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Willkommen auf „G’n’S“

Liebe Leserinnen und Leseriche,

schön, dass ihr euch hierher verirrt habt. Das ist der Blog „Grapes’n’Soulfood“ von und mit mir, Veronika Lackerbauer. Ich bin Autorin, Genießerin, Weltenbummlerin von irdischen und phantastischen Welten und ich möchte euch gerne mit nehmen auf meine Reisen. Hier gibt es Beiträge zu verschiedensten Themen, die mich umtreiben. Ich erzähle euch von meiner Schreiberei, von Literatur ganz allgemein, aber auch von Filmen, Serien und immer auch von Genuss.

Kommt mit und macht es euch bequem. Schmökert gleich mal los in einer der Kategorien:

Viel Spaß wünscht,
eure

Meine liebsten Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur (Teil 1)

Der große Erich Kästner sagte wohl einmal: „Ein Buch, das es nicht wert ist von einem Erwachsenen gelesen zu werden, ist auch nicht wert, von einem Kind gelesen zu werden.“ Nach diesem Grundsatz habe ich auch im Erwachsenenalter noch viele Kinder- und Jugendbücher gelesen und entdecke, nicht erst durch unseren Sohn, nach wie vor neue für mich. Hier möchte ich einmal meine Liebsten zusammentragen, die Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist kein Ranking, sondern lediglich eine Sammlung. Vielleicht ist ja das eine oder andere dabei, das ihr noch nicht kennt, und ganz sicher habe ich ein paar vergessen, die ihr gern in den Kommentaren ergänzen dürft.

Eine Auswahl der angesprochenen Bücher

18. Jahrhundert

Die ältesten Exemplare meiner Empfehlungen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie gehören zu den klassischen Abenteuererzählungen.

Daniel Dafoe „Robinson Crusoe“ (1719)

Die Geschichte des Schiffbrüchigen Robinson Crusoe, der achtundzwanzig Jahre allein auf einer Insel lebte, kennt vermutlich jedes Kind. Ich finde, es sollte auch jedes gelesen haben!

Jonathan Swift „Gullivers Reisen“(1726)

Der irische Schriftsteller Swift war ein begnadeter Satiriker, die Ur-Ausgabe von „Gullivers Reisen“ deshalb auch voll beißendem Witz und als Sozialkritik gedacht. Um diese Spitzen beschnitten erlangte das Buch über Gullivers Abenteuer in Lilliput und bei den Riesen Weltruhm als Kinderklassiker.

19. Jahrhundert

Viele meiner Lieblingsbücher stammen aus dem 19. Jahrhundert, sie könnten heute ebenso als Geschichtslektion gelesen werden, aber sie transportieren auch zeitlose Messages. Es ist die Ära der Abenteuerromane, aber auch zahlreicher Gesellschafts- und Sittenromane und natürlich fallen auch die klassischen Märchen der Romantik in diese Zeit. Außerdem finden Sci-Fi-Fans hier die Klassiker, auf denen heutige Science-Fiction immer noch beruhen.

Die Gebrüder Grimm „Kinder- und Hausmärchen“ (1812-1858)

Jakob und Willhelm Grimm gehören zu den bekanntesten Märchensammlern der deutschen Romantik. Jedes Kind kennt „Aschenputtel“, „Dornröschen“ oder „Hänsel und Gretel“. Es lohnt sich aber auch einmal die weniger bekannten Märchen zu lesen. Und sehenswert sind die Neu-Verfilmungen der ARD-Sendeanstalten unter dem Titel „Sechs auf einen Streich“. Seit 2008 produzieren sie jedes Jahr zu Weihnachten neue Märchen-Filme und die bekanntesten deutschen SchauspielerInnen geben sich darin die Ehre.

EIne besonders schöne Ausgabe der Grimms Märchen mit Illustrationen der Landshuter Malerin Marlene Reidel
Die Illustration zu „Die 7 Raben“

Mary Shelley „Frankenstein“ (1818)

Mary Shelleys „Frankenstein“ ist ein Klassiker der Gruselliteratur. Der Wissenschaftler Frankenstein erschafft eine Kreatur und haucht ihr Leben ein, bald wendet sich der Erschaffene gegen seinen Schaffer.

Eine schön illustrierte Ausgabe von „Frankenstein“

Wilhelm Hauff „Zwerg Nase“ (1826)

Weniger bekannt, aber nicht minder lesenswert, sind die Märchen von Wilhelm Hauff. Eines der bekanntesten ist das von Zwerg Nase, der von einer bösen Zauberin verwünscht wird und eine lange Odyssee hinter sich bringen muss, um wieder er selbst zu werden.

Hans Christian Andersen „Die kleine Meerjungfrau“ (1837)

Bekannte Märchen, die nicht zum Zyklus der Grimm’schen Märchen gehören, sind höchstwahrscheinlich vom Dänen H.C. Andersen. Seine Märchen sind verspielter und leider sehr oft auch tragischer als die Grimm’schen. Disney hat der „Kleinen Meerjungfrau“ ein Happy-End geschenkt, bei Andersen hatte sie keins.

Charles Dickens „Eine Weihnachtsgeschichte“ (1843)

Dickens Weihnachtsgeschichte, in der dem bösartigen Mr. Scrooge nacheinander die Geister der vergangenen, der diejährigen und der zukünftigen Weihnacht begegnen, ist eine Geschichte der Läuterung und der Versöhnung.

Alexandre Dumas „Die drei Musketiere“ (1844)

Der französische Schriftsteller Dumas hat mit seinem Abenteuerroman über „Die drei Musketiere“ Arthos, Portos und Aramis einen Klassiker über Zusammenhalt und unverbrüchliche Freundschaft geschaffen. Einer für alle und alle für einen!

Herman Melville „Moby Dick“ (1851)

Ein weiterer Klassiker der Abenteuerliteratur ist Melvilles Meisterwerk über einen weißen Wal und seinem von hasszerfressenen Widersacher Kapitän Ahab.

Kapitän Ahabs Schiff in der Illustration von „Moby Dick“

Lewis Carroll „Alice im Wunderland“ (1865)

Carrolls Klassiker gehört zu den Nonsens-Erzählungen. Wenn Alice durch den Kaninchenbau in die verrückte Welt des Wunderlandes fällt, verlässt sie die Realität mit all ihren Gesetzmäßigkeiten. Durch Kuchenessen kann man dort riesengroß wachsen oder zum Winzling schrumpfen, die boshafte Herzkönigin regiert ein Heer aus Spielkarten und drangsaliert ihre Untertanen. Kongenial die Verfilmung von Tim Burton.

Louisa May Alcott „Little Women“ (1868)

Die anrührende Geschichte der Schwestern Beth, Jo, Meg und Amy erzählt von Träumen und der Schwierigkeit sie in die Tat umzusetzen, aber auch von Geschwisterliebe und Fantasy, die vieles leichter ertragen lassen.

Jules Verne „20.000 Meilen unter dem Meer“ (1869)

Jules Vernes Romane sind Klassiker der frühen Science-Fiction. Ob nun in einem Ballon „in 80 Tagen um die Welt“, „Eine Reise zum Mittelpunkt der Erde“ oder mit Kapitän Nemo an Bord der Nautilus „20.000 Meilen unter dem Meer“, Vernes Abenteuerromane ziehen immer noch in ihren Bann.

Mark Twain „Tom Saywer und Huckleberry Finn“ (1878)

Mark Twain ist das Pseudonym eines us-amerikanischen Schriftstellers. In seinen Abenteuergeschichten um Tom Sawyer und Huckleberry Finn skizziert er das Leben in den Südstaaten der USA. Den alltäglichen Rassismus schildert er mit spitzer Zunge und reichlich Gesellschaftskritik, seine frechen Titelhelden durchschauen die Vorurteile und brechen mit ihnen.

Johanna Spyri „Heidi“ (1880)

Die Schweizerin Spyri schuf mit ihren „Heidi“-Büchern eine idealtypische Welt der schweizer Almwirtschaft. Die verwaiste Titelheldin wird von ihrer Tante, bei der sie seit dem Tod ihrer Eltern aufwuchs, auf der Almhütte ihres Großvaters abgeladen, der sich künftig um das Kind kümmern soll. Der griesgrämige Alte und das kleine Mädchen freunden sich rasch an. Internationale Bekanntheit erlangte das Werk durch die japanische Zeichentrickserie aus den 90er Jahren und unzählige Realverfilmungen.

Howard Pyle „Robin Hood“ (1883)

Wer kennt ihn nicht? „Robin Hood“, der Rächer der Unterdrückten. Er stiehlt den Reichen und gibt den Armen. Seine Legende reicht weit zurück, eine der bekanntesten Aufzeichnungen dieser klassischen Geschichte von Gerechtigkeit und Freundschaft schrieb Howard Pyle. Zuckersüß ist die Verfilmung von Disney, in der Robin ein Fuchs und auch alle anderen Figuren Tiere sind.

Robert Louis Stevensen „Die Schatzinsel“ (1883)

Der Schotte Stevensen begründet die klassischen Schatzsucher-Abenteuer mit diesem Meisterwerk über einen alten Piratenschatz. Die Geschichte ist an die zwanzig Mal verfilmt worden.

Emmy von Rhoden „Der Trotzkopf“ (1885)

Ein Buch, das ich viele Male gelesen habe. Ilse Mackett ist ein Wildfang, der im feinen Internat für höhere Töchter den für die Gesellschaft nötigen Schliff erhalten soll, tatsächlich lernt sie sich dort zu benehmen, aber vor allem schließt sie Freundschaften fürs Leben. Und ihre Unangepasstheit lässt sie sich nie ganz abtrainieren. Herzerwärmend auch die Verfilmung von 1983 mit Anja Schüte in der Titelrolle.

Weihnachten im Internat, eine Illustration aus „Trotzkopf“

Frances Hodgson Burnett „Sara, die kleine Prinzessin“ (1888)

Die kleine Sara kommt als Halbwaise ins Internat nach England, dort lebt sie behütet und wohl begütert, bis aus Indien die Nachricht kommt, dass ihr Vater gestorben ist. Von nun an hat Sara kein Vermögen mehr und ist auf die Gnade der Internatsleiterin angewiesen, damit sie sie nicht vor die Tür setzt. Mit Hilfe des Dienstmädchens Becky und ihrer Fantasie gelingt es ihr, sich einen Platz in der Welt zu behaupten.

Karl May „Der Schatz im Silbersee“ (1890)

Karl May gilt als der Vater der Westernliteratur, obwohl er selbst nie in Amerika war. Seine bekannteste Figur ist der Apachen-Häuptling Winnetou (unsterblich geworden durch die Darstellung von Pierre Brice in zahlreichen Verfilmungen) und dessen beliebstestes Abenteuer ist „Der Schatz im Silbersee“.

Rudyard Kipling „Das Dschungelbuch“ (1894)

Die Geschichte von Mogli, der unter Wölfen aufwuchs und einen Panther und einen Bären zum Freund hat, kennt man am besten aus der Disney-Version. Aber auch der Originaltext von Rudyard Kipling verdient es gelesen zu werden.

Bram Stoker „Dracula“ (1897)

Der Ire Stoker schuf mit „Dracula“ den wohl bekanntesten Vampir der Literaturgeschichte und legte damit viele grundlegende Regeln für dieses Genre fest. Der Klassiker der Gruselliteratur erzählt aber gleichzeitig die Geschichte einer unsterblichen Liebe.

Demnächst gibt es meine liebsten Kinder- und Jugendbücher des 20. Jahrhunderts. Fortsetzung folgt!

Rezension: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Zwischendurch hab ich mal wieder ein Sachbuch gelesen. Eine Chronik der BRD von Andrea Gotzes. Ich mag Geschichte und vor allem die Zeitgeschichte der letzten 100-150 Jahre. In diesem Bildband aus dem Elsengold Verlag werden die wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Ereignisse und Personen der Bundesrepublik Deutschland dargestellt, von ihrer Gründung, über das Wirtschaftswunder und die bewegten 60er, 70er und 80er Jahre, bis zur Jahrtausendwende und aktuellen Entwicklungen der letzten beiden Jahrzehnte. Es ist wenig Überraschendes enthalten logischerweise, für jemanden, der sich sowieso schon für Geschichte interessiert, aber es war doch spannend zu lesen und ein paar kleine Anekdötchen gab’s dann doch, die mir neu waren.

