin Tania Schlie, die seit zwanzig Jahren als freie Autorin tätig ist. Die Leidenschaft der Literaturwissenschaftlerin gehört starken Frauenfiguren. Ihre Romane sind Bestseller und in verschiedene Sprachen übersetzt worden. In derselben Reihe ist neben dem Buch über Frida Kahlo auch noch „Die Muse von Wien“ über Alma Schindler, die Geliebte von Klimt und Gustav Mahler, erschienen. Ihr bekanntestes Werk ist „Rendezvous im Café de Flore“. In all ihren Geschichten zeichnet sie farbenprächtige Portraits von mutigen Frauen und gleichzeitig ein Panorama ihrer Zeit.

Ausschnitt aus dem Buch „Frida Kahlo und die Farben des Lebens“

Kinder erlesen sich eine bunte Welt (2) – Bücher für starke kleine Helden

Vor einiger Zeit habe ich schon ein paar Kinderbücher vorgestellt, von denen ich glaube, dass sie einen wertvollen Beitrag leisten können, zur Vermittlung einer bunten, individuellen Sichtweise. Heute möchte ich noch einmal auf ein paar Funde hinweisen, die herrlich anarchisch und unangepasst sind, gleichzeitig in Bildsprache und Inhalt modern und erfreulich einzigartig. Leider treffen diese Attribute auf weniger Bücher zu als ich gehofft hätte, immer wieder wundere und ärgere ich mich über unfassbar langweilige oder öde Kinderbücher, gerade im Erstleserbereich. Um so mehr freue ich mich, wenn ich dann über solche Perlchen stolpere!

Die Olchis

Klassiker unter den Anarcho-Kinderbüchern: Die Olchis. Sie standen schon bei meiner letzten Auflistung außergewöhnlicher Kinderbücher mit auf der Liste, haben es aber absolut verdient, nocheinmal erwähnt zu werden. Die Kinderbuchreihe stammt von Autor und Illustrator Erhard Dietl und erscheint seit 1990 bei Oetinger. Inzwischen gibt es 29 Bände, „Die Olchis sind da“ ist der erste. Jährlich verkaufen sich rund 3 Millionen Olchi-Bücher in Deutschland. Inzwischen wurden sie in zahlreiche Länder lizenziert und übersetzt, u.a. Korea, Japan, China und Spanien. Es gibt sie außerdem als Hörbücher, App und

„Die Olchis sind da“ erschienen im Oetinger Verlag

Band 1: „Die Olchis sind da“

Sie sind grün und wohnen auf einer Müllhalde und auch sonst ist einiges seltsam bei den Olchis. Sie lieben Dreck und Müll, haben seltsame Essgewohnheiten und mögen es, wenn es richtig ekelhaft stinkt. Außerdem sparen sie nicht mit kreativen Schimpfwörtern wie „Krötenfurzteufel“.

Man kann die Abenteuer der Olchis nicht lesen, ohne zwischendurch laut aufzulachen. Sie sind einfach herrlich unangepasst, anarchisch und bisweilen auch widerlich. Daneben vermitteln sie ganz beiläufig ein wunderbares Zusammengehörigkeitsgefühl, generationenübergreifendes Miteinander und die angenehme Gewissheit, dass es Wichtigeres gibt als Ordnung und Sauberkeit.

Bob18 und das Schwein namens Donnerstag

Das Computerspiel Minecraft fesselt Kinder und Jugendliche und gehört zum Lego-Konzern, deshalb ist in der Minecraft-Welt auch alles eckig. Es gibt ein riesiges Merchandise-Universum dazu, zu dem auch zahlreiche Bücher gehören. „Bob18“ ist kein offiziell lizensiertes Minecraft-Buch, jedoch sehr viel witziger und origineller als diese. Mit anarchischem Witz und absurden Wendungen hebt es sich positiv aus der Masse der eher trögen Ersteleser-Bücher heraus.

„Bob18 und das Schwein namens Donnerstag“ erschienen im Oetinger Verlag

„Bob18 und das Schwein namens Donnerstag“ ist 2019 im Oetinger Verlag erschienen, die Autoren sind Knutsen und Michael Vogt. Der Verlag engagiert sich seit Langem speziell für die Vermittlung von Lesekompetenzen und bringt auch gezielt Bücher für leseschwache Kinder und Lesemuffel heraus. Auch Bob18 überzeugt mit witzigen Ideen, vielen Bildern und Rätseln. Leider handelt es sich (bislang) um einen Einzelband.

Bob18 und das Schwein namens Donnerstag

Bob18 findet sich unvermittelt auf einer einsamen Insel wieder und hat keine Erinnerungen daran, wie er dort hingekommen ist. Er erkundet seine Umgebung und will sich einen Unterschlupf bauen, da erscheint plötzlich ein Schwein. Bob18 schließt Freundschaft mit dem Schwein, das er Donnerstag nennt. Donnerstag erzählt Bob18 von Zombies und anderen Monstern, die die Insel heimsuchen. Gemeinsam beschließen sie, auf die Jagd nach den Monstern zu gehen.

Kleiner Major Tom

Die Kinderbuchreihe „Der kleine Major Tom“ erscheint seit 2018 im Tessloff Verlag, Nürnberg. Die Abenteuergeschichten drehen sich um Astronomie, Raumfahrt und Technik und spielen im Weltraum. Neben den Büchern sind auch Hörspiele, Rätselhefte und Kalender erschienen. Außerdem gehört die Schulbuchreihe „Space School“ ebenfalls dazu.

Band 1 der Reihe „Der kleine Major Tom“, erschienen im Tessloff Verlag

1982 landete Peter Schilling den legendären Nummer-1-Hit „Major Tom“. Der Neue Deutsche Welle Hit handelte von einem Astronauten, der den Kontakt zu Erde verliert und „völlig losgelöst von der Erde“ mit seinem Raumschiff durch die Galaxis schwebt. Auch die Idee vom „Kleinen Major Tom“ stammt von Schilling, er hat die Buchreihe mitgestaltet. Autor ist Bernd Flessner, die Illustrationen steuerte Stefan Lohr bei. Außerdem war in beratender Funktion Volker Kratzenberg-Annies beteiligt, der Beauftragte für die Nachwuchsförderung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Entsprechend fundiert sind die vermittelten Kenntnisse über die Raumfahrt in diesen Bänden, mit denen der Tessloff Verlag, der seit 60 Jahren Wissen mit der Reihe „WAS ist WAS“ herausgibt, eine Neuausrichtung seiner Sachbücher hin zum erzählenden Wissensbuch eingeläutet hat. Vom „Kleinen Major Tom“ sind bislang 12 Bände erschienen.

Band 1: Völlig losgelöst

Auf der Raumstation „Space Camp 1“ umkreist der kleine Major Tom, zusammen mit seinem Vater, seiner Freundin Stella und der Roboterkatze Plutinchen, die Erde. Der Vater, der große Major Tom, ist zu einem Reparatureinsatz auf den Mars gerufen worden, der kleine Major Tom, Stella und Plutinchen bleiben auf der Raumstation zurück. Kaum sind sie allein, müssen sie einer Ladung Weltraumschrott ausweichen. Und dann ist auch noch das Sonnensegel beschädigt.

Anhand der abenteuerlichen Weltraumgeschichte werden spielerisch wissenschaftliche Erklärungen zu Themen wie Raumstationen, Versorgung mit Energie und Lebensmitteln auf Raummissionen und Weltraumschrott vermittelt. Das Printbuch kostet neu 8,95 EUR und ist auch als e-book erhältlich.

Kleine Geschichte des Hamster(n)s

Schon in der erste Corona-Welle, im Frühjahr 2020, ließ sich ein seltsames Phänomen beobachten: Klopapier war plötzlich knapp! Die ganze Situation dieser weltweiten Pandemie mit einem unbekannten Virus war natürlich neu und schwer kalkulierbar, zu ein wenig Bevorratung wurde sogar geraten, aber warum ausgerechnet Klopapier?! In anderen europäischen Ländern ließen sich ähnliche Phänomene beobachten: in Italien war der Rotwein knapp, in den Niederlanden Gras und die Franzosen horteten offenbar Kondome. In Amerika hat das „preppen“ (von engl. to prepar = vorbereiten) in Form des Anhäufens von Waffen eine gewisse Tradition. Der moderne Mensch, ein Hamster?

Die alt bekannte Weisheit, es gibt nichts Neues unter der Sonne, stimmt auch hier. Das Hamstern hat eine lange Tradition und deshalb möchte ich dem namensgebenden Tier und der Verhaltensweise ein kleines literarisches Denkmal setzen.

Der Hamster als Nagetier

Der Hamster, lateinisch: Cricetinae, ist ein Nagetier aus der Familie der Wühler, genauer gesagt der mäuseartigen Wühlern. Es gibt ungefähr zwanzig verschiedene Arten, die sich in trockenen bzw. halbtrockenen Gebieten Europas und Asiens verbreitet haben. Auch aus dem nördlichen Afrika gibt es fossile Funde, die Hamster schon seit dem mittleren Miozän belegen. Bei uns lebt nur der Feldhamster in freier Wildbahn. Die meisten Hamsterarten sind nicht vom Aussterben bedroht, eine Ausnahme bildet der Syrische Goldhamster, den wir hierzulande als Haustier kennen, aus seiner Heimat im Nahen Osten ist er jedoch inzwischen nahezu ganz verschwunden.

Hamster sind maus- bis rattengroß, besitzen jedoch keinen Schwanz. Typisch sind die Backentaschen, in denen sie ihre Nahrung transportieren. Darin kann ein Hamster bis zu 50g Körner mitnehmen. Hamster legen unterirdische Wintervorräte an, wobei sie in verzweigten Gängen und Tunnelsystemen bis zu 5kg Getreide einlagern können. Entsprechend war der Hamster lange Zeit dem Bauern auf seinen Feldern ein Dorn im Auge, da eine große Hamsterpopulation schnell zu Ernteausfällen führen konnte. Dabei tun die Tiere nur, was eben nötig ist, um über den Winter zu kommen: sie legen Vorräte an.

Wenn der Mensch zum Hamster wird

Jahrtausende lang musste auch der Mensch hamstern. Sesshaftigkeit und Landwirtschaft brachten Fortschritte für die Versorgung, jedoch musste der Mensch seit seiner Inbesitznahme der gemäßigten und kälteren Zonen der Erde immer damit rechnen, dass zum Ende der kalten Jahreszeit hin, bis die neue Vegetationsperiode beginnt, Engpässe entstehen können. Dass strenge Winter einer dezidierten Vorbereitung bedürfen, war noch bis vor gar nicht so langer Zeit also auch für den Menschen normal. Missernten und Naturkatastrophen brachten immer wieder Hungerwinter über uns. Erst durch die Industrialisierung konnte eine gleichmäßige, ganzjährige Versorgung weitgehend sichergestellt werden. Technisierung und Globalisierung der letzten 100 Jahre führten dazu, dass wir in den Industrienationen bereits seit einigen Generationen rund ums Jahr alles zur Verfügung haben, was weltweit hergestellt werden kann.

Hamsterfahrten kennen die meisten von uns daher nur noch aus den Geschichtsbüchern. Im Ersten Weltkrieg brach sich die Hamster-Natur des Menschen als Erbe seiner vorindustriellen Mangelgesellschaft wieder Bahn. Schon damals warnten jedoch Wissenschaftler davor, dass das individuell nachvollziehbare Verhalten in seiner Gesamtheit die Problematik erst noch verstärke. Die erhöhte Nachfrage nach einzelnen Produkten führe zu einer steigenden Verknappung und damit notwendigerweise auch zur Verteuerung. Der Hamster wurde zum Symbol für die Kriegs- und Nachkriegszeit. Gehamstert wurde jedoch nicht im Vorgriff auf mögliche Notzeiten, sondern für den unmittelbaren Bedarf.

Leben in kollektiver Not

Eisenbahnwagenladungen voll Menschen drängten von der Stadt hinaus aufs Land, wo man sich Lebensmittel erhoffte. Noch 1923, fünf Jahre nach Kriegsende, verzeichnen Chronisten den „Overather Kartoffelkrieg„: Hunderte hungriger Kölner fielen im Bergischen Land ein. Zunächst versuchten sie noch ihre Habseligkeiten gegen Essen zu tauschen, als das nicht mehr half, begannen sie die Höfe und Felder der Bauern zu plündern. Mit Mistgabeln und Dreschflegeln setzten sich die Bestohlenen zur Wehr.

Die neuen Machthaber der 30er Jahre bauten diesen „Volksschädlingen“ für künftige Kriege vor, indem sie das Hamstern ächteten. Geldverleiher waren häufig Juden, da die Kirchen den Christen lange ein Zinsverbot aufzulegen versucht hatten, so kann man Belege finden, dass die Begriffe „Pfandleiher“, „Hamster“ und „Jude“ oft synonym verwendet wurden. Der gute Deutsche hingegen hamstert nicht!

Durch die Plünderung der eroberten Gebiete im Osten konnte Deutschland im Zweiten Weltkrieg größere Hungersnöte und damit Hamstern tatsächlich verhindern. Der große Hunger – und damit eine neue Welle des Hamsterns – hielt deshalb erst nach Kriegsende Einzug. Im Westen konnte die Währungsreform 1948 und alsbald das Wirtschaftswunder der Not ein Ende setzen. Im Osten blieb der Mangel eine Begleiterscheinung der DDR-Planwirtschaft bis zur Wiedervereinigung.

Das gezielte Anlegen von Vorräten wurde hingegen in Ost wie West aus der Schmuddelecke geholt, indem man der klugen Hausfrau Ratschläge für die Vorratshaltung an die Hand gab. Auch der Staat „hamsterte“ für seine Bürger, um Engpässe in der Versorgung mit Öl, Benzin oder auch Lebensmitteln vorzubeugen.

Je leerer die Regale, desto Krise

Zu Beginn der Corona-Krise riet die Bundesregierung noch zur Bevorratung für zehn bis vierzehn Tage. Gemeint war wohl die Überbrückung einer möglichen Quarantäne. In Gedanken einmal Vorrats-, Kühl- und Gefrierschrank durchgegangen, kam ich zu dem Schluss, dass wir wahrscheinlich auch länger aushalten würden, wenngleich vielleicht zum Ende hin die Ernährung nicht mehr ganz so ausgewogen wäre. Dass man sich von bestimmten, lagerfähigen Dingen des täglichen Bedarfs einen Vorrat bereithält, erschien mir nichts Bemerkenswertes zu sein. Meinem unmittelbaren Umfeld ging es ähnlich, die Hinweise der Regierung sorgten eher für Belustigung.

Doch bald schon wurden wir eines Besseren belehrt: Klopapier wurde knapp! Mit anfänglicher Verwunderung und schließlich Fassungslosigkeit beobachteten wir die leeren Regale und begannen uns zu fragen, woher man im Bedarfsfall noch Klopapier bekommen würde. Dabei hätte zumindest ich, am Anfang der Krise das Klopapier noch nicht einmal auf meiner persönlichen Hamsterliste gehabt. Die größte Angst der Deutschen in der Not: Auf dem Topf sitzen und Papier ist alle?!

Auch bei unseren europäischen Nachbarn stieß dieses Verhalten auf Belustigung, in Italien, Frankreich und Spanien beispielsweise sind Bidets in den Bädern Standard. Durch das Spülbecken braucht es nicht unbedingt Papier zur Unterbodenpflege. Die erste Welle hätte uns Deutsche außerdem lehren können: es gibt keine Versorgungsengpässe, auch wenn vielleicht einmal vorübergehend das eine oder andere Regal leer bleibt. Doch mit der zweiten Welle des Coronavirus kam auch die Angst vor der Papierknappheit auf dem heimischen Stuhl zurück. Wieder kann man leere Regale in der Hygieneabteilung sehen.

Hamstern ein genetisches Krisen-Konzept

Es ist uns eben ein tiefes inneres Bedürfnis, zu hamstern. Tatsächlich scheint es aber auch so zu sein, dass ein nennenswerter Vorrat von irgendetwas in modernen Haushalten, vorwiegend im städtischen Bereich, nicht mehr en vogue waren. Eine Art privates Just-in-time-Management, bei dem Lebensmittel erst zum unmittelbaren Verzehr eingekauft wurden, zum Beispiel auf dem Heimweg vom Büro. Oder überhaupt auswärts gegessen wird. Da schadet ein zumindest minimaler Hamster-Vorrat in den eigenen vier Wänden wirklich nicht.

Der Anblick leerer Regale führt uns vielleicht die ansonsten wenig greifbare Krise am deutlichsten vor Augen. Und der genetisch in uns angelegte Reflex ist: Horten! Hamstern! Und aus der ersten Welle wissen wir ja jetzt: Nach Klopapier waren Nudeln dran, dann Hefe, Toastbrot und auch Tierfutter. Also lieber schnell noch mal zum Discounter, Klopapier kaufen. Nur für alle Fälle…

Eine kleine Tee-Reise (1)

Auf meiner Indien-Reise 2009 war ich auch auf einer Teeplantage im Nordosten des Landes, im beliebten Sommerfrische- und Luftkurort der britischen Kolonialherren: Darjeeling. Über die weiten terrassierten Anbauflächen zu spazieren und den Pflückerinnen bei ihrer Arbeit zuzusehen, war sehr beeindruckend. Wir bekamen in einer Führung gezeigt, wie aus den grünen Büschen der fein aromatische Tee wird. Gerade zur kälter werdenen Jahreszeit erlebt das beliebte Heißgetränk neuen Zuspruch, auch bei uns eher als Kaffeetrinker bekannten Deutschen. Grund genug, sich dem Tee noch einmal neu anzunähern.

Tee-Pflückerin im „Happy Valley Tea Estate“ Darjeeling, 2009

Rund 550.000 Kilogramm Tee wird im Rekordhalter-Land der Teetrinker verbraucht. Serviert wird er in bauchigen, runden Kannen mit Bambusgriff. Richtig, von Deutschland ist hier nicht die Rede. Deutschland rangiert auf der Hitliste der Teenationen nur auf Rang 13. Aber überraschenderweise ist es auch nicht Großbritannien, dessen „Five o’clock tea time“-Rituale wir gerne belächeln. Auf lediglich knapp ein Fünftel des Verbrauchs der Nummer 1 kommen die Briten. Wobei, wenn man den Commonwealth mitzählt, dann hat das einstige Empire doch die Nase vorn. Aber wer ist denn nun auf Platz 1?

Weltweit Teetrinker Nr. 1 ist China. Gefolgt von Indien (400.000kg), Pakistan (270.000kg) und der Türkei (220.000kg). Im Samowar werden immerhin knapp 200.000 kg Tee aufgebrüht und Russland kommt damit auf Platz 5. Für die japanische Teezeremonie gibt es Platz 6. (125.000kg) und Indonesien kommt mit 110.000kg auf den 7. Die Top 10 schließen dann Ägypten und – Überraschung – die USA ab. Von letzteren weiß man ja nur, dass sie, in Rage gebracht, Tee auch schon mal ins Hafenbecken kippen. Allgemein kann man sagen: Dort wo viel Tee produziert wird, wird er auch viel getrunken.

Teepflanzen rund um den Globus

Gemeint war bei dieser Statistik das, was wir gemeinhin als Schwarz- oder Grüntee kennen. Mit den diversen Früchte- und Kräutertees beschäftigen wir uns ein anderes Mal. Beim „echten“ Tee handelt es sich um die Blätter des Teebusches, botanisch Thea sinensis. Da steckt China schon im Namen. Viele berühmte Teesorten stammen aber aus Indien, dort wurde auch der Teebaum entdeckt, dessen botanischer Name Thea assamica lautet. Auch hier lässt sich bereits aus dem Namen ableiten, woher er kommt: aus der indischen Provinz Assam. Der kräftige Assam-Tee kann mit seinem Aroma sogar Kaffeetrinker von sich überzeugen und ist der Grundbestandteil für den gewürzten indischen Chai. Mit zarteren Noten und einer feinen Eleganz überzeugt der Tee aus der Bergregion Darjeeling am Fuße des Himalaya, die ich damals besucht habe.

Wie aus Grüntee Schwarztee wird

Beim Grüntee werden die Teeblätter gezupft und durch kurzes Erhitzen an der Oxidation gehindert. Dadurch bleiben die natürlichen Inhaltsstoffe der Teepflanze erhalten. Danach werden die Blätter gerollt. Grüntee sollte nie kochend überbrüht werden, sondern maximal bei 80° Grad und am besten mit weichem Wasser. Grüntee enthält wertvolle Vitamine (A, B und B2) und Spurenelemente wie Calcium, Kalium, Magnesium, Kupfer und Zink. Er enthält jedoch auch eine höhere Menge Tannine, als Gerbstoffe, weshalb er herber schmeckt als Schwarztee. Aufgrund der Tannine wirkt Grüntee magenberuhigend und kann einen trägen Darm wieder ins Gleichgewicht bringen. Die beste Qualität an Grüntee kommt aus dem Mutterland China, aus Japan oder Korea. Eine Besonderheit des Grüntees ist der, bei uns inzwischen auch zum In-Getränk avancierte Matcha. Das Grünteepulver enthält eine hohe Menge an Koffein und entspricht quasi dem Espresso unter den Grüntees.

Die Teeernte ist in vielen Anbaugebieten wie Darjeeling nach wie vor Handarbeit. Mit großen, geflochtenen Körben auf dem Rücken, gehen die oft weiblichen Pflückkräfte durch die Reihen der Teebüsche und zupfen mit den Händen die vorderen Spitzen der jungen Triebe ab. Für Schwarztee lässt man die gepflückten Blätter zunächst leicht welken, danach werden sie gerollt und fermentiert. Die Fermentation macht aus Grüntee Schwarztee. Anschließend werden sie – meist maschinell – nach Blattgrad sortiert. Die Qualität von Tee hängt von verschiedenen Parametern ab. Ähnlich wie beim Wein tragen das Anbaugebiet, die Erntezeit, das Klima, die Bodenbeschaffenheit, aber auch die Technik beim Pflücken und Verarbeiten maßgeblich zur erzielten Qualität bei. Man unterscheidet zunächst das ganze Blatt (FOP = Flowery Orange Pekoe) und das gebrochene Blatt (BOP = Broken Orange Pekoe). Tee aus gebrochenen Blättern hat den Vorteil, dass er sein Aroma beim Ziehenlassen schneller entfaltet. Dann gilt: Je länger die Abkürzung, desto feiner das Blatt. Bei den ganz-blättrigen Sorten unterscheidet man: FOP, GFOP (= Golden Flowery Orange Pekoe) und TGFOP (= Tippy Golden Flowery Orange Pekoe). Bei den gebrochenen Blättern: BOP, GFBOP (= Golden Flowery Broken Orange Pekoe) und TGFBOP (= Tippy Golden Flowery Broken Orange Pekoe).

Eine kleine Tee-Geschichte

Das Wort Orange in den Schwarzteesorten soll auf das Königshaus Oranje der Niederlande zurückgehen, womit wir bei der Geschichte des Tees angelangt wären. Die Möglichkeit der Verwendung des Teebuschs geht der Legende nach auf den chinesischen Kaiser Shen Nung zurück und damit auf das Jahr 2737 vor Christus. Bis ins 8. Jahrhundert nach Christus blieb der Teegenuss eine speziell chinesische Eigenheit. Im Stammland des Tees wurde über Jahrhunderte hinweg die klassische Teezeremonie etabliert und verfeinert. Der chinesische Autor Lu Yu sorgte mit seinem Buch über den Tee für das erste umfassende Dokument darüber.

Erst um 1600 brachten niederländische Kaufleute den ersten Tee nach Amsterdam. 1658 erschien der erste Artikel über dieses neuartige „China-Gesöff“ in einer niederländischen Zeitung. Zur selben Zeit etablierte Königin Katharina von Braganza das Teetrinken am englischen Königshof. Ab 1689 führte das britische Königshaus die Teesteuer ein. Über die Seidenstraße gelangte Tee im ausgehenden 17. Jahrhundert nach Russland. 1773 markiert das als „Boston Tea Party“ bekannt gewordene Ereignis die Unabhängigkeitsbestrebungen der USA von England. Aus Protest versenkten die Amerikaner Schiffsladungen voll Tee der britischen Handelsflotte im Hafen von Boston.

Zwischen 1839 und 1842 führten zwielichtige Machenschaften beim Teehandel zum ersten Opiumkrieg zwischen China und Großbritannien. Ab 1850 lässt die britische Krone Tee auch in ihrer indischen Kolonie und auf Sri Lanka anbauen. Bereits 1888 importiert Großbritannien mehr Tee aus seinen indischen Kolonien als aus China. 1908 erfand der Brite Thomas Sullivan den Teebeutel. In den 1980er Jahren entwickelte eine japanische Firma den flachen Beutel zu einem pyramidenförmigen weiter, der die optimale Entfaltung des Aromas begünstigen sollte. 2015 ist Tee weltweit das am meisten getrunkene Heißgetränk, allein in Deutschland werden rund 130 Millionen Tassen pro Tag aufgebrüht.

Tea time

Tee-Sorten und Rituale quer durch die Welt

Erwartungsgemäß hat der Mensch es nicht bei den natürlich vorkommenden Teebuschsorten belassen, durch gezielte Zucht und Kreuzung sind eine Vielzahl verschiedener Tees entstanden. Heute werden außerdem circa 12% des verkauften Grün- und Schwarztees in Bio-Qualität produziert. Zu den bekanntesten Sorten gehört der „English Breakfast Tea“ mit seinen kräftigen Aromen oder der „Earl Grey“, der der Legende nach auf den Zweiten Earl Charles Grey zurückgeht. Der Politiker und Premierminister war ein begeisterter Teetrinker und hob 1833 das Preismonopol der East India Company im Handel mit China auf. Der nach ihm benannte Tee entstand angeblich durch einen heftigen Sturm, währenddessen sich Kisten voller Schwarztee und mehrere Flaschen Bergamotte-Öl im Rumpf eines Frachtschiffes losrissen und mischten. Mischt man dem Schwarztee neben Bergamottöl noch Zitronen- und Orangenschalen bei, so entsteht eine Mischung namens „Lady Grey“.

Für Indischen Chai wird kräftiger Schwarztee, wie z.B. Assam, mit verschiedenen Gewürzen verfeinert. Darunter u.a. Kardamom, Gewürznelken, Zimtstangen, Ingwer, schwarzer Pfeffer und Muskatnuss. Serviert wird der Chai mit Milch und Zucker. In Indien hat fast jede Familie ihr eigenes Gewürzmischungsrezept dafür.

Viel Ruhe benötigt das japanische Matcha-Teeritual. Das Wasser wird dabei erst sprudelnd aufgekocht und dann auf ca. 80° Grad abgekühlt. Der Matcha-Tee wird damit aufgegossen und mit Hilfe eines Bambusbesens aufgerührt, bis er schäumt. Gästen führt man diese Zeremonie am Tisch vor.

In Russland kocht man Tee traditionell im Samowar. Der metallene, meist aus Kupfer gefertigte Warmwasserkessel wurde ursprünglich mit Holzkohle oder Petroleum befeuert und konnte solche Dimensionen annehmen, dass damit der Warmwasserbedarf eines ganzen Haushalts gedeckt werden konnte. Die edlen Tischgeräte waren der Teebereitung vorbehalten. Heutige Modelle heizen elektrisch. Mit einer kleinen Menge Wasser bereitet man zunächst ein Teekonzentrat zu. Davon gibt man ein wenig in eine Tasse und füllt diese dann mit dem heißen Wasser aus dem Samowar auf. Typischerweise wird russischer Tee mit einer Scheibe Zitrone und Zucker genossen.

Für die klassische englische Teestunde braucht es neben dem richtigen Tee auch passendes Gebäck. Das kann süß oder auch herzhaft sein. Ein Favorit dafür sind Scones mit Clotted Cream. Die mürben Gebäckstücke werden halbiert und mit einem Gemisch aus Sahne und Mascarpone bestrichen. Obenauf gibt man einen Klecks Marmelade.

Lektüre Tipps:

A very British Tea Time von Emma Marsden, 128 Seiten, Christian Verlag; ISBN: 978-3-95961-505-1

Downton Abbey Teatime, 144 Seiten, Dorling Kindersley Verlag; ISBN: 978-3-8310-4079-7

TEE von Louise Cheadle/Nick Kilby, 208 Seiten, Prestel Verlag, ISBN: 978-3-7913-8316-3

Darjeeling von Dominique Marny, Bastei Lübbe; ISBN: 978-3-4041-4269-9

Tee? Kaffee? Mord! von Ellen Bakersdale, gelesen von Vera Teltz, Audible Hörbuch

Rezension – „Feel the fear and do it anyway“

Heute möchte ich für euch gleich mehrere Bücher besprechen, da sie thematisch zusammenpassen und von derselben Autorin verfasst wurden, wenngleich der eine Teil auch unter Pseudonym. Gleichzeitig werde ich euch etwas über das Schreiben an sich erzählen, denn diese Bücher waren für mich in gewisser Weise auch Recherche, oder Anschauungsmaterial. Es geht um Genres, in denen ich weder als Leserin noch als Autorin wirklich beheimatet bin: Romance und erotische Romance. Und meine liebe Kollegin Hannah Siebern bzw. ihr Alter-Ego C. J. Crown hat mich auf unbekanntes Terrain mitgenommen. Folgt mir!

Ohne eine Prise Liebeswirren kommen die wenigsten Geschichten aus. Aber es gibt welche, die bestehen NUR daraus. Kriegt er sie? Kriegt sie ihn? Kriegen sie sich? Um diese Fragen kreisen diese Bücher und nach mehr oder weniger heftigen Irrwegen, beantworten sie sich meist mit: Aber ja, natürlich!

Das ist eine Sparte Literatur, in die ich zwar als Leserin phasenweise Abstecher gemacht, sie aber meistens dann auch schnell wieder verlassen habe. Nicht mein Metier. Aber da nun mal fast immer die eine oder andere Liebesepisode vorkommt, ist des durchaus etwas, das frau als Autorin beherrschen sollte. Diese kleinen Katz-und-Maus-Spielchen, das Anbahnen, das Wecken dieser Sehnsüchte, die irgendwie scheinbar in uns allen irgendwo schlummern. „Barfuß im Regen“ habe ich mir unter anderem deshalb gekauft, weil die Reihe von Hannah Siebern offenbar recht erfolgreich ist. Und das muss ja einen Grund haben. Vermutlich kann Hannah das mit der Romance, dachte ich mir.

„Barfuß im Regen“ – Auftakt der Barfuß-Reihe von Hannah Siebern

„Barfuß im Regen“ ist die deutsche Version einer Highschool-Romanze. Jana trifft an der Uni zufällig Josh wieder, mit dem sie als Mädchen gespielt hat, bis er und seine Familie nach Kanada auswanderten. Weil Jana eine Wohnung sucht und bei Josh ein Zimmer frei ist, zieht sie zu ihm in die WG. An der Stelle könnte die Romanze einfach ihren Lauf nehmen. Tut sie aber natürlich nicht, denn dann wäre das Buch ja nach 20 Seiten zu Ende. Josh signalisiert Interesse an Jana, die aber steckt noch viel zu sehr in der Vergangenheit fest. Sie war zum Schüleraustausch ein Jahr in Mexiko, wo sie sich unsterblich verliebt hat. In Rogelio, den Latin-Macho, der ihr nicht nur das Herz gebrochen hat. Obwohl sie längst den Absprung geschafft und sich von ihm getrennt hat, ist Jana für eine neue Beziehung nicht bereit. Zu sehr quält sie die Angst, dasselbe noch mal erleben zu müssen.

„Feel the fear and do it anyway“ ist der Schlüsselsatz, den Josh Jana an die Hand gibt. Spüre die Angst und dann mach es trotzdem. Das ist ein schönes Motto, das zu vielen Gelegenheiten passt. Denn am Ende ist die Message von Hannah Siebern: Du wirst es nie erfahren, ob es geklappt hätte, wenn du es nicht versuchst. Und: Man bereut nicht die Dinge, die man gemacht hat im Leben, sondern die, die man nie gewagt hat zu tun.

Das Buch hat mich berührt und vor allem zum Ende hin auch richtig gefesselt. Die Charaktere fand ich glaubhaft, wobei sich mir von Anfang an bei der in Rückblenden erzählten Geschichte von Jana und Rogelio nie erschlossen hat, was sie eigentlich an diesem Grobian fand. Sein Machogehabe und sein Hang zur Aggressivität waren für mich schon vom ersten Moment an zu deutlich erkennbar. Josh hingegen fand ich von Anfang an sympathisch. Bei Jana konnte ich die widersprüchlichen Gefühle nachvollziehen, sie wollte gerne neuanfangen, konnte sich aus ihrer Vergangenheit aber nicht lösen. Auch die Nebenfiguren sind gut entwickelt und haben eigene kleine Geschichten in der großen. In den Mexiko-Teilen hätte ich mir mehr mexikanisches Flair gewünscht und nicht nur die Schilderungen der abwärts taumelnden Beziehung von Jana und Rogelio.

Barfuß im Regen“ ist der Auftakt einer ganzen Reihe. Insgesamt gibt es aktuell sieben Bände. Wahrscheinlich werde ich jetzt nicht in einem Rutsch alle anderen sechs lesen. Was weniger daran liegt, dass mir der erste nicht gefallen hätte – obwohl ich fand, dass das Buch zwischenzeitlich ein paar Längen hatte, sondern daran – dass ich mich halt immer noch nicht so Zuhause fühle im Romance-Bereich. Aber wenn ich wieder einmal einen Ausflug dahin unternehme, dann gern wieder „barfuß“!

Schreiben lernt man durch Lesen – oder: Die Sache mit dem Sex

Dass ich als Autorin gar keine Erfahrung mit Romance hätte, stimmt ja so auch nicht. Schon in „Burgfried“ war der Liebesgeschichtenanteil so hoch, dass mein Erstling als „Romantasy“ eingestuft wurde. Wenngleich auch das Happy-End fehlte. Auch in meinen Krimis gibt es neben der Haupthandlung der Ermittlungen immer auch kleine „Nebenkriegsschauplätze“ aus dem Privatleben der Beteiligten. Trotzdem lese ich gern gute Beispiele, da es mir leider selbst immer wieder passiert, dass ich mich über schlecht gemachte oder kitsch-triefende Liebesgeschichten in Büchern ärgere. Vor allem im historischen Bereich nimmt der Kitsch stark überhand. Dem möchte ich gern etwas entgegensetzen können.

Ein anderes wiederkehrendes Problem ist die Sache mit der Erotik. Auch da kommt kaum eine Geschichte wirklich drumherum. Die Frage ist nur: wie sehr geht man ins Detail? Dezent abblenden und aussparen? Oder die Fantasie der Leser*innen richtig anheizen? Wo ist die Grenze? Auch in diesem Bereich sind mir schon Grauenhaftigkeiten begegnet. Von unfreiwillig komisch bis pornös war alles dabei. Und diese Thematik habe ich aus diesem Grund tatsächlich bisher meist komplett gemieden. Spätestens wenn es um die Benennung gewisser Körperteile geht, wird’s einfach schnell arg. Es soll nicht klingen wie in einem medizinischen Fachbuch, aber wenn dann Metaphern wie „Lustschwert“ und „Zaubermuschel“ kommen, bin ich sowohl als Leserin wie auch als Autorin raus.

Erstaunlicherweise boomt aber die Erotik-Sparte und scheinbar ist in diesem Bereich – wie auch in der abgeschwächteren Form, der Romance – ganz gut Geld zu machen für Autor*innen. Witzig finde ich das Detail, dass Gay-Romance anscheinend häufig von Frauen für Frauen geschrieben wird. Nun gut, jedem Tierchen sein Plaisierchen. Meins ist das eher nicht. Aber trotzdem wollte ich mich dem leidigen Thema „guter“ Erotik annähern. Und weil ich nun schon einmal bei Hannah Siebern gelandet war, habe ich mich dafür mal bei ihrem Pseudnoym C. J. Crown umgetan.

School of love“ – Dreiteiler mit Kribbeleffekt

Die „School of Love“ ist eine Lehrwerkstatt für Escortdamen und dort will Grace ihr Glück versuchen, nachdem ihre Familie all ihr Geld verloren hat und ihr Vater wegen Betrugs in den Knast musste. Genaugenommen geht es ihr dabei nicht nur darum, wieder irgendwie zu Geld zu kommen, sondern um die Möglichkeit den Betrugsvorwurf gegen ihren Vater aus der Welt zu schaffen. Dies will sie mit Hilfe des Milliardärs und Lebemanns Louis Rogers erreichen, von dem sie weiß, dass er sich gern mit den Mädchen des höchst exklusiven Eskortservice vergnügt. Der Plan scheint wasserdicht, bis Grace ihren „Lehrer“ kennenlernt, den ebenso zwielichtigen wie mysteriösen Ayden …

Ich hatte tatsächlich eigentlich vor, nur ein paar der einschlägigen Szenen zu lesen und zu schauen, wie Hannah aka C. J. das macht mit den Sexszenen. Dass sie es fertig bringen würde, mich mit der Geschichte dahinter so zu fesseln, dass ich das ganze Buch und dann auch noch die beiden anderen Teile lesen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Und tatsächlich rückt die Erotik dann fast in den Hintergrund. Wenn ich „Barfuß im Regen“ und „School of Love“ vergleiche, dann überzeugt mich auch die Liebesgeschichte in „School of Love“ noch mehr als bei „Barfuß“.

„School of Love“ besteht aus drei Bänden und ist als e-book in einem Sammelband erhältlich. Durch diese Reihe habe ich mich sogar zum e-book-Lesen bringen lassen. Bisher habe ich strikt nur Print-Bücher gelesen, „School of Love“ ist das erste Buch, das ich über mein Handy gelesen habe. Praktisch, weil man das Handy halt immer dabei hat und so auch mal schnell im Wartezimmer oder sonstigen Leerlaufphasen ein paar Seiten lesen kann. So habe ich „Barfuß im Regen“ und „School of Love“ parallel gelesen, das eine in „echt“, das andre als e-book.

Fazit

Es lohnt sich, auch einmal über den Tellerrand hinaus zu lesen und die eigene Komfortzone zu verlassen. Das gilt sowohl fürs Lesen als auch fürs Schreiben. Beim Schreiben mag ich es sowieso, immer wieder in Genres und Bereiche vorzustoßen, wo ich bisher noch nicht beheimatet war. Nur so kann sich der Stil entwickeln, denke ich. Und beim Lesen öffnet es Horizonte, davon bin ich überzeugt. Feel the fear and do it anyway!

Vom Leben und Schreiben unter der Corona-Pandemie

Am kommenden Wochenende wäre eigentlich der Höhepunkt des Jahreskalenders für die Schreibende Zunft: Frankfurter Buchmesse. In den letzten Jahren war ich zwar nicht jedes Jahr in Frankfurt auf der Messe, aber am Messe-Samstag gehörte der BuCon (Buchmesse-Convent der Fantasy-Community in Dreieich) zu meinem festen Programm. Dieses Jahr ist coronabedingt alles anders. Von den Veränderungen und Erfahrungen, die Corona über mein Autorinnen-Dasein gebracht hat, möchte ich heute ein bisschen erzählen.

Und wir dachten noch, 2019 wär kacke gelaufen …

Das Jahr 2019 war für viele Buchschaffende schon echt nicht einfach. Von den drei großen Zwischenhändlern, die die Verlage an den stationären Buchhandel anbinden, ging erst einer pleite und dann begann auch noch der zweite damit, auszulisten. Gerade viele kleine Verlage und Selfpublisher waren von beiden Ereignissen massiv betroffen. Die Insolvenz von KNV riss etliche Kleinverlage mit ins Verderben und andere verloren durch die Sortimentsreduzierung von Libri einen Großteil ihrer Sichtbarkeit bei den Buchhändlern. Obwohl mich beides nicht unmittelbar betreffen hätte müssen, spürte auch ich die Einbrüche in meinen Absätzen empfindlich. Meine Selfpublishing-Bücher habe ich fast alle bei BoD und BoD war von der Auslistung bei Libri nicht betroffen, trotzdem war 2019 auch bei mir ein schlechtes Jahr. Verkäufe und Umsätze zeigten im Vergleich zu 2018 und 2017 deutlich nach unten.

Umso mehr hofften alle auf 2020. Und dann … kam Corona.

Von Vollbremsung bis freier Fall

Im Februar war ich zum letzten Mal auf einem Künstlermarkt. Normalerweise sind die Hobby-Künstlermärkte in Landshut, Dingolfing, manchmal auch Freising, Erding oder Wasserburg, meine wichtigsten Absatzmärkte. Märkte, Messen und Cons gehören in normalen Jahren zu den Fixpunkten im Kalender. Im direkten Kontakt zu Leserinnen und Lesern lassen sich Bücher abseits des Mainstreams der großen Buchverlage am besten verkaufen. Am 15. März endete diese Verkaufsmöglichkeit jäh und endgültig. Inzwischen haben wir Oktober und es findet noch immer nahezu nichts dergleichen statt.

Aus gutem Grund natürlich, darum soll es hier gar nicht gehen. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind richtig und wichtig. Wir alle tragen die Mit-Verantwortung dafür, dass wir unsere Gesundheit und die unserer Mitmenschen erhalten. Das steht für mich außer Frage.

Aber wir Autor*innen und Verleger*innen sind in großer Zahl Soloselbstständige, die davon leben, dass sie ihre Bücher verkaufen. Kleine Verlage sind oft One-(Wo)Man-Shows, die sowieso noch nebenher „normal“ arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen. Da steckt viel Herzblut, Idealismus und Kampfgeist hinter jeder geschriebenen Zeile und jedem gedruckten Buch. Die Budgets sind klein, die Spielräume begrenzt. Schon unter normalen Umständen muss jede Veröffentlichung wohl überlegt sein, weil sie Kosten für Cover, Lektorat, Werbung etc. verursacht und am Ende trotzdem noch ein klitzekleiner Gewinn für Verlag und Autor*innen übrigbleiben sollte.

Schockstarre und vorsichtige Versuche, irgendwie weiterzumachen

Vier Tage vor dem Beginn wurde die Leipziger Buchmesse doch abgesagt. Es war ein Paukenschlag und steht symbolisch für das, was uns zwischen März und Juli 2020 völlig unvorbereitet getroffen hat: Lock-down, Social Distancing, Homeoffice und Homeschooling. Gut, allein zuhause auf der Couch oder dem Küchentisch zu arbeiten, ist jetzt für Autor*innen nichts Neues, das machen die allermeisten von uns immer so. Dazu kam aber die Familie, die plötzlich auch „von zuhause“ aus lernte, arbeitete und lebte. Mich zumindest – obwohl ich nicht behaupten will, dass ich unter den Einschränkungen besonders arg gelitten hätte – hat das komplett aus meiner Schreibroutine geworfen. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, ich hatte in dieser ersten Krisenphase eine Schreibblockade.

Von Kolleg*innen, die feste Verträge mit teils großen Verlagen hatten, hörte ich, dass Projekte nicht nur aufgeschoben, sondern vielfach einfach gestrichen wurden. Verlage haben eine enge Taktung, jede Veröffentlichung ist genauestens geplant, es gibt Deadlines, die einzuhalten sind. Da ist nicht viel mit Schieben. Vor allem, wohin? Veröffentlichungen fallen sinnvollerweise mit den großen Buchmessen zusammen, damit die Neuerscheinung gleich eine würdige Plattform hat, um aufzufallen. Wohin sollte man sie schieben, wenn auf absehbare Zeit keinerlei solche Veranstaltungen mehr stattfinden würden?

Die kleinen und Kleinstverlage, mit denen ich zusammenarbeite, wenn ich nicht gleich im Alleingang veröffentliche, haben keine Bücher gecancelled. Sie haben geschoben und wieder verschoben und schieben weiter. Inzwischen sind einige Bücher erschienen. Trotzige Symbole von Kampfgeist und Überlebenswillen. Kleinverlage und Solo-Autor*innen wollen Bücher machen. Sie tun das aus einem inneren Zwang, weil es ihnen ein Bedürfnis ist, ihre Gedanken zu Papier zu bringen. Wir müssen das tun. Wir können gar nicht anders. Da die wenigsten von uns allerdings auch schon vor Corona wirklich davon leben können, sind wir nicht oder nicht vollständig auf die Buchumsätze angewiesen. Wir tun also das, was wir immer getan haben: Arschbacken zusammenkneifen und gegen den Sturm anschreiben.

Rückzug ins Digitale oder: Die Sache mit der Reichweite

Natürlich findet auch auf dem Buch-Sektor längst – unabhängig von Corona – vieles digital statt. E-Books liefen Prints schon vorher den Rang ab. Buchwerbung geschieht vielfach über Soziale Medien, Homepages, auf youtube und so weiter… Und dennoch hat diese „schöne neue Buchwelt“ einen massiven Haken: die Reichweite! Um erfolgreich Bücher übers Netz zu verkaufen, brauchen Autor*innen und Verlage eine hohe Reichweite in Sozialen Netzwerken, bei Amazon etc. Das ist gar nicht so einfach und hängt oft nicht (nur) mit der Anzahl der Follower zusammen.

Selfpublisher müssen zusätzlich zu Autor*innen, Organisationstalenten, Koordinator*innen, Marketingspezialist*innen, Vertriebler*innen, Marktschreier*innen, Buchmarktexpert*innen, die sie sowieso schon sein müssen, auch noch Social-Media-Kompetenzen und ein gutes Händchen für Online-Marketing mitbringen. Wie viele gute Bücher mögen wohl schon in einem normalen Jahr, aufgrund von mangelnder Vermarktung, völlig sang- und klanglos erschienen und wieder verschwunden sein? Und jetzt noch unter Corona …

Meine persönlichen Versuche, trotz Corona Bücher zu verkaufen

Geschrieben habe ich während der ersten Welle des Corona-Virus erst einmal nichts oder sehr wenig. Aber immerhin fand ich die Zeit, endlich diesen Blog hier ins Leben zu rufen. Ich habe überhaupt viele Dinge gemacht, die liegen geblieben sind. Und ich habe mit meiner Familie gebastelt und eine „kontaktlose Bücher-Verkaufsstelle“ vor unsrer Haustür eingerichtet. Ich möchte nicht direkt sagen, dass es vergebens war, es kamen durchaus einzelne Käufer, manche vielleicht sogar erstmals und aus purer Neugierde. Aber wenn man bedenkt, dass ich auf einem Markt locker 20-30 Bücher verkaufe, war das jetzt nicht der große Wurf.

Die Online-Präsenz meiner Bücher und meiner Autorinnen-Profile habe ich versucht zu verstärken. Hab mir kleine Kampagnen, Gewinnspiele und Mit-mach-Postings ausgedacht, um die Reichweite zu steigern. Ein wenig ist mir das auch gelungen, aber ein messbarer Erfolg in Sachen Verkäufe war davon nicht zu spüren. Tatsächlich brachen die Absatzzahlen über die Sommermonate sogar fast vollkommen zusammen.

Meine geplanten Veröffentlichungen habe auch ich hintangestellt. Wie soll ich neue Bücher bewerben? Wie könnte ich ihnen überhaupt Aufmerksamkeit erzeugen? Neue Bücher kosten erst einmal Geld, bevor sie (vielleicht) welches einbringen. Ich muss sowieso querfinanzieren, damit sich meine Bücher halbwegs lohnen, schreibe dazu Artikel und Sachtexte, die ich verkaufe. Aber auch da ist die Nachfrage derzeit nicht so groß.

Schließlich bin ich zumindest die Schreibblockade angegangen. Im August habe ich mir eine Challenge gestellt, die sonst im November durchgeführt wird: den NaNoWriMo. Dazu habe ich euch schon vor ein paar Wochen einen Blogpost gemacht (hier). Mit Hilfe dieser Herausforderung von mir an mich ist es mir tatsächlich gelungen, wieder in den Flow zu kommen. Ein ganz neues Projekt ist dabei entstanden und das wird nun wohl auch in den nächsten Monaten das Licht der Welt erblicken.

Unterm Strich muss ich sagen, dass ich mich als überaus privilegiert empfinde. Denn ich bin zwar Autorin, aber ich bin eben nicht nur Autorin. Mein Brotjob und die Tatsache, dass ich nicht die Alleinverdienerin der Familie bin, ermöglichen es mir, trotz Corona und trotz Ausfällen – ja, sogar trotz Kurzarbeit – finanziell abgesichert zu sein. Das Geld fehlt, keine Frage. Aber es fehlt nicht existentiell. Und meine Überzeugung (und auch eine gehörige Portion Idealismus) sagen mir, dass es immer irgendwie weitergehen wird. Wir kämpfen. Denn die Alternative wäre Aufhören und das ist keine Option.

Ein deutscher Komplex: Baader-Meinhof

Die Geschichte der RAF beschäftigt mich tatsächlich schon ziemlich lange. 2008 saß ich im Kino in „Der Baader-Meinhof-Komplex“ und war baff. Drei Stunde geballte Geschichtsstunde prasselten da auf mich ein und ich saß da und dachte: Wieso zum Henker weiß ich davon alles nix?! Der Geschichtsunterricht, den ich am Gymnasium genossen habe, hat mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geendet. Die Nachkriegszeit kam da nicht mehr wirklich vor. Und insgesamt verlor er sich auch sehr in Detailwissen, anstatt einen Überblick zu geben und Zusammenhänge zu vermitteln. Deshalb habe ich nach diesem Aha-Moment im Kino angefangen die deutsche Nachkriegsgeschichte selbst aufzurollen und für mich einzuordnen.

Logo der Roten Armee Fraktion

Ich habe den „Baader-Meinhof-Komplex“ nicht nur inzwischen ungefähr 1.000x gesehen, ich hab ihn auch gelesen. Das Buch von Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust ist zum einen ein Zeitzeugnis deutscher Geschichte, es rollt aber auch den gesamten Prozess gegen die 1. Generation der RAF auf. Zu verstehen, was da in den späten 60er und 70er Jahren passiert ist, trägt – meiner Meinung nach – auch dazu bei, nachzuvollziehen, welche Mechanismen in Deutschland bis heute vorherrschen. Wir haben zwei Weltkriege in unserer DNA und die Schreckensherrschaft der Nazis. Dort ist aber auch der Terror der Nachkriegszeit verankert. Dieser geht unmittelbar aus den Gräueltaten der Nazidiktatur hervor. Das eine ist ohne das andere kaum denkbar. Schauen wir uns diese Phase der Geschichte deshalb noch einmal genauer an.

Deutschland zur Stunde 0

Der zweite Weltkrieg und in Deutschland damit die Diktatur der rechtsextremen NSDAP endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands. Hitler und seine engsten Getreuen sind zu diesem Zeitpunkt bereits tot, feige in den Selbstmord geflohen. Eine Nation erwacht langsam aus der Angststarre. Seit sieben Jahren tobte der Krieg in Europa, zogen Männer, Greise und junge Burschen an die Fronten im Osten und im Westen und kehrten in Särgen oder überhaupt nicht zurück. Viele Städte liegen in Schutt und Asche, die Wirtschaft ist am Boden, die Menschen hungern.

In den nächsten Jahren kämpfen die Deutschen ums nackte Überleben. Sie räumen Schutt aus ihren Straßen, bauen Häuser. Vor allem Frauen leisten Unvorstellbares, um für sich und ihre Familien wieder eine lebenswerte Zukunft aufzubauen. Die Männer sind tot, vermisst oder schwer traumatisiert. Für viele ist nicht nur die äußere Welt zusammengebrochen. Sie haben an die Überlegenheit der deutschen Herrenrasse und an ihren Führer geglaubt. Jetzt stehen sie vor den Trümmern ihrer Überzeugungen. Die Nürnberger Prozesse sollen die Mitläufer von den Überzeugungstätern trennen und das millionenfache Unrecht sühnen, tatsächlich fällt die Aufarbeitung schwer.

Schau niemals zurück – die 50er

In den 50ern hat sich ein Graben manifestiert, der die nächsten Jahrzehnte durch Deutschland verlaufen sollte. Es gibt ein West- und ein Ostdeutschland, die BRD und die DDR. Im Westen greifen die Wiederaufbaumaßnahmen der Alliierten, vorwiegend der Amerikaner, rasch. Durch den Marshallplan fördern die USA die freie Marktwirtschaft im kapitalistischen Westen. Die Wirtschaft brummt wieder. Der VW Käfer wird zum Symbol des Wirtschaftswunders. Im Kino dominiert der Heimatfilm, leichte Schmonzetten garniert mit Schlagermusik. Die Deutschen möchten vergessen.

In diesem Klima wächst eine Jugendgeneration heran, die Fragen hat, aber keine Antworten bekommt. Sie erleben die Eltern und Großeltern als bieder und konservativ. Diese Generationen haben Hitler gewählt. Sie haben ihn zu ihrem unumstößlichen Führer gemacht, ihn verehrt und ihm hörig geglaubt. Durch ihre Untätigkeit wurden Konzentrationslager möglich, durch ihr Wegschauen – oder schlimmer noch! – durch ihr Zutun starben Millionen von Menschen in den Gaskammern, in Versuchslabors und auf den Schlachtfeldern. Dazu haben sie jetzt nichts mehr zu sagen?!

Sex, drogs & Rock’n’Roll – die 60er

Die Rolle der eigenen Eltern im Nationalsozialismus, aber auch die Beziehung zu Amerika und Russland treibt die Jungen um. In den 60er Jahren ist die Teilung Deutschlands durch den Bau der Berliner Mauer zementiert. Die USA und die Sowejtunion stehen sich unerbitterlich gegenüber, dem heißen 2. Weltkrieg folgt der Kalte Krieg. Westdeutschland ist Nato-Mitglied und die USA bringen Raketen auf deutschem Boden in Stellung. Dass Deutschland wieder eine Armee haben darf und zum Partner in diesem Wettrüsten wird, ist für viele, vor allem junge Menschen schwer zu ertragen. Darüber hinaus führt Amerika Krieg in Vietnam. Einer der vielen Stellvertreterkriege im Kalten Krieg.

Die Jugendkultur feiert den Rock’n’Roll. Sie tanzen und feiern. Aber sie protestieren auch. Gegen das Vergessen, gegen die Aufrüstung, gegen das Töten in Vietnam. Die Studentenbewegung ist eine Friedensbewegung, zunächst jedenfalls. 1968 ist das zentrale Jahr dieser Proteste. Hippies propagieren Blumen statt Gewehre, sie tragen die Haare lang, konsumieren Drogen und lieben sich frei und ungeniert. Die Stars der Szene treffen sich in Woodstock: The Beatles, The Who, Janis Joplin, Bob Dylan, Jimi Hendrix, The Rolling Stones.

Die 1. Generation

Zur selben Zeit radikalisiert sich im Umfeld der Studentenbewegung eine Gruppe junger Leute. 1968 sprengen sie in Frankfurt zwei Kaufhäuser, ihr Motiv: Hass auf den wachsenden Kapitalismus. Der Kopf der Brandstifter, Andreas Baader, wird verhaftet. Im Mai 1970 befreit eine Gruppe um seine Geliebte Gudrun Ensslin und die Journalistin Ulrike Meinhof Baader gewaltsam. Damit ist die Rote Armee Fraktion, kurz RAF, geboren. In einem Ausbildungscamp der palästinensischen Fatah in Jordanien lässt sich die Gruppe um Baader-Meinhof in Kampftaktik, Waffenkunde und Sprengstoffherstellung ausbilden.

Als Stadtguerillas nehmen sie nach ihrer Rückkehr ab 1971 den Kampf gegen das Estabilshment auf. Sie überfallen Banken, beschaffen Waffen und Ausrüstung und bauen ein Netz aus Sympathisanten auf. Ab 1972 überziehen sie Westdeutschland mit Bombenattentaten, u.a. auf Einrichtungen der amerikanischen Streitkräfte, der Springer-Presse, der Polizei und der Justiz. Die Ordnungshüter stehen dem neuartigen Ausmaß des Terrors zunächst hilflos gegenüber, dann jedoch formieren sie sich und holen zum Schlag aus. Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Karl Raspe werden am 1. Juni 1973 verhaftet, wenig später folgen Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof.

Kontrovers-Story zum „Deutschen Herbst“

Die 2. Generation

Während die prominenten Köpfe der 1. Generation der RAF in verschiedenen Gefängnissen auf ihren Prozess warten, übernimmt die zweite Riege das Kommando aus dem Untergrund. Erklärtes Ziel ab jetzt: das Freipressen der Gefangenen. Gegen Isolationshaft und Kontaktverbot rebelliert die Baader-Meinhof-Gruppe mit Hungerstreik und Protestaktionen im Gerichtssaal. Am 9. November 1974 stirbt Holger Meins in Folge des Hungerns im Gewahrsam der JVA. Eine Welle der Sympathie ist die Folge. Der Staat hat in seiner Funktion als Beschützer katastrophal versagt. Um eine erneute Gewalteskalation zu verhindern, werden die übrigen RAF-Strafgefangenen in Stuttgart-Stammheim zusammengelegt und genießen dort erhebliche Privilegien verglichen mit anderen Häftlingen.

Dennoch hat spätestens der Tod von Holger Meins die zweite Generation mobilisiert. 1975 besetzt ein Kommando der RAF die deutsche Botschaft in Stockholm. Sie nehmen Geiseln und fordern die Freilassung von 26 Verhafteten. Eine unkontrollierte Bombendetonation tötet Geiseln und Geiselnehmer. Brigitte Mohnhaupt übernimmt die Führung der RAF. Unter ihr wird das Jahr 1977 zum Terrorjahr. Im April erschießen zwei Terroristen vom Motorrad aus den Generalbundesanwalt Siegfried Buback, im Juli wird Dresdner-Bank-Chef Ponto in seinem Haus ermordet, ein Anschlag auf die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe scheitert im August. Die Gewalt erlebt ihren Höhepunkt im sogenannten „Deutschen Herbst“: Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer, Kaperung der Lufthansamaschine „Landshut“ und ihre Befreiung durch die GSG9 auf dem Flughafen in Mogadishu.

Nachdem Scheitern der Lufthansaentführung und der Verhaftung der palästinensischen Verbündeten im somalischen Mogadishu begehen die Stammheimer Gefangenen kollektiv Selbstmord in ihren Zellen. Ihr bewaffneter Arm in der Freiheit ermordet daraufhin Hans-Martin Schleyer. Brigitte Mohnhaupt, Peter-Jürgen Boock und andere namhafte RAF-Terroristen fliehen in den Jemen.

Fahndungsfotos der führenden Köpfe der RAF

Die 3. Generation und die Auflösung der RAF

Auch in den 80ern kommt es noch vereinzelt zu schweren Anschlägen, die der RAF zugerechnet werden, darunter ein Bombenattentat auf die Basis Ramstein der US-Armee. Der Chef der Deutschen Bank Alfred Herrhausen wird 1989 Opfer eines Attentats der RAF. Doch die 3. Generation hat sowohl an Schlagkraft, wie auch an Unterstützern verloren. Dennoch erklärt die RAF erst 1998 ihre offizielle Auflösung. 26 RAF-Mitglieder wurden bis dahin zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. 10 konnten nach ihrem Ausscheiden aus der RAF in Ostdeutschland untertauchen und bis zur Wiedervereinigung unter neuer Identität in der DDR leben. Im Juni 2011 wurde mit Birgit Hogefelde das letzte RAF-Mitglied der dritten Generation aus der Haft entlassen.

Konsequenzen aus der RAF-Zeit: Zwischen linkem und rechtem Terrorismus

Die Anschlagsserie der RAF waren für die junge Bundesrepublik ein Lackmustest. Dem Kampf gegen den linken Terror der späten 60er und 70er Jahre verdanken wir ermittlerische Strategien wie die Rasterfahndung, aber auch den Grundsatz: Mit Terroristen wird nicht verhandelt. Nach anfänglichen Versuchen auf die Erpressung einzugehen und Gefangene auszutauschen, die nur abermals Gewalt und noch mehr Terror nach sich zogen, verzichtete die Bundesregierung fortan auf solche Einlassungen. Bis heute.

Neu war vor allem die Dimension. Verbrecherische Banden und Serienmörder gab es zu allen Zeiten in Deutschland. Auch spektakuläre Fälle von Raubüberfall, Geiselnahme oder Sprengstoffeinsätzen. Aber die Vernetzung der Terroristen bis in die scheinbar bürgerlichen Kreise und die große Sympathie mit den Attentätern hatte eine ganz neue Qualität. Auch andere Organisationen der Studentenbewegung wie die APO, die „Bewegung 2. Juni“ und prominente Sprecher wie Rudi Dutschke distanzierten sich nie völlig von den Terroristen der RAF.

Durch die RAF-Terrorakte ist es vielleicht zu erklären, dass bis heute viele Organe der Exekutiven und Judikativen in Deutschland auf dem rechten Auge blind zu sein scheinen. Die Bekämpfung von linken Terroristen hat eine lange Tradition. Im Gegensatz dazu scheint für die rechten Umtriebe bis heute zu gelten: Der Nationalsozialismus endete 1945. Das Gegenteil ist der Fall und heute zeigen Statistiken und Studien eigentlich einheitlich, dass die größte Bedrohung von Recht und Ordnung und unserer Demokratie von Rechtsradikalen ausgeht. Und das haben wir womöglich auch der RAF zu verdanken.

Der Baader-Meinhof-Komplex im Kino

Mittlerweile muss man nicht mehr ins Kino gehen, um den Baader-Meinhof-Komplex in der Verfilmung von Uli Edel und Bernd Eichinger zu sehen. Er ist fester Bestandteil des Fernsehprogramms geworden und kann auch über Amazon-Prime gestreamt werden. In den Hauptrollen spielen Moritz Bleibtreu als Andreas Baader, Martina Gedeck als Ulrike Meinhof, Johanna Wokalek als Gudrun Ensslin, sowie Bruno Ganz und Heino Ferch als polizeiliche Ermittler. Der Film widmet sich der Entstehung der RAF bis zum Deutschen Herbst 1977. Er orientiert sich dabei am gleichnamigen Buch von Stefan Aust. Die Macher betonen ihren Anspruch zu größtmöglicher Authentizität und unterlegen die filmischen immer wieder mit realen Bildern. Trotzdem betonte Eichinger, dass man sich der Realität lediglich annähern könne. Gedeck, Bleibtreu und Wokalek distanzierten sich in späteren Interviews von den durch sie dargestellten Personen, ihre Beweggründe hätten sie nicht nachvollziehen können. Wokalek erklärte, sie habe die Sehnsucht nach einer besseren Welt verstehen können, die Hinwendung zur Gewalt jedoch nicht.

Trailer zu „Der Baader-Meinhof-Komplex“

Der Film ist für Geschichtsinteressierte und solche, die es werden möchten, unbedingt sehenswert. Das Buch kann ich nur empfehlen, wenn jemand gewillt ist, sich durch seitenlange juristische Abhandlungen zu pflügen. Meine eigene Recherche zu Nachkriegsdeutschland, angestoßen durch den Film, habe ich im zweiten Teil meines historischen Romans „Licht und Schatten“ verarbeitet.

Lof Eiländ – oder: Wie sehr kann man sich eigentlich selbst hassen?

Ich gestehe, ich bin ein großer Fan von Trash-TV-Formaten. Menschen, die sich wissentlich und im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte (na ja okay, im Rahmen ihrer Möglichkeiten halt) auf Sendungen wie Love Island (RTL2), Bachelor oder Bachelorette (RTL), Dschungelcamp (RTL), Promi-BigBrother (Sat1) usw. einlassen, können sich nach meiner Überzeugung nicht beschweren, wenn sie vom Fernsehsender vorgeführt und von der versammelten Fangemeinde hochgenommen werden. Die Formate sind hinlänglich bekannt, um vorher zu wissen, worauf man sich einlässt. Es ist die Mischung aus Ekel, Exhibitionismus und Fremdscham, die sie so spannend macht. Und egal wie hoch die Einschaltquoten sind – niemand guckt sowas. Is ja klar!

Liebe hat viele Facetten – Wer findet sein Traum-Date oder sogar die wahre Liebe?

Mancheiner sagt ja, es wäre irgendwie verwerflich, als gebildeter Mensch mit Hochschulabschluss und einem fortlaufenden Lebenslauf Sendungen zu gucken, bei denen Semi-Prominente ihr Innerstes nach außen kehren und Dinge (und Körperteile!) von sich preisgeben, die eigentlich niemand wissen, hören oder sehen wollte. Ganz kann ich dem nicht zustimmen. Ich gucke liebend gern „Dumme-Menschen-TV“. Intellektuelle Menschen, oder die, die sich für solche halten, gucken natürlich nur ARTE oder hören klassische Musik im Radio, während sie die ZEIT lesen. Ich könnte das tun. Natürlich. Wenn ich nach einem langen Tag voll verschiedenster Verpflichtungen endlich auf der Couch liege, WILL ich aber nichts mehr tun, das schon wieder meine volle Aufmerksamkeit erfordert. Ich möchte dann nur noch berieselt werden, mit irgendetwas, dem ich auch dann noch folgen kann, wenn ich mal fünf Minuten nicht zugehört habe.

Deswegen muss man aber noch nicht gleich Trash-TV schauen. Stimmt auch. Aber es ist halt sooooooo lustig!

Melina, Henrik, Aurelia (oben), Luca, Chiara, Marc

Love Island – Worum geht’s überhaupt?

Über Love Island bin ich 2017 zufällig gestolpert, damals lief es in der ersten Staffel und das Konzept war relativ neu. Heterosexuelle Singles beiderlei Geschlechts ziehen in eine Ferienanlage ein, wo sie sich möglichst schnell zu Paaren, den „Kappels“ (eigentlich: couple), zusammenfinden sollen. Immer wieder schickt der Sender neue Singles, die sogenannten „Granaten“, hinterher, die versuchen sollen, die frisch zusammengefügten Pärchen wieder zu entzweien. Bei den „Paarungszeremonien“, die in regelmäßigen Abständen stattfinden, müssen die Singles abwechselnd Farbe bekennen: Wollen sie noch mit dem Kappel vom letzten Mal das Bettchen teilen, oder lieber was bzw. jemand Neues ausprobieren?

Worauf es RTL2 mit dieser Reality-Dating-Show, wie sie das Format selbst nennen, abzielen, liegt auf der Hand: Viel nackte Haut, sexuelle Anspielungen (gern auch ebendiese Handlungen vor laufender Kamera, falls jemand der Beteiligten gleich gar kein Schamgefühl mitgebracht hat) und natürlich Zicken-Terror ohne Ende. Die Kandidat*innen liefern. Und das zuverlässig schon seit der ersten Staffel.

Offiziell geht es natürlich nur darum, die armen Singles aus ihrem Jammertal zu erlösen und in fähige Hände zu übergeben. Zumindest mal für die Dauer der Show. Weiterkommen kann man immer nur als Kappel, Singles scheiden aus. Am Ende winkt dem Final-Kappel ein Scheck über 50.000 EUR, den entweder einer von beiden allein einheimsen kann oder mit dem anderen brüderlich teilen. Kleiner Spoiler: Bisher hat noch kein Kappel der deutschen Show die 50.000 EUR NICHT geteilt. So romantische sind’se dann ja doch.

Für Genre-Kenner sind Shows wie Love Island natürlich noch aus einer anderen Sicht heraus interessant: Sie sind die Talentschmieden für weitere Formate wie das Dschungelcamp und Promi-BigBrother. Der Status „Promi“ wird den Teilnehmer*innen spätestens im Halbfinale verliehen, aber nur wer bestimmte Eigenschaften mitbringt, schafft es künftig in Promi-Shows.

Satirische Zusammenfassung von LoveIsland2020 auf youtube

Die vierte Staffel – Henrik, Aurelia, Sandra

2020 strahlte RTL2 über vier Wochen die vierte Staffel der Ringelpiez-mit-Anfassen-Show aus. Von Ende August bis Ende September suchten die Singles nach dem besten Kappel. Natürlich konnten sich auch hier wieder einige Kandidat*innen besonders hervortun. Henrik, aka „Bon Schlonzo“, reichte schon früh seine Bewerbung für das Dschungelcamp 2021 ein. In dieser Staffel war er der einzige, der für die Zuschauer erkennbar mehr mit seiner Kappel-Dame hatte als Knutschereien und Gefummel. Damit ist die vierte Staffel aus Sex-technischer Sicht eher enttäuschend verlaufen. Immerhin hätte gerade Henrik die Chance darauf gehabt, der erste Eiländer zu werden, der in einer Staffel gleich zwei Frauen in der „Private Suite“ flachlegt. Das hat Sandra aber erfolgreich verhindert.

Das Dreieck aus Henrik, Aurelia und Sandra war dann auch das Staffel-Highlight. Zunächst war Henrik recht schnell auf Aurelia eingeschossen, die kleine Schwarzhaarige hatte sich den Nachkommen des CDU-Politikers Gerhard Stoltenberg gekrallt (ja, Henrik hat schon Promi-Blut mitgebracht. Vermutlich routiert irgendwo die Leiche des Politikers im Grab) und zeigte keinerlei Bereitschaft ihn wieder aus ihrer Umklammerung zu lassen. Zur Besiegelung ihrer dauerhaften „Verkappelung“ kam es dann in der „Private Suite“ bereits in einer der ersten Folgen zu besagtem Akt. Leider hatte sie die Rechnung ohne Henrik gemacht, den der leicht dusselig wirkende Blonde behauptete schon in der Vorstellungsmaz von sich, dass er noch nie verliebt gewesen sei und so betrachtete er Frauen auch eher als Verschleißteil.

Zusammenfassung: Sandra sticht Aurelia bei Henrik aus

RTL2 spielt dieses Spiel natürlich auch extrem geschickt. Um den Schwerenöter in Versuchung zu führen, holten sie drei männliche Eiländer aus der Villa und führten sie drei brandneuen Granaten zu. Als parallels Glamour-Camp zelteten die sechs drei Tage lang abseits der übrigen Teilnehmer*innen. Kaum erschien Granate Sandra auf der Bildfläche, hatte Henrik auch schon vergessen, dass es einmal eine Aurelia bei ihm gegeben hatte, von der er vorher sowieso schon den anderen Jungs im Vertrauen mitgeteilt hatte, dass er sie „körperlich gar nicht so anziehend“ gefunden habe. Körperliche Anziehung ist bei dieser Art Mann wohl zu körperbetontem Matratzensport nicht zwingend erforderlich.

Während also Aurelia vor Eifersucht rasend in der Villa hockte, vergnügte Henrik sich ungeniert mit Sandra. Fotos, die ebendieses nahelegten, ließ man den Zurückgebliebenen in der Villa natürlich zukommen, um die Stimmung noch entsprechend anzuheizen. Bei der nächsten Paarungszeremonie sollten nun die ursprünglichen Kappel-Damen der männlichen In-Versuchung-Geführten vortreten und ein Bekenntnis abgeben: Wollten sie weiterhin an dieser Verkappelung festhalten, oder sich neuorientieren?

Anna wollte ihren Marc zurück und der kehrte auch brav ohne Begleitung aus dem Camp wieder. Das zweite Paar trennte sich einvernehmlich. Und dann kam Aurelia an die Reihe. Sie hatte zuvor noch verkündet, dass sie um Henrik kämpfen wollte und bekannte sich daher jetzt offiziell zu ihrem Kappel. Dumm nur, dass „Bon Schlonzo“ mit der hübschen Blondine am Arm aus dem Camp kam. Nicht nur Aurelia, auch allen anderen Eiländern fielen fast die Augen aus dem Kopf.

Henrik schießt Aurelia ab

Von RTL2 geschickt inszeniert, da man auf diese Weise dem Abtrünnigen auch keine Chance gegeben hat, die Gehörnte in irgendeiner Form auf das vorzubereiten, was da auf sie zu kommen würde. Erwartungsgemäß gab es wilde Flüche, viele Tränen und böse Verwünschungen für Henrik. Zur Kanalisation der aufgestauten Frustration folgte alsbald das beliebte Sahne-Spiel, bei dem jede Eiländerin entscheiden konnte, welchem Eiländer sie gerne eine Portion buntgefärbte Torte mit ordentlich Sahne ins Gesicht drücken möchte. Dreimal darf man raten, wer die meisten Torten einheimste … Groß war hingegen Aurelias Geste, die ihre Torte demonstrativ einem anderen zudachte und zu Henrik nur sagte, er sei ihr nicht einmal mehr eine Torte im Gesicht wert.

Sieger – Tim & Melina

Gewinner der vierten Staffel waren dann Tim und Melina. Nach Aurelias Weggang avancierten Bon Schlonzo und Zweit-Frau Sandra immerhin noch zum Finalpaar, jedoch konnten sie sich am Ende dann doch nicht ganz durchsetzen. Tim hatte sich bei seinem Einzug ähnlich wie Henrik als großer Aufreißer präsentiert, in der Villa zeigte er sich dann allerdings von einer gänzlich anderen Seite. Mit einer Engelsgeduld widmete er sich der schwerst zickigen Melina, ertrug stoisch alle ihre Launen und stutzte sie schließlich tatsächlich so weit zurecht, dass sie es gemeinsam bis ins Finale schafften. Den Umschlag mit den 50.000 EUR zog schließlich Melina und beteiligt Tim mit 25.000 EUR Schmerzensgeld an ihrem Sieg.

Melina zickt Tim an

Die unterhaltsamste Staffel war die coronabedingte Lang-Fassung, von vier Wochen statt bisherigen drei, nicht. Es gab einige Highlights, aber auch viele eher fade Folgen. Trotzdem wächst man mit den Kandidat*innen immer irgendwie zusammen. Es ist dann wie eine Soap, bei der man täglich zuguckt, weil es irgendwie so ist, als blicke man bei den Nachbarn über den Zaun (oder ins Schlafzimmer). Man hat das Gefühl, man kennt sich. Und tatsächlich wird man den einen oder die andere ja wiedersehen, ich tippe auf Henrik (Dschungelcamp oder Promi-BB), vielleicht Tim, Aurelia möglicherweise und vielleicht auch Luca, dessen frühes Ausscheiden irgendwie schade war.

Wie geht’s jetzt weiter?

Spannend ist nach Love Island auch immer: Wie lange dauert’s bis die Schlagzeile über den Äther geht, dass die Kappels sich im wahren Leben ausgekappelt haben? Meistens lässt das Aus nach der letzten Klappe nicht lange auf sich warten.

Zum guten Schluss bin ich dann auch hinter die Erfolgsformel von Love Island gekommen. Im ersten Moment ist es abschreckend, das peinliche Berührtsein überwiegt, aber dann kommt das wohlig-warme Gefühl: Ja, genauso war das – damals mit 12! Hach.

Schade, dass es schon wieder vorbei ist. Ich freu mich schon auf das nächste Fremdschämen-Format. Lange muss ich nicht warten, denn die Bachelorette steht schon in den Startlöchern.

Überraschende Film-Entdeckungen (2)

Manche Filme kommen auf ganz leisen Sohlen und schleichen sich tief ins Herz. Ich mag Filme, die nachhallen. Die man gar nicht auf dem Schirm hatte, weil sie keine Blockbuster mit Mega-Budget sind, die wenig besprochen werden und dann irgendwo im Nachtprogramm der Öffentlich-Rechtlichen laufen. In dieser Rubrik meines Blogs stelle ich solche kleinen Entdeckungen vor.

Genuss-Filme für kalte Winterabende oder laue Sommernächte

Ein paar Jährchen auf dem Buckel und immer noch bemerkenswert

Dieses Mal hab ich drei Filme für euch, die schon ein bisschen älter sind. Nichts desto weniger finde ich, dass sie auf jeden Fall etwas mehr Aufmerksamkeit verdient haben. Auf geht’s:

Birnenkuchen mit Lavendel (2015)

Der französische Liebesfilm mit dem Originaltitel Le goût des merveilles von Éric Besnard aus dem Jahr 2015 spielt in der Provence auf dem tief verschuldeten Hof der Witwe Louise. Sie versucht ihre beiden Kinder und den Obst- und Lavendelanbau irgendwie zu wuppen, da stolpert Pierre in ihr Leben. Der junge Mann lebt in seiner eigenen Welt, er hat Asperger-Autismus, bei Louise fühlt er sich spontan wohl. Erst bringt er ihre Buchhaltung auf Vordermann, dann das Chaos in ihrem Leben.

Trailer zu „Birnenkuchen mit Lavendel“

Birnenkuchen mit Lavendel ist eine locker-leichte Wohlfühl-RomCom. Die schönen Landschaftsaufnahmen tragen ebenso viel zur Atmosphäre bei wie das unaufgeregte Spiel der Darsteller. Ein Film für einen regnerischen Herbsttag.

Vincent will Meer (2010)

Auch um Menschen mit besonderen Begabungen geht es unter anderem in der Roadtrip-Komödie „Vincent will Meer“ aus dem Jahr 2010. Der junge Vincent (gespielt von Florian David Fitz) leidet am Tourette-Syndrom. Sein vielbeschäftigter Vater (Heino Ferch) hat keine Geduld mit dem Sohn und lässt ihn in einer Klinik zurück, wo Vincent auf die magersüchtige Marie (Karoline Herfurth) und den Zwangsneurotiker Alexander (Johannes Allmayer). Seiner verstorbenen Mutter möchte Vincent den letzten Wunsch erfüllen: In einer Keksdose verwahrt er einen Teil ihrer Asche, den er ins Meer streuen will. Mehr oder weniger freiwillig treten Marie und Alex mit ihm die Reise nach Italien an.

Trailer zu „Vincent will Meer“

Florian David Fritz spielt nicht nur die Hauptrolle in diesem sensiblen Filmdrama, sondern er hat auch das Drehbuch dafür geschrieben. Mit über einer Million Zuschauern war „Vincent will Meer“ der Überraschungshit des Filmjahres 2010 und überzeugte Kritiker ebenso wie Jurymitglieder. Er holte einen Bambi, zwei Bayerische und zwei Deutsche Filmpreise, sowie einen Jupiter. Stehts oberhalb der Gürtellinie und mit einem feinen Sinn für Humor zeichnet Fitz die Beziehung der drei ungleichen Freunde nach. So appelliert der Film auch an Toleranz und Inklusion von Menschen mit Handicaps. Großes deutsches Kino!

Liebe Mauer (2009)

„Liebe Mauer“ ist eine romantische Komödie aus dem Jahr 2009. Sie spielt im Jahr 1989 im geteilten Berlin. Franziska (gespielt von Felicitas Woll) zieht zum Studium in eine günstige Altbauwohnung in Westberlin, direkt am bewachten Übergang zur Ostzone. Schnell entdeckt sie, dass die Einkaufsmöglichkeiten im Osten zwar begrenzt, mit West-Mark aber sehr günstig sind. Bei so einer Einkaufstour reißt Franzi auf dem Übergang von Ost nach West die Einkaufstüte und ihre Schnäppchen kullern über den Asphalt. Der Grenzsoldat Sascha (Maxim Memeth) eilt ihr zu Hilfe und schon verstrickt Franzi sich in eine aussichtslose deutsch-deutsche Liebesgeschichte.

Trailer zu „Liebe Mauer“

Ein wenig Ostalgie bringt „Liebe Mauer“ in die Wohnzimmer, mit dem melancholischen Blick auf eine Zeit, als quer durch Deutschland eine Mauer verlief und das Verhältnis zwischen Ossis und Wessis durch Stacheldraht und Todesstreifen geprägt wurde. Den Nebendarstellern, wie z.B. Anna Fischer als Saschas Schwester Uschi, ist es zu verdanken, dass „Liebe Mauer“ nicht zu schwermütig gerät. Mit klugem Humor gelingt es der Story die Balance zu halten zwischen romantischer Komödie und zeitgeschichtlichem Drama. Noch einmal, großes deutsches Kino!

Teil 1 der „Überraschenden Film-Entdeckungen“ findest du hier!