Hervorgehoben

Willkommen auf „G’n’S“

Liebe Leserinnen und Leseriche,

schön, dass ihr euch hierher verirrt habt. Das ist der Blog „Grapes’n’Soulfood“ von und mit mir, Veronika Lackerbauer. Ich bin Autorin, Genießerin, Weltenbummlerin von irdischen und phantastischen Welten und ich möchte euch gerne mit nehmen auf meine Reisen. Hier gibt es Beiträge zu verschiedensten Themen, die mich umtreiben. Ich erzähle euch von meiner Schreiberei, von Literatur ganz allgemein, aber auch von Filmen, Serien und immer auch von Genuss.

Kommt mit und macht es euch bequem. Schmökert gleich mal los in einer der Kategorien:

Viel Spaß wünscht,
eure

Jahresrückblick 2021

Das Jahr 2021 war in vielerlei Hinsicht speziell. Auch durchaus schwierig in manchen Belangen. Deshalb will ich einen ganz persönlichen Blick zurück werfen und noch einmal rekapitulieren, was dieses Jahr gut war. Das Nicht-so-Gute werde ich nicht ausblenden, aber vielleicht muss es nicht gar so viel Gewicht haben. Und am Ende wage ich einen Blick nach vorne, zum neuen Jahr 2022 und was da wohl alles drinstecken wird.

Januar 2021

Zum Jahreswechsel 2020/2021 saßen wir im Lock-down. Unser Weihnachten und Silvester waren davon wenig betroffen, weil wir auch sonst schon im engen Familienkreis gefeiert haben. Unsere Feiertage waren schon corona-konform, lang bevor Corona zum Thema wurde. Aber natürlich hat das neue Jahr mit diesem großen Pandemie-Thema begonnen, genauso wie das alte aufgehört hat. Allerdings mit einem Hoffnungsschimmer, denn endlich gab es ja eine Impfung.

Winterspaziergang mit Schlitten und Hund

Februar 2021

Im Februar, immer noch mitten im Lock-down, habe ich „Arabische Nächte“ im Selfpub veröffentlicht. Erst dachte ich ja, dass das total bescheuert ist, weil ich überhaupt keine Möglichkeit gesehen habe, wie ich das Buch vermarkten soll, so ganz ohne Messen und Märkte. Dann stellte sich jedoch heraus, dass viele meiner treuen Leser*innen sich das Buch bei mir selbst bestellten. Tagelang haben wir verpackt, etikettiert und beschriftet.

Und immer wieder Home-Schooling

März 2021

Immer noch Lock-down. Immer noch Homeschooling und Home-Office und Kurzarbeit und Home-Flöting und Videokonferenzen und alles gleichzeitig. Wir haben Serienmarathons abgehalten, das Wohnzimmer völlig unter Lego gesetzt. Ich habe viel gehäkelt und gestickt und auch wieder geschrieben. Und irgendwie wurde es dann trotzallem langsam Frühling.

Unter strengen Hygiene-Auflagen war ich in Veitshöchheim auf der Aufstellungsversammlung meiner Partei zur Bundestagswahl. Ich habe für die Landesliste kandidiert und einen guten 17 Platz ergattert. Bundestagskandidatin … Kann man ja mal machen.

Zum Weltfrauentag starteten meine Kreistagskollegin Marlene und ich eine Aktion zum Thema „Sexismus in der Kommunalpolitik und im Ehrenamt“. Wir bekamen viel Ressonanz darauf, auch Gegenwind, aber in viel größerem Maße Zuspruch und Bestätigung.

Auch im Kreistag ist Corona allgegenwärtig

April 2021

Ostern stand unser Garten in voller Blüte und mein Mann und ich hatten endlich die ersehnte erste Impfung. Ein erstes Aufatmen. Trotzdem weiterhin Lock-down und Kurzarbeit. Wir haben im Garten gewerkelt, uns mit leckerem Essen beschenkt – mal selbst gekocht und mal zum Abholen bestellt.

Handarbeiten entspannt mich und es kommt schöne Deko bei raus

Mai 2021

Am 1. Mai war ich zur Maikundgebung in München, dort startete die GEW eine Kampagne für Tarifverhandlungen in meinem Betrieb. Ich bin seitdem Mitglied der Tarifkommission. Ansonsten fand immer noch alles virtuell statt. Stundenlange Videokonferenzen, ganze Parteitage im Online-Format, immer nur Starren auf den Bildschirm und unten rum nur die Jogging-Buxe, weil sieht ja keiner.

Der Garten erfreut mit großen und kleinen Blümchen

Juni 2021

Endlich kamen Lockerungen! Martin und ich bekamen unsere zweite Impfung, er konnte wieder arbeiten und ich durfte auch endlich meine Betriebsratstätigkeiten wieder in Präsenz aufnehmen. Es war gut, wieder rauszukommen und unter Menschen zu sein, die nicht nur ein Bildchen auf dem Laptop-Bildschirm waren. Ansonsten haben wir unsren Garten und den Bach vorm Haus genossen.

Dieses und auch schon das vergangene Jahr habe ich meinen Fokus auf größere Verlage gerichtet und mich durch die Teilnahme an Challenges versucht dort ins Gespräch zu bringen. Mitte des Jahres klappte das dann tatsächlich und ich konnte ein Manuskript an das eBook-Imprint BEheartbeat von Bastei Lübbe verkaufen. Der Liebesroman auf zwei Zeitebenen wird „Im Schatten der Olivenbäume“ heißen und Anfang 2022 erscheinen.

Auf meine Bücher bin ich richtig stolz

Juli 2021

Im Sommer begann der Wahlkampf langsam Fahrt aufzunehmen. Ich war mit meinen Genoss*innen zum Beispiel in Kelheim auf dem CSD präsent, wo ich auch eine Rede halten durfte. Meine Familie und ich waren zum ersten Mal seit langer Zeit wieder im Theater und haben es sehr genossen. Damit es auch zuhause weiterhin gemütlich blieb, haben wir unsere Terrasse überdachen lassen.

Das zweite Schuljahr endete für Vincent fast „normal“. Die letzten Wochen konnten die Klassen aus dem Home-Schooling zurück in die Klassenzimmer wechseln. Sogar ein kleines Sommerkonzert der Musikschule hat es gegeben. Trotzdem war das wieder ein sehr seltsames Schuljahr.

Fleißig unterstützt am Info-Stand auf dem CSD

August 2021

Sommerferien. Urlaubszeit. Wir wagten uns tatsächlich auf eine Reise nach Italien, obwohl wir bis zuletzt gehadert hatten, ob es eine gute Idee ist. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass wir das durchgezogen haben. Es war sehr schön und es tat gut, wieder mal rauszukommen und einen Tapetenwechsel zu haben.

An den Wochenenden fanden jetzt Infostände in der Altstadt Landshuts statt, ich hatte dort viele gute und einige seltsame Gespräche. Außerdem haben wir gebadet, uns wieder mehr mit Leuten getroffen und die Sommertage genossen.

Arena di Verona – endlich wieder Urlaub!

September 2021

Der September stand schwer unter dem Einfluss der Bundestagswahl. Ich war auf vielen Veranstaltungen, hatte Podiumsdiskussionen und Interviews, war an Info-Ständen und auf dem CSD in Landshut. Dazwischen waren wir auch mit der Familie unterwegs, zum Beispiel in Massing im Freilichtmuseum. Und ich war nach der Sommerpause wieder öfter in Greding in meiner Funktion als Gesamtbetriebsrätin.

Ein neues Buch-Baby habe ich auch auf den Weg gebracht. Seit Corona unseren Alltag so fest im Griff hat, schreibe ich plötzlich hauptsächlich Romance. Auch das neue Buch, „Plötzlich Irland“, ist ein Romance-Roman. Das ist mein ganz persönliches Biedermeier: Vor den Unbillen der Welt da draußen, ziehe ich mich lieber ins Zwischenmenschliche zurück und außerdem besuche ich zumindest in Gedanken Orte, an denen ich mal war. In diesem Fall die Atlantikküste bei Galway.

Wahlkampf für den Bundestag

Oktober 2021

Wir bekamen Hühner! Ich verbrachte eine Nacht hinter Klostermauern zu gewerkschaftlicher Klausur, in Vorbereitung auf die Betriebsräteversammlung auch viel Zeit in Greding und entspannte Stunden mit der Familie im Garten und am Bach.

Meine Zusammenarbeit mit BEheartbeat by Bastei Lübbe lief so gut, dass wir über weitere gemeinsame Projekte gesprochen haben. Daraus hervor ging ein Drei-Buch-Vertrag, zu dem ich dann im neuen Jahr Konkreteres sagen kann.

Da sind sie, unsre Hühnervögel!

November 2021

Mit dem Herbst kam das Corona-Thema zurück. Trotzdem verbrachte meine Familie und ich noch einen Kurztrip im Erzgebirge, wo wir vor 8 Jahren kirchlich geheiratet haben. Die Betriebsräteversammlung, auf die wir lange hingefiebert hatten, fand statt und war alles in allem ein Erfolg. Auch danach stand der November für mich stark im Zeichen der Betriebsratsarbeit.

Nachdem es unsere Anlaufstelle für „Wellness von Innen“, das Barrique in Landshut, nicht mehr gibt und auch wegen der Pandemie, hatten wir schon ganz lange keine Verkostung mehr. Im November ließen die ehemaligen Betreiber in trauter Runde diese schöne Tradition noch einmal aufleben. Wellness für die Seele!

Mit allen Sinnen genießen

Dezember 2021

Anfang Dezember beging ich meinen 40. Geburtstag. Vielleicht in anderer Form als ich es ohne Pandemie gemacht hätte, nichts desto weniger aber sehr schön und mit all den Menschen, die mir wichtig sind. Der Advent fand ohne Christkindlmärkte statt, wieder wenig Gelegenheit Bücher persönlich an die Leserschaft zu bringen. Trotzdem gab es viele schöne Stunden in lieber Gesellschaft, gute Gespräche, Glühwein und Weihnachtsmusik.

Und nun neigt sich dieses Jahr seinem Ende entgegen. Ich freue mich noch auf ein paar besinnliche Tage im Familienkreis und dann begrüßen wir das neue Jahr 2022.

Wieder ein Jahr zu Ende – auf ein Neues!

Ausblick

Was erwarte ich für das neue Jahr? Ich hoffe sehr, dass wir aus diesem ständigen Klammergriff der Pandemie bald herauskommen. Wir sind jetzt alle geimpft, die meisten auch geboostert. Ich möchte mich wieder uneingeschränkt bewegen und mit Menschen treffen können, ohne ständig die mögliche Gefahr einer Ansteckung im Hinterkopf zu haben.

Auf meine Zusammenarbeit mit BEheartbeat freue ich mich sehr, außerdem habe ich noch einige andere Projekte in der Pipeline, über die ich erst sprechen möchte, wenn es so weit ist. Aber auf jeden Fall wird es auch 2022 buchtechnisch von mir Neuigkeiten geben.

Dann finden zwischen März und Mai die turnusgemäßen Betriebsratswahlen statt. Davon wird abhängen, wie es beruflich bei mir ansonsten weitergeht. Sicher ist, dass ich mich weiter politisch engagieren werde, seit Kurzem als Teil des Sprecher*in-Duos an der Spitze des Kreisverbands Landshut. Auch in der GEW werde ich weiter aktiv sein und für mehr betriebliche Mitbestimmung kämpfen, auch wenn es aktuell wieder nicht danach aussieht, als könnten wir einen Tarifvertrag für meinen Arbeitgeber erstreiten.

Und dann halte ich es mit dem Motto: Hoffe das Beste und bereite dich auf das Schlimmste vor, dann kann kommen, was mag. Und am Ende ist es doch immer gut gegangen.

Rezension: „Es kann nur eine geben“

Ich habe mir mal wieder zwischendurch ein Sachbuch vorgenommen und zwar das aktuelle von Carolin Kebekus: „Es kann nur eine geben“. Ein Buch über den Stand des Feminismus in unsrer Gesellschaft. Ich schätze Carolin als Comedienne schon sehr, aber ihre politische Stimme, die sie nicht nur zum Thema Geschlechtergerechtigkeit lautstark erhebt, die mag ich fast noch mehr! Ein sehr gelungenes Buch, wenn ihr mich fragt – und das tut ihr ja offenbar.

Cover von „Es kann nur eine geben“

Auszüge aus diesem Buch kennt frau schon, wenn sie regelmäßig die Kebekus-Show guckt, denn Carolin hat immer wieder daraus zitiert. Vor allem aus den Passagen über die katholische Kirche – der sie bis zu ihrem Austritt angehört hat – hab ich bereits die Kernaussagen gekannt. Macht aber gar nichts. Das Buch setzt die Fetzen, die sie schon mal irgendwo gesagt hat, in einen größeren Zusammenhang und ordnet sie ein.

Die zentrale Aussage, die auch schon aus dem Titel hervorgeht, ist: Für Männer sind überall ausreichend Plätze vorhanden, für Frauen gibt es immer nur einen. Das gilt in Talkshows genauso wie in Führungsetagen. Deshalb ist die Konkurrenz unter Frauen automatisch höher, jede will die eine sein. Die Schönste, Beste, Lustigste und überhaupt die Einzige. Währenddessen schmieden Männer Allianzen, seilen sich gegenseitig auf und schustern sich Posten zu, weil sie das können und dürfen. Frauen hingegen bedienen das Klischee der Stutenbissigkeit gleich selbst.

Zusammen mit Co-Autorin Mariella Tripke und der Illustratorin von Studio Mila beleuchtet Carolin die Gerechtigkeit, die Frauen quer durch die Geschichte und Geschichten zuteilgeworden ist. Frauengestalten in der Bibel und die Prinzessin im klassischen Märchen bekommen genauso ihr Fett weg, wie die Heldinnen aus Funk und Fernsehen. Und immer wieder die Feststellung: „Nur eine kann Germany’s next Maikönigin Maria im Kindergartenkrippenspiel werden“. Sie bemängelt die fehlende Identifikationsmöglichkeit für junge Mädchen, die sich nicht wiedererkennen und deshalb davon ausgehen müssen: So eine wie mich, gibt’s nicht, die will keiner.

Eine der vielen Illustrationen im Buch

Nicht nur das überall gegenwärtige und tief in unser Bewusstsein eingefressene Patriachat hindert uns daran, sichtbar zu werden. Auch wir Frauen untereinander machen uns das Leben oft schwer mit Shitstorms, Body-Shaming und Mommy-Wars. Wir vergleichen uns und fragen uns bang: Wer hat den besten After-Baby-Body? Welche Mutter schafft es am besten trotzdem sexy und begehrenswert zu bleiben?

Carolins Buch liefert auch Zahlen, Daten und Fakten rund um die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen. Schon bei der Erhebung von Daten sind Männer absolut überrepräsentiert. Crash-Tests werden mit männlichen Dummies durchgeführt, wodurch Frauen erwiesenermaßen bei Unfällen schlechter geschützt sind. Medikamente werden an männlichen Probanten ausgetestet, obwohl man weiß, dass der weibliche Körper oftmals anders reagiert als der männliche. Und natürlich kommt auch der Gender-Pay-Gap zur Sprache, der automatisch in den Gender-Pension-Gap mündet und deshalb Frauen überdurchschnittlich oft in die Altersarmut bringt.

Blick ins Inhaltsverzeichnis

Als Comedienne und Musikerin hat Carolin natürlich auch einen Blick auf die Unterhaltungsbranche und die Ungerechtigkeit, die im Showbusiness herrscht. So hatte sie auch in ihrer Show schon darauf aufmerksam gemacht, dass die großen Festivals fast ausschließlich männlich besetzte Bands in ihren Line-ups haben. Carolin wollte deshalb ein rein weibliches Festival ins Leben rufen, was ihr die Pandemie jetzt leider erst einmal verdorben hat. Sie spricht vom Scheitern, weil sie männliche Kollegen anders hat scheitern sehen als ihre weiblichen Kolleginnen oder sich selbst.

Und dann knöpft sie sich die großen Männerbünde vor. Als Kölnerin sind das für Carolin vor allem die Faschingsvereine und die katholische Kirche. Sie spart auch nicht aus, dass sich in den letzten 200 Jahren schon einiges in Sachen Gleichberechtigung getan hat: Frauen dürfen wählen und gewählt werden, sie dürfen ihr eigenes Geld verdienen, auch der eigene Ehemann darf sie nicht mehr vergewaltigen und das ungewollte Betatschen wurde strafbar. Zuletzt fällt jetzt unter der Ampel-Koalition vielleicht endlich der §219a, der die Aufklärung über Abtreibungen als Werbung verbietet.

Auch über den Frauenhass spricht sie in ihrem Buch, vor allem den auf den sozialen Netzwerken. Aber eben auch den, von uns Frauen untereinander, der uns fast noch mehr daran hindert, endlich gemeinsam für unsere Rechte einzustehen.

Ich bin keine Computerspielerin, deshalb konnte ich mit dem relativ langen Abschnitt über die Frau in einschlägigen Spielen nicht so richtig viel anfangen. Einige daraus abgeleitete Schlüsse sind aber dennoch auch in diesem Kapitel bedenkenswert. Im Zuge dessen spricht Carolin auch über die Darstellung von weiblicher Sexualität, die oftmals verstörend ist.

Carolin ist natürlich auch in ihrer Beschäftigung mit einem so ernsten Thema immer locker im Ton und manche Passagen des Buches sind absolut urkomisch. Vor allem das Kapitel über Tampons hat mich nachhaltig amüsiert! Wir überreichen uns Tampons immer noch so, als handle es sich um eine illegale Drogenübergabe. Die daraus resultierenden Situation sind oft unfreiwillig komisch und den betreffenden Frauen hochnotpeinlich. Carolin plädiert für einen entspannten Umgang mit einem absolut natürlichen körperlichen Vorgang, der 50% der Weltbevölkerung in irgendeiner Form betrifft.

Sie wirft aber nicht nur viele offene Fragen auf und legt den Finger treffsicher in die Wunden, sie zeigt auch Lösungswege auf. Die schärfste Waffe für uns Frauen ist laut Carolin die Solidarität unter Frauen. Hätten wir diese, würde an vielen Stellen das Patriachat leichter aufbrechen.

Die Rückseite des Covers

Weitere Lösungsansätze sind: Vorbilder schaffen, Frauenquoten einführen, konsequent Gendern und Mentorin sein. Und sie betont, dass es ihr niemals darum geht, Männer auszugrenzen, sondern Feminismus auch die Unterstützung von Männern braucht, um zu funktionieren. Und dann können am Ende alle Geschlechter davon profitieren.

Fazit:

Leseempfehlung nicht nur – aber besonders – für Menschen, die sich mit feministischen Themen beschäftigen. Gemäß ihrer Aussage, dass Feminismus ein Gewinn für Männer wie Frauen ist, sollte das Buch auch männliche Leser finden!

Rezension „Straße des Ruhms“

Der erhoffte dritte Teil der Caldwell-Saga von Kate O’Hara führt uns in den Sündenpfuhl Hollywoods zwischen den Weltkriegen. Wie erwartet spielt die Umstellung vom Stumm- zum Tonfilm eine zentrale Rolle und neben Hollywood ist auch weiter San Francisco Handlungsort des dritten Bandes. Nach meiner großen Begeisterung für Band 1 und 2 ist der dritte Teil vielleicht sogar der Beste von allen dreien!

Teil 3 der Caldwell-Saga „Strasse des Ruhms“

Zum Inhalt

Zu Beginn des dritten Teils sind Harriett und Frank endlich vereint. Sie haben bereits ein halbes Leben versäumt. Doch wie soll es mit ihrer Beziehung jetzt weitergehen? Frank führt sein Silver Screen Studio in Los Angeles, Harriett strampelt sich ab, wieder einen Fuß in die Tür ihres Familienunternehmens in San Francisco zu kriegen, aus dem ihr Onkel sie gedrängt hat. Beide sind absolute Arbeitstiere und können sich ein Leben ohne ihre Arbeit nicht vorstellen. So vereinbaren sie, dass erst einmal jeder dort weitermacht, wo er steht und sie versuchen sich so oft wie möglich zu treffen.

Frank hat den richtigen Riecher, als er alles auf die neuartigen Tonfilmverfahren setzt und sein Studio dahingehend umbauen will. Doch er hat seine Rechnung nicht mit seinen Partnern gemacht, die am althergebrachten festhalten wollen und um den Erfolg der „Triple S“ fürchten. Zur Finanzierung seiner hochtrabenden Ideen bleibt Frank nur der Gang an die Börse, wodurch er seine Anteilsmacht verliert. Von nun an verfügt er nur noch über eine Sperrminorität. Hollywood hat sich in ein Haifischbecken verwandelt, die Goldgräberstimmung der Anfangsjahre ist verflogen, längst diktiert die Macht des Geldes, wer aufsteigt und wer fällt. Glamour und Schein sind schon in den späten 20er Jahren der Stoff aus dem die Hollywood-Träume sind.

Als Hariett bei ihrem sicher geglaubten Geschäft scheitert, das ihr die fehlenden Anteile der Caldwell-Shipping-Company verschaffen sollte, ist der einzige Ausweg, den sie noch sieht, die Gründung einer eigenen Schifffahrtsgesellschaft. Mit dem Vermögen ihres verstorbenen Mannes legt sie den Grundstein für die TOSCA. Als Konkurrentin ihres Onkels will sie ihm das Wasser abgraben. Sie stürzt sich mit Feuereifer und ohne Rücksicht auf Verluste in dieses neue Projekt.

Klappentext

Historischer Hintergrund

Erneut gelingt es der Autorin meisterhaft, ihre fiktiven Figuren in der realen Welt agieren zu lassen, sodass die vergangene Epoche für die Leser*innen lebendig wird.

Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts bestimmen einige wenige große Studios den Filmmarkt. Das Oligopol Hollywoods gibt diesen Studios nahezu unbegrenzte Macht. Sie bestimmen, wer zum Star wird, welche Filme gedreht werden und wer sie wo zeigen darf. In kurzer Zeit ist Hollywood zu einem Ort für Glamour und Pracht geworden, sind elegante Boulevards, große Filmpaläste und Villen aus dem Boden geschossen. Die Studiogelände von Paramount, MGM oder Warner Bros. sind kleine Städte in der Stadt, sie arbeiten mit den modernsten Techniken und hofieren ihre jeweils eigenen Stars. Auf rauschenden Parties feiert Hollywood sich selbst, dabei fließt der Alkohol trotz Prohibition in Strömen und allerlei andere Drogen werden konsumiert, die wachmachen, Energie liefern, aufputschen oder runterkommen lassen sollen.

Anhand Franks fiktivem Studio, das ganz oben mitmischt in diesem Zirkus, kann man sich vorstellen, wie das Leben und Arbeiten in diesem Haifischbecken gewesen sein muss. Inzwischen kosten Feature-Filme schnell Millionenbeträge, verdienen die Superstars des Stummfilms tausende Dollar am Tag. Das Kinopublikum überall im Land hungert nach immer neuen Filmen. Nach Hollywood zu gehen und dort eine große Karriere als Leinwandgöttin zu machen, ist eine Verlockung der viele junge Frauen erliegen. Leider sieht die Realität oft ganz anders aus. Statt Glamour und Starruhm erwarten sie belanglose Nebenrollen und den ausschweifenden Lebenswandel in der Luxusmetropole können sie sich damit auch nicht leisten. Diese Facette der Traumfabrik zeigt O’Hara anhand von Harietts kleiner Schwester Ashley, die verzweifelt und vergeblich versucht in Hollywood ihren Durchbruch zu schaffen.

Stars wie Charlie Chaplin gründen gemeinsam ein eigenes Studio, die United Artists, um dem Druck der großen Studios mit ihren Knebelverträgen zu entgehen. Meisterhaft verknüpft Kate O’Hara die Biographien realer Figuren mit denen ihrer fiktiven Charaktere. Wir lernen Chaplin ebenso kennen, wie Marcus Loew und Louis B. Mayer, die Studiobosse von Metro-Goldwyn-Mayer, kurz MGM. Und an Franks tragischem Lebenswandel, der irgendwann nur noch aus Arbeits-, Alkohol- und Drogenexzessen besteht, zeichnet die Autorin eindrucksvoll die zerstörerische Seite der Filmindustrie nach.

Dem Tonfilmverfahren gaben viele Filmschaffende anfangs keine lange Lebenszeit. Zu aufwändig, zu teuer und zu umständlich. Studios, Ausrüstung und auch Kinos müssten dafür umgestellt werden. Außerdem ist der Stummfilm doch eine Kunstform, die ihren ganz eigenen Regeln folgt! Doch die neue Technik setzt sich rasant durch, die Zuschauer lieben die „Talkies“ und plötzlich stehen einige Stummfilmstars vor ganz neuen Herausforderungen. Nicht alle schaffen den Sprung zum Tonfilm, manche kostet dieser Umbruch die Karriere, dafür steigen sofort andere in den Hollywood-Olymp auf.

Und in San Francisco? Dem Pazifikhandel per Schiff kommt langsam das Flugzeug als Transportmittel in die Quere. Harriett muss ihren Onkel bei den Frachtverträgen unterbieten, um ihr Unternehmen etablieren zu können. Sie investiert ihr ganzes Vermögen in ihre Firma, immer getrieben vom Rachedurst und dem unbedingten Willen das Erbe ihres Vaters zurückzuholen. Dabei steuern Filmstudios und Schifffahrtsgesellschaften auf ein weiteres großes historisches Desaster zu: Den Börsencrash und die nachfolgende Weltwirtschaftskrise 1929!

Fazit

Der dritte Teil der Caldwell-Saga ist ein fulminanter Höhepunkt der bisherigen Bände. Wieder ist für mich nicht eindeutig erkennbar, ob eine Fortsetzung geplant ist, oder nicht. Kate O’Hara zeichnet ein glaubwürdiges und äußerst mitreißendes Bildnis der 20er Jahre in Hollywood. Ihre Charaktere durchleben ein Wechselbad der Gefühle und einen Sog aus Macht und Geld, dem sie sich kaum entziehen können, ebenso wenig wie die Leserschaft. Am Ende – so viel sei verraten – sind alle ziemlich geläutert. Der Goldrausch der frühen Jahre hat seinen Tribut gefordert, viele sind auf der Strecke geblieben und auch Harriett und Frank müssen sich die Frage stellen, was ihr Leben wirklich ausmacht und worauf es ihnen letzendlich ankommt. Ihre einst so große Liebe hat das Leben und der Ehrgeiz zerrieben, wie der Ozean Steine zu Sand mahlt.

Unbedingte, uneingeschränkte Leseempfehlung!

Rezension: Kinderklinik Weißensee

Den historischen Roman „Kinderklinik Weißensee – Zeit der Wunder“ von Antonia Blum habe ich regelrecht verschlungen. Ein wirklich gelungenes Zeitdokument, eine unterhaltsame Love-Story, aber leider in der Umsetzung durchaus Mängel. Auf jeden Fall eine Empfehlung für alle, die gerne in vergangene Zeiten eintauchen.

Inhalt & Fakten zum Buch

Es ist endlich mal wieder Zeit für eine Buch-Rezension. Der historische Roman „Kinderklinik Weißensee“ von Antonio Blum ist 2020 im Ullstein Verlag erschienen, es ist der Auftakt einer Trilogie, die 2021 mit „Kinderklinik Weißensee – Jahre der Hoffnung“ fortgesetzt wurde. 2022 soll der dritte Teil „Kinderklinik Weißensee – Tage des Lichts“ folgen.

Der erste Band beginnt am 3. Juli 1898 in Lübars bei Berlin, die beiden Mädchen Marlene (6) und Emma (4) werden zu Waisen, als ihre Mutter schwer erkrankt und stirbt. Nach diesem tragischen Einstieg, springt die Handlung ins Jahr 1911. Im Berliner Wedding leben die Schwestern in einem Waisenhaus. Trotzdem wurde es ihnen beiden ermöglicht das Abitur zu machen, was zur damaligen Zeit wirklich außergewöhnlich war, und nun sind sie als Elevinnen der Rotkreuzschwestern für die neu eröffnete Kinderklinik in Weißensee angenommen worden. Was für eine Ehre! Die anderen Schwesternschülerinnen stammen aus adeligen Familien und gutem Haus. Entsprechend schwer ist auch der Stand, den die gewissenhafte Emma und die talentierte, aber rebellische Marlene in der Klinik haben. Emma verliebt sich Hals über Kopf in den Melker Tomasz, der in der an die Kinderklinik angeschlossenen Milchkuranstalt arbeitet, Marlene träumt davon selbst Medizin zu studieren und eines Tages Kinderärztin zu werden, so wie der attraktive Assistenzarzt Maximilian von Weilert. Der adelige Max ist bei den Elevinnen schwer umschwärmt, eine durch und durch gute Partie, auf die nicht nur Marie-Louise ihr Auge geworfen hat, die mit der Hochzeit einer Zukunft als ehelose und aufopferungsvolle Rotkreuzschwester entrinnen will. Dann ist da noch Pförtner Willy Pinke, ein Berliner Original und die gute Seele der Klinik. Bei ihm suchen Marlene und Emma oft Rat und Unterschlupf, wenn der Klinikalltag oder ihre eigenen Herzensangelegenheiten sie zu stark belasten.

Was ich gut fand:

Schon das Cover hat mich angesprochen. Es ist relativ typisch für die aktuellen historischen Romane und doch eigen. Da steht ein kleiner Junge mit dem Rücken zum Betrachter und schaut auf ein Gebäude in Sepia-Tönen. Es ist die historische Kinderheilanstalt, in der der Roman spielt. In den Klappen des Umschlags finden sich Informationen zum Nachfolgeband, zur Autorin und zu den beiden Hauptpersonen.

Die Autorin stammt selbst aus Weißensee und kennt die alte Klinik daher gut. Man merkt dem Buch an, dass sie Weißensee liebt und von der Geschichte der Kinderklinik fasziniert ist. Sie schreibt flüssig und weitgehend gut zu lesen, wobei ich hier auch ein paar Kritikpunkte habe, dazu gleich mehr.

Die Sogwirkung entfaltet das Buch durch seine Charaktere. Marlene und Emma bieten viel Möglichkeit zur Identifikation und zum Mitleiden. Dass sich die beiden Schwestern, die ein so frühes schweres Schicksal zusammengeschweißt hat, im Laufe der Erzählung beinahe entzweien, ist herzzerreißend. Herzzerreißender fast als die unglücklichen Liebschaften, die sie eingehen. Auch die kleinen PatientInnen schließt man als LeserIn schnell ins Herz, ebenso wie manche Mitschwester, Oberin oder Arzt. Wobei hier auch durchaus AntagonistInnen zu finden sind, wie z.B. die eingebildete Marie-Louise, die fast die gesamte Schwesternschaft auf ihre Seite und gegen die Schwestern zieht. Etwas unsympathisch wirkt zunächst auch der Klinikleiter Doktor Ritter, welche Rolle er genau im Leben von Marlene und Emma spielt und was sie ihm genau genommen alles zu verdanken haben, wird erst im Verlauf der Geschichte deutlich. Mein Lieblingscharakter war eindeutig aber Willy Pinke. Bei ihm hatte ich sofort ein Bild im Kopf, wenn er sich in Berliner Dialekt der Sorgen und Ängste der Mädchen annimmt.

„Kinderklinik Weißensee“ ist spannend und unterhaltsam. Die letzten Kapitel konnte ich es gar nicht mehr aus der Hand legen, so sehr hatte mich das Schicksal der beiden Frauen und das der Klinik in seinen Bann gezogen. Vor allem im letzten Drittel entwickelt sich das Buch zum Page-Turner und auch wenn man manche Entwicklung schon vorhersieht, war es doch spannend sie zu lesen.

Was mich gestört hat:

Am meisten gestört hat mich – und das ist gleichzeitig eigentlich mein einziger Kritikpunkt – dass sich ein Großverlag wie Ullstein anscheinend kein Lektorat für seine Bücher leisten kann. Nicht nur waren auffallend viele Rechtschreib- und Tippfehler zu finden, es waren auch sehr viele Redundanzen im Text, die den Lesefluss doch immer wieder gestört haben. Ein gutes Lektorat hätte den Hang der Autorin, gelegentlich in einen etwas gestelzten Sprachduktus abzugleiten, eingedämmt und die Erzählung dadurch noch spannender gestalten können.

Das Buch ist stolze 430 Seiten dick, hätte man einige sich ständig wiederholende Absätze gestrichen, hätte dies dem Lesegenuss bestimmt keinen Abbruch getan. Aber wenn Marlene zum x-ten Mal im inneren Monolog darüber sinniert, dass sie als Waise keine Möglichkeit hat zu studieren, dann stört das doch den Spannungsbogen.

Fazit

Insgesamt ein mehr als lesenswertes Buch. Für Interessierte an historischen Stoffen und an Geschichten aus der näheren Vergangenheit eine klare Lese-Empfehlung von mir!

„Downton Abbey“ forever!

Ich habe in letzter Zeit viele Drama-Serien hier besprochen und dabei häufig den Querverweis auf die – aus meiner Sicht – Mutter aller Drama-Serien gezogen. Es kann eigentlich nicht angehen, dass „Dowton Abbey“ noch keinen Blogbeitrag von mir erhalten hat. Deshalb: hier ist er! Ich rolle den roten Teppich aus und rücke das weiße Spitzenhäubchen zurecht für die unzweifelhaft beste Serie der letzten Jahre, wenn nicht überhaupt. Bitte folgen Sie mir, Ladies and Gentlemen, in die Welt von „Downton Abbey“:

Downton Abbey bzw. Highclere Castle, der Drehort der Serie

Daten und Fakten vorab

Die britische Fernsehserie „Downton Abbey“ wurde für den TV-Sender ITV produziert und orientiert sich an einer Idee von Julian Fellowes, der auch den Großteil der Drehbücher verantwortet. Die Produktion stellt den Anspruch einer größtmöglichen Detailgenauigkeit in den historischen Bezügen, die Serie spielt am Beginn des 20. Jahrhunderts in einer britischen Adelsfamilie und unter deren Personal. Die Darstellung von einerseits der Herrschaft und andererseits der Dienerschaft orientierte sich an der 70er Jahre Erfolgsserie „Upstairs, Downstairs“ (dt: Das Haus am Eaton Place). Die realistischen Figuren und die Detailverliebtheit trug der Serie einen Eintrag im Guinessbuch der Rekorde ein als die „von Kritikern und Publikum am besten bewertete Fernsehserie“.

Von 2010 bis 2015 liefen die 52 Folgen in sechs Staffeln zunächst auf dem britischen Fernsehsender ITV-1. Die deutsche Erstausstrahlung folgte ab Juli 2011 bei Sky Cinema. Die Free-TV-Premiere übernahm das ZDF. Jede Staffel schließt mit einer aufwändigen Weihnachtsfolge ab, wobei sie inhaltlich nicht immer zu Weihnachten spielt, aber in Großbritannien immer zu den Weihnachtstagen ausgestrahlt wurde. Gedreht wurde auf dem markanten Anwesen von Highclere Castle in Hampshire und in den Ealing Studios. Als Kulisse für die Dorfszenen diente Bampton in Oxfordshire. Die Weihnachtsfolge der dritten Staffel spielt in Schottland und wurde auf Inveraray Castle gedreht. Mit rund 1 Mio. Pfund pro Folge ist Downton Abbey eine der teuersten TV-Produktionen des letzten Jahrzehnts.

Zuschauer und Kritiker überall auf der Welt nahmen die Erklärung 2015, dass die sechste die finale Staffel werde, mit Trauer und Enttäuschung auf. Umso erfreuter war man, als die Produktionsfirma 2019 einen Kinofilm ankündigte. Ein Großteil der DarstellerInnen konnte für die Fortsetzung wieder gewonnen werden, die Handlung knüpft 1927 an die Serie an. Inzwischen heißt es, dass noch ein zweiter Film geplant sei.

Trailer zu „Downton Abbey“

Inhalt und DarstellerInnen

Die Handlung von Downton Abbey beginnt 1912 mit dem Untergang der Titanic. Die Familie von Lord Crantham (Hugh Bonneville) erfährt, dass bei dem Unglück der Erbe von Downton Abbey ums Leben kam. Lord und Lady Crantham (Elizabeth McGovern) haben drei Töchter, die nach den Gesetzen der Zeit nicht erbberechtigt sind. Der nächste in der Erbfolge ist Matthew Crawley (Dan Stevens), ein junger Anwalt, der in viel einfacheren Verhältnissen aufgewachsen ist. Zusammen mit seiner Mutter Isobel (Penelope Wilton) kommt er nach Downton und wird vor allem von der ältesten Tochter, Lady Mary (Michelle Dockery), zunächst abgelehnt.

Neben den Problemen der Herrschaft oben, stehen auch die alltäglichen Strapazen und persönlichen Schicksale der Dienerschaft im Fokus der Serie. Zu Beginn kommt der neue Kammerdiener des Lords, Mr. Bates (Brendan Coyle), auf Downton an. Er hat zusammen mit Lord Crantham im Krieg gedient, wo er verwundet wurde und seither ein steifes Bein hat. Aufgrund seiner Behinderung unterstellen die übrigen Dienstboten ihm anfangs, für die anspruchsvolle Stelle eines Kammerdieners nicht geeignet zu sein. Vor allem das Dienstmädchen Anna (Joanne Froggatt) jedoch hat von Beginn an ein gutes Verhältnis zu Bates.

Zu Besuch auf Highclere Castle

Das strenge Regiment im Haus teilen sich der Butler Mr. Carson (Jim Carter) und die Hausdame Mrs. Hughes (Phyllis Logan). In der Küche schaltet und waltet die Köchin Mrs. Patemore (Lesley Nicol), ihr zur Hand geht das naive Küchenmädchen Daisy (Sophie McShera). Für jede Menge Unmut sorgen als Quelle von Intrigen der Hausdiener Thomas (Rob James-Collier) und die Kammerjungfer ihrer Ladyschaft, Miss O’Brien (Siobhan Finneran).

Heimlicher Dreh- und Angelpunkt der feinen Gesellschaft oben ist immer noch die alte Lady, Lord Cranthams Mutter (Dame Maggie Smith), die zwar in ihrem Austragscottage lebt, jedoch die Geschicke des „großen Hauses“ und vor allem ihrer Enkelinnen mit Argusaugen und einer ordentlichen Prise erhabenem Sarkasmus‘ überwacht. Sie liefert sich manches Gefecht mit der patenten Isobel, die ihr ihre angestammte Position als Vorsteherin des Krankenhauses von Downton und verschiedener Wohltätigkeitsvereine streitig macht. Grandios ist sie als Gegenspielerin von Lady Cranthams Mutter, Martha Levinson (Shirley MacLaine), die zu ausgewählten Anlässen aus Amerika anreist und frischen Wind in die alten Mauern bringt.

Während die starrsinnige Lady Mary versucht ihren Platz auf Downton Abbey und in der Highsociety zu halten, liebäugelt ihre jüngste Schwester Sybil (Jessica Brown Findlay) mit dem Feminismus und mit dem unstandesgemäßen Tom Branson (Allen Leech), der als Chauffeur auf Downton arbeitet. Die mittlere Tochter Edith (Laura Carmichael) tut sich schwer, ihr fehlt sowohl der Liebreiz von Sybil als auch das Charisma von Mary. Ihre Stunde schlägt, als der Erste Weltkrieg über die heile Welt von Downton herreinbricht und aus dem herrschaftlichen Anwesen vorrübergehend ein Genesungsheim für Kriegsveteranen macht.

Downton Abbey lässt eine längst vergangene Epoche wiederauferstehen, als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts eine Ära beendet und ein neues Zeitalter heraufdämmern lässt. Eines, in dem Standesgrenzen aufgebrochen werden und demokratische Werte Einzug halten können. Lord Crantham fällt die Anpassung an die neuen Gegebenheiten am schwersten, während seine Töchter ihre neu gewonnenen Freiheiten gegen seine alten Konventionen verteidigen.

Highclere – das wahre Downton Abbey

Heimliche Hauptfigur der Serie ist das opulente Anwesen im Neo-Renaissance-Stil des 19. Jahrhunderts, das nicht nur einmal kurz vorm Ruin steht. In den unsteten Zeiten vor und nach dem Ersten Weltkrieg fällt es nicht leicht, ein so großes Haus und seine Ländereien wirtschaftlich zu führen und zu erhalten. Lord Crantham droht daran zu scheitern. Doch für alle Bewohner – unten wie oben – ist klar, dass Downton unter allen Umständen erhalten bleiben muss. Das imposante Gebäude mit seinem quadratischen Grundriss und den vier Türmen an jeder Ecke ist schon von Weitem gut zu erkennen. Highclere Castle ist der Mittelpunkt der Serie und nicht einfach nur ihre Kulisse.

Dokumentation über Highclere Castle

Das Schloss geht zurück auf einen mittelalterlichen Palast der Bischöfe von Winchester. Der ursprünglich rechteckige Bau wurde 1692 errichtet. Unter den Grafen von Pemproke wurde es aus- und umgebaut. Sein Besitzer Henry Herbert wurde vom Grafen zum Earl of Carnarvon erhoben. Seine heutige Gestalt erhielt Highclere Castle von Architekt Sir Charles Barry zwischen 1839 und 1842 im Auftrag des dritten Earl of Carnarvon. Der fünfte Earl of Carnarvon war der Archäolgie sehr zugetan und zusammen mit Howard Carter an verschiedenen Ausgrabungen in Theben und andernorts beteiligt. Unter anderem entdeckten sie 1922 das Grab von Tutenchamun. Er richtete auf Highclere ein ägyptisches Museum ein.

Auch Queen Elisabeth II war schon auf Highclere Castle zu Besuch, die dem siebten Earl of Carnarvon freundschaftlich zugetan war, weil er ihre Leidenschaft für Rennpferde teilte. Heutiger Inhaber ist sein Nachfolger, George Herbert, der 8. Earl of Carnarvon. Neben Downton Abbey war Highclere auch für andere Filmproduktionen bereits Drehort und im Musikvideo zu John Legends „Heaven“ zu sehen. Schloss und Parkanlagen können besichtigt werden, ebenso die ägyptische Ausstellung.

Dokumentation über „Das wahre Downton Abbey“

Ein Hauch Downton für Zuhause

Downton Abbey ist nicht nur eine Serie, es ist ein Kaleidoskop längst vergangener Zeit. Die Macher haben das erkannt und bieten neben den Staffeln auf DVD alle möglichen Bücher rund um die Serie und seine wahren Hintergründe an. Ein Dinner im Stil von Downton Abbey? Warum nicht?

Meine liebsten Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur (Teil 3)

Neue Klassiker nach der Jahrtausendwende

Ich habe in den letzten Beiträgen habe ich eine Vielzahl von Büchern vorgestellt, die mich durch meine Kindheit und Jugend begleitet haben und die für mich zu echten Klassikern geworden sind. Manche waren schon sehr alt, aus dem 18. oder 19. Jahrhundert; im letzten Beitrag kamen dann die Bücher aus dem 20. Jahrhundert dran. Ich habe 2001 Abitur gemacht, Bücher, die im neuen Jahrtausend erschienen sind, habe ich also nicht mehr als Kind gelesen. Trotzdem habe ich immer wieder zu Jugendliteratur gegriffen und entdecke auch jetzt mit meinem eigenen Kind immer noch neue Kinder- und Jugendbücher, denen ich das Potenzial, zu Klassikern zu werden, zusprechen würde. Hier sind sie!

Auswahl meiner Lieblingsbücher

Wolfgang Herrndorf „Tschick“

„Tschick“ ist ein unkonventioneller Protagonist, der einen Road-Trip erlebt, der stellvertretend für die Reise vom Kind zum Erwachsenen stehen kann. Es ist ein modernes Buch mit Ecken und Kanten, das ich auch als Erwachsene noch gerne gelesen habe. Inzwischen wurde es auch verfilmt.

Cornelia Funke „Die wilden Hühner“ (2001)

Cornelia Funke gehört zu den erfolgreichsten Autorinnen der deutschsprachigen Fantastik. Darüber hinaus schreibt sie auch Jugendbücher, die ohne magische Elemente auskommen. „Die wilden Hühner“ sind eine Mädchen-Bande, die auf dem Weg zum Erwachsenwerden gemeinsam die Höhen und Tiefen erlebt. Geschichten über Freundschaft, über die erste Liebe und die ersten großen Krisen. Auch diese Reihe wurde einfühlsam verfilmt.

Suzanne Collins „Die Tribute von Panem“ (2009)

Suzanne Collins gehört mit ihren „Tributen von Panem“ für mich zum Kanon der großen Fantastik-Bücher, wie „Harry Potter“, „Herr der Ringe“ oder „Die Chroniken von Narnia“. In ihrer postapokalyptischen Dystopie verpackt sie eine aktuelle Gesellschaftskritik, die nicht nur für junge Erwachsene bewegend ist. Die Filme dazu sind okay, reichen aber an die Bücher nicht heran.

Wolfgang Hohlbein „Die Wolf-Gäng“ (ab 2007)

Hohlbein ist einer der großen deutschen Fantasten, seine Bücher richten sich zumeist an Erwachsene. Mit der „Wolf-Gäng“ hat er eine Jugendserie geschaffen. Sein Protagonisten-Trio hat ein Handicap: der Vampir kann kein Blutsehen, die Fee hat Flugangst und der Werwolf ist auf Tierhaare allergisch. Schlechte Voraussetzungen für ein magisches Abenteuer mit einem diabolischen Gegner.

Bernd Flessner & Peter Schilling „Der kleine Major Tom“ (2018)

Peter Schilling war der Neue Deutsche Welle – Sänger mit dem Charthit „Major Tom“, zusammen mit Bernd Flessner hat er eine wundervolle Kinderbuchreihe geschaffen, in der ein kleiner Major Tom Abenteuer im Weltall bestehen muss. Eingeflochten in die Geschichten sind viele wissenswerte Fakten über Astronauten, die Raumfahrt und das All. Empfehlenswert für alle kleinen Technik-Freaks.

Jennifer Benkau „Das Hummelhörnchen“ (2018)

Jennifer Benkau gehört zu den „Ink-Rebels“ und ihre Kinderbücher über das kleine dicke Einhörnchen, das vergessen hat, wie man richtig zaubert, sind nicht nur allerliebst, sie brechen erfreulich konsequent mit den üblichen „für Jungs“ und „für Mädchen“-Klischees.

Margit Auer „Die Schule der magischen Tiere“ (2013)

In der Reihe sind bislang 11 Bände erschienen, außerdem gibt es eine Spin-off-Reihe „Endlich Ferien“, sowie Sonderbände. Zu den Büchern gibt es auch Hörspiele. Jedes Schulkind hat an dieser besonderen Schule ein magisches Tier an der Seite, das sprechen kann.

Maite Kelly „Die kleine Hummel Bommel“

Die Sängerin der ehemaligen Pop-Gruppe „Kelly Family“ schreibt und komponiert nicht nur für sich und andere Künstler Songs, sondern sie ist seit einigen Jahren auch sehr erfolgreiche Kinderbuchautorin. In den Geschichten der „Kleinen Hummel Bommel“ geht es um Mut, Selbstwert und das Glück so angenommen zu werden, wie man ist. Die Bücher sind liebevoll illustriert von Joëlle Tourlonias.

Ulrike Schweikert „Die Erben der Nacht“ (ab 2008)

Diese sechsbändige Vampir-Reihe beginnt im Jahr 1877, die letzten großen Clans wetteifern um die Vorherrschaft unter den Vampiren. Es handelt sich um klassische Vampir-Abenteuer in einem sehr gelungenen historischen Setting. Die Verfilmung läuft auf KiKa.

Éric-Emmanuel Schmitt „Oskar und die Dame in Rosa“ (2002)

Wie spricht man mit Kindern über den Tod? Vielleicht, indem man dieses Buch des französischen Autors Schmitt zusammen liest. Oskar ist lebensbedrohlich an Leukämie erkrankt, trotzdem ist das Buch voller Hoffnung und Trost. Schmitt wurde bekannt mit der Erzählung „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Korans“, die auch verfilmt wurde.

Karen McCombie „Ruby, Keinhörnchen und die verzauberten Süßigkeiten“ (2013)

Dieses Buch haben wir durch Zufall in einer Bücherzelle entdeckt und lieben es seither sehr. Die optische Ausgestaltung allein ist schon sehr ansprechend, die Geschichte ist niedlich und angenehm klischeebefreit. Zwei Kinder, die sich eigentlich nicht leiden können, finden im Wäldchen hinter der Siedlung ein seltsames Tier, das sprechen kann. Es sieht aus wie ein Eichhörnchen, möchte aber auf keinen Fall so bezeichnet werden, deshalb einigen sie sich darauf, dass es ein Keinhörnchen ist.

Lea Schmidbauer & Kristina Magdalena Henn „Ostwind“ (2013)

Die Pferdegeschichte kann man getrost als eigenes Untergenre der Jugendliteratur bezeichnen, sie zieht sich schon durch viele Generationen und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Von Klassikern wie „Fury“ und „Blitz“, über meine persönliche Lieblingsreihe „Reiterhof Dreililien“ sind Pferde ein wiederkehrendes Thema, ohne das Abenteuerromane und Coming-of-age-Storys kaum vorstellbar sind. Modern und bildgewaltig fügt sich „Ostwind“ in diese Tradtion ein. Bekannt sind auch die dazugehörigen Filme.

Jay Asher „Tote Mädchen lügen nicht“ (2012)

Ein Mädchen hat sich das Leben genommen. Hinterlassen hat sie eine besprochene Kassette, die sich diejenigen anhören müssen, die sie zu der Verzweiflungstat getrieben haben. In Jay Ashers beklemmendem Buch geht es um Mobbing, um psychische und physische Gewalt und darüber, wie man Betroffene davor schützen kann. Ein wichtiges Buch. Sehenswert ist auch die erste Staffel der gleichnamigen Serie, leider basiert die Fortsetzung dann nicht mehr auf der literarischen Vorlage.

John Green „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (2014)

Traurigschöne Geschichte über eine 16jährige Krebspatientin und ihren Kampf um ein wenig Normalität im Krankenhausalltag. Green schreibt mit viel Empathie, gesteht seiner Protagonistin aber neben dem Kranksein auch die alltäglichen Kämpfe des Erwachsenwerdens zu.

Lionel Shriver „Wir müssen über Kevin reden“ (2017)

Wie geht man damit um, wenn ein Junge zum Amokläufer wurde? Wie kann die Familie danach weiterleben? Lionel Shriver schont ihre Leserschaft nicht, das Buch ist wie ein Sog. Man erfährt nur durch Briefe, die die Mutter an den Vater schreibt, nach und nach was überhaupt passiert ist. Es ist anstrengend zu lesen, hallt aber unwahrscheinlich nach.

Sara Grün „Wasser für die Elefanten“ (2017)

Ein alter Mann stielt sich aus dem Pflegeheim, in dem er sehr einsam lebt, davon und besucht einen Wanderzirkus. Dort erzählt er dem Besitzer, der ihn im Regen aufsammelt und in seinen Wagen mitnimmt, von seinem Leben, als er selbst noch mit einem Zirkus unterwegs war. Eine ebenso magische wie grausame Welt der 1930er Jahre zeichnet Sara Grün in dieser Geschichte.

Tomi Adeyemi „Children of Blood and Bone“ (2018)

People of Colour sind leider in der Literatur immer noch unterrepräsentiert, insbesondere trifft das auf die Kinder- und Jugendbuchsektion zu. Ein leuchtendes Gegenbeispiel ist diese Fantasy-Erzählung der amerikanisch-nigerianischen New-Comerin Adeyemi. Sie verbindet auf magische Weise klassische Fantasy mit dem mystischen Zauber von Afrika, Voodoo und Stammesriten inklusive.

Desperate Housewives

Die Serie habe ich ausnahmsweise schon gleich damals gesehen, als sie der neuste heißeste Scheiß war. Nach „Sex & the City“ guckte plötzlich alle Welt die verzweifelten Hausfrauen aus der Vorstadt von Fairview. Sie war anders. Lustig, aber auch spannend und abgründig. Gerade wiederholt der Disney Channel die Serie und für das Endlosschleifesehvergnügen gibt es sie auch beim Streaming-Anbieter Disney+. Zeit das Ganze noch einmal Revue passieren zu lassen! (Achtung: Spoiler!)

Fakten und Zahlen

Die ABC-Studio-Produktion lief von Oktober 2004 bis Mai 2012 auf dem amerikanischen Sender ABC. Ab April 2005 gab es „Desperate Housewives“ auch in Deutschland bei Pro7. Nach acht Staffeln und 180 Folgen endete die Serie im Mai 2021 mit einem zweistündigen Finale. Gedreht wurde auf dem Studiogelände der Universal Studios in Los Angeles. Die „Colonel Street“ ist dort auch für Besucher geöffnet, wenn sie nicht gerade für Dreharbeiten gebraucht wird. Neben den „Desperate Housewives“ wurden in dieser fiktiven Straße auch schon Filme wie „The Munsters“, „Gremlins“ oder „Deep Impact“ und die Serie „Providence“ gedreht.

Lang ist die Liste der Todesfälle in der Wisteria Lane, meist sterben die Leute dort unter unnatürlichen Umständen. Ganze 49 Tote gibt es in 8 Staffeln zu beklagen, manche davon hängen so sehr an der Wisteria Lane, dass sie sich an ungewöhnlichen Orten dort wiederfinden: beispielsweise in der Tiefkühltruhe, einbetoniert im Boden eines Swimmingpools oder als Asche verstreut in die verschiedenen peinlich akurat gepflegten Vorgärten. Daraus ergibt sich wohl, dass die Serie keine reine Soap über das Leben von gelangweilten Vorstadtfrauen sein kann. Sie ist Komödie, Tragödie und Krimi in einem. Und genau das machte auch ihren Erfolg aus.

Trailer zur 2. Staffel

Inhalt und Personen

Die zentralen Figuren der Serie sind vier Vorstadtfrauen mittleren Alters:

  • Bree Van de Kamp (Marcia Cross), die Ehefrau des Arztes Dr. Rex Van de Kamp und Vorzeige-Hausfrau von Fairview. Bree und Rex haben zwei, zu Beginn der Serie halbwüchsige Kinder: Danielle und Andrew. Brees Perfektionismus grenzt an Zwanghandlungen.
  • Susanne Mayer (Teri Hatcher), geschiedene Ex-Frau des Anwalts Carl Mayer mit dem sie eine Teenager-Tochter hat, Julie Mayer. Susanne und Julie verbindet eine enge Beziehung.
  • Lynette Scavo (Felicity Huffman), die Ehefrau von Tom Scavo, der derzeit Alleinverdiener ist, da Lynette gerade das vierte Kind bekommen hat. Sie sehnt sich zurück in ihre Stelle als Marketing-Chefin und fühlt sich mit der Hausfrauenrolle alles andere als wohl. Ihre Kinder, die Zwillinge Porter und Preston, Sohn Parker und Töchterchen Penny halten Lynette ziemlich auf Trab.
  • Gabrielle Solis (Eva Longoria), verwöhntes Ex-Model und Ehefrau von Manager Carlos Solis, will keine Kinder, sondern ihr Luxusleben in vollen Zügen genießen. Dazu unterhält sie u.a. eine Affäre mit ihrem minderjährigen Gärtner John Rowland.

Zu Beginn der ersten Staffel nimmt Mary Alice Young sich das Leben, die vier Freundinnen rätseln, was die Nachbarin in den Tod getrieben hat. Bis auf einige wenige Folgen kommentiert Mary Alice die Geschehnisse in der Wisteria Lane aus dem Jenseits. Die Off-Kommentare ordnen Ereignisse ein und bringen sie in einen größeren Zusammenhang, sie geht dabei mit ihren einstigen Nachbarn und Freunden mitunter ganz schön hart ins Gericht.

Offizieller Pro7-Trailer zur 7. Staffel

Jede Staffel der Serie birgt mindestens ein Mysterium, das im Laufe der Folgen enthüllt wird. In Staffel 1 ist dies, der Grund weshalb Mary Alice Selbstmord begangen hat. Schnell wird klar, dass die Familie Young ein dunkles Geheimnis gehütet hat, das jemand entdeckt und Mary Alice damit unter Druck gesetzt hat. In der zweiten Staffel zieht eine neue Familie in die Wisteria Lane. Betty Applewhite ist Konzertpianistin und vordergründig eine nette Nachbarin, doch in ihrem Haus geschehen merkwürdige Dinge und bald wird klar, dass sie ein Geheimnis mit nach Fairview gebracht hat.

Rex Van de Kamp stirbt in der zweiten Staffel, seine Witwe Bree geht in der dritten Staffel eine neue Beziehung mit dem Zahnarzt Orson Hodge ein. Doch Orson verbirgt seine Vergangenheit vor Bree. Darin besteht Geheimnis Nr. 3. In der vierten Staffel kehrt Katherine Mayfair mit ihrer Familie in die Wisteria Lane zurück, vor Jahren war sie Hals über Kopf verschwunden. Warum, das ist das Mysterium der Staffel 4. Zwischen Staffel 4 und 5 gibt es einen Zeitsprung von 6 Jahren. In dieser Zeit kam es zu einem folgenschweren Autounfall, bei dem Susann und ihr Lebensgefährte Mike Delfino verletzt und eine Unbekannte mit ihrer kleinen Tochter getötet wurde. Jahre später kommt Dave Williams als neuer Ehemann der Wisteria Lane-Bewohnerin Eddie Britt nach Fairview, was Dave mit dem Unfall zu tun hatte, ist das zentrale Geheimnis in Staffel 5.

Neuzugänge in der Wisteria Lane in Staffel 6 sind Angie Bolen, ihr Sohn Danny und sein Stiefvater Patrick Logan. Hier stellt sich heraus, dass die drei unter falschen Identitäten nach Fairview kamen. Sind sie im Zeugenschutzprogramm? Das ist das Geheimnis der sechsten Staffel. Dazu kommt, dass in Fairview ein unheimlicher Killer sein Unwesen treibt, dem Julie nur um Haaresbreite entkommt. Wer dahinter steckt, ist ein weiteres Mysterium. In Staffel 7 kehrt Paul Young, der Witwer von Mary Alice, zurück in die Wisteria Lane, er saß bis dahin wegen Mordes an Felicia Tilman im Gefängnis. Doch er hat sie nicht getötet. Er kommt auch nicht allein, sondern ist eine neue Ehe mit der absonderlichen Beth eingegangen. Was sie mit alldem zu tun hat, ist das Geheimnis Nr. 7.

In der finalen Staffel hat sich für die Hausfrauen vieles verändert. Ehen sind zerbrochen und neue geschlossen worden, Kinder wurden geboren, Geheimnisse aufgedeckt und viele Höhen und Tiefen durchlebt. Das letzte Geheimnis teilen die vier Freundinnen alle gemeinsam und sie tragen schwer daran. Davon, ob sie es bewahren oder sich gegenseitig verraten, könnte ihrer aller Wohl abhängen und ihre Freundschaft.

Große Katastrophen, Rückblenden und Zeitsprünge

Einige Folgen stechen aus der Serie heraus, weil sie zentrale Katastrophen und Wendepunkte in der Geschichte markieren. In der siebten Folge von Staffel 3 nimmt eine betrogene Ehefrau im Supermarkt von Fairview mehrere Kunden als Geiseln. Darunter auch Lynette, Toms frühere Freundin Nora, mit der er ein gemeinsames Kind hat, Julie Mayer und Eddie Britts Neffen Austin, ein Taugenichts, der Julie rumkriegen möchte. Es kommt zu einem Schusswechsel mit der Polizei und ein paar der Geiseln wachsen über sich selbst hinaus.

In Staffel 4, in der neunten Folge verwüstet ein Tornado die Wisteria Lane. Die Naturkatastrophe stellt Freundschaften auf die Probe, reißt Familien auseinander, richtet unglaubliche Zerstörung an und fordert am Ende sogar ein Todesopfer. In Folge 8 der fünften Staffel bricht in einem Club ein folgenschwerer Brand aus. Weil die Garagenband von Tom, Mike und Orson dort einen Auftritt haben sollte, ist die halbe Wisteria Lane anwesend, als das Feuer ausbricht. Es kommt zu einer Massenpanik, bei der sechs Personen sterben, eine weitere stirbt im Krankenhaus und ein Toter wird gefunden, der nicht durch die Folgen des Brandes ums Leben kam, sondern ganz offensichtlich vorher ermordet wurde.

Ein Tornado zerstört die Wisteria Lane

In der sechsten Staffel, Folge 10 stürzt ein Sportflugzeug auf die Wisteria Lane, wo gerade ein Straßenfest stattfand. Der Pilot erlitt einen Herzinfarkt, seine Frau, die Co-Pilotin, kann das Flugzeug nicht mehr notlanden und verliert ebenfalls ihr Leben. Zwei Bewohner der Wisteria Lane verlieren durch den Flugzeugabsturz ihr Leben, Orson Hodge wird schwer verletzt. Lynette kann Celia Solis, die kleine Tochter von Carlos und Gaby retten, verliert dabei jedoch eines ihrer ungeborenen Kinder, denn sie ist schon wieder mit Zwillingen schwanger. Und schließlich kommt es in der siebten Staffel, Folge 10 zu einem Aufstand, als eine Demonstration gegen ein von Paul Young geplantes Resozialisierungszentrum für Schwerverbrecher, das ausgerechnet in der beschaulichen Vorstadt eröffnet werden soll, aus dem Ruder läuft. Randalierende Demonstranten verwüsten die Vorgärten, trampeln Zäune nieder und liefern sich eine Schlägerei mit der Polizei. Bree versucht die Randalierer mit einem Schuss in die Luft aus ihrer Sportpistole abzuwehren und löst damit eine Massenpanik aus. In der Folge wird Susan niedergetrampelt und schwer verletzt.

Neben diesen Katastrophen-Folgen, die jeweils zur Mitte der jeweiligen Staffel stattfanden und in der amerikanischen Ur-Ausstrahlung einen Cliffhanger vor der Weihnachtspause darstellten, spielen auch längere Flashbacks eine zentrale Rolle. In 9 Folgen wird in die Vergangenheit der Figuren zurückgeblendet, meist sind es mehrere Szenen, die miteinander in Zusammenhang stehen. In Folge elf der 6. Staffel gehen die Sequenzen statt in die Vergangenheit in die Zukunft, die Frauen fragen sich nach dem Flugzeugabsturz, was hätte sein können.

Es gibt zwei größere Zeitsprünge, die die Serie bei ihrer Erstausstrahlung quasi in die Zukunft katapultierten. Da die Geschichte nicht erkennbar in der Vergangenheit angesiedelt ist, waren die Folgen der Realität dann 6 Jahre voraus. In den letzten Minuten der vierten Staffel werden die vier Freundinnen und Katherine bei ihrer Pokerrunde gezeigt. Durch den Zeitsprung sind 6 Jahre vergangen, Gaby ist nicht mehr das stets perfekt gestylte Model, sondern eine erschöpft wirkende zweifach Mama. Bree führt ein erfolgreiches Catering-Unternehmen, ihr Sohn Andrew und Katherine arbeiten für sie und die New York Times bittet um ein Interview zu ihrem neusten Kochbuch. Lynette erfährt, dass nach Porter nun auch sein Zwillingsbruder Preston straffällig geworden ist und ihm eine Jugendstrafe droht. Und Susan kehrt nach Hause zurück, wo ihr Freund auf sie wartet, der aber nicht mehr Mike Delfino ist. Diese zeitliche Unterbrechung wurde eingeführt, um neue Geheimnisse ausgraben zu können, die ihren Ursprung in den nicht gezeigten Jahren dazwischen haben.

Am Ende von Staffel 5 kommt es erneut zu einem kleinen Zeitsprung, man sieht Mike Delfino am Altar sein Ja-Wort geben. Ein paar Monate sind vergangen. Das Gesicht der Braut ist verschleiert. In der Kirche sind alle Bewohner der Wisteria Lane versammelt, bis auf Susan und Katherine. Welche der beiden Frauen er ehelicht, bleibt als Cliffhanger zur Staffel 6 offen.

Kleinere Ungereimtheiten und Nachlässigkeiten

Die Serie macht Spaß, die mysteriösen Verwicklungen werden zumeist zufriedenstellend gelöst, auch scheinbar vergessene Geheimnisse finden in späteren Folgen ihren würdigen Abschluss. Vor allem die vier Hauptdarstellerinnen, aber auch viele andere Bewohner der Wisteria Lane wachsen einem rasch ans Herz und man fiebert und leidet mit ihnen. Trotzdem gibt es bei genauerem Hinsehen einige Ungereimtheiten oder schlicht Nachlässigkeiten in der Produktion, die das Sehvergnügen etwas trüben.

Wir begleiten die Nachbarschaft über vierzehn Jahre (8 Jahre konkret dargestellt durch die 8 Staffeln plus 6 verlorene Jahre durch den Zeitsprung), Häuser wechseln ihre Besitzer, werden zerstört und wieder aufgebaut, oder renoviert. Dadurch passiert es, dass Rückblenden nicht in dem zeitgemäßen Setting stattfinden konnten. Man kann daran erkennen, dass die Serie nicht von Grund auf für 8 Staffeln angelegt, sondern nach und nach fortgesponnen wurde. Sonst hätte man zurückliegende Szenen drehen können, bevor die Kulisse umgestaltet wurde. Auch sind die Personen in den Rückblenden nicht erkennbar jünger als zur Zeit der Serie, egal wie lang die Rückblende zurückreicht.

Außerdem verschwinden Personen – vorwiegend Kinder – und Haustiere gerne auf unerklärliche Weise und tauchen plötzlich aus dem Nichts wieder auf. Beispielsweise sind über viele Folgen nur einzelne der Scarvo-Kinder zu sehen und der Verbleib der fehlenden wird nicht thematisiert. Auch von den Solis-Schwestern sieht man lange Zeit immer nur Juanita und Celia taucht überhaupt nicht auf. Die alte Nachbarin Karen McCluskey spielt oft den Babysitter für die verschiedenen Kinder, doch es gibt Szenen, bei denen alle Erwachsenen anwesend sind, jedoch keine Kinder. Wer passt auf die Kinder auf? Wo sind sie? Bei dem Haus-zu-Haus-Dinner in Staffel 7, bei dem die Nachbarn sich für jeden Gang in einem anderen Haus einfinden, sind überhaupt keine Kinder zu sehen. Noch schlimmer ist es mit Haustieren, die gibt es manchmal nur in einzelnen Folgen, danach hört man nie wieder von ihnen.

Uneheliche Kinder, Schwiegereltern und Geschwister tauchen, oft auch im Rahmen von Geheimnissen auf, spielen dann auch über einige Folgen eine tragende Rolle, kommen im Anschluss dann aber nie wieder vor. So z.B. die uneheliche Tochter von Tom, die zeitweilig bei den Scarvos lebt, die echte Tochter der Solis, die bei der Geburt vertauscht wurde, oder die Eltern von Tom und Lynette, die nur einzeln und für kurze Zeit auftauchen. Auch erwachsene Kinder verschwinden phasenweise spurlos, sie finden keine Erwähnung mehr in den Gesprächen ihrer Eltern, es gibt keine Telefonate, Briefe oder Emails. Julie z.B. taucht in Staffel 8 nach langer Abwesenheit plötzlich wieder auf und ist schwanger. Andrew wohnt mit seinem Freund eigentlich auch in der Wisteria Lane, arbeitet auch in der Catering-Firma seiner Mutter, taucht aber über viele Folgen hinweg nirgends mehr auf, auch nicht bei der Eigentümerversammlung als die Bewohner gegen das geplante Resozialisierungsheim von Paul Young mobilisieren. Müsste er nicht dabei sein, nachdem Bree das Haus, in dem er wohnt, für ihn und seinen Freund gekauft hatte?

Tour durch die echte Wisteria Lane auf dem Geländer der Universal Studios in LA

Weitere Ungereimtheiten:

  • Das nette schwule Paar, das irgendwann in die Nachbarschaft einzieht, gibt es in langen Abschnitten immer nur einzeln. Mal wird Bob als Anwalt gebraucht und man erfährt nichts mehr zu seinem Ehemann Lee. Mal ist Lee als schwuler bester Freund im Einsatz und Bob ist abgängig.
  • Innenräume und Außenbereiche tauchen auf unerklärliche Weise auf und verschwinden wieder. So haben die Häuser in manchen Folgen Hintergärten, in manchen dann aber nicht mehr. Brees Catering-Küche ist direkt am Haus angebaut, später dann nicht mehr vorhanden.
  • Susans Haus brennt zu Anfang ab, es wird nicht thematisiert, wann und wie es wieder aufgebaut wurde, und es sieht hinterher exakt genauso aus wie zuvor.
  • Anfangs brauchen Gaby und Carlos zeitweise sogar mehrere Gärtner, um ihr Hauswesen in Schuss zu halten, später klappt es offenbar auch ohne Personal.
  • Susan hat solche Geldprobleme, dass sie eine Weile sogar mit Mike in eine billigere Wohngegend ziehen muss, nachdem sie in die Wisteria Lane zurückkehren, ist trotzdem nicht geklärt, wie sie fortan ihr Geld verdient, Mikes Klempnerei scheint wenig abzuwerfen.
  • Wovon Bree lebt, nachdem sie ihre Firma verloren hat, bleibt auch offen.
  • Tom und Lynette schwelgen nach ihrer Trennung jeweils in alten Urlaubserinnerungen und Fotoalben, in den vorangegangenen vierzehn Jahren waren sie aber nie im Familienurlaub und meist war auch ihre finanzielle Situation mit fünf Kindern nicht danach.
  • Gaby und Carlos erwähnen gelegentlich eine Skihütte, man sieht sie jedoch nie dorthin fahren oder anderweitig Urlaub machen.
  • In der Wisteria Lane herrscht ewiger Frühling. Die namengebende Wisteria blüht ganzjährig, ebenso Rosen, Tulpen und verschiedene andere Blumen.
  • Es regnet höchst selten und bis auf den Tornado gibt es keine klimatischen Ausschläge.
  • Einzelne Folgen spielen an Halloween, Thanksgiving oder zur Weihnachtszeit, wobei die klassische wiederkehrende Abfolge, die viele amerikanische Serien aufweisen, fehlt.
  • Wo Fairview konkret liegen soll, wird nie geklärt, real existierende Orte wie z.B. New York finden Erwähnung, die Distanz zu Fairview wird jedoch nicht eingeordnet.
  • Andere Orte in Fairview kommen nur in einzelnen Folgen vor, z.B. der Supermarkt, in dem die Geiselnahme stattfindet, die Privatschule an die Juanita und MJ gehen und an der Susan zeitweise unterrichtet, die Pizzeria der Scarvos, ein Café.
  • Bree und Carlos sind beide streng religiös, gehören aber unterschiedlichen Religionsgemeinschaften an. Obwohl sie sich geradezu frömmlerisch geben, spielt der regelmäßige Kirchgang dann wieder über viele Folgen hinweg überhaupt keine Rolle mehr.
  • Bei den verschiedenen Ehepaaren wechseln die Partner ständig die Bettseite. Es gibt nur ein einziges, etwas abgeranztes Hotel in Fairview, wann immer ein Hotelzimmer gebraucht wird, ist es immer dasselbe Zimmer. Im Krankenhaus verhält es sich genauso.
  • Schwenkt die Kamera über die gesamte Straße, stehen die Autos von Susan und Mike immer an der Straße. Wird Susans Haus in Nahaufnahmen gezeigt, steht ihr Volvo immer in der Einfahrt.
  • Was wurde eigentlich aus dem Flügel, den Susan irgendwann erbt? Und wohin verschwindet ihr Zeichentisch?

Trivia

  • Das Konzept zur Serie von Marc Cherry wurde zunächst von den fünf größten Fernsehanstalten der USA abgelehnt. Erst nach etlichen Überarbeitungen konnte schließlich ABC davon überzeugt werden.
  • Auf Cherrys Wunschliste für die Besetzung der Susan standen namhafte Kolleginnen wie Calista Flockhart, Heather Locklear oder Courteney Cox. Flockhart und Locklear hatten kein Interesse, Cox war zum Drehbeginn schwanger. Teri Hatcher war zunächst nicht in der engeren Wahl, überzeugt dann aber das Publikum und wurde zu einer der beliebtesten Darstellerinnen der Serie.
  • Marcia Cross‘ Figur Bree war als einzige der Hausfrauen in der Serie nicht schwanger, im wirklichen Leben bekam Cross während der Dreharbeiten ein Kind. Deshalb ist Bree als einzige der titelgebenden Hausfrauen nicht in allen Folgen dabei.
  • Die Serie sollte gezielt Frauen in den mittleren Jahren in den Fokus nehmen, Eva Longoria war zu Beginn der Serie eigentlich zu jung. Weil Marc Cherry sie aber unbedingt in der Serie wollte, schrieb er ihren Charakter Gaby entsprechend um. Als Gaby die Affäre mit dem minderjährigen John hat, trennten Longoria und ihren Filmpartner Jesse Metcalfe tatsächlich nur drei Jahre.
  • Marc Cherry beabsichtigte eigentlich Mike am Ende der fünften Staffel Katherine heiraten zu lassen. Das Publikum wünschte sich jedoch mehrheitlich eine Wiedervereinigung von Mike und Susan, weshalb das Drehbuch entsprechend angepasst wurde.
  • Bis auf zwei Folgen werden alle Folgen von Mary Alice aus dem Jenseits kommentiert. In Folge 16 der Staffel 3 übernimmt Rex Van de Kamp den Off-Kommentar und in Folge 19 der fünften Staffel Eddie Britt.
  • Mehrmals schließen die vier Hausfrauen enge freundschaftliche Beziehungen zu anderen weiblichen Nachbarinnen, doch keine wird dauerhaftes Mitglied des Kleeblatts. Zunächst hat Eddie Britt diese assoziierte Rolle, danach Katherine Mayfair und später Renee Perry. Auch die alte Mrs. McCluskey hat freundschaftliche Gefühle für die Freundinnen, was sich am Ende der 8. Staffel zeigt.
  • Vanessa Williams hatte nach ihrem Ausscheiden aus „Ugly Betty“ noch einen zweijährigen Vertrag mit ABC, deshalb wurde ihre Rolle der Renee Perry kurzfristig in die Serie hineingeschrieben.
  • Im Serienfinale stirbt die Figur der Karen McCluskey an Lungenkrebs, nur kurze Zeit später starb auch ihre Schauspielerin Kathryn Joosten daran.
  • In der letzten Folge hat außerdem Drehbuchautor und Ideengeber Marc Cherry einen Cameo-Auftritt als Umzugshelfer von Susan.
  • Mehr als 30 Auszeichnungen und unzählige Nominierungen erhielten die „Desperate Housewives“, darunter 7 Emmys (u.a. für Kathryn Joosten, Felicity Huffman und Danny Elfman für die Musik). Teri Hatcher erhielt einen Golden Globe für ihre Rolle der Susan. Und Eva Longoria für ihre Rolle der Gaby einen People’s Choice Award. Marcia Cross wurde für ihre Rolle der Bree mit dem Satellite Award ausgezeichnet. So bekam jede der vier Hauptdarstellerinnen einen Preis.
  • Es gibt verschiedene Parallelen zu „Gilmore Girls“, z.B. in der Beziehung zwischen Susan und Julie. Oder darin, dass Stars Hollow ebenso wie Fairview fiktive Orte sind, die aber in der realen Umgebung der USA verortet werden können.

Fazit

Ich mochte die Serie schon von Anfang an, habe sie aber noch nie wirklich fortlaufend am Stück gesehen. Sie ist auch beim nochmaligen Ansehen spannend und überzeugend, wenngleich es wie erwähnt einige kleinere Kritikpunkte gibt, die vor allem die Continuity betreffen. Empfehlenswert sowohl für Comedy- als auch Drama-Fans.

Ku’damm 56 – 59 – 63

2016 landete das ZDF einen Überraschungserfolg mit der dreiteiligen Mini-Serie „Ku’damm 56“. Inzwischen wurde sie zweimal verlängert. In je drei Folgen in Spielfilmlänge schildert die Reihe das Leben der alleinerziehenden Tanzschulleiterin Caterina Schöllack und ihrer drei nahezu erwachsenen Töchter. Die Serie lässt dabei die Nachkriegszeit wieder auferstehen mit viel Rock’n’Roll, Rebellion und Aufbruchsstimmung. Für mich bereits jetzt ein Evergreen, der sich endlos wiederholen lässt.

Ich hab der Mini-Serie seit der ersten Ankündigung entgegengefiebert und wurde nicht enttäuscht. Darum drehen sich die drei Staffeln:

Die Kurz-Serie „Ku’damm 56“ umfasst drei Folgen in Spielfilmlänge. Sie folgt der Tanzschulleiterin Caterina Schöllack, die in den Nachkriegsjahren ihre drei Töchter allein durchbringt. Sie wünscht sich für sie eine möglichst gute Partie und hadert sehr damit, dass insbesondere ihre Jüngste, Monika, ständig aus der Reihe tanzt. Monika ist nach einem Vorfall aus dem Hauswirtschaftsinternat geflogen, zurück in der Tanzschule ihrer Mutter möchte sie den frivolen Rock’n’Roll ins Programm einbringen, den sie selbst meisterlich beherrscht. Mit ihrem Tanzpartner, dem Ex-KZ-Häftling Freddy beginnt Monika eine lose Affäre. Ihre ältere Schwester Helga hat es indess geschafft einen passenden Ehemann an Land zu ziehen und fiebert der Hochzeit entgegen. Ganz zur Freude ihrer Mutter. Die dritte Schwester, die Krankenschwester Eva, träumt vom gesellschaftlichen Aufstieg an der Seite ihres deutlich älteren Chefs, dem Professor Dr. Fassbender.

Auch „Ku’damm 59“ dreht sich in drei Spielfilmen um die ungleichen Schwestern Schöllack. Monika ist unehelich schwanger geworden und hofft auf die Unterstützung ihrer Mutter. Caterina Schöllack will die Schande von ihrer Familie und der Tanzschule unbedingt fernhalten und verweigert ihr die Aufnahme. Das Sorgerecht für Monikas Tochter bekommt Schwester Helga, deren Ehe nur vordergründig bilderbuchhaft ist und bislang kinderlos blieb. Helgas Mann Wolfgang verbirgt seine Homosexualität hinter der Fassade der bürgerlichen Ehe, kann vor seiner Frau diesen Schein jedoch nicht mehr länger wahren. Monika leidet unter der Trennung von ihrer Tochter, macht aber im Heimatfilm und als Schlagersängerin Karriere. Eva ist es gelungen, ihren Professor zur Ehe zu überreden, muss jedoch feststellen, dass seine Vorstellungen von einer Arztgattin andere sind als Evas.

Nach dem Erfolg der beiden ersten Staffeln kündigten die Macher für 2021 eine dritte Fortsetzung unter dem Titel „Ku’damm 63“ an. Wieder in drei Spielfilmen geht die Geschichte der Schwestern in den 60ern weiter. Monika ist nach langen Wirrungen mit Joachim im Hafen der Ehe gelandet, ruhiger wird es dadurch in ihrem Leben aber nicht. Ihr Freund und ehemaliger Partner Freddy hadert noch immer mit seiner KZ-Vergangenheit und träumt vom Auswandern. Helga flüchtet sich aus ihrer lieblosen Ehe in eine heiße Affäre mit dem südamerikanischen Tanzlehrer und übernimmt für ihre Mutter die Leitung der Tanzschule, nachdem diese von einem Bus angefahren wurde. Eva ist zurück im Haus ihres gewalttätigen Ehemanns und erpresst ihn mit der Tonbandaufnahme seines letzten Gewaltausbruchs, der sie ins Krankenhaus gebracht hatte. Sie lässt sich von ihm eine Galerie ausstatten und führt nun endlich das freie und selbstbestimmte Leben, das sie sich ersehnt hat, bis ihre Mutter von dem Tonband erfährt.

DarstellerInnen und Ausstattung

Die Rollen der drei Schwestern wurden mit den 2016 noch weitgehend unbekannten Schauspielerinnen Sonja Gerhardt (Monika), Maria Ehrich (Helga) und Emilia Schüle (Eva) besetzt. Inzwischen sind die drei feste Größen in der deutschen Filmlandschaft, was sicherlich nicht zuletzt der Ku’damm-Serie zu verdanken ist.

Auch die männlichen Hauptrollen wurden mit gefeierten Jungstars besetzt, Sabin Tambrea spielt Joachim Franck und Trystan Pütter den Freddy. In weiteren Rollen sind Heino Ferch (Prof. Dr. Fassbender), Uwe Ochsenknecht (Tanzlehrer Assmann) und Claudia Michelsen (Mutter Caterina) zu sehen.

Die ufa-Produktion wurde in Berlin gedreht, wo als Außenkulisse des Ku’damms die Richard-Wagner-Straßen in Charlottenburg herhalten musste, da der Originalschauplatz zu stark begrünt ist. Weitere Schauplätze in Berlin und Umgebung kamen zum Einsatz, die Innenaufnahmen entstanden im ufa-Studio. Durch die Nachbearbeitung und visuelle Effekte wurde ein authentischer Bildeindruck erzielt, der vielleicht einen Ticken zu steril wirkt. Man wähnt sich in der pastelligen Zuckergusswelt einer 50er Jahre Werbekampagne.

Die Kritik nahm alle drei Mini-Serien durchwegs gut auf. Gelobt wird vor allem die darstellerische Leistung der Hauptfiguren, die sowohl die Spiesigkeit als auch die zaghafte Aufbruchstimmung der 50er und 60er Jahre perfekt einfängt. Die Zeit schrieb beispielsweise „In den Straßen ist der Schutt verschwunden, in den Köpfen nicht“. „Ku’damm 56“ hatte durchschnittliche Einschaltquoren von 5,5-6 Millionen und wurde mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Fazit

Ich kann diese Serie immer wieder und wieder anschauen, weil ich die Atmosphäre mag und die Geschichte überzeugt. Unterlegt mit dem Rock’n’Roll der 50er reißt dieser ZDF-Coup jeden Liebhaber von historischer Zeitgeschichte garantiert vom Hocker.

Meine liebsten Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur (Teil 2)

Die erste Aufstellung meiner Lieblingsbücher für Kinder und Jugendliche beinhaltete die Klassiker des 18. und 19. Jahrhunderts, Bücher also, die wir vielleicht schon von unseren Eltern und Großeltern anempfohlen bekommen haben. Ich habe etliche von ihnen auch in besonders schönen alten Ausgaben. Jetzt möchte ich mich den Klassikern des 20. Jahrhunderts widmen. Bücher, die teilweise unter schwierigsten Bedingungen entstanden sind, von AutorInnen, die für ihre Literatur verfolgt und vertrieben wurden. Und dann auch Büchern, die mich in meiner eigenen Kindheit und Jugend ganz aktuell begleitet haben. Auf geht’s!

Eine Auswahl meiner Lieblings-Kinderbücher

Vor 1930

Die Zeit des deutschen Kaiserreichs brachte auch noch eine Reihe von großen Abenteuerromanen hervor. Auch Gesellschafts- und Entwicklungsromane stehen hier noch einmal hoch im Kurs. Aus heutiger Sicht spiegeln viele dieser Geschichten den damaligen Zeitgeist wieder und sind deshalb gleichzeitig auch Geschichtsbücher.

Lyman Frank Baum „Der Zauberer von Oz“ (1900)

Das kleine Mädchen Dorothy, ihr Hund Toto, die Vogelscheuche, der Blechmann und ein Löwe sind die Hauptfiguren aus dem „Zauberer von Oz“. Die böse Hexe des Westens ist ihr Gegenpart. Berühmt wurde das Kinderbuch von Lyman Frank Baum vor allem auch durch die Verfilmung von 1939 mit Judy Garland als Dorothy. Im Musical „Wicked“ wird erzählt, wie die Hexe Elphaba zur boshaften Hexe des Westens wurde.

H.G. Wells „Der Krieg der Welten“ (1901)

Ein weiterer Klassiker der Sci-Fi-Literatur ist dieses Gruselbuch. H.G. Wells lässt Marisaner in dreibeinigen Konstruktionen die menschliche Welt angreifen. Die Armeen können gegen die außerirdische Übermacht nichts ausrichten, erst winzigkleine Lebensformen der Erde, krankmachende Bakterien, können die Invasion stoppen. Wells spielte mit diesem Werk auf den britischen Imperalismus an, den er kritisierte. Eher nicht zu empfehlen ist die Verfilmung von Steven Spielberg aus dem Jahr 2005, lieber das Buch lesen!

Beatrix Potter „Die Geschichte von Peter Hase“ (1902)

Zuckersüß sind die Geschichten des kleinen Hasen Peter und anderen Wiesentiere aus der Feder von Beatrix Potter. Vor allem durch ihre Zeichnungen, mit denen sie ihre eigenen Geschichten illustrierte, sind die Hasengeschichten unsterblich geworden und finden sich inzwischen auch auf Tassen, Kalendern, Tischwäsche und vielem mehr.

James Matthew Barrie „Peter Pan“ (1902)

Der Titelheld ist ein kleiner Junge, der nicht erwachsen werden will. Er lebt mit seiner Bande, den verlorenen Jungen, im fiktiven Nimmerland und liefert sich dort Kämpfe mit dem Piratenkapitän Hook. Er verkörpert Abenteuerlust, Anarchie, aber auch Unschuld und Sorglosigkeit der Kindheit.

Jack London „Wolfsblut“ (1906)

Ein junger Wolf ist die Hauptfigur in dieser Abenteuergeschichte. Vom Welpen entwickelt er sich zu einem stattlichen Tier, bei einem Indianerstamm leistet er gute Dienste als Wach- und Schlittenhund und gewöhnt sich an Menschen. Für Alkohol verkaufen ihn die Indianer an eine Hundekampf-Show. Dort kommt er beinahe um, bis ihn Scott rettet. Wie so oft geht es um Freundschaft und Gerechtigkeit.

Kenneth Grahame „Der Wind in den Weiden“ (1906)

Ein Maulwurf, eine Wasserratte und ein Kröterich verlassen ihr Zuhause an einem See und erleben Abenteuer in der Welt. Das Werk von Grahame zeichnet sich durch den Humanismus aus, den es widerspiegelt. Jedes Tier hat seine Eigenheiten, weshalb es oft zu Streit und zu Verwicklungen kommt. Doch letztlich glauben sie alle an das Beste im anderen.

Selma Lagerlöf „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ (1906)

Der faule Nils wird zur Strafe in einen Winzling verwandelt. Auf dem Rücken der zahmen Gans Martin lernt er seine Heimat von oben kennen und außerdem für andere einzustehen. Diese Eigenschaft verhilft ihm letztlich dazu, den Fluch, der auf ihm lastet, zu brechen. Lagerlöf schrieb das Märchen von Nils Holgersson als Lesebuch für Kinder, denen sie damit die Geographie Schwedens näherbringen wollte.

Die ganze Reihe „Anne of Green Gables“ im Original, dazu einige Klassiker

Lucy Maud Montgomery „Anne of Green Gables“ (1908)

Anne Shirley kommt als Waisenkind nach Prince Eduard Island in Kanada, wo sie bei Marilla und Matthew Caspert leben soll. Eigentlich wollten die beiden betagten Geschwister einen kleinen Jungen adoptieren, der ihnen zur Hand geht, doch die quirlige und von Fantasy übersprudelnde Anne bringt Leben in das Haus mit den grünen Giebeln. Einer meiner All-time-Favorits, mehrmals verfilmt, doch nie schöner als in der Miniserie von 1985 mit Megan Follows in der Titelrolle.

Waldemar Bonsels „Biene Maja“ (1912)

Die Geschichte der kleinen Biene und ihrer Freunde von der Klatschmohnwiese ist Kindern vor allem durch die japanische Zeichentrickserie von 1975 bekannt. Der Grashüpfer Flip und Majas Freund Willy sind Erfindungen für die Serie und kommen im Originalbuch nicht vor, wohl aber die Spinne Thekla und Puck die Stubenfliege. Die Idee zu diesem Buch kam Bonsels im Schlosspark von Nymphenburg.

Else Ury „Nesthäkchen“ (1913)

Die Titelheldin, die eigentlich Annemarie heißt, wächst im behüteten Umfeld einer wilhelminischen Bürgerfamilie auf. „Nesthäkchen“ ist ein klassischer Backfisch-Roman über das Erwachsenwerden eines kleinen Mädchens. Die Serie umfasst 10 Bände, die Annemarie von ihrem ersten Schuljahr bis ins Erwachsenenalter begleiten.

A.A. Milne „Pu der Bär“ (1924-1926)

A.A. Milne entwickelte die Geschichten um den etwas einfältigen Bären Pu und seine Freunde aus dem Hundertmorgenwald anhand der Stofftiere seines Sohnes, dem er in der Figur von Christopher Robin ein literarisches Denkmal setzte. E.H. Shepards lieferte die Illustrationen dazu. Letztlich war es aber Disney, der den Figuren ihr unverwechselbares Äußeres gab.

Manchen dieser Bücher sieht man ihr Alter schon an, sie sind schon seit mehreren Generationen in meiner Familie

Kriegs- und Nachkriegsliteratur

Zwischen 1933 und 1945 war es für AutorInnen besonders schwer. Nationalsozialismus und Weltkrieg trieben viele deutsche AutorInnen ins Exil oder den Untergrund, auch in den internationalen Werken kann man die Spuren dieser Zeit entdecken. Trotzdem (oder gerade deshalb) sind auch während dieser Jahre viele lesenswerte Bücher für Kinder und Jugendliche entstanden.

P.L. Travers „Mary Poppins“ (1934)

Die Titelheldin ist ein mit Magie begabtes Kindermädchen, das der Bankiersfamilie Banks in London erscheint, um die Probleme mit den beiden Kindern zu lösen. Tatsächlich sind es aber die Eltern, deren Sichtweise auf die Kinder von Mary Poppins verändert wird. Wieder einmal war es Disney, der dieser Geschichte zu zusätzlichem Ruhm verhalf.

Erich Kästner „Das fliegende Klassenzimmer“ (1938)

Der große Erich Kästner verfasste eines seiner bekanntesten Werke in der Dämmerung des Zweiten Weltkriegs und wenn man dies weiß, findet man darin unzählige Anspielungen auf den Terror der Nationalsozialisten. Kästner war überzeugter Gegner des Hitler Regimes und stand deshalb auch auf dessen Liste zur Bücherverbrennung. „An jedem Unfug, der geschichte, sind nicht nur die Schuld, die ihn begehen, sondern auch diejenigen, die ihn nicht verhindern.“

Erich Kästners Kinderbücher gehören schon seit meiner eigenen Kindheit zu meinen Liebsten.

Antoine de Saint-Exupéry „Der kleine Prinz“ (1943)

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar“, lautet das wohl bekannteste Zitat aus dem „Kleinen Prinzen“. Aber auch sonst ist das Buch voller Poesie und kluger Worte. Es handelt sich bei der Geschichte des kleinen Prinzen, der mit seinem Freund Fuchs durch die Welten reist, um ein modernes Kunstmärchen und um ein Plädoyer für Freundschaft, Menschlichkeit und moralisches Denken.

George Orwell „Die Farm der Tiere“ (1945)

Orwells Dystopie „Die Farm der Tiere“ ist eine Parabel auf die faschistischen Gewaltherrschaften im Europa seiner Zeit. Die Tiere rebellieren gegen die Menschen, die sie auf der Farm misshandeln und ausbeuten, nachdem sie die Menschen vertrieben haben, etablieren die Schweine ein neues Machtgefüge und damit die nächste Schreckensherrschaft über die übrigen Tiere. Auch mit seinem berühmtesten Werk „1984“ nimmt der Moralist Orwell die Ereignisse der Zukunft treffend voraus, indem er einen digitalisierten Überwachungsstaat kreierte.

Charles M. Schulz „Die Peanuts“ (ab 1947)

Die Comics über Charly Brown, den Hund Snoopy, Woodstock den kleinen Vogel und ihre kleinen Freunde kennt vermutlich jedes Kind. Bis 2000 veröffentlichte ihr Schöpfer Schulz die kurzen Strips, nach seinem Tod verfügte er, dass die Serie nicht fortgesetzt werden dürfe.

C.S. Lewis „Die Chroniken von Narnia“ (1950-1959)

In der sieben Bände umfassenden Reihe tauchen Kinder aus unserer Welt durch einen geheimen Übergang in einem alten Kleiderschrank in das Paralleluniversum Narnia ein, wo sie Abenteuer erleben. Christliche, antike und mythologische Anleihen machen Narnia zu einer Blaupause für Nächstenliebe, Menschlichkeit und Freundschaft. C.S. Lewis war ein enger Freund Tolkiens, die beiden Autoren beeinflussten sich in ihren Werken gegenseitig.

Enid Blyton „Fünf Freunde“ (ab 1953)

Die Kinder-Krimiserie umfasst insgesamt mehr als 70 Bände, wobei nur die ersten zwanzig von der Autorin selbst verfasst wurden. Aufgrund der Beliebtheit wurde die Reihe nach Blytons Tod durch andere AutorInnen fortgeführt. Vier Kinder – die Geschwister Anne, Julian und Dick, ihre Cousine George – sowie der Familienhund Timmy erleben Abenteuer und lösen knifflige Fälle aufgrund ihres Spürsinns und ihrer unerschütterlichen Freundschaft.

J.R.R. Tolkien „Der Herr der Ringe“ (1954)

Tatsächlich empfand ich Tolkiens Bücher als extrem anstrengend zu lesen, sein Genie ist gleichwohl unübertroffen. Für den „Herr der Ringe“ erfand er nicht nur eine eigene komplexe Welt, sondern auch deren Kulturen, Geschichte und sogar eigene Sprachen. Der Kosmos dieses Meisterwerks reicht weit über die Ringe-Erzählung hinaus.

William Golding „Herr der Fliegen“ (1954)

Bei einem Flugzeugunglück verschlägt es eine Gruppe Kinder auf eine einsame Südseeinsel, dort entwickeln sie ihr eigene Zivilisation. Die Geschichte thematisiert niedere Instinkte und Gewaltbereitschaft, die durch den Mangel gemeinsamer Werte zwangsweise zu Tage treten.

René Goscinny & Albert Uderzo „Asterix der Gallier“ (ab 1959)

Man muss kein Comic-Fan sein, um die Abenteuer von Asterix und seiner Freunde zu mögen, die dank des Zaubertranks ihres Druiden der römischen Besatzung trotzen. Inzwischen existieren 38 Bände, 24 wurden von Goscinny und Uderzo geschaffen. Nach dem Tod des Texters Goscinny 1977, produzierte Uderzo allein oder mit der Unterstützung anderer Autoren weiter. 2020 starb auch Albert Uderzo. Weltweit beliebt sind auch die Zeichentrickverfilmungen etlicher Bände.

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts

Viele Geschichten, die in den 60er, 70er oder 80er Jahren entstanden, sind zu richtigen Klassikern geworden und aus keinem Kinderzimmer mehr wegzudenken. Ab den 80er Jahren habe ich aber auch meine eigenen Lieblingsbücher entdeckt, die mich durch Kindheit und Jugend begleitet haben. Die für mich wichtigsten, möchte ich euch jetzt vorstellen:

Richard Scarry „Mein allerschönstes Buch vom Backen, Bauen und Flugzeug fliegen“ (60er Jahre)

Die Bilderbücher von Richard Scarry zeichnen sich vor allem durch ihre witzigen Zeichnungen aus. Sie sind eher für kleine Kinder gedacht, größere können mit den Originalen allerdings auch ihr Englisch-Vokabular aufbauen. In diesen Buch gibt es einen kleinen Käfer namens Gucki, der in den oft an Wimmelbilder erinnernden Zeichnungen versteckt ist und auf jeder Seite gefunden werden muss.

Ellis Kaut „Der Meister Eder und sein Pumuckl“ (1962)

Der freche Kobold mit dem roten Wuschelhaar treibt in einer Schreinerwerkstatt sein Unwesen und bringt den gutmütigen Schreinermeister Eder in manche Zwickmühle. Bei allem Schabernack, den er treibt, gilt jedoch die Regel: Spaß machen und veralbern, ja, aber niemals ernstlich boshaft sein! Unvergesslich natürlich die Verfilmung mit Gustl Bayerhammer als Meister Eder und der Stimme von Hans Clarin, die dem Zeichentrick-Kobold Leben einhauchte.

Wolf-Dieter von Tippelskirch „Jeremias Schrumpelhut erzählt: Die Reise zum Stern Traumatia“ (1962)

Dieses Buch ist eine kleine Rarität, heute nur noch antiquarisch erhältlich. Die Geschichte wie Jeremias zum Stern Traumatia reist und dort so absonderlichen Wesen wie dem Mondschaf Ludmilla, dem Angsthasen Quietsch oder dem erhabenen Armleuchter begegnet, ist so unterhaltsam wie absurd und strotzt vor Fantasy.

Leo Lionni „Frederik und die Farben“ (1967)

Während die anderen Mäuschen fleißig Vorräte für den Winter sammeln, sitzt Frederik nur faul herum. Tatsächlich hat er jedoch Sonnenstrahlen, Farben und Worte gesammelt, die den Mäusen im Grau des Winters die Zeit bis zum Frühling vertreiben. Ein herzerwärmendes Bilderbuch-Märchen darüber, dass es nicht nur Nahrung für den Bauch, sondern auch für die Seele braucht.

Max Kruse „Urmel aus dem Eis“ (1969)

Der Naturkundeprofessor Habakuk Tibatong hat eine Methode entwickelt, mit der er Tieren das Sprechen beibringen kann. Auf einer Südseeinsel wohnt er mit Wutz, einem sprechenden Schwein, das ihm den Haushalt führt, dem Waran Wawa, dem Pinguin Ping, dem Schuhschnabel Schusch und dem See-Elefant Seele-Fant, als ein seltsames Ei angeschwemmt wird, aus dem alsbald das Urmel schlüpft. Da alle Tiere lustige Sprachfehler haben, sind die Urmel-Bücher eine echte Herausforderung beim laut Vorlesen. Bekannt wurde Urmel auch durch die Augsburger Puppenkiste.

Judith Kerr „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ (1971)

Die Geschichte handelt von einer jüdischen Familie, die 1933 aus Berlin flieht, um dem aufkommenden Nazi-Terror zu entgehen. Das Mädchen Anna muss ihr Stofftier, einen rosa Hasen, zurücklassen. Das Buch gilt als Standardwerk, um Kindern die Zeit des Zweiten Weltkriegs näherzubringen und wurde 2019 verfilmt.

Otfried Preußler „Krabat“ (1971)

Otfried Preußler gehört zu den großen deutschen Kinderbuchautoren, bekannt ist auch sein „Räuber Hotzenblotz“ oder „Die kleine Hexe“. „Krabat“ ist ein echer düsteres Märchen um eine verwunschene Mühle und Müllersjungen, die dort von einem schwarzen Zauberer festgehalten werden. Die Geschichte geht auf eine alte sorbische Sage zurück.

Richard Adams „Watership down“ (1972)

Eine Gruppe Wildkaninchen verlässt aufgrund einer Prophezeihung ihr angestammtes Terrain und versuchen, einen neuen Lebensbereich für sie zu finden. Die Kaninchen haben in dieser Geschichte eine eigene Zivilisation mit Mythologie und Geschichte, sind aber gleichzeitig weniger vermenschlicht als z.B. in „Wind in den Weiden“.

Dik Brown „Hägar der Schreckliche“ (1973)

Der Comic-Wikinger Hägar ist ein ganz normaler Familienvater mit Frau und Kindern und einer anstrengenden Arbeit, er geht auf Beutezüge. Die Kombination aus Wikingerleben und normalem Familienalltag machen den Witz der Comics aus.

Anne Rice „Chronik der Vampire“ (ab 1976)

Der erste Teil der Chroniken von Anne Rice heißt „Interview mit einem Vampir“ und ist vor allem seit der Verfilmung mit Tom Cruise und Brad Pitt aus dem Jahr 1994 bekannt. Der Vampir Louis de Pointe erzählt einem Reporter von seinem Leben und seiner Begegnung mit Lestat de Lioncourt, der ihm das ausschweifende Leben der Vampire näherbrachte. Eine klassische Vampirerzählung.

Christiane F. „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (1978)

Seit den 70ern gehört diese Autobiographie der jungen Christiane, die in Berlin in die Drogenszene abrutscht und sich das Geld für ihre Drogensucht auf dem Kinderstrich verdient, zum Reportoir aller Deutschlehrer. Bis heute ist es eine eindringliche Warnung vor Drogenmissbrauch.

Janosch „Oh, wie schön ist Panama“ (1978)

Janoschs Geschichten sind voller poesie und philosophischen Denkansätzen. Der kleine Tiger und der kleine Bär ziehen los, weil sie gehört haben, dass es in Panama so schön sein soll. Nach langer Reise und vielen interessanten Begegnungen landen sie tatsächlich an einem wunderschönen Fleck, wo sie bleiben wollen: Zuhause.

Angela Sommer-Bodenburg „Der kleine Vampir“ (1979)

Anton liebt Gruselgeschichten, vor allem solchen, in denen Vampire vorkommen. Eines Nachts lernt er Rüdiger kennen, der ein echter Vampir ist und bald Antons Freund wird. Zusammen erleben sie Abenteuer, von denen sowohl Antons Eltern als auch der Vampirjäger Geiermeier besser nichts erfahren sollten. Vampir-Geschichten für kleinere Kinder.

Colin Dann „Als die Tiere den Wald verließen“ (1979)

Eine Gruppe von Waldtieren muss eine neue Bleibe finden, da ihr Wald von Menschen zerstört wurde. Sie hören von einem Naturreservat, wo die Menschen die Tiere angeblich in Ruhe lassen, dorthin wollen sie gelangen. Ein Plädoyer für Umwelt- und Naturschutz.

Michael Ende „Die unendliche Geschichte“ (1979)

Michael Ende gehört zu den erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautoren. „Die unendliche Geschichte“ spielt in der Fantasywelt Phantásien, in die Bastian mittels eines Buchs reist. Er muss dahinter kommen, von welcher unheimlichen Gefahr Fantasien bedroht wird, da immer größere Teile dieser Welt im Nichts verschwinden. Ende selbst verweigerte die Antwort auf die Frage, was hinter seiner „Unendlichen Geschichte“ für eine Botschaft verborgen sei, er sagte: Jede Interpretation sei richtig, wenn sie gut sei.

Elfie Donnelly „Bibi Blocksberg“ (ab 1980)

Im fiktiven Neustadt leben zwei kuriose Bewohner, die von der Autorin Elfie Donnelly erfunden wurden: der sprechende Elefant Benjamin Blümchen und die kleine Hexe Bibi Blocksberg. Die beiden Figuren teilen sich ein gemeinsames Universum, kommen aber in aller Regel nur einzeln darin vor. Es gibt jedoch einen Band von Bibi Blocksberg, wo sie Benjamin Blümchen begegnet. Für ältere Kinder gibt es das Spin-Off „Bibi & Tina“, wo Bibi Blocksberg auf einem Reiterhof mit ihrer Freundin Tina Abenteuer erlebt.

Astrid Lindgren „Ronja Räubertochter“ (1981)

Die großartige Astrid Lindgren ist die wahrscheinlich bedeutenste Kinderbuchautorin Europas und eine große Pädagogin. In ihren Geschichten schildert sie häufig ihre eigene Kindheit in Schweden und das Leben auf dem Land, wie in „Wir Kinder von Bullerbü“ oder „Michel aus Lönneberga“. „Ronja Räubertochter“ spielt auf einer Burg, die in einer schrecklichen Gewitternacht von einem Blitz entzwei gebrochen wurde. Seither leben dort zwei verfeindete Räuberbanden, deren Kinder Ronja und Birk trotz der Feindschaft ihrer Eltern Freundschaft schließen.

Todd Strasser „Die Welle“ (1981)

Ein Lehrer will seinen Schülern verdeutlichen, wie schnell sich ein faschistisches System etablieren lässt. Das Experiment läuft schnell aus dem Ruder und wächst auch dem Lehrer über den Kopf. Die Geschichte beruht im doppelten Sinne auf wahren Begebenheiten: 1967 veranstaltete ein Lehrer in Palo Alto eben dieses Experiment, das sich verselbstständigte, zugrunde legte er Prinzipien, die auch von den Nationalsozialisten bei der Etablierung ihres Regimes benutzt wurden. Beklemmend!

Alle 9 Bände der „Reiterhof Dreililien“-Reihe, später kam noch ein 10. Band hinzu, den besitze ich aber nicht.

Ursula Isbel „Reiterhof Dreililien“ (1983-1988)

Diese Buchreihe über die 15jährige Nell, die gegen ihren Willen mit ihrem Vater und dessen neuer Freundin aufs Land ziehen muss, habe ich unzählige Male gelesen. Nell findet in den Brüdern Jörn und Matty auf dem nahegelegenen Reiterhof Dreililien neue Freunde und doch Gefallen am Landleben. Aus heutiger Sicht spiegeln die Bände auch viel 80er-Jahre-Feeling wider, Nell, Jörn und Matty engagieren sich beispielsweise in der Anti-Atomkraft-Bewegung.

Christine Nöstlinger „Olfi Obermeier und der Ödipus“ (1984)

Olfi Obermeier ist 14 Jahre alt und lebt mit sieben Frauen zusammen. In seiner Familie gibt es überhaupt keine männlichen Wesen außer ihm. Da muss ein Junge ja durchdrehen. Oder? Christine Nöstlinger hat unzählige Kinderbücher geschrieben, sie schreibt mit viel Humor und behandelt alltägliche Konflikte.

Sven Nordqvist „Pettersson und Findus“ (ab 1984)

Pettersson ist ein älterer Herr, der in einem kleinen Haus am Rande eines schwedischen Dorfes wohnt, zur Gesellschaft hat er eine sprechende Katze namens Findus. Der quirlige Kater mischt das Leben des schrulligen Pettersson kräftig auf. Die Bücher sind liebevoll illustriert.

Gudrun Pausewang „Die Wolke“ (1987)

Gudrun Pausewang verfasste politische und sozialkritische Bücher für Kinder und junge Erwachsene, in ihrem bekanntesten Werk „Die Wolke“ ebenso wie in „Die letzten Kinder von Schewenborn“ thematisiert sie die Gefahren der Atomkraft. „Die Wolke“ erschien ein Jahr nach der Katastrophe von Tschernobyl und verlegt den Reaktorunfall nach Fulda.

Virginia Vail „Tierarztpraxis, Birkenallee 7“ (1988)

Die Serie ist nur noch antiquarisch erhältlich, sie spielt, wie der Name bereits sagt, in einer Tierarztpraxis, wo verschiedene tierische Patienten und ihre Schicksale thematisiert werden. Die Bücher vermitteln den richtigen Umgang mit Tieren, aber auch verschiedene Umweltschutz- und Massentierhaltungsproblematiken.

Justus Pfaue „Laura & Louis“ (1989)

Justus Pfaue lieferte in den 70er und 80er Jahren die Drehbücher zu den beliebten ZDF-Weihnachtsserien, wie „Patrick Pacard“, „Timm Thaler“ oder „Anna Ballerina“. Zu diesen Fernsehserien gibt es auch Bücher von ihm. Eines meiner liebsten war und ist „Laura & Louis“, das 1989 mit Patrick Bach auch im ZDF als Serie lief. Erzählt wird die Geschichte eines Theologiestudenten, der sich in Mailand um Straßenkinder kümmert.

Auf dem Cover von „Laura und Louis“ sind die Darsteller der ZDF-Serie abgebildet

Werner Holzwarth „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ (1989)

Dieses kleine Büchlein lag früher im Elternhaus einer Freundin auf der Gästetoilette und dort habe ich bei jedem „Geschäft“ mit Begeisterung darin geblättert. Der kleine Maulwurf hat ein Häufchen auf seinem Kopf und will wissen, wer ihn da „beschissen“ hat. Liebevoll (und anschaulich) illustriert von Wolf Erlbruch.

Erhard Dietl „Die Olchis“ (ab 1990)

„Die Olchis“ sind Anarchie pur! Sie leben auf einer Müllhalde, ernähren sich von Ekelhaftigkeiten und sind auch sonst herrlich widerlich. Erhard Dietl hat von seinen kleinen grünen Nervbacken inzwischen bald dreißig Bände veröffentlicht. Sie richten sich an ErstleserInnen, eigenen sich aber auch hervorragend zum Vorlesen, weil auch Eltern ihren Spaß daran haben.

Ulrike Swennen „Neue Abenteuer mit Black Beauty“ (1992)

Ulrike Swennen hat nicht die Ur-Bücher über den wilden schwarzen Hengst Black Beauty geschrieben, sondern eine Neu-Fassung. Um 1900: Vicky und ihre Stiefmutter folgen ihrem Vater nach Neuseeland, wo dieser für die Familie eine neue Existenz aufgebaut haben wollte. Doch der Vater ist nie Down-under angekommen. Die Frauen müssen sich allein auf der fremden Insel zurechtfinden. Vickys Leben verändert sich, als sie einem freilaufenden schwarzen Pferd begegnet.

Brigitte Blobel „Neues vom Süderhof“ (1994)

Brigitte Blobel ist die Autorin einer Vielzahl von Teenager-Romanen über das Erwachsenwerden, die erste Liebe und alle Probleme, die damit einhergehen. „Neues vom Süderhof“ spielt auf einem alten Bauernhof, wo der Tierarzt Dr. Brendel mit seiner Familie lebt. Sie haben viele Haustiere und insgesamt fünf Kinder, wobei Brendels auch Pflegekinder aufgenommen haben. Die Romane wurden in den 90ern als Familienserie verfilmt.

Sam McBratney & Anita Jeram „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?“ (1994)

„Bis zum Mond und zurück“ ist die Antwort auf die im Titel gestellte Frage. Der große braune Hase begleitet den kleinen braunen Hasen mit viel Liebe ins Leben. Zu der erfolgreichen Buchreihe gibt es seit 2021 eine australische Zeichentrickserie.

Philip Pullman „Der goldene Kompass“ (1995)

„Der goldene Kompass“ ist der erste Teil einer Fantasy-Trilogie, der 2006 mit Nicole Kidman und Daniel Craig verfilmt wurde. In der Welt, die der die Trilogie spielt, haben Menschen Dämonen, die sie in Gestalt von Tieren begleiten.

J.K. Rowling „Harry Potter“ (1997-2007)

Unangefochten auf dem Spitzenplatz der neueren Klassiker steht J.K. Rowlings Harry Potter, inzwischen ein Franchise aus Büchern, Filmen, Hörspiele, Spielzeug und vielem mehr. Die eng verflochtenen Handlungsstränge und der Detailreichtum der Bücher wird in den Filmen nur unzureichend übernommen, wer Harry Potter in seiner ganzen Genialität erfahren will, muss die sieben Bände lesen.

Gudrun Pausewangs Bücher haben mich als Jugendliche sehr beschäftigt

Das waren meine liebsten Kinder- und Jugendbücher des 20. Jahrhunderts, demnächst gibt es noch eine Fortsetzung mit Büchern, die jünger als 2000 sind und das Potenzial zu echten Klassikern haben.

Meine liebsten Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur (Teil 1)

Der große Erich Kästner sagte wohl einmal: „Ein Buch, das es nicht wert ist von einem Erwachsenen gelesen zu werden, ist auch nicht wert, von einem Kind gelesen zu werden.“ Nach diesem Grundsatz habe ich auch im Erwachsenenalter noch viele Kinder- und Jugendbücher gelesen und entdecke, nicht erst durch unseren Sohn, nach wie vor neue für mich. Hier möchte ich einmal meine Liebsten zusammentragen, die Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist kein Ranking, sondern lediglich eine Sammlung. Vielleicht ist ja das eine oder andere dabei, das ihr noch nicht kennt, und ganz sicher habe ich ein paar vergessen, die ihr gern in den Kommentaren ergänzen dürft.

Eine Auswahl der angesprochenen Bücher

18. Jahrhundert

Die ältesten Exemplare meiner Empfehlungen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie gehören zu den klassischen Abenteuererzählungen.

Daniel Dafoe „Robinson Crusoe“ (1719)

Die Geschichte des Schiffbrüchigen Robinson Crusoe, der achtundzwanzig Jahre allein auf einer Insel lebte, kennt vermutlich jedes Kind. Ich finde, es sollte auch jedes gelesen haben!

Jonathan Swift „Gullivers Reisen“(1726)

Der irische Schriftsteller Swift war ein begnadeter Satiriker, die Ur-Ausgabe von „Gullivers Reisen“ deshalb auch voll beißendem Witz und als Sozialkritik gedacht. Um diese Spitzen beschnitten erlangte das Buch über Gullivers Abenteuer in Lilliput und bei den Riesen Weltruhm als Kinderklassiker.

19. Jahrhundert

Viele meiner Lieblingsbücher stammen aus dem 19. Jahrhundert, sie könnten heute ebenso als Geschichtslektion gelesen werden, aber sie transportieren auch zeitlose Messages. Es ist die Ära der Abenteuerromane, aber auch zahlreicher Gesellschafts- und Sittenromane und natürlich fallen auch die klassischen Märchen der Romantik in diese Zeit. Außerdem finden Sci-Fi-Fans hier die Klassiker, auf denen heutige Science-Fiction immer noch beruhen.

Die Gebrüder Grimm „Kinder- und Hausmärchen“ (1812-1858)

Jakob und Willhelm Grimm gehören zu den bekanntesten Märchensammlern der deutschen Romantik. Jedes Kind kennt „Aschenputtel“, „Dornröschen“ oder „Hänsel und Gretel“. Es lohnt sich aber auch einmal die weniger bekannten Märchen zu lesen. Und sehenswert sind die Neu-Verfilmungen der ARD-Sendeanstalten unter dem Titel „Sechs auf einen Streich“. Seit 2008 produzieren sie jedes Jahr zu Weihnachten neue Märchen-Filme und die bekanntesten deutschen SchauspielerInnen geben sich darin die Ehre.

EIne besonders schöne Ausgabe der Grimms Märchen mit Illustrationen der Landshuter Malerin Marlene Reidel
Die Illustration zu „Die 7 Raben“

Mary Shelley „Frankenstein“ (1818)

Mary Shelleys „Frankenstein“ ist ein Klassiker der Gruselliteratur. Der Wissenschaftler Frankenstein erschafft eine Kreatur und haucht ihr Leben ein, bald wendet sich der Erschaffene gegen seinen Schaffer.

Eine schön illustrierte Ausgabe von „Frankenstein“

Wilhelm Hauff „Zwerg Nase“ (1826)

Weniger bekannt, aber nicht minder lesenswert, sind die Märchen von Wilhelm Hauff. Eines der bekanntesten ist das von Zwerg Nase, der von einer bösen Zauberin verwünscht wird und eine lange Odyssee hinter sich bringen muss, um wieder er selbst zu werden.

Hans Christian Andersen „Die kleine Meerjungfrau“ (1837)

Bekannte Märchen, die nicht zum Zyklus der Grimm’schen Märchen gehören, sind höchstwahrscheinlich vom Dänen H.C. Andersen. Seine Märchen sind verspielter und leider sehr oft auch tragischer als die Grimm’schen. Disney hat der „Kleinen Meerjungfrau“ ein Happy-End geschenkt, bei Andersen hatte sie keins.

Charles Dickens „Eine Weihnachtsgeschichte“ (1843)

Dickens Weihnachtsgeschichte, in der dem bösartigen Mr. Scrooge nacheinander die Geister der vergangenen, der diejährigen und der zukünftigen Weihnacht begegnen, ist eine Geschichte der Läuterung und der Versöhnung.

Alexandre Dumas „Die drei Musketiere“ (1844)

Der französische Schriftsteller Dumas hat mit seinem Abenteuerroman über „Die drei Musketiere“ Arthos, Portos und Aramis einen Klassiker über Zusammenhalt und unverbrüchliche Freundschaft geschaffen. Einer für alle und alle für einen!

Herman Melville „Moby Dick“ (1851)

Ein weiterer Klassiker der Abenteuerliteratur ist Melvilles Meisterwerk über einen weißen Wal und seinem von hasszerfressenen Widersacher Kapitän Ahab.

Kapitän Ahabs Schiff in der Illustration von „Moby Dick“

Lewis Carroll „Alice im Wunderland“ (1865)

Carrolls Klassiker gehört zu den Nonsens-Erzählungen. Wenn Alice durch den Kaninchenbau in die verrückte Welt des Wunderlandes fällt, verlässt sie die Realität mit all ihren Gesetzmäßigkeiten. Durch Kuchenessen kann man dort riesengroß wachsen oder zum Winzling schrumpfen, die boshafte Herzkönigin regiert ein Heer aus Spielkarten und drangsaliert ihre Untertanen. Kongenial die Verfilmung von Tim Burton.

Louisa May Alcott „Little Women“ (1868)

Die anrührende Geschichte der Schwestern Beth, Jo, Meg und Amy erzählt von Träumen und der Schwierigkeit sie in die Tat umzusetzen, aber auch von Geschwisterliebe und Fantasy, die vieles leichter ertragen lassen.

Jules Verne „20.000 Meilen unter dem Meer“ (1869)

Jules Vernes Romane sind Klassiker der frühen Science-Fiction. Ob nun in einem Ballon „in 80 Tagen um die Welt“, „Eine Reise zum Mittelpunkt der Erde“ oder mit Kapitän Nemo an Bord der Nautilus „20.000 Meilen unter dem Meer“, Vernes Abenteuerromane ziehen immer noch in ihren Bann.

Mark Twain „Tom Saywer und Huckleberry Finn“ (1878)

Mark Twain ist das Pseudonym eines us-amerikanischen Schriftstellers. In seinen Abenteuergeschichten um Tom Sawyer und Huckleberry Finn skizziert er das Leben in den Südstaaten der USA. Den alltäglichen Rassismus schildert er mit spitzer Zunge und reichlich Gesellschaftskritik, seine frechen Titelhelden durchschauen die Vorurteile und brechen mit ihnen.

Johanna Spyri „Heidi“ (1880)

Die Schweizerin Spyri schuf mit ihren „Heidi“-Büchern eine idealtypische Welt der schweizer Almwirtschaft. Die verwaiste Titelheldin wird von ihrer Tante, bei der sie seit dem Tod ihrer Eltern aufwuchs, auf der Almhütte ihres Großvaters abgeladen, der sich künftig um das Kind kümmern soll. Der griesgrämige Alte und das kleine Mädchen freunden sich rasch an. Internationale Bekanntheit erlangte das Werk durch die japanische Zeichentrickserie aus den 90er Jahren und unzählige Realverfilmungen.

Howard Pyle „Robin Hood“ (1883)

Wer kennt ihn nicht? „Robin Hood“, der Rächer der Unterdrückten. Er stiehlt den Reichen und gibt den Armen. Seine Legende reicht weit zurück, eine der bekanntesten Aufzeichnungen dieser klassischen Geschichte von Gerechtigkeit und Freundschaft schrieb Howard Pyle. Zuckersüß ist die Verfilmung von Disney, in der Robin ein Fuchs und auch alle anderen Figuren Tiere sind.

Robert Louis Stevensen „Die Schatzinsel“ (1883)

Der Schotte Stevensen begründet die klassischen Schatzsucher-Abenteuer mit diesem Meisterwerk über einen alten Piratenschatz. Die Geschichte ist an die zwanzig Mal verfilmt worden.

Emmy von Rhoden „Der Trotzkopf“ (1885)

Ein Buch, das ich viele Male gelesen habe. Ilse Mackett ist ein Wildfang, der im feinen Internat für höhere Töchter den für die Gesellschaft nötigen Schliff erhalten soll, tatsächlich lernt sie sich dort zu benehmen, aber vor allem schließt sie Freundschaften fürs Leben. Und ihre Unangepasstheit lässt sie sich nie ganz abtrainieren. Herzerwärmend auch die Verfilmung von 1983 mit Anja Schüte in der Titelrolle.

Weihnachten im Internat, eine Illustration aus „Trotzkopf“

Frances Hodgson Burnett „Sara, die kleine Prinzessin“ (1888)

Die kleine Sara kommt als Halbwaise ins Internat nach England, dort lebt sie behütet und wohl begütert, bis aus Indien die Nachricht kommt, dass ihr Vater gestorben ist. Von nun an hat Sara kein Vermögen mehr und ist auf die Gnade der Internatsleiterin angewiesen, damit sie sie nicht vor die Tür setzt. Mit Hilfe des Dienstmädchens Becky und ihrer Fantasie gelingt es ihr, sich einen Platz in der Welt zu behaupten.

Karl May „Der Schatz im Silbersee“ (1890)

Karl May gilt als der Vater der Westernliteratur, obwohl er selbst nie in Amerika war. Seine bekannteste Figur ist der Apachen-Häuptling Winnetou (unsterblich geworden durch die Darstellung von Pierre Brice in zahlreichen Verfilmungen) und dessen beliebstestes Abenteuer ist „Der Schatz im Silbersee“.

Rudyard Kipling „Das Dschungelbuch“ (1894)

Die Geschichte von Mogli, der unter Wölfen aufwuchs und einen Panther und einen Bären zum Freund hat, kennt man am besten aus der Disney-Version. Aber auch der Originaltext von Rudyard Kipling verdient es gelesen zu werden.

Bram Stoker „Dracula“ (1897)

Der Ire Stoker schuf mit „Dracula“ den wohl bekanntesten Vampir der Literaturgeschichte und legte damit viele grundlegende Regeln für dieses Genre fest. Der Klassiker der Gruselliteratur erzählt aber gleichzeitig die Geschichte einer unsterblichen Liebe.

Demnächst gibt es meine liebsten Kinder- und Jugendbücher des 20. Jahrhunderts. Fortsetzung folgt!