Ein Provisorium wird gegründet – Kriegsende bis 1949

Das erste Kapitel widmet sich der unmittelbaren Nachkriegszeit. Nach sechs Jahren Krieg kapitulierte Deutschland am 7. Mai 1945. Das ist genau genommen noch nicht die Geschichte der Bundesrepublik, denn die gab es ja noch nicht. Die Konferenzen der vier alliierten Mächte besiegelten das Schicksal des Aggressors Deutschland, im Potsdamer Abkommen einigten sich die USA, Großbritannien und Rußland auf eine gemeinsame Marschrichtung, Frankreich schloss sich wenige Tage später an.

Der Wideraufbau bleibt zu einem großen Teil den Frauen, die Männer sind im Krieg geblieben oder in Gefangenschaft

1948 brachte die Währungsreform einen ersten Aufschwung. Der Sonderweg der UdSSR zeichnete sich ab. Als Stalin Berlin abriegeln ließ, um die ehemalige Hauptstadt unter die sowjetische Befehlsgewalt zu zwingen, reagierten die USA mit einer Luftbrücke. Die „Rosinenbomber“ versorgten die eingeschlossenen Menschen und zwangen Stalin schließlich zum Einlenken. USA, Großbritannien und Frankreich einigten sich auf eine einheitliche Linie, die UdSSR ging endgültig einen eigenen Weg.

Tatsächlich gegründet wurde die BRD 1949 mit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes als übergangsweiser Verfassung, den ersten freien Wahlen und dem Amtsantritt der ersten bundesdeutschen Regierung unter Konrad Adenauer als Kanzler.

Ein Deutschland, das im Westen liegt (1950-1960)

Die Hauptstadt der neugegründeten Republik liegt am Rhein und heißt Bonn. Der parteilose Ökonom Ludwig Erhard verhilft mit seinem Prinzip der „sozialen Marktwirtschaft“ den Deutschen zum Wirtschaftswunder. Vom ersten Kabinett Adenauers bis 1963 war er Wirtschaftsminister der BRD. Für den aufkeimenden Wohlstand steht u.a. die BMW Isetta, das Gogomobil und der VW Käfer. 1954 bewies die deutsche Nationalelf im „Wunder von Bern“: Man ist wieder wer!

Die Stars der 50er hießen Hildegard Knef, Conny Froboes oder Peter Kraus. Die Popkultur orientierte sich stark an den USA, von dort kamen Jazz-Musik, Boogie-Woogie, Nylonstümpfe und die Blue Jeans nach Deutschland.

Ein Jahrzehnt des Umbruchs (1961-1968)

Eine Zäsur stellte der Bau der Berliner Mauer dar, der fortan „den Westen“ vom „Osten trennen sollte. An dieser innerdeutschen Grenze wurde scharf geschossen, 1962 starb mit Peter Fechter der erste Mauertote. US-Präsident J.F. Kennedy besuchte 1963 West-Berlin und erklärte sich mit seinem Aphorismus „Ich bin ein Berliner“ solidarisch mit den Bewohnern der geteilten Stadt, nur wenige Monate später wurde er bei einem Attentat in Dallas getötet.

Konrad Adenauer verliert die absolute Mehrheit, Franz Josef Strauss stolpert über die Spiegel-Affäre und die Republik erhält ein zweites Fernsehprogramm. Nach 14 Jahren Amtszeit muss Adenauer Platz machen für seinen Nachfolger, Ludwig Erhard. Schon 1966 löste ihn Kurt Georg Kiesinger ab.

Zeitgleich begannen vier Briten in Hamburg ihre Weltkarriere: Die Beatles brachten den Beat in die BRD. Wie die Rolling Stones zogen sie tausende Jugendliche in ihren Bann, deutsche Gruppen wie Rattles oder die Lords versuchten sie zu imitieren. Das Mode-Idol der 60er war Twiggy, die der Üppigkeit der 50er ihre burschikose Magerheit entgegensetzte. Die sexuelle Revolution wurde eingeläutet, in Berlin gründete sich die legendäre „Kommune I“ um Rainer Langhans und Fritz Teufel, die die freie Liebe propagierte und für etliche Skandale sorgte. Die Studentenproteste nahmen ihren Anfang, gegen den Vietnam-Krieg, den Mief der Nachkriegszeit und die fehlende Aufarbeitung des Nationalsozialismus.

Rudi Dutschke war das Gesicht der Studentenbewegung der 68er

Neue Wege, neue Bewegungen (1969-1981)

Das Bild des knienden Bundeskanzlers Willy Brandt vor dem Mahnmal des Warschauer Ghettos ging 1970 um die Welt. Es war eine Geste der Demut und der Versöhnung.

Willy Brandt sinkt in Warschau auf die Knie

Zur Studentenbewegung kommt die Friedensbewegung, Proteste gegen den Abtreibungs-paragraphen und den Homosexuellen-Paragraphen §175. 1970 formiert sich aus dem linken Spektrum heraus die terroristische Vereinigung RAF um Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin. 1974 tritt Willy Brandt zurück. Sein Nachfolger, dessen Amtszeit vom Kampf gegen die Terroristen geprägt sein sollte, war Helmut Schmidt.

Die olympischen Spiele von München wurden 1972 durch den Anschlag auf die israelischen Sportler überschattet. Die Gewalt eskalierte 1977 im sogenannten „Deutschen Herbst“ mit der Entführung Hans Martin Schleyers und der Lufthansamaschine Landshut. Die neu gegründete GSG9 kann in Mogadishu die Insassen der Landshut befreien, Schleyer wird kurze Zeit später ermordet aufgefunden. In Stuttgart Stammheim nehmen sich die führenden Köpfe der ersten Generation der RAF das Leben, doch damit ist der Frieden noch nicht wieder hergestellt.

Hausbesetzerszene, Schwulen- und Lesbenbewegung, die Anti-Atomkraft-Bewegung und zahlreiche andere Bürgerinitiativen gründen sich während der 70er Jahre. Das Volk will nicht nur regiert werden, es will mitsprechen!

Die Kultur- und Fernsehwelt der 70er wird bunter und vielfältiger. 1970 läuft der erste Tatort in der ARD. John Travolta läutet die Disco-Ära ein und Liedermacher wie Wolf Biermann greifen musikalisch auf, was die Menschen im Land bewegt.

Von der Bonner zur Berliner Republik (1982-1990)

1982 beginnt die „Ära Kohl“. Der neue Bundeskanzler Helmut Kohl hat sich von Anfang an die Wiedervereinigung der beiden deutschen Teilstaaten auf die Fahnen geschrieben. Sein Amtsantritt wird begleitet von den Protesten zum Nato-Doppelbeschluss. Auch die RAF macht das ganze Jahrzehnt über weiter von sich reden.

Eine neue Erkrankung wird zum Schreckgespenst des Jahrzehnts, sie betrifft vor allem Homosexuelle, aber bei Weitem nicht nur. AIDS bleibt bis in die 90er Jahre ein Todesurteil für die Erkrankten, Stars wie Freddy Mercury sind dagegen ebenso wenig gefeiht. Die bundesweiten Aufklärungskampagnen solchen über den wirksamsten Schutz aufklären: Safer-Sex.

Familie Brinkmann in der „Schwarzwaldklinik“ 1986

Die Idylle, aber auch die Probleme der 80er Jahre spiegeln die Heimatserien wider, so wie die Schwarzwaldklinik mit Doktor Brinkmann. Boris Becker und Steffi Graf lösen einen Tennis-Boom aus.

Graf und Becker 1989 mit ihren Siegertrophäen

Unter Michail Gorbatschow entspannt sich die Beziehung zwischen Ost und West. „Glasnost“ und „Perestrojka“ sind die Schlagworte, die den Wandel ausdrücken. Im Mai 1989 bekam der Eiserne Vorhang erste Risse, bis November demonstrieren montags bis zu einer halben Million Menschen friedlich für die Öffnung des Ost-Blocks. Zum 40. Jahrestag der DDR wird die Krise deutlich sichtbar, in der das ostdeutsche Regime sich befindet. Am 9. November öffnet die DDR die Schlagbäume in den Westen.

Zwei deutsche Welten wachsen zusammen (1991-2004)

Die Wiedervereinigung vollzog sich nicht an einem Tag und mancher hatte sie sich wohl auch anders gedacht, als sie letztlich geworden ist. Die Treuhand, die den ökonomischen Transformationsprozess von der Planwirtschaft der DDR hin zur Marktwirtschaft lenken sollte, begünstigte vielfach nur den „Ausverkauf des Ostens“, beklagten die „Ossis“ und im Westen ächtzen die „Besser-Wessis“ über den Solidaritätszuschlag, den sie bezahlen sollten. Die Bundesbehörde „zur Archivierung der Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR“, die der Einfachheit halber nach ihrem engagierten Leiter Joachim Gauck kurz „Gauck-Behörde“ genannt wurde, gab Millionen Ost-Deutscher Einblick in die Akten, die die Stasi-Spitzel in 40 Jahren über sie gesammelt hatten.

Die 90er Jahre stehen leider auch im Schatten von mehreren schweren Brandanschlägen Rechtsradikaler gegen Asylunterkünfte und Synagogen. Die Orte Mölln, Solingen und Rostock-Lichtenhagen stehen seither synonym für Rassismus und Menschenhass.

In Maastricht unterzeichneten die bis dato zwölf Mitglieder der EWG den Vertrag zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und legten damit den Grundstein für die gemeinsame Währung. Mit Finnland, Österreich und Schweden erweiterte sich die Europäische Gemeinschaft außerdem auf 15.

1998 endete die Ära Kohl und auch die Regierungspartei wurde abgelöst. Gerhard Schröder übernahm das Ruder mit einer rot-grünen Bundesregierung. Die Beteiligung an den NATO-Einsätzen im Kosovo und Rest-Jugoslawien sorgten gleich für Konflikte zwischen den friedensbewegten Grünen und ihrem SPD-Kanzler.

2001 blieb die Welt für einen kurzen Augenblick stehen und blickte fassungslos nach New York, wo, nach einem terroristischen Angriff, die Türme des World Trade Centers in sich zusammensanken. Die USA riefen daraufhin zum „Kampf gegen den Terrorismus“ auf.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland brachte zwar nicht den erhofften Sieg für die Nationalelf, dafür aber ein „Sommer-Märchen“ nach Deutschland. Den Sieg holte die Elf von Jogi Löw dann 2014 in Brasilien.

WM-Held 2006 Lukas Podolski beim Achtelfinalsieg über Schweden

Deutschland in einer globalisierten Welt seit 2005

Die Welt rückt immer näher zusammen, Globalisierung und Digitalisierung prägen die 2000er Jahre. Bei der Bundestagswahl 2005 setzte sich erstmals eine Frau durch: Angela Merkel. Sie managte die Finanzkrise 2008 ebenso, wie die Flüchtlingswelle 2015. In Stuttgart protestierten tausende Menschen gegen das Bahnhofsprojekt „Stuttgart21“ und Missbrauchsfälle im Umfeld der katholischen Kirche, wie etwa in der Odenwaldschule, erschütterten das Land ebenso wie die rechtsextreme Mordserie des NSU.

Den vielen Migranten, die vielfach aus Kriegsgebieten und vor Terror und Gewalt flohen, standen die meisten Deutschen zunächst mitfühlend und unterstützend zur Seite. Ein Heer von Freiwilligen organisierte die Integration mittels Deutsch-Unterricht und gemeinschaftlicher Aktivitäten. Gleichwohl formierte sich auch der rassistische Widerstand, in Dresden gingen montags die Anhänger von PEGIDA demonstrieren.

Das war sie, die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Zusätzlich zu den 180 Seiten geschichtlicher Ereignisse und politischer Zusammenhänge gibt es 70 Porträts von wichtigen Personen der jeweiligen Zeit. Leider fand die Autorin Andrea Gotzes nur 18 Frauen eines Porträts für würdig, die Männer sind in der absoluten Überzahl. Neben den großen politischen Namen fanden auch Kulturschaffende wie die Autoren Heinrich Böll und Günter Grass, der Naturfilmer Bernhard Grzimek, die Schauspielerin und „Mutter der Nation“ Inge Meysel, oder der Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer Eingang in die Chronik.

Fazit

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch über unsere jüngste Vergangenheit. Anhand vieler Hochglanzfotos wird das Leben in diesem Land über die Jahrzehnte lebendig. Wir haben mit Hilfe dieses Buches auch angefangen, unserem Sohn ein wenig von der deutschen Geschichte näherzubringen.

Erich Kästner – Seine Bücher, Verfilmungen und Eckdaten seines Lebens

Jedes Kind kennt seit Generationen die Bücher von Erich Kästner. Viele wurden verfilmt, teilweise werden die Stoffe immer wieder aufgegriffen, weil sie einfach eine zeitlose Botschaft in sich tragen. Auch die Biographie Kästners ist durchaus interessant und war den Machern einen wirkliche sehenswerten Film wert. Mein liebstes Kästner-Buch ist „Das fliegende Klassenzimmer“, gern auch in der ganz alten Verfilmung aus den 50er Jahren. Weil er einfach nie aus der Mode kommt, widme ich Erich Kästner hiermit einen Blog-Post!

Was von Kästner in unsrem Bücherregal steht

Erich Kästner – Schlaglichter eines Lebens im Schatten des Nationalsozialismus‘

Und wüsste ich sonst nichts über ihn, das allein wäre mir genug, um ihn lesen zu wollen: Erich Kästner stand auf der Liste der „entarteten“ Autoren, deren Bücher Nazi-Deutschland unter Hitler verbrennen ließ. Wie kam es dazu? Was störte die Nazis an seinen Werken? Wer IST dieser Kästner denn nun? Eine Annäherung:

Emil Erich Kästner wurde am 23. Februar 1899 in Dresden geboren. Er wuchs in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf, sein Vater Emil Richard Kästner war Sattlermeister und arbeitete in einer Kofferfabrik, seine Mutter Ida ein Dienstmädchen und später Friseurin. Gerüchten zu Folge soll der Hausarzt der Familie, Emil Zimmermann, Kästners leiblicher Vater gewesen sein. Das Verhältnis zu seinem Vater war auch nie so eng wie das zu seiner Mutter, der er bis zu ihrem Tod täglich Briefe oder Postkarten schickte.

Prägend für den jungen Kästner war aber die politische Einstellung seines Vaters, als Teil der Arbeiterbewegung und Sozialdemokrat. Schon als Kind erlebte Kästner, nach eigenen Aussagen, wie berittene Gendarmen auf Demonstranten einschlugen, die wiederum Steine auf die Gaslaternen warfen – einer von ihnen, sein Vater, um den Kästner vom Fenster aus bangte.

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs studierte Kästner in Leipzig Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaften, schlug sich mit mehreren Gelegenheitsjobs durch und promovierte schließlich 1925 in Germanistik. Schon bald verdiente er sein erstes richtiges Geld als Journalist für die Neue Leipziger Zeitung. Dem kritischer werdenden Kästner wurde ein erotisches Gedicht zum Verhängnis, aufgrund dessen er 1927 gekündigt wurde. Er zog nach Berlin, legte sich ein Pseudonym zu und arbeitete fortan als freier Korrespondent.

Ab 1933 wurde die Luft für Kästner dünner. Seine bis dahin veröffentlichten Werke landeten auf der Liste der „undeutschen Bücher“. Als einer der wenigen intellektuellen und bereits prominenten Gegner des Nationalsozialismus‘ blieb Kästner in Deutschland, schlug sich mit unter Pseudonym verfassten Drehbüchern und der Veröffentlichung seiner Werke im Ausland durch. Erst nach dem Untergang des NS-Regimes 1945 konnte er sich wieder frei entfalten.

Politisch blieb Kästner auch nach dem Zweiten Weltkrieg. Öffentlich kritisierte er die Adenauer-Regierung und bezog als überzeugter Pazifist Stellung zur Remilitarisierung der BRD. Er war außerdem Anhänger der Anti-Atomwaffenbewegung. Einem breiten Publikum wurde er durch seine Kinder- und Jugendbücher bekannt, wie Emil und die Detektive (1929), Pünktchen und Anton (1931), Das fliegende Klassenzimmer (1933) oder Das doppelte Lottchen (1949). Ebenso populär sind jedoch auch seine oft satirischen, gesellschafts- und zeitkritischen Gedichte, u.a. erschienen in der Sammlung Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke (1936).

Kästner starb am 29. Juli 1974 im Klinikum Neuperlach an Speiseröhrenkrebs. Sein Grab ist auf dem Bogenhausener Friedhof in München zu finden.

„Das fliegende Klassenzimmer“ und ihre Verfilmungen

Wie eingangs erwähnt, ist „Das fliegende Klassenzimmer“ mein mit Abstand liebstes Kästner-Buch. Ich habe eine ganz alte Ausgabe, die meiner Mutter gehört hat und eine Widmung zu ihrem Geburtstag 1963 trägt. Daraus lese ich derzeit unserem Sohn vor. Die Sprache ist an manchen Stellen ein wenig altmodisch, aber gerade daraus ergibt sich so ein kuschelig wohliges Gefühl für mich. Die jüngeren Schüler siezen die Primaner, also die Schüler der Abschlussklasse, und sie sagen lustige Dinge wie: „Ist das nicht dufte?“. Heute würde Matz wahrscheinlich etwas wie „Voll stabil, Homie“ sagen. Aber das ist eigentlich auch schon der einzige Unterschied. Die Geschichte funktioniert auch knapp 90 Jahre später noch und das macht ein gutes Buch doch aus!

„Das fliegende Klassenzimmer“, mein Erbstück

Erich Kästner soll über die Kinder- und Jugendliteratur gesagt haben:

„Ein Kinderbuch, das es nicht wert ist auch von Erwachsenen gelesen zu werden, ist auch nicht wert, dass Kinder es lesen.“

Tatsächlich werden Erwachsene in seinen Kinderbüchern einen feinen Humor und oft gar nicht so unterschwellige sozialkritische Stellungnahmen entdecken, die Kindern möglicherweise verborgen bleiben. In jedem Fall muss man sich vor Augen führen, unter welchen historischen Gegebenheiten Kästner den Großteil seiner bekanntesten Werke verfasste.

Die Widmung, die meiner Ausgabe vorangestellt wurde. Von einer Großtante an meine Mutter.

Im Vorwort zum „Fliegenden Klassenzimmer“ mahnt Kästner beispielsweise, dass es in der Geschichte immer wieder Phasen gab, in denen die Schlauen nicht mutig und die Mutigen nicht schlau waren. Oder er sagte darin auch: „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“ – Zu einer Zeit, da die Nationalsozialisten sich aufschwangen, um die Macht in Deutschland zu übernehmen. Er gab diese mahnenden Worte ab, ohne zu wissen, was noch kommen würde. Nämlich ein vernichtender Weltkrieg und der Massenmord an Millionen Juden, Linken und Andersdenkenden.

Ausschnitt aus „Das fliegende Klassenzimmer“ von 1954

„Das fliegende Klassenzimmer“ wurde zum ersten Mal 1954 verfilmt. Regie führte Kurt Hoffmann, der Film ist noch schwarz-weiß und ein sehr junger Peter Kraus tritt als Tertianer Johnny auf. Mir ist diese älteste Version immer noch die liebste der inzwischen drei Verfilmungen. Es folgte 1973 die Neuverfilmung von Werner Jacobs mit Joachim Fuchsberger und Heinz Reincke. Und 2003 die von Tomy Wigand mit Ulrich Noethen und Sebastian Koch.

Trailer zum Kinofilm „Das fliegende Klassenzimmer“ von 2003

Kästner im Film

In den alten Verfilmungen, die Kästner selbst noch erlebt hat, spielt er sich selbst. Die Bücher verfügen über großartige (und unbedingt lesenswerte!) Vor- und Nachwörter und diese Einführungen spricht Kästner u.a. in der Verfilmung des „Fliegenden Klassenzimmers“ von 1954 oder der ersten „Lottchen“-Adaption selbst. „Das doppelte Lottchen“ wurde ganze 16 (!) Mal bislang verfilmt oder zumindest wurden Motive daraus den Filmen zugrundegelegt. Die bekanntesten beiden dürften die älteste Verfilmung von 1950 und die 90er-Jahre Version „Charly & Louise“ sein.

Zwei Ausgaben vom „Doppelten Lottchen“, links der Comic, rechts das klassische Buch

Aber auch über das Leben des Autors selbst gibt es inzwischen Filmmaterial. Unbedingt sehenswert ist die tragikomische Verfilmung „Kästner und der kleine Dienstag“ aus dem Jahr 2016 unter der Regie von Wolfgang Murnberger. Neben biographischen Details aus Kästners Leben geht der Film auch der Frage nach, wer „der kleine Dienstag“ gewesen sein könnte. Die Figur kommt in Kästners berühmten Werk „Emil und die Detektive“ vor und hat wahrscheinlich – wie manche seiner Figuren – ein lebendes Vorbild gehabt. Der Film beschäftigt sich aber auch mit der schwierigen Situation Kästners, im aufkommenden Nationalsozialismus als kritischer Autor zu überleben. Die Rolle des Erich Kästner übernahm im Film Florian David Fitz.

Trailer zu „Kästner und der kleine Dienstag“

Alte Themen in neuem Gewand – Kästner-Comics

Eine wunderschöne Möglichkeit sich Kästners Büchern auf ganz neue Art anzunähern, sind die congenialen Comics von Isabel Kreitz. Kreitz ist 1967 in Hamburg geboren und eine preisgekrönte Illustratorin und Comiczeichnerin. 2006 startete sie mit „Der 35. Mai“ ihre Comic-Reihe zu Kästners Meisterwerken. Zwischenzeitlich gibt es auch noch „Emil und die Detektive“, „Das doppelte Lottchen“ und „Pünktchen und Anton“ von ihr illustriert. Leider fehlt mein Lieblingsbuch bislang noch, ich hoffe, sie wird sich das Klassenzimmer auch noch vornehmen.

Blick in den Comic zu „Emil und die Detektive“

Mit den Original-Texten und den wunderschönen Bildern die Kreitz dazu zaubert, kommen so auch Lesemuffel und Comicliebhaber in den Genuss von Kästners Weisheiten. Kürzlich gab es eine gekürzte Ausgabe von „Emil und die Detektive“ als Sonderauflage der Stiftung Lesen bei MacDonalds, wodurch wir auf die Comics aufmerksam gemacht wurden. „Emil und die Detektive“ hat unser Sohn ganz selbstständig gelesen und sich als nächstes „Das doppelte Lottchen“ gewünscht.

Die Comics zu „Das doppelte Lottchen“ und „Emil und die Detektive“

Es lohnt sich also in jedem Fall mit den eigenen Kindern oder Enkeln den großartigen Erich Kästner noch einmal zu entdecken!

Spielzeug häkeln – Pirates of the Caribbean-Special (Teil 5)

Bereits vier Mal habe ich euch Einblicke in mein Entspannungshobby Häkeln gegeben. Die StarWars-Figürchen kennt ihr bereits, jetzt hat mich ein anderes Film-Universum zu neuen Häkelprojekten inspiriert. Die möchte ich euch natürlich auch nicht vorenthalten. Die Pentalogie „Fluch der Karibik“ bietet viele interessante Figuren, die sich häkeln lassen und hier sind die Ergebnisse!

Die fertigen Figürchen mit ihren realen Vorbildern

Technik und Vorgehensweise

Tatsächlich sind meine Kenntnisse der verschiedenen Techniken relativ begrenzt. Im Wesentlichen arbeite ich mit festen Maschen und Luftmaschen. Durch Maschenzu- oder Abnahme entstehen die Formen und Ausgangspunkt ist häufig der sog. Magic-Ring. Details sticke ich auf. Mehr braucht es an Technik eigentlich nicht.

Captain Jack Sparrow beim Ankleiden

Als Untergrund für die menschlichen Figuren benutze ich Püppchen aus Holz von Buttinette, die dann von mir umhäkelt werden. Ich habe ganz viel Woll- und Garnreste in verschiedensten Farben, wenn ich spezielle Farben oder Qualitäten brauche, bestelle ich diese meist ebenfalls bei Buttinette. Sehr gut eignet sich nach meiner Erfahrung die Catania oder Camilla für solche Projekte.

Gesicht, Frisur und Hals sind fertig

Ich starte eigentlich immer mit dem Gesicht. Vorderseite und Rückseite (Haare) ergeben zwei halbkugelförmige Stücke, die ich um den Kopf der Figur zusammennähe. Das Gesicht wird aufgestickt. Frisuren forme ich aus krauser Wolle oder Wolle mit Fransen. Danach kommt ein dünner Streifen für den Hals aus derselben Wolle wie das Gesicht. Kleidung häkle ich vom Hals abwärts. Manche Kleidungsstücke häkle ich so, dass sie ausgezogen werden können, zumindest die unterste Schicht verbinde ich aber fest mit Hals und Kopf. Gerade wenn es mehrere Lagen Kleidung gibt, gehe ich meistens dazu über, nur die sichtbaren Teile zu häkeln. Also z.B. nur den Kragen vom Hemd, der oben aus dem Pulli schaut, oder nur das Vorderteil vom Pulli, wenn hinten der Mantel drüber hängt usw. Dadurch spare ich mir etliche Schichten, allerdings ist die Figur dann eben nicht ausziehbar.

Elisabeth Swann und Jack Sparrow in voller Montur und bereits versehen mit einigen Details

Accessoires gibt es natürlich auch. Je mehr Details, umso hübscher wird die Figur am Ende. Waffen wie Lichtschwerter, Blaster oder Dolche verstärke ich innen mit Eisstäbchen, Zahnstocher oder diesen Verschlussklammern, die manchmal an Kekstüten etc. dran sind. Da muss man eben ein bisschen erfinderisch werden. Und Knöpfe, Schmuck u.ä. sticke ich mit kleinen Perlen auf.

Das „Fluch der Karibik“-Universum

Damit man sie als Häkel-Püppchen erkennt, brauchen Figuren eine gewisse unverwechselbare Eigenheit. Bei den Charakteren aus „Fluch der Karibik“ ist das oftmals gegeben, weshalb ich nach den vielen StarWars-Figuren diese anging. Nummer 1 war Davy Jones, der fiese Piratenkapitän der Flying Dutchman, der durch einen Fluch Tentakel im Gesicht trägt wie ein Kraken. Durch diese ist er wirklich unverwechselbar. Für sein Holzbein habe ich der Grundfigur einen Fuß amputiert, der Haken verdeckt eine Hand.

Natürlich durfte auch Captain Jack Sparrow nicht fehlen, der wahrscheinlich verrückteste Pirat aller sieben Weltmeere! Durch seine Frisur ist er leicht erkennbar, auch die Kleidung ist einzigartig. Zu seiner Figur gehört auch ein Dolch.

Und die bislang letzte im Bunde ist Elisabeth Swann, die sich von der hübschen Adeligen zur Piratenbraut und Kapitänin mausert. Ihr Kleid ist sogar noch aufwändiger gewesen als das von Padmé Amidala aus den Episoden I-III von StarWars. Ihren Hut zieren kleine Federn aus dem Bastelbedarf und ihr üppiges Dekolleté verdankt sie zwei Holzperlen.

Und dann steht natürlich auch dem Spielen nichts mehr im Wege: Davy Jones entführt Elisabeth vor den Augen von Jack!

Ich plane noch ihren Liebsten Will Turner, der leider weniger charakteristisch ist als die anderen Herren. Aber da wird mir sicher noch was einfallen.

Weitere Blog-Posts zu meinen Häkel-Spielsachen:

50 Jahre „Sendung mit der Maus“

Sie hat Generationen von Kindern schlau gemacht. Die „Sendung mit der Maus“ gehörte über lange Strecken meines Lebens zum allsonntäglichen Ritus. Und jetzt schaue ich sie mit meinem Sohn. Die Mischung aus Sachbeiträgen, Liedern, Geschichten und natürlich den charakteristischen Clips mit der orangen Maus, dem blauen Elefanten und der gelben Ente funktioniert auch 50 Jahre nach ihrer Entwicklung noch. Die guten, alten „Maus“-Sendungen in der Mediathek kompensieren heute vielleicht ein bisschen den ausgefallenen Unterricht im Corona-Lockdown. Auch wenn es inzwischen viele (gute) Kinder-Wissenssendungen gibt, bleibt „Die Maus“ doch einfach das Maß aller Dinge. Zeit, ihr ein kleines Denkmal zu setzen!

Obwohl die „Sendung mit der Maus“ sich eigentlich an Vor- und Grundschulkinder richtet, liegt das Durchschnittsalter der Zuschauer bei 40 Jahren (Quelle: Wikipedia). Das mag daran liegen, dass Eltern oder Großeltern häufig mit ihren Kleinen schauen, oder es liegt daran, dass diese Sendung einen festen Platz im Leben von ganz vielen Menschen hat, den sie seit ihrer Kindheit besetzt hält. Ich habe die ersten ungefähr 20 Jahre meines Lebens regelmäßig „Die Maus“ geschaut, dann eine Weile nicht mehr und jetzt guck ich sie mit meinem Sohn. Das Prinzip ist nach wie vor das altbewährte. 50 Jahre wird die „Sendung mit der Maus“ dieses Jahr! Hier ein kleiner Abriss ihrer Geschichte:

Die Geschichte hinter den Lach- und Sachgeschichten

Das Konzept zu diesen „Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger“ wurde 1970 von Gert Kaspar Müntefering, Siegfried Mohrhof, Monika Paetow und natürlich Armin Maiwald entwickelt. Sie war als direkte Konkurrenz für die gerade aus den USA importierte „Sesamstraße“ gedacht. Anfangs waren sie noch komplett tonlos. Schnell kristallisierte sich die kleine orange Maus aus der „Geschichte von der Maus im Laden“, gezeichnet von Isolde Schmitt-Menzel als zentrale Figur heraus. Die erste „Sendung mit der Maus“ hatte am 7. März 1971 in der ARD ihre Erstausstrahlung und man sollte es nicht meinen, aber die Sendung stand anfangs unter heftiger Kritik. Das änderte sich jedoch rasch.

Die Themengebiete der Beiträge sind sehr vielfältig und oftmals durchaus komplex. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass auch komplizierte Zusammenhänge einfach verständlich dargestellt werden. Die Bandbreite reicht dabei vom Alten Rom, über Brennesseln und das Internet, bis hin zur Luft- und Raumfahrt. Auch historische und aktuelle Ereignisse greift die Maus auf, wie z.B. das Unglück von Tschernobyl, den Fall der Mauer oder die Nachkriegszeit, oftmals aber auch alltägliche Fragen wie „Wie kommen die Streifen in die Zahnpasta?“ oder „Wie kommen die Löcher in den Käse?“.

Ein gewisser Peter Lustig hatte 1972 seinen ersten Fernsehauftritt in der „Sendung mit der Maus“, bald darauf bekam er seine eigene Sendung „Löwenzahn“. Seit 1972 hat sie außerdem ihren charakteristischen Vorspann mit dem Themenüberblick, seit 1973 zusätzlich in einer Fremdsprache. Am 5. Januar 1975 hatte der kleine blaue Elefant seinen ersten Auftritt und ist seitdem der untrennbare Gefährte der Maus. Die gelbe Ente kam erst am 2. Januar 1987 dazu.

Die einzelnen Beiträge wurden von vielen verschiedenen Redakteuren und Regisseuren umgesetzt, zur Identifikationsfigur aber wurde Armin Maiwald, der ab 1976 mit seinen Kommentaren die Sachgeschichten begleitete. Ab 1982 ergänzte Christoph Biemann das sicht- und hörbare Team. Ab 1988 trug Christoph immer den grünen Pullover, Grund dafür war, dass die „Atom-Maus“ über eine längere Zeit hinweg gedreht wurde und man durch die immer gleiche Kleidung Anschlussfehler beim Schnitt vermeiden wollte. Der Pulli wurde sein Markenzeichen in der Sendung.

Neben den Sachgeschichten, die häufig die Herstellung und Produktion von Alltagsgegenständen zum Thema haben, aber auch Berufe vorstellen oder naturwissenschaftliche Zusammenhänge erklären, spielen die unterhaltsamen Lieder und Geschichten eine wichtige Rolle. Der kleine Maulwurf Krtecek ist seit 1972 in den Lachgeschichten zu sehen, er wurde bereits 1957 in Prag geschaffen und lief zuerst in der DDR im „Sandmännchen“. 1979 kamen die Geschichten vom Tiger und vom kleinen Bär aus der Feder des Künstlers Janosch in die „Maus“. 1991 lief das erste Mal „Käpt’n Blaubär“ in der „Sendung mit der Maus“. Die Figur des Seemannsgarn erzählenden Bären stammt von Walter Moers (u.a. „Das kleine Arschloch“). Käpt’n Blaubär lebt mit einer Ratte namens Hein Blöd und seinen drei Enkelkindern (ein gelbes, ein grünes und ein rosa Bärchen) in dem gestrandeten Fischkutter Elvira und erzählt in jeder Folge haarsträubende Geschichten von seinen Abenteuern auf hoher See, die von den Enkelbärchen stets als Lügen enttarnt werden. Seit 2007 läuft „Shaun das Schaf“ regelmäßig in der „Sendung mit der Maus“. Die Stop-Motion-Serie von den Machern von „Wallace & Gromit“ spielt auf einer britischen Schaffarm, wo der aufmüpfige Shaun zusammen mit dem Hütehund Bizzer allerlei Abenteuer erlebt, während der Bauer von allem nie etwas mitbekommt.

Spektakuläre Maus-Beiträge waren z.B. die Begleitung der Entstehung und Inbetriebnahme des Airbus A321 1999. Seitdem trägt die Lufthansamaschine D-AIRY „Flensburg“ an den Seiten große Maus-Aufkleber. Im März 1992 nahm der Raumfahrer Klaus-Dietrich Flade eine Stofftier-Maus mit zur Raumstation MIR. 2014 flog die Maus auch mit Alexander Gerst ins All und besuchte die ISS. 2018 durfte auch der Elefant mit. Seit 2015 begleitet die Maus eine aus Syrien stammende Familie, die im Zuge der Flüchtilingswelle nach Deutschland kam und zeigt Folge für Folge ihren Weg zur Integration. 2019 war die Maus Gast auf den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth, dabei wurde dort auch ihre Titelmusik gespielt, eines der wenigen Male da dort etwas anderes als Wagner-Musik zur Aufführung kam.

Zum 20. und 25. Geburtstag gabe es jeweils eine Jubiläumsausgabe, in der Geburtstagssendung von 1996 präsentierte Entertainer Stefan Raab seinen Song „Hier kommt die Maus“. Ab 2005 sammelte die Maus-Redaktion unter dem Titel „Frag doch mal …“ Wünsche der kleinen Zuschauer*innen zu neuen Themen. Insgesamt erhielten sie so 75.000 Fragen, aus denen wieder neue Sachgeschichten entstanden und außerdem die Samstagabend-Show „Frag doch mal die Maus“. Zum 40. Maus-Geburtstag iniitierte die Redaktion den deutschlandweiten „Türen auf für die Maus“-Tag. Am 3. Oktober öffnen seither Fabriken, Labore, Stadien, Museen, Theater, Ratshäuser und Handwerksbetriebe ihre Türen, die sonst verschlossen bleiben für große und kleine Maus-Fans. 2012 eröffnete in Köln das „Museum mit der Maus“.

Seit 2017 gibt es die Maus auch mit Untertitel in Gebärdensprache und seit 2018 in einer Version mit Audiodeskription für Seheingeschränkte. Die Maus wurde unzählige Male ausgezeichnet, u.a. mit dem bayerischen und dem deutschen Filmpreis, dem Bambi, dem Grimme-Preis. 1995 erhielten Armin und Christoph für ihre Beiträge den Bundesverdienstorden, 2018 erhielt auf Ralph Caspers einen und die Maus selbst. Die „Sendung mit der Maus“ wird mittlerweile in 100 Ländern ausgestrahlt und ist damit eines der erfolgreichsten Formate der deutschen Fernsehgeschichte.

Am 23. Januar 2020 feierte Maus-Mitbegründer Armin Maiwald seinen 80. Geburtstag und wurde dafür mit einer Sondersendung, bestehend aus seinen Lieblings-Beiträgen, geehrt.

Zum 50. Geburtstag der „Sendung mit der Maus“ bleibt eigentlich nur zu wünschen, dass sie genauso bleibt wie bisher und noch lange, lange Wissen und Unterhaltung in unsere Wohnzimmer bringt!

Street Art – oder: Eine Annäherung an das Phänomen „Banksy“

Vor Jahren, während meines Master-Studiums an der Uni Passau, hatte ich ein interessantes Seminar über „Filmkritik“. Das Spannende daran war, dass wir selbst Filme kritisch unter die Lupe nahmen, oftmals Filme, die ich ohne dieses Seminar sicher nie gesehen hätte. So wie z.B. „Exit through the gift shop“, ein Dokumentarfilm über Street Art und das Phantom Banksy. Dass bis heute niemand genau weiß, wer oder was Banksy genau ist, obwohl jedes Jahr und rund um den Globus seine Werke „auftauchen“, fasziniert mich immer noch. Ich trage deshalb hier einige Aspekte des Phänomens „Banksy“ zusammen.

„Love is in the bin“, Banksys bekanntestes Werk

Gerade heute hatte ich zufällig auf Facebook eine kleine Diskussion über Banksy. Ausgelöst hat diese Debatte ein Bericht, wonach unter einem Beitrag von „Zeit im Bild“ jemand kommentierte, dass Banksy ebenso gut eine Frau sein könnte. Man sollte nicht glauben, wie viele Menschen diese simple Aussage auch im Jahr 2021 noch triggert. Der berühmte Street-Art-Künstler eine Frau?! Sakrileg!

Dabei kann es durchaus sein. Man weiß es schlicht nicht, weil niemand weiß, wer Banksy ist. Das ist das eigentlich spannende an dieser Kunstfigur. Ein anderer Kommentar warf ein, dass es sich um mehr als eine Person handeln könnte. Banksy – ein Kollektiv. Diese Vorstellung gefällt mir persönlich am besten. Und dann ist „er“ vielleicht sowohl Mann als auch Frau. Für diese Vermutung spricht auch, dass die Werke über die ganze Welt verstreut auftauchen. Viele Banksys hätten es da sicherlich einfacher. Und die Kunstwerke an sich, sind wenig spektakulär. Es handelt sich um Schablonen, die an Hauswänden und öffentlichen Bereichen aufgesprüht werden. Es wäre daher nicht so schwierig, sie aussehen zu lassen, als kämen sie alle vomselben Künstler, auch wenn es in Wirklichkeit viele verschiedene sind.

„Waiting“ mutmaßlich ebenfalls ein Werk von Banksy

Meine erste Begegnung mit Banksy hatte ich, wie eingangs erwähnt, irgendwann zwischen 2011 und 2013 im Studium. Die folgende Filmkritik habe ich zu der Dokumentation „Exit through the gift shop“ verfasst:

“Exit through the gift shop”

Thierry Guetta lost his mother all of a sudden. He did’n know about her deadly decease. Hence suffering from the impression to miss out on the essential issues of life he started pointing a video camera on every step he takes. First his filming is unfocused then he happens to step into the underworld of Westcoast street artists and becomes their ghostly follower.

Thierry intends to produce a documentary about street art. He develops a hobby in stalking down the most notorious artists and even earns their trusts. From that moment on he’s no longer an intruder but an insider. Fortunately the encounter with famous Bansky reveals that Thierry has no big talent in film making but became a street artist himself.

The documentary formally meant as a film FROM Thierry becomes a tale ABOUT Thierry and his genius overtakes even his legendary friend Bansky’s. “Exit through the gift shop” is a spectacular first-hand insight into street art that also documents the birth of a star.

Trailer zum Film „Exit through the gift shop“

Der Dokumentarfilm „Exit through the gift shop“ von Thierry Guetta spürt also den meist im Verborgenen agierenden Street Art Künstlern nach. Dass sie unerkannt bleiben wollen, liegt daran, dass sie ihre Werke meist illegalerweise an öffentlich zugänglichen Wänden aufbringen. Unter den Sprayern, die mit ihren Graffitis Toilettenwände, Unterführungen, Bahndämme und überhaupt jede Fläche, die sich dazu eignet, mit Farbe bearbeiten, sind auch professionelle Künstler (und -innen), deren Werke viel Beachtung finden.

2010 erschien der Film, in dem der französische Filmemacher Thierry Guetta den Street-Art-Künstlern Invader und Banksy folgt und ihre Arbeit dokumentiert. Im Laufe des Filmes wechselt die Perspektive, denn Banksy verführt Guetta zur Straßenkunst. Und plötzlich wird aus dem Filmemacher der Hauptakteur des Films, den Banksy inszeniert. „Exit through the gift shop“ ist ein geniales Beispiel der Banksy-Kunst, ein beeindruckender Einblick in die Welt der Street-Art und ein Gesamtkunstwerk, das 2011 sogar für den Oscar nominiert wurde.

Graffitit – Werke zwischen Zerstörung und Kunst

Ein Portrait des Street-Art-Künstlers Banksy

Niemand weiß genau, wer er wirklich ist oder wie er mit bürgerlichem Namen heißt, doch weltweit kennt man das Pseudonym. Banksy. Es steht für Street-Art, für Guerilla-Kunst, für magische Momente, politische Mitbestimmung, für Provokation, Ablehnung und Hingabe. Banksy steht für einen Ausnahmekünstler, der gerade durch seine vehemente Ablehnung jeglichen Star-Rummels zum größten Star der Graffiti-Kunstszene wurde.

Am nächsten kommt man Banksy, dem Menschen (oder DEN Menschen?!) hinter dem Pseudonym, wohl über seine Kunst. Meist sind es einfach Schablonengraffiti, deren Zauber sind gerade durch ihre Schlichtheit entfaltet. Sein berühmtestes Wert, das Mädchen mit dem roten Ballon, zeigt den Scherenschnitt eines kleinen Mädchens mit vom Wind verwehtem Haar, das einen roten, herzförmigen Ballon fliegen lässt. Es tauchte 2002 an einer Hauswand in London auf. 2018 wurde es bei einer Sotheby’s Auktion für gut 1 Million Pfund versteigert. Die Marke Banksy ist in der Kunstszene ganz oben angekommen. Sie lässt sich messen mit Größen wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder Keith Haring. Der Kunstmarkt hat längst einen Weg gefunden, seinen Profit mit dem Enfant-terrible Banksy zu machen.

Street Art ist häufig politisch und immer ein wenig anarchisch

Star wider Willen

Banksy will kein Star sein. Er tritt nicht öffentlich auf, zeigt bei Interviews niemals sein Gesicht, gibt keine Einblicke in sein Leben. In seinem Wikipedia-Artikel steht vermutlich 1974 in Bristol geboren. Genauer weiß man es nicht. Und streng genommen kann eben auch niemand mit Gewissheit sagen, dass Banksy ein Mann ist. Wer oder was er ist, spielt keine Rolle für das Phänomen Banksy. Auch das ist Teil der Inszenierung. Er hält der Gesellschaft den Spiegel vor, mit seinen Bildern, mit seinen Installationen und mit seiner Verweigerungshaltung. Als das Ballon-Girl im renommierten Auktionshaus über den Ladentisch gehen soll, zerstört es sich mittels im Rahmen eingebautem Schredder selbst. Vor den Augen der Welt rutscht das teure Werk durch den Schredder und kommt in Streifen geschnitten unten wieder heraus. Die Käuferin wollte es dennoch. Vermutlich hat es durch den Vorfall eher noch an Wert gewonnen.

Er könnte längst nur noch dort sprayen, wo seine Werke Anerkennung finden. Die größten Museen der Welt würden dafür ihre Wände freimachen, wenn der große Street-Art-Künstler sich die Ehre gäbe. Doch Banksy macht nie das, womit seine Bewunderer rechnen oder was von ihm erwartet wird. Seine Bilder tauchen einfach auf. Zum Beispiel auf der Grenzmauer zwischen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten. Sein 2017 eröffnetes Hotel in Bethlehem, unweit der Grenze zum Westjordanland wirbt mit „dem schlechtesten Blick der Welt“. In Disneyland installierte Banksy 2006 die stilisierte Puppe eines Guantanamo-Häftlings. Er schont sein Publikum nicht.

Seine Werke sind dabei immer auch ein politisches Statement. Und natürlich gibt es dafür auch Kritiker, die dem Phänomen Banksy negativ gegenüberstehen. Gerade seine Werke in Israel trugen ihm den Vorwurf ein, antisemitisch und/oder antimuslimisch zu sein. Vielleicht ist er aber gerade beides nicht, weil er eben beide Seiten provoziert. Er verwundet nicht, legt nur den Finger in die Wunde. Die Interpretation überlässt Banksy seinem Betrachter, er macht einfach weiter.

Wie ein historischer Roman entsteht

Der Geschichtsunterricht zu meiner Schulzeit war mehr als ausbaufähig. Ich habe mir Daten, Zahlen und Detailwissen in den Schädel gehämmert, um es zur nächsten Prüfung abzuspulen, aber Zusammenhänge haben sich mir dabei nie erschlossen. Das Ganze endete außerdem immer mit dem Zusammenbruch des Dritten Reichs. Als ich 2008 im Kino „Der Baader Meinhof Komplex“ sah, prasselten drei Stunden lang geschichtliche Fakten auf mich ein, von denen ich die meisten vorher noch nie gehört hatte. Es war anstrengend, weckte aber zugleich meinen Ehrgeiz. Ich wollte die deutsche Nachkriegszeit verstehen und als ich mich eingelesen hatte, wurde mir klar: Ich möchte etwas Schreiben, das sowohl unterhält als auch die Fakten vermittelt. Ein Buch, das ich selber gern gelesen hätte.

Das 20. Jahrhundert auf links gebürstet

Es dauerte rund fünf Jahre, in denen ich schrieb, las, redigierte, umschrieb und immer wieder mehr Infos sammelte. Ein historischer Roman ist eine ganz andere Ange-legenheit als Fantasy oder ein Krimi. Obwohl man für jede Art von Buch recher-chieren muss, ist der Rechercheaufwand für einen historischen Roman ungleich höher. Mir war es wichtig, dass bei meinem Projekt zum 20. Jahrhundert die Details stimmten, die großen Zusammenhänge natürlich sowieso.

Das 20. Jahrhundert hat den großen Vorteil, dass es Zeitzeugen gibt. Gerade auch für die 60er und 70er Jahre, den RAF-Terrorismus und die Wahrnehmung in der Bevölkerung waren Gespräche mit meinem Vater und meiner Oma sehr hilfreich. Mein Vater, geboren 1953, hat Anfang der 70er Jahre in München studiert. Er hat die Olympiade von 1972 mit den grauenhaften Anschlägen gegen das israelische Team, die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut oder auch die Suche nach dem entführten Arbeitgeberpräsident Schleyer aus unmittelbarer Nähe mitbekommen, aber auch die Stimmung unter den Studenten. Wohingegen meine Oma eher die Ansprechpartnerin für die unmittelbare Nachkriegszeit war. Ihre Kindheit und Jugend wurde vom Aufstieg der NS-Aggressoren und dem 2. Weltkrieg überschattet. Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre musste sie als junge Ehefrau und dann auch Mutter für ihre Familie ein Heim und ein Auskommen aufbauen. Der entstandene Zweiteiler „Licht und Schatten“ ist trotzallem nicht (auto-)biographisch. Aber Anekdoten aus den Schilderungen meiner Familie flossen doch immer wieder mit ein.

Die großen geschichtlichen Ereignisse gaben den Rahmen für die Geschichte vor. Daraus ergab sich auch die Personenkonstellation, damit die großen Themen aus Sicht der Figuren abgedeckt sind. Für das 20. Jahrhundert waren dies:

  • bis 1914 Kaiserzeit
  • 1914-1918 1. Weltkrieg
  • 1929 Weltwirtschaftskrise
  • 1918-1933 Weimarer Republik
  • ab 1933 Machtergreifung der NSDAP
  • 1938-1945 2. Weltkrieg
  • ab 1945 Wiederaufbau/Nachkriegszeit
  • 1948 Währungsreform/Teilung Deutschlands
  • ab 1950 Wirtschaftsaufschwung/“Wirtschaftswunder“
  • 1962 Bau der Berliner Mauer
  • 1968 Beginn der Studentenbewegung/FlowerPower
  • 1977 Höhepunkt des RAF-Terrors/“Deutscher Herbst“
  • 80er Aufkommen der Friedensbewegung/Anti-Atomkraft
  • 1986 GAU in Tschernobyl
  • 1989/90 Zusammenbruch der Sowjetunion/Maueröffnung/Wiedervereinigung
  • 1991-1999 Kriege in den Nachfolgestaaten Jugoslawien

Um die Ereignisse entsprechen darstellen zu können, braucht die Geschichte bestimmte Figurenkonstellationen. Zum Beispiel so etwas wie: überzeugter Anhänger der Nazis vs. Sympathisant mit Juden in den 30er Jahren; Generationskonflikt zwischen Studenten und Konservativen in den 70er Jahren; Ost-Deutschland vs. BRD im geteilten Deutschland usw. Und immer wieder die Frage: Wie sehr beschäftigte das politische Tagesgeschehen die Bürgerinnen und Bürger in ihrem täglichen Leben? Die Verknüpfung von fiktiven und historischer Personen gibt die nötige Freiheit, um Schwerpunkte zu setzen, Konflikte herauszuarbeiten und unterschiedliche Perspektiven einzubinden.

Band 1 von „Licht und Schatten“

Die Veröffentlichung von „Licht und Schatten“

Der historische Roman „Licht und Schatten“ war 2016 mehr oder minder fertiggestellt. Nun stand die Frage nach der Veröffentlichung an. Bislang war ich zwar mit meinen Fantasy-Büchern im Verlag gelandet, meine Krimis veröffentlichte ich bereits im Selfpublishing. Doch dieses Projekt war so umfangreich und aufwendig, dass ich mich an die Veröffentlichung im Alleingang nicht so recht rangetraut habe. Das Leid mit der Verlagssuche ist unter anderem, dass sich alles immer so hinzieht. Wenn man ein fertiges Manuskript in der Schublade hat, möchte man loslegen und nicht Monate lang abwarten, bis sich Verlagsmitarbeiter zurückmelden. Nicht nur bei den ganz kleinen Verlagen sind die Programme straff getaktet, so schnell bekommt man da auch keinen Veröffentlichungstermin, wenn man eine grundsätzliche Zusage hat. Es gab einen Verlag, der Interesse an „Licht und Schatten“ angemeldet hatte, doch wie und wann, das stand alles in den Sternen. Irgendwann kam die Mitteilung: Dieses Jahr auf keinen Fall mehr, nächstes sieht auch schlecht aus. Damit war es im Prinzip entschieden.

Mit meinen Lektorinnen Melanie und Jacqueline kam ich schließlich zu dem Schluss, dass es für eine SP-Veröffentlichung sinnvoller war, das umfangreiche Manuskript – zwischen dessen Buchdeckel letztlich satte 100 Jahre deutsche Geschichte steckten – zu teilen. Es war noch einmal mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden, aber am Ende ist ein runder Zweiteiler daraus geworden. Beide Teile habe ich in 2017 über BoD veröffentlicht.

Band 2 von „Licht und Schatten“

Zwischen Fiktion und Wahrheit

Ich betrachte „Licht und Schatten“ auch ein wenig als meine persönliche Antwort auf die sogenannten „Alternativen Fakten“. Anscheinend befinden wir uns in einer Art „postfaktischen Zeitalters“, wissenschaftliche Erkenntnisse zählen weniger als die „gefühlte Wahrheit“ des Einzelnen. Ich halte es da aber ausdrücklich mit der Moderatorin Dunja Hayali, die sinngemäß sagte: „Wir können unterschiedliche Meinungen haben, aber nicht unterschiedliche Fakten.“ Mein historischer Zweiteiler ist daher als Zwitter zu verstehen, halb Unterhaltungsroman, halb Sachbuch.

Urheberrechtlich gesehen, ist es unbedenklich, wenn man auch die Biographie von Personen des öffentlichen Lebens einbindet. Dazu gehört auch ein gewisses Maß künstlerische Freiheit. Wohingegen die Zitation von geistigem Eigentum (wie Songtexte, etc.) immer problematisch ist. Die ledigliche Erwähnung von Bandname und Songtitel wiederrum geht. Das sind durchaus wichtige Punkte, mit denen man sich im historischen Kontext auseinandersetzen muss.

Es bleibt ein Drahtseilakt. Wie viel Fiktion verträgt die Historie? Beziehungsweise, wie viel historische Wahrheit kann man in einem historischen Unterhaltungsroman (ver-)stecken? Wie bereits erwähnt, ist meine Familiengeschichte in „Licht und Schatten“ vollständig erfunden. Auch die Schokoladenfabrik hat kein reales Vorbild, obwohl ich dazu die Firmengeschichte von Brandt in Landshut und der Firma Ritter Sport gelesen habe. Im Gegensatz dazu sind vor allem im ersten Teil die realen Lebensgeschichten der Münchner Künstler Franz von Stuck und Franz von Lenbach eingebunden.

Nach dem 20. Jahrhunder, in „Glanz & Gloria“ das 19.

Nach dem 20., das 19. Jahrhundert

„Licht und Schatten“ ist ein Herzensprojekt, vom ersten Augenblick an gewesen. Ich habe sehr viel Zeit, Energie und Aufwand in diese beiden Bände gesteckt. Ich denke, oder hoffe zumindest, dass dieses Herzblut auch beim Lesen spürbar ist. Gleichzeitig stachelte der Abschluss dieses Projektes meinen Ehrgeiz an, das, was ich für das 20. Jahrhundert geschafft habe, auch für das 19. zu versuchen. Natürlich ist es hier noch einmal schwieriger, weil es keine Zeitzeugen mehr gibt. Diese Zeit ist von unserer heutigen so weit entfernt, dass sich vieles nicht mehr so einfach nachvollziehen lässt.

Wie waren die Lebensverhältnisse der Menschen in unserer Region zum Beginn des 19. Jahrhunderts? Was bedeutete es, 1800 zu leben? Welche Sehnsüchte, Hoffnungen, Wünsche und Träume hatten die Menschen? Mit welchen alltäglichen Problemen hatten sie zu kämpfen? Diese und viele weitere Fragen beschäftigten mich und ich wollte für mich eine Antwort darauf finden.

Wieder habe ich enorm viel recherchiert. Manche Schauplätze lassen sich auch heute noch besichtigen. In München z.B. die Residenz, der Sitz der bayerischen Könige, Schloss Nymphenburg oder auch Teile der Altstadt, die im 19. Jahrhundert rund um die Residenz entstanden ist. Ich habe dann beschlossen, anstelle der Schokoladenfabrik aus „Licht und Schatten“ dieses Mal eine Brauerei in den Mittelpunkt zu stellen, weil das Bierbrauen für Bayern und München eine wichtige Rolle spielte. Die reale Firmengeschichte der Hacker-Pschorr Brauerei hat mich dann so gefesselt, dass ich sie in meine Geschichte eingebaut habe. Überhaupt gibt es dieses Mal viele historische Personen, die neben den fiktiven im Vordergrund der Handlung stehen, so z.B. auch König Maximilian I. von Bayern, sein Sohn und Nachfolger Ludwig I. und seine Ehefrau Therese von Sachsen-Hildburghausen.

Weil ich bei „Licht und Schatten“ gemerkt habe, wie herausfordernd es ist, 100 Jahre in ein Buch zu pressen, habe ich „Glanz und Gloria“ gleich auf drei Bände angelegt. Eine Trilogie über 100 Jahre deutsche bzw. bayerische Geschichte. Das ist erneut eine Herausforderung!

2020, mitten in die heraufziehende Pandemie hinein, kam der erste Band „Glanz und Gloria – Ruf der Freiheit“ heraus. Dadurch hat es leider nicht die Aufmerksamkeit erfahren, die ich mir dafür gewünscht hätte. Vielleicht ist es auch etwas schwerer verdaulich als „Licht und Schatten“, weil uns die Zusammenhänge zwischen 1800 und 1848 eben noch weniger vor Augen sind als die im 20. Jahrhundert. Ich hoffe trotzdem, dass es mir gelingt und dass ich interessierte Leser*innen dafür finden werde.

Spielzeug häkeln – Die Gemüsebande (Teil 4)

Ich sitz ja manchmal abends auf der Couch und eine Idee überfällt mich. Das kann eine Buch-Idee sein, oder ein neues Häkelprojekt. Vor allem nach langen Tagen am Bildschirm entspannt mich nichts so gut, wie ein paar Maschen aufzuschlagen und aus vielen kleinen Knötchen etwas entstehen zu lassen. Und dann kommt es manchmal vor, dass so eine Idee sich ein bisschen verselbstständigt. Das ist mit der Gemüsebande passiert. Diese kleinen Gesellen wollten einfach immer mehr und mehr werden. Alle Gemüse (und Obst ist auch darunter) sind nur handtellergroß und jedes besitzt ein Gesicht, einen Namen und einen Charakter. Das hat sich nach und nach so ergeben und natürlich war dann auch naheliegend wieder ein Comic damit zu gestalten.

Hier erst einmal die einzelnen Akteure:

Erdbert

Das ist Erdbert. Er war der Erste der Gemüsebande, der das Licht der Welt erblickte. Da war noch nicht so ganz klar, wohin diese Reise geht. Erdbert ist daher einfach ein lustiger, erdbeeriger Geselle, der in der Frühlingssonne besonders fröhlich wird.

Don Porrone

Nr. 2 war Don Porrone. Dieser schelmische Lauch ist eine Größe in der Unterwelt. Mit ihm wurde plötzlich klar: Diese Gemüsebande ist eine Mafiabande! Sie gehört zur organisierten Kriminalität. Vielleicht sehen sie niedlich aus, aber den Mitgliedern dieser Bande ist nicht zu trauen!

Funghold, Don Porrone und Erdbeert

Zum harten Kern um Don Porrone gehört auch der zwielichtige Funghold. Er sieht harmlos aus, aber in Wahrheit kann er ganz schön giftig werden. Besser man legt sich erst gar nicht mit ihm an.

Don Porrone, Funghold, Flotti Möhrotti, Captain Corn und Erdbert

Die Gruppe wuchs rasch. Mit Flotti Möhrotti gesellte sich auch endlich eine weibliche Gemüsegesellin zur Gruppe. Flotti ist lebensfroh und lustig, ihre krause Haartolle ist nur ein Zeichen dafür. Sie führt eine Beziehung mit dem grimmigen Captain Corn. Corn ist für die richtig schmutzigen Geschäfte der Bande zuständig. Wie die fröhliche Flotti damit klar kommt, oder ob sie ihre Augen einfach davor verschließt? Wir wissen es nicht.

Neu dazu gekommen: Cherry und Berry

Die Ganoven der Gemüsebande stehen auf schnelle Autos, klar. Da sind die Zwillinge Cherry und Berry keine Ausnahmen. Berry ist eine freundliche, gutmütige Kirsche, während mit seiner Schwester Cherry buchstäblich nicht gut Kirschen essen ist. Trotzdem sind sie unzertrennlich – na ja, wie sollte es auch anders sein? Sie sind ja am Stil zusammengewachsen.

Dramabanana

Sie ist eine echte Diva! Und als solcher widme ich ihr natürlich ein Einzelportrait, alles andere würde ihr schlicht nicht gerecht. Dramabanana trägt ihren Namen mit Stolz und macht ihm alle Ehre. Sie gefällt sich in dieser Rolle. Wenn die anderen die Augen verdrehen, weil sie einfach übertrieben schrill, hysterisch und unfassbar versnobt ist, dann läuft sie erst zur Hochform auf.

Diese beiden Gesellen sind ebenfalls Geschwister, Erbsi und Berbsi wohnen zusammen in ihrer gemütlichen Schote. Sie sind flink, sie sind gewieft und sie knacken die verzwicktesten Missionen. Für die Gemüsebande sind sie einfach unverzichtbar.

Captain Corn, Funghold, Erdbert, Dramabanana, Flotti Möhrotti, Cherry und Berry, Avocadonna, Mel Capone, Kiwi Pop, Pump Kin, Erbsi und Berbsi

Auf diesem Gruppenbild sind sie versammelt und hier zeigt sich auch zum ersten Mal, der große Unbekannte. Eine Gruppe von Ganoven, die so skrupellos vorgeht und die Polizei so geschickt an der Nase herumführt, muss von einem wirklich großen Anführer gemanagt werden. Und so ist es natürlich auch. Doch, wer hättst gedacht? Der geheimnisvolle Pate ist eine Frau! Mel Capone. Sie ist die Patin der Gemüsebande und zieht im Hintergrund die Strippen. Auch neu auf diesem Bild sind Avocadonna, eine weiche Lady mit einem wirklich harten Kern! Außerdem, Kiwi Pop, der eine Zweitkarriere im Musikbusiness als Gangster Rapper hat, und Pump Kin, der Kiwi Pops Musiklabel betreibt.

Neu: Der Chevalier de Pomme de Terre, Cauli Flauli, Fenila Fenchel

Ja, zu dieser Bande gehören wirklich viele Mitglieder. Hier im Bild links der französische Ganove Chevalier de Pomme de Terre und rechts, hintereinander Cauli Flauli und die bezaubernde Fenila Fenchel. Weil sie hier gar nicht richtig glänzen können, im Folgenden noch einmal drei Einzelbilder von ihnen:

Ich gebe es zu, die Begeisterung hat mich einfach davongetragen. Irgendwie hat jede Figur sofort die nächste nach sich gezogen. Und mit jeder neuen Figur kam ein neuer Charakter hinzu, der erzählt werden wollte. So wie der von Anna Nass. Sie ist genauso verrückt, wie sie aussieht und ein wenig schusselig.

Anna Nass

Und mit allen diesen Kerlchen wollte ich dann auch eine Geschichte erzählen. Ich habe die Häkel-Ganoven in eine Lego-Stadt geschickt, auf der Jagd nach einem Diamanten. Das kam dabei heraus:

Es gab schon eine Reihe von Blog-Beiträgen zu meinen Häkeleien, diese findet ihr hier:

Spielzeug häkeln (Teil 1)

Spielzeug häkeln (Teil 2) – StarWars-Special

Spielzeug häkeln (Teil 3) – Comic

Charité

Wir stecken seit nun mehr einem Jahr in einer globalen Pandemie. Begriffe wie Inzidenzwert, FFP2-Masken, Infektionsgeschehen, Vakzine sind zu ganz alltäglichen Vokabeln geworden, die wir selbstverständlich verwenden. Das Robert-Koch-Institut beliefert uns täglich mit den aktuellen Zahlen. Aber wer war eigentlich dieser Robert Koch? Und wer sein Kollege und Konkurent Paul Ehrlich? In den mittlerweile drei Staffeln der deutschen Serie „Charité“ werden diese und viele andere Fragen geklärt. Sie ist zwar historisch, gleichzeitig jedoch so aktuell wie nie und auch außerhalb der Pandemie unbedingt sehenswert.

Blick auf den Gebäude-Komplex der Charité in Berlin Mitte

Daten und Fakten

Die deutsche Fernsehserie „Charité“ nach der Idee von Dorothee Schön und Sabine Thor-Wiedemann folgt der namensgebenden Berliner Großklinik, einem der bekanntesten Krankenhäuser der Welt, durch die wechselhafte deutsche Geschichte. In der viel beachteten ersten Staffel führte Sönke Wortmann Regie. Sie spielt am Ende des 19. Jahrhunderts und schildert die medizinischen Fortschritte unter den Virologen Robert Koch und Paul Ehrlich. Erstausstrahlung war im März 2017 in der ARD. In Staffel 2 verantwortete Anno Saul die Regie, sie spielt im aufkommenden Nationalsozialismus der 1930er Jahre und rückt den Chirurgen Ferdinand Sauerbruch in den Mittelpunkt. Erstausstrahlung war im Januar 2019 im Ersten. Seit dem 12. Januar 2021 läuft die dritte Staffel in der ARD und ist dort über die Mediathek abrufbar. Regie geführt hat dieses Mal Christine Hartmann. Die dritte Staffel spielt zur Zeit des Mauerbaus und thematisiert die Arbeit von Otto Prokop, Ingeborg Rapoport und Helmut Kraatz.

Trailer zu „Charité“

Die historische Fernsehserie zeichnet ein möglichst authentisches Zeitbild und liefert insbesondere bei den jeweiligen medizinischen Fachbereichen interessante Einblicke in die Arbeit der oft hochdekorierten Ärzt*innen und Wissenschaftler*innen. Die biographischen Details der historischen Personen sind weitgehend korrekt dargestellt, wenngleich sie natürlich auch der Dramaturgie der Serie unterworfen wurden. Eine wiederkehrende Thematik ist die Ungleichstellung von Ärztinnen gegenüber Ärzten, die sich wie ein roter Faden vom ausgehenden 19. Jahrhundert, als das Studium für Frauen generell ungewöhnlich war, bis in die Nachkriegszeit, wo weibliche Forscherinnen immer noch gegen den Chauvinismus ihrer männlichen Kollegen ankämpfen müssen.

In allen drei Staffeln „Charité“ schart sich die Creme de la Creme der deutschen Schauspielergilde vor die Kamera:

  • Justus von Dohnányi als Robert Koch
  • Matthias Koeberlin als Emil Behring
  • Christoph Bach als Paul Ehrlich
  • Alicia von Rittberg
  • Emilia Schüle
  • Ulrich Noethen als Ferdinand Sauerbruch
  • Nina Kunzendorf als Ingeborg Rapoport
  • Philipp Hochmair als Otto Prokop
  • Uwe Ochsenknecht als Helmut Kraatz
  • uvm.

„Charité“ hat mir einige wichtige Erkenntnisse gebracht, die mir auch in der Beurteilung der momentanen Entwicklungen während dieser Pandemie geholfen haben. Zum Beispiel, die Arbeit der Virologen Koch und Ehrlich und wie es ihnen gelang, die Tuberkulose, die so viel Leid gebracht hatte, einzudämmen und wirksam zu bekämpfen. Ich hatte noch nie viel Verständnis für Impfgegner, vielmehr glaube ich, dass wir in solchem (auch medizinischem) Luxus leben, dass es uns gelingt, die Gefahren von real existierenden Seuchen und Erkrankungen zu verdrängen und uns stattdessen auf höchst unwahrscheinliche oder sogar nur eingebildete Nebenwirkungen der Impfungen einzuschießen. Jeder medizinische Eingriff birgt die Gefahr von Nebenwirkungen, bei jeder Blinddarm-OP kann etwas schiefgehen. Aber unoperiert führt der durchgebrochene Blinddarm in jedem Fall zum Tod. Das ist der Unterschied.

Eindringlich war in diesem Zusammenhang auch eine Episode aus der jüngsten, der dritten Staffel: Während Polio in der jungen DDR dank flächendeckender Impfung mit dem sowjetischen Impfstoff so gut wie ausgerottet war, tobte die Krankheit, die vor allem Kinder befällt und sie schwer und fürs Leben zeichnet, wenn sie nicht sogar tödlich endet, im Westen ungemindert weiter. Konrad Adenauer bekam aus der DDR sogar 300.000 Impfdosen angeboten, wies diese jedoch zurück, aus ideologischen Gründen. Menschen, in der Mehrzahl Kinder, mussten für diese Entscheidung mit ihrer Gesundheit bezahlen!

Es gibt vieles, das man bei der Rückschau lernen kann, daneben ist die Serie „Charité“ aber auch gut gemachte Unterhaltung. Die Charité ist (und war) das Vorzeige-Krankenhaus Deutschlands, sie steht für Hightech-Medizin auf höchstem Niveau, aber eben auch für Pionierarbeit. Sie steht für die ganz großen Namen, die wir bis heute mit Ehrfurcht aussprechen, aber eben auch für die vielen namenlos gebliebenen Ärzt*innen, Pfleger*innen, Forscher*innen und Laborant*innen. Und diese Serie erzählt schlaglichthaft die Geschichte von ihnen allen.

Fazit

Nicht nur für medizinisch Interessierte (aber für die auch!) ist diese Serie unbedingt sehenswert. In meiner Wahrnehmung war die erste Staffel stärker als die zweite, die dritte jetzt wieder auf ähnlich hohem Niveau wie die erste. Aber unterm Strich sind alle drei gut. Ein kleines Stück deutsche Geschichte für zuhause.

„Dein letztes Solo“ – Ein Abgleich des Ballettfilm-Genres

Ich glaube, Ballettfilme hab ich schon immer geliebt. Eine Leidenschaft, die spätestens mit dem ZDF-Mehrteiler „Anna Ballerina“ von Justus Pfaue, entbrannte und mich vor einigen Jahren die australische Serie „Dance Academy“ bingen hat lassen. Aktuell sorgt das Netflix-Original „Dein letztes Solo“ (Org. Tiny pretty things) für Furore. Grund genug dem Phänomen Ballettfilm ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

Tanzfilme gibt es viele. Den Alltime-Favorite „Dirty Dancing“ zum Beispiel, die 80er Jahre Klassiker „Footloose“ oder „Flashdance“. Musical-Verfilmungen wie „Hairspray“, „A Chorus Line“ oder „Fame“. Ich liebe diese Filme alle und habe sie gefühlt tausend Mal gesehen. Darüber gibt es aber noch eine Kategorie Tanzfilm, die mir noch mehr am Herzen liegen: Die Ballettfilme.

Es begann mit „Anna“

Das Ganze begann im Dezember 1987, als das ZDF den Weihnachts-Mehrteiler „Anna“ mit Silvia Seidel und Patrick Bach in den Hauptrollen ausstrahlte. Ich weiß noch, dass ich damals (gerade erst 6 geworden) die erste Folge nicht sehen durfte, was mich unglaublich gewurmt hat. Aber meine Mutter dachte wohl, dass ich für den schweren Verkehrsunfall, der Annas Traum von der Ballett-Karriere je zerbrochen hat, noch nichts für meine Augen sei. Ich kann nicht sagen, wei oft ich die sechs Folgen der Serie und den später erschienenen Film danach gesehen habe. Unzählige Male. Ich besaß ihn als VHS-Kassette und jetzt habe ich ihn auf DVD, trotzdem schaue ich sie, wenn sie im TV wiederholt wird, oder bei Amazon Prime oder Netflix erhältlich ist.

„Anna Ballerina“ der Trailer zur Weihnachtsserie im ZDF

„Anna Ballerina“ ist eine Vorabendserie für die ganze Familie. Natürlich gelingt es der schwerverletzten Tänzerin nach ihrem grauenhaften Unfall zurück auf die Bühne zu kommen und eine internationale Karriere als Ballerina zu beginnen. Die Tanzlehrer – zuerst Jakob, in den sie sich später verliebt, dann Irina Kralowa und in Paris Mme D’Arbonville – sind zwar streng mit ihr, doch sie fördern sie auch und wollen ihr Bestes. Blutig getanzte Füße, Rivalinnen, die sie auszuboten versuchen, oder übergriffige Choreographen gibt es hier nicht. Anna hungert nicht, sie leidet nicht an Essstörungen und ihre Eltern drängen sie nicht zu Höchstleistungen, viel mehr ist sie ein ganz normaler Teenager.

Tragisch ist viel mehr die Geschichte der Hauptdarstellerin Silvia Seidel. Sie war ein Kinderstar, die Ballettszenen tanzte sie selbst. Die Rolle der „Anna“ machte die damals 18jährige über Nacht in Deutschland bekannt. Danach wurde sie in den USA für einen Tanzfilm besetzt. Doch der erhoffte internationale Erfolg blieb aus. Ab den 90er Jahren spielte sie nur noch gelegentlich in ZDF- oder ARD-Serien. Im August 2012 wurde Silvia Seidel tot in ihrer Wohnung in München gefunden. Sie hinterließ einen Abschiedsbrief.

Center Stage

Der us-amerikanische Film „Center Stage“ kam 2000 in die Kinos. Er spielt an der American Ballet Academy, der Talentschmiede für die American Ballet Company. Der Film zeigt eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern bei ihrem Kampf um die Aufnahme in die Company und außerdem die Rivalität des Ballett-Profis Cooper Nielsen und des Academy-Leiters Jonathan Reeves. Die Tänzerinnen und Tänzer plagen sich hier mit Verletzungen, Magersucht, Konkurrenz und mit den Wirren der Liebe natürlich auch.

„Center Stage“ ragt aus der Maße der in den 2000ern entstandenen Ballett-Filme heraus, weil die Darsteller*innen zum Großteil Profitänzer*innen sind und keine Schauspieler*innen. Die bekanntesten Gesichter sind Zoe Saldana und Peter Gallagher, Letzterer tanzt als Ballettschulleiter nicht und Erstere hat in ihrer Heimat der Dominikanischen Republik Ballett, Jazz und lateinamerikanische Tänze studiert. Die Professionalität merkt man und auch die Geschichten der Ballerinas und Ballerinos nimmt man dem Film ab.

Trailer zum Ballettfilm „Center Stage“

Balletthäschen liebt Street-Tänzer

In den 2000ern erschien eine Vielzahl von Filmen, die alle nach demselben Prinzip funktionieren: Eine klassische Balletttänzerin verliebt sich in einen Street-Tänzer. Mein persönlicher Favorit aus dieser Kategorie ist „Step up“. Der 2006 erschienenen Film mit Channing Tatum und Jenna Dewan in den Hauptrollen hatte später noch vier Sequels: Step up 2 the streets (2008), Step up 3D (2010), Step up: Miami Heat (2012) und Step up: All in (2014). Es ist erstaunlich, dass die Macher es schaffen, dem immer wieder selben Thema noch neue Seiten abzuringen. Aber irgendwie gelingt es ihnen.

Trailer zu Teil 1 von „Step up“

Einer von beiden zweifelt immer an seinen Fähigkeiten oder seiner Bestimmung zu tanzen. Irgendwie retten sie sich am Ende gegenseitig. Genau so funktioniert auch „Save the last dance“. Auch hier ist es eine Ballerina, die nach dem Tod ihrer Mutter an allem zweifelt, auch an ihrem Tanzen, und ein dunkelhäutiger Hiphop-Tänzer, der sein Leben im sozialen Brennpunkt mit seinem Tanz kompensiert. Der Film ist aus dem Jahr 2001 und somit quasi die Mutter der „Balletthäschen und Street-Tänzer“-Filme.

Trailer zu „Save the last dance“

Auch in die Kategorie Teenie-Ballettfilm mit viel Schmalz und Pathos fällt „Honey“, wovon es auch gleich mehrere Ableger gab. Hier ist die Geschichte ziemlich platt, die Titelfigur nervtötend naiv und das Tanzen steht eigentlich erst an höchstens zweiter Stelle.

Ein Grenre voller Klischees

Inzwischen haben wir eine stolze Reihe von Klischees, die eigentlich in keinem Tanzfilm fehlen dürfen:

  • Das hässliche Entlein, das zum Schwan wird
  • Der Bad Boy, der nur Hiphop gut findet
  • Die arrogante Ziege, die sich für die Beste in der Company hält
  • Die, deren Mutter sie zwingt, bis an Grenzen des Möglichen zu gehen, um berühmt zu werden
  • Die, die versucht sich hochzuschlafen
  • Der Choreograph, dessen Genie nicht erkannt wird
  • Der Choreograph, dessen Besetzungsliste über sein Bett läuft
  • Die versnobte Ballettlehrerin, die alles außer Spitzentanz für Folklore hält
  • Der schwule Tänzer, der Beachtung finden möchte
  • Die Magersüchtige
  • Das Küken aus der Provinz, das beim Pensum der Elite-Tanzschule nicht mitkommt
  • Die Ehrgeizige, die ihre Verletzungen zu verbergen versucht, um die Hauptrolle zu ergattern

Diese Klischees bedienen die meisten Ballettfilme. Weshalb vor allem für die Teenie-Ballett-Filme der 2000er Jahre gilt: Kennte einen, kennste alle. Sie sind zum Großteil trotzdem ganz unterhaltsam, oft ist die Musik gut, vielfach auch die Tanzszenen. Selbst ohne eigene Bühnenerfahrung spürt man jedoch, dass sie von der Realität des Profitanzens doch ziemlich weit weg sind.

Es gab ein paar rühmliche Ausnahme, auf die ich noch mal gesondert eingehen möchte.

Billy Elliot – I will dance

Einer der sicherlich besten und wichtigsten Ballettfilme war und ist Billy Elliot. Er erzählt die ergreifende Geschichte eines kleinen Jungen, der lieber Ballett tanzen möchte als zu boxen. Doch sein Vater verbietet es ihm, weil er nicht will, dass sein Sohn dadurch verweichlicht. Billy trainiert heimlich und schafft am Ende sogar die Aufnahme an einer renommierten Ballettschule. Der Film aus dem Jahr 2000 spielt in den 80er Jahren zur Zeit der Bergarbeiterstreiks in Nordengland, leider könnte er vielfach auch noch im Jahr 2021 spielen. Die Vorurteile und Rollenbilder vor allem gegen kleine Jungs, die „weibliche“ Züge zeigen, sind immer noch sehr stark in unserer Gesellschaft verankert. Deshalb kann man „Billie Elliot – I will dance“ gar nicht oft genug anschauen.

Trailer zu „Billy Elliot – I will dance“

Dance Academy

Die australische Teenie-Serie „Dance Academy“ greift auch viele Klischees auf, sie überzeugt jedoch mit authentischen Darstellern und einer ausgewogenen Dramaturgie. Die jungen Hauptdarsteller*innen sind alle wirklich ausgebildete Tänzer*innen und sie verkörpern angenehm unaufgeregt echte junge Menschen im Spannungsfeld zwischen Erwachsenwerden und der Ausbildung, die ihnen täglich Höchstleistungen abverlangt. Neben Rivalitäten zeigt die Serie auch Freundschaften und erste Lieben, die in dem abgeschirmten Kosmos der Ballett-Akademie entstehen. Auch vor Schicksalsschlägen bleiben die Eleven nicht verschont und besonders in diesen zeigt die Serie ihre Stärke, den Schmerz, den Verlust und die Schuldgefühle stellt sie ohne Pathos dar und ist dadurch nur um so authentischer.

Obwohl ich bereits deutlich aus dem Teenager-Alter heraus war, als ich die Serie im deutschen Fernsehen entdeckt habe, habe ich sie mit nicht weniger Begeisterung geschaut und auf den angekündigten Kinofilm hingefiebert. Der Film konnte nur bedingt an die Serie anknüpfen, ist für Fans jedoch sicher noch einmal eine schöne Gelegenheit für ein Wiedersehen mit den Figuren. Die Serie lief von 2010 bis 2013 in drei Staffeln auf ACTF und im KiKa. 2016 folgte der Spielfilm „Dance Academy – Das Comeback„, 2017 lief er in den australischen Kinos, bei uns hatte er seine Premiere gleich direkt bei KiKa.

Trailer zur ersten Staffel „Dance Academy“

Black Swan

Eine ganz andere Richtung schlägt der Ballett-Psychothriller „Black Swan“ aus dem Jahr 2010 ein. Eine von Natalie Portman gespielte Tänzerin soll für eine Neu-Inszenierung von Schwanensee sowohl den weißen, als auch den schwarzen Schwan verkörpern. Die Sache läuft etwas aus dem Ruder, als die dunklen Charakterzüge des schwarzen Schwans immer mehr auf sie übergehen. Der Film wurde von den Kritikern umjubelt, Natalie Portman gewann den Oscar und den Golden Globe für ihre Darstellung. „Black Swan“ ist eine völlige Neuinterpretation des Ballett-Films aus einer Horrorsichtweise und hat damit eindeutig ein Alleinstellungsmerkmal.

Trailer zu „Black Swan“

Kritisiert wurde lediglich, dass die Macher behauptet hatten, Natalie Portman habe einen Großteil der Tanzszenen selbst getanzt und nur einige wenige seien gedoubelt worden. Die Primaballerina Sarah Lane, die Portman gedoubelt hat, widersprach dieser Darstellung und wandte sich gegen die durch die Produktionsfirma verbreitete Mär, man könne in nur einem Jahr auf diesem Niveau tanzen lernen. Portman konnte die Grundlagen, wurde aber in deutlich mehr Szenen von Lane gedoubelt, wobei in Nahaufnahmen nachträglich Portmans Gesichtszüge eingefügt wurden, getanzt hat aber Lane. Die schauspielerische Leistung Portmans schmälert dies jedoch nicht.

Netflix‘ neuster Coup – Dein letztes Solo

Nun hat Netflix sich an den Ballettfilm herangewagt. Seit Dezember 2020 können die 10 Folgen der Netflix Original Serie gestreamt werden. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman (Originaltitel: Tiny pretty things) von Sona Charaipotra und Dhonielle Clayton, mit einer Fortsetzung wird bereits gerechnet, da auch der Roman einen zweiten Teil hat (Originaltitel: Shiny brocken pieces). Die Serie ist wie eine Kreuzung aus Black Swan und Dance Academy: An einer renommierten Ballettschule in Chicago ist die vielversprechendste Tänzerin auf unerklärliche Weise vom Dach gestürzt und liegt nun schwer verletzt im Koma. Die Polizei geht zunächst von einem tragischen Unglück aus, doch eine ehrgeizige Ermittlerin hört nicht auf Nachforschungen anzustellen. Nach und nach kommen immer mehr mögliche Motive und potentielle Verdächtige ans Licht und die Fassade der heilen Ballett-Welt bröckelt.

Trailer zu „Dein letztes Solo“

Zunächst fällt auf, dass „Dein letztes Solo“ wieder sehr viele, teilweise auch schon überstrapazierte Klischees aufgreift. So zum Beispiel die schwarze Ausnahme-Tänzerin, die aus ärmlichen Verhältnissen kommend, als Nachrückerin an der Academy aufgenommen wird, weil durch das Ausscheiden der Verunglückten ein Platz frei wurde. Natürlich ist sie es, die auch gegen den tyrannischen und sexistischen Choreographen vorgeht, während sie gleichzeitig mit familären Problemen kämpft, da ihre Mutter wegen Mordes im Knast sitzt. Oder die überehrgeizige Ballerina, deren Schwester die alles überstrahlende Primadonna ist, in deren Schatten sie zeitlebens steht, und deren Mutter ihr nie auch nur annähernd so viel Talent zugesteht wie der großen Schwester. Um das begehrte Solo zu bekommen, tanzt sie mit gebrochenem Mittelfußknochen weiter und schmeißt gegen die Schmerzen immer stärkere Medikamente ein. Die teilweise stark klischeehaften Figuren sind schade und schmälern ein wenig das Sehvergnügen, einigen Unterhaltungswert hat die Serie aber zweifellos. Der Spannungsbogen bleibt bis zuletzt erhalten, allerdings ist das Ende etwas unbefriedigend.

Fazit

Das Genre Ballettfilm hat viele cineastische Perlen zu bieten, ehrlicherweise aber auch einiges an Schrott. Für Neu-Einsteiger in dieses Genre empfehle ich „Black Swan“ als Genre-Mix zwischen Ballettfilm und Psychothriller, oder auch die neue Netflix-Serie „Dein letztes Solo“. Qualitativ hochwertig, unterhaltsam, aber unblutig sind die Serie „Dance Academy“ und der 2000er Film „Center Stage“. Auch unabhängig von Tanz-Affinität ist „Billy Elliot“ unbedingt sehenswert. Für einen leichten Filmgenuss mit guter Musik, schönen Tanzszenen und einer gehörigen Brise Herzschmerz eignet sich die „Step-up“-Reihe